Freitag, 31. Dezember 2021

Gelesen: Vergeltung

Vergeltung von Robert Harris (Roman)
Aus dem Amerikanischen "V2"
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-27209-5

Warum dieses Buch? Ein Spontankauf, der Name des Autors zog mich an, ich habe mehr von ihm.

Klappentext
"November 1944. Das Deutsche Reich steht vor der Niederlage. In einer Großoffensive setzt es seine modernste Waffe ein - die V2. Tausende dieser ballistischen Raketen mit schwerem Sprengkopf werden auf England abgeschossen. Radar und Aufklärer können sie nicht orten - wie aus dem Nichts stürzen sie mit Überschallgeschwindigkeit auf London herab.
Der Ingenieur Rudi Graf hat mit seinem Freund Wernher von Braun einst davon geträumt, einmal eine Rakete zum Mond zu schicken. Jetzt findet er sich im besetzten Holland wieder, wo er die technische Aufsicht über die Abschüsse hat. Vom Krieg ist er längst desillusioniert. Inzwischen ermittelt gar ein NS-Führungsoffizier wegen Sabotageverdacht gegen ihn.

Kay Caton-Walsh, Offizierin im Frauenhilfsdienst der britischen Luftwaffe, entkommt einem V2-Einschlag nur knapp. Als kurz darauf 160 Menschen von einer der Raketen getötet werden, vor allem Frauen und Kinder, meldet sie sich freiwillig zu einer lebensgefährlichen Mission. Zusammen mit Kameradinnen wird sie im befreiten Belgien abgesetzt. Dort sollen sie die mobilen Startplätze ausfindig machen und zerstören.

Das Schicksal wird Kay und Rudi schließlich aufeinandertreffen lassen."

Rückseite:
Ein deutscher Raketenforscher.
Eine junge englische Offizierin.
Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit.

"Europa, 1944:
In einem letzten Aufbäumen setzt das Deutsche Reich seine modernste und tödlichste Waffe ein. Zehntausend V2-Raketen mit tonnenschwerem Sprengkopf sollen auf England niedergehen. Schon jetzt gibt es Tausende Opfer unter der Bevölkerung. Der Deutsche Rudi und die Engländerin Kay sind Feinde. Ein Ziel jedoch eint sie. Sie wollen den Wahnsinn beenden."

Die Geschichte ist im Klappentext gut beschrieben. Sie basiert auf wahren Begebenheiten, die Personen des Romans sind, bis auf wenige Ausnahmen, fiktiv. Trotz des ernsten Themas liest sich das Buch flüssig und ist einigermaßen spannend. Das Aufeinandertreffen der beiden Hauptpersonen nach dem Krieg ist allerdings nur kurz beschrieben.

Kann man lesen, muss man aber nicht.

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Gelesen: Die GlasperlenMädchen

Die Glasperlenmädchen von Lisa Wingate (Roman)
Aus dem Amerikanischen "The Book of Lost Friends"
Limes/Penguin Random House
ISBN 978-3-8090-2739-3

Warum dieses Buch? Ein Spontankauf.

Klappentext/Rückseite:
«Blau ist die Farbe der Treue. Diese Perlen bedeuten, dass wir immer zusammenhalten, egal wo wir sind...»

1875: Nachdem der Amerikanische Bürgerkrieg das Land ins Chaos gestürzt hat, werden drei Frauen auf ihrer Reise nach Texas zu Weggefährtinnen: Lavinia, die Tochter weißer Plantagenbesitzer, ihre Halbschwester Juneau Jane sowie Hannie, eine ehemalige Sklavin.
Während Lavinia und Juneau um ihr Erbe kämpfen, sucht Hannie nach ihrer Familie, die vor langer Zeit von Sklavenhändlern verschleppt wurde. Einzig drei blaue Glasperlen sind Hannie als Erkennungsmerkmal geblieben, sollte sie ihre Liebsten je wiedersehen...

1987: Als die Lehrerin Benedetta die Schule in Augustine, Louisiana, betritt, ist nichts wie erwartet - schon gar nicht ihre Schüler. Erst als sie die Klasse für die Vergangenheit begeistert, ändert sich alles.

Inspiriert von einer wahren Begebenheit.

Kapitelweise wechseln sich zwei Handlungsstränge ab, und anfangs ist es etwas irritierend, dass sie so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen:

Die Lehrerin Benny kommt an eine Schule, deren SchülerInnen aus überwiegend bildungsfernen Familien stammen, meist sind es Farbige, obwohl das nicht explizit gesagt wird. Es sind Kinder, die laut, wild, rüpelhaft sind, ohne jegliche Motivation. Die einzige Anforderung der Schulleitung: Dafür zu sorgen, dass sie während der Schulstunden nicht im Flur herum rennen.

Benny konnte ein Häuschen beziehen, das, reparaturbedürftig, am Rande eines alten Friedhofes liegt. Bei ihren Erkundungsspaziergängen trifft sie auf das alte und verlassene Herrenhaus der ehemaligen Plantage, wo sie durch das Fenster eine große Bibliothek erblickt. In ihrem Kopf entwickelt sich ein Plan, wofür es notwendig ist, Kontakt zum Besitzer, einem Erben der ehemaligen Plantagenfamilie, aufzunehmen.

Ganz allmählich kann sie ihre Schüler für ihre Idee, mittels der alten Aufzeichnungen die Vergangenheit des Ortes und ihrer Familien zu erforschen, begeistern, stößt aber bei den wohlsituierten Familien, deren Kinder eine andere Schule besuchen, auf heftigen Widerstand.

Gleichzeitig lernen wir die 18jährige ehemalige Sklavin Hannie kennen, die als Junge verkleidet sich auf den Weg macht, um Lavinia und Juneau Jane auf ihrer Suche nach dem Rechtsanwalt ihres Vaters zu begleiten. Sie möchten in den Besitz der Papiere kommen, der ihre Erbschaft sichert. Sie haben allerlei gefährliche Abenteuer zu bestehen, finden aber auch Helfer unterwegs.

In einer Kirche, in der sie - krank und ausgehungert - ein paar Tage übernachten, finden sie Zeitungsseiten mit Vermisstenanzeigen, viele einst in die Sklaverei verschleppte Menschen sind auf der Suche nach ihren Angehörigen. Diese Zeitung erscheint in vielen Staaten, und die Anzeigen werden von den Pastoren in den Kirchen verlesen.

Da Hannie ihre Familienmitglieder vermisst, beginnt sie, für diese Idee zu brennen, lässt sich von Juneau Jane das Lesen und Schreiben beibringen und gemeinsam notieren sie von allen Leuten, die sie unterwegs treffen, die Vermisstenanzeigen in einem kleinen Buch.

Diese Zeitungsanzeigen sind im Buch zwischen den Kapiteln abgedruckt, und ganz allmählich erschließt sich der Leserin, wie beide Handlungsstränge verknüpft werden. Die SchülerInnen finden bei ihren Recherchen ihre eigenen Familien wieder, tragen teilweise auch deren historische Namen.

Mehr möchte ich zur Handlung nicht sagen. Es ist ein großartiges Buch über Vergangenheitsbewältigung und Identitätsfindung und zeigt, wie die Geschichten aus der Vergangenheit unser Leben in der Gegenwart beeinflussen.

Es ist ein absolut großartiger historischer Roman, den ich gern empfehle!

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Schach

 Am zweiten Weihnachtsfeiertag war mein Sohn hier.

Wie gewünscht, gab es einen "leichten Kuchen mit Obst, aber ohne Mandarinen" - als leidenschaftliche Hobby-Bäckerin kein Problem. Es wurde eine "Torta Paradiso" mit Pfirsichen.

Ich freue mich immer sehr, wenn der (riesige) Rest dann eingedost und mitgenommen wird.

Wieder einmal waren wir im Keller und haben seine Kindersachen durchgeschaut zwecks Mitnahme. Dabei fiel uns sein Schachspiel in die Hände. Ich hatte sowieso vor, mir das Spiel wieder draufzuschaffen (denn Enkel01 wünscht sich und bekommt eines zum Geburtstag), hatte als Mädchen mit meinem Bruder gespielt und immer (!) verloren, aber egal. Mein Sohn hatte es von einem Tunesien-Urlaub (mit Oma, Opa, Vater & Anhang, Onkel & Anhang) mitgebracht. Lang, lang ist's her.

Beim Aufbau stellten wir fest, dass die Figuren nicht vollständig sind. Also haben wir die fehlenden durch Legosteine (Riesenkiste für die Enkel steht ja bei mir) ergänzt.

Stundenlang haben wir gespielt und uns ganz herrlich amüsiert!


Das Ergebnis: Das Schachspiel bleibt bei mir, und ich werde neue Figuren besorgen, denn wir möchten gern künftig mehr spielen, es hat uns viel Freude bereitet.

(Und im Keller sind Dinge - Technikbaukästen und Lego Technik vor allem, auch ein paar Bücher - die ich demnächst nach und nach raufholen und den Enkeljungen anbieten kann.)

Samstag, 25. Dezember 2021

Alle Jahre wieder

Guten Morgen am ersten Weihnachtsfeiertag,

erst jetzt komme ich dazu, die obligatorischen Festtagswünsche zu hinterlassen, spät, aber nicht zu spät!

Mein treuer Stammleser möge mir verzeihen, dass es nicht zu einer Mail gereicht hat, es war hier in den letzten vierzehn Tagen alles ein bisschen viel für mich.

Erst wackelte meine Gesundheit zwischen dem dritten und vierten Advent, dann hatte ich einen Wasserschaden, hinzu kam eine grantelnde Mama, weil ihr Fernseher es nicht mehr tat, der gelieferte dann angeblich defekt war, die Retoure etwas kompliziert, weil das Gerät ja nicht bei mir und ich nicht vor Ort war - an dieser Stelle einen Dank an den großartigen Amazon-Kundendienst! Erkrankte Familienmitglieder, so dass bis zum Schluss nicht klar war, ob "unser Heiligabend" hätte evtl. ausfallen müssen, nun ein anderes Familienmitglied mit vermutlich Corona-Infektion... 

Immerhin konnte ich aber trotz angeschlagener Gesundheit allerlei Kekse backen, beim Eintüten dachte ich an den netten Kollegen, der alle die Jahre uns in der Firma zu Nikolaus mit wundervollen selbstgebackenen Keksen bedacht hat. Vielleicht macht er es noch? An die Qualität reichen meine natürlich nicht heran.

Letztlich hatten wir einen schönen Heiligen Abend mit - wie es sich gehört - aufgeregten Kindern, die wieder mal den Weihnachtsmann verpasst haben...

Nun ist Weihnachten noch nicht zu Ende, ein wenig Programm habe ich noch, ich hoffe, stressfrei und angenehm. Und dann geht es aufs Jahresende zu, wieder zwölf Monate geschafft, auf in das dritte Corona-Jahr. Es könnte eine neue Zeitrechnung werden...

Habt eine schöne Zeit, lasst Euch nicht stressen und bleibt gesund!

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Gelesen: Ich finde dich

Ich finde dich von Harlan Coben (Thriller)
(Originaltitel ist nicht genannt)
Taschenbuch von Eder & Bach
ISBN 978-3-945386-88-0

Warum dieses Buch? Der Autor ist eine meiner Entdeckungen in diesem Jahr, da konnte ich spontan zugreifen.

Klappentext/Rückseite:
"Natalie war die Liebe seines Lebens. Doch sie hat ihn verlassen, hat wie aus dem Nichts einen anderen Mann geheiratet, und Jake Fischer war am Boden zerstört. Bei ihrem Abschied musste er Natalie zudem schwören, sie zu vergessen, sie nie mehr zu kontaktieren. Doch als sechs Jahre später etwas Unglaubliches geschieht, bricht Jake sein Versprechen - und macht sich auf die Suche nach Natalie. Eine Suche, die seine eigene gutbürgerliche Existenz für immer zerstört. Ihm wird klar, dass die Frau, die er zu lieben glaubte, niemals wirklich existiert hat."

Jake, mittdreißigjähriger Universitätsprofessor, macht sich auf die Suche, recherchiert, trifft Menschen aus der Vergangenheit und scheucht dadurch Leute auf, die in der Folge hinter ihm her sind und ihm nach dem Leben trachten. Er lässt sich dadurch nicht bremsen, bis er das Geheimnis um die Frau seines Lebens (und nebenbei einiger anderer Menschen) gelüftet hat.

Das ist ein typischer Thriller von Harlan Coben, man fiebert mit, kann das Buch kaum aus der Hand legen, denn jede Minute passiert wieder etwas. In atemberaubendem Tempo entwickelt sich die Geschichte bis hin zum erhofften Happy End. So weit, so gut.

Ich empfand die Geschichte als "an den Haaren herbei gezogen" konstruiert, gelegentlich verwirrten mich die Zusammenhänge auch. Ich hätte mir ein etwas anderes Motiv für alles und ein paar weniger blutige Morde gewünscht.

Insgesamt fühlte ich mich aber gut unterhalten.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Gelesen: Golden Darkness

Golden Darkness
Stadt aus Licht & Schatten von Sarah Rees Brennan (Fantasy/Jugendbuch)
Aus dem Englischen "Tell the Wind and Fire"
Ravensburger Buchverlag
ISBN 978-3-473-40174-1

Warum dieses Buch? Man darf mich einfach nicht auf eine Buchhandlung loslassen. Außerdem: Das Cover hat Schuld.

Klappentext
"Er zog mich auf seinen Schoß, beugte den Kopf herab und drückte mir einen Kuss auf die Lippen, kurz und heiß wie ein Sonnenstrahl, der auf eine Glasscheibe trifft. Er hielt meine Hände an seine Brust gepresst und hinderte mich mit einem Bein daran, zu entkommen.
Ethan ließ mir immer die Möglichkeit, eine Berührung oder einen Kuss zu beenden. Noch nie hatte er mich so angefasst, dass ich mich gefangen fühlte.
Er sah vertraut aus, aber er fühlte sich nicht vertraut an. Er lächelte mich an und als ich dieses süße, freche Grinsen erkannte, schien der weiße Raum zu verschwimmen, als wären wir auf einmal unter Wasser.
"Hi Süße", sagte der Doppelgänger."


Rückseite:
"Die junge Lichtmagierin Lucie weiß, wie man überlebt: mit der perfekten Maskerade. Seit sie aus der verarmten Dunkelstadt Brooklyn in die reiche Lichtstadt Manhattan geflohen ist, spielt sie das brave, dankbare Mädchen an der Seite des wohlhabenden Ethan. Doch Lucies scheinbar heile Welt gerät aus den Fugen, als ein geheimnisvoller Fremder auftaucht: Carwyn, ein Magier aus der Dunkelstadt mit einer spöttischen Zunge, einem gefährlichen Lächeln - und Ethans Gesicht."

In einem New York der Zukunft, unterteilt in eine Licht- und eine Dunkelstadt, herrscht eine Handvoll reicher "Lichtmagier" und bestimmt das Schicksal der armen Leute. Licht- und Dunkelmagier leben in einer seltsamen Symbiose, dazu kommen die Doppelgänger, die erschaffen werden, um Leben zu retten, selber aber in der Dunkelheit bleiben müssen.

Es kommt zu einer Rebellion, in der Lucie, Ethan und sein Doppelgänger Carwyn Schlüsselrollen spielen, alle drei 17jährige Teenager.

Eine Geschichte um Liebe, Vertrauen und Schuld in einer Welt, die ganz ordentlich ausgestaltet ist, der aber trotzdem ein wenig Feintuning noch gut getan hätte.

Keine große Literatur, aber eine Geschichte, die sich gut weg liest und dabei unterhält.

Dienstag, 14. Dezember 2021

Gelesen: Die Bertinis

Die Bertinis von Ralph Giordano (Roman)
S. Fischer Verlag/Lizenzausgabe für den Bertelsmann Club
Erschienen 1982
- keine ISBN -

Warum dieses Buch? Das Buch ist seit den 1980er Jahren im Familienbesitz, und ich hatte es seinerzeit bereits gelesen. Nach der Lektüre des Buches von Hans-Jürgen Massaquoi war es mir ein Anliegen, der gedanklichen Vollständigkeit halber, diesen Roman noch einmal zu lesen.

Klappentext:
"Eine großangelegte Familien-Saga, ein exemplarischer Zeitroman. Ralph Giordano erzählt vom Schicksal der Familie Bertini in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Die Bertinis - der Vater ist italienischer, die Mutter jüdischer Herkunft - gehören nach der unheilvollen Definition der Nazis zu den Menschen, die nicht "deutsch" sein dürfen, die drei Söhne gelten nach einer widerlichen Sprachregelung der Zeit als "Mischlinge". Damit gerät die Familie wie viele andere in den grausamen Strom nationalsozialistischer Verfolgung, ihr droht die Deportation und das von Hitlers Schergen ersonnene Inferno.
Die Vorgeschichte beginnt Ende des letzten Jahrhunderts*, die eigentliche Handlung setzt vor 1933 ein und führt bis in die ersten Nachkriegsjahre. Ihr Schauplatz ist Hamburg - von den Elbvororten bis zum Stadtpark, von Barmbeck** im Norden bis zum Hafen im Süden, mit unvergeßlichen, in den dramatischen Ablauf verwobenen Gestalten, Bildern, Situationen. Fast unglaublich ist diese Geschichte: Der Autor hat mit seiner Phantasie die nackte Realität überhöht; es ist ihm gelungen, eine sinnfällige Schilderung von Menschen unter unmenschlichen Bedingungen zu schaffen. Giordano schildert die kleinen Leute mit ihren Schwächen unter dem grausamen Druck des herrschenden Bösen, mit ihren liebenswerten Zügen, mit dem Ausmaß des ihnen zugefügten Leides und der Fähigkeit zum Überleben. Nichts wird geschönt, keine bittere Erkenntnis verschwiegen. Doch was immer es an Furchtbarem gab: die Liebe zu Hamburg; diese ganz unsentimentale Heimatliebe, bleibt unerschüttert und ist entscheidend für die Zukunft der Bertinis.

*letztes Jahrhundert aus der Sicht von 1982

** damals übliche Schreibweise, heute "Barmbek"

Ralph Giordano, geboren 1923 in Hamburg und dort aufgewachsen, durchlitt in seiner Heimatstadt ab 1933 als rassisch Verfolgter Schikanen und Grausamkeiten der nationalsozialistischen Machthaber. Nach dem Kriege war er als Journalist tätig. Seit 1964 trat er mit zahlreichen vielbeachteten Fernsehdokumentationen für den Westdeutschen Rundfunk und den Sender Freies Berlin hervor."

- Alte Rechtschreibung, so abgetippt vom Klappentext. Das Buch ebenso, aber nach dreimal stutzen über die "ß" las es sich flüssig -

Puh. Was für ein Buch!
Der Inhalt ist im Klappentext ausführlich dargelegt. Deshalb nicht mehr dazu.

Zunächst merkte ich, dass sich die Schreib- und Lesegewohnheiten seit Erscheinen des Buches massiv verändert haben. Ich kann nicht genau sagen, ob es die langen Sätze oder die Ausdrucksweise "an sich" sind, aber es braucht ein bisschen Eingewöhnung in den altertümlich anmutenden Stil. (Ich hatte diesen Eindruck nicht als junge Frau, also hat sich unser Sprachgebrauch gewandelt.)
Ist man nach ein paar Seiten erstmal drin in der Geschichte, liest sich der Roman aber flüssig. Da es über 700 Seiten sind, braucht die Lektüre ein paar Tage...

Für mich persönlich war es - nach dem oben genannten Buch von H.-J. Massaquoi - ein weiterer  Aufenthalt in Hamburg-Barmbek, wo ich von 1957 bis 1977 aufgewachsen bin, gelebt habe, aber es ist ein Stadtteil, der selbstverständlich vor der "Operation Gomorrha" ein wenig anders ausgesehen haben muss. (Und der aktuell wieder im Wandel begriffen ist.) Trotzdem fiel es mir leicht, mich zu verorten, nur zwei Straßennamen sind im Buch geändert: Ich bin also mit dem Protagonisten durch die Straßen gelaufen, weiß gedanklich die Orte zu finden... Obwohl "zu meiner Zeit" vieles neu und anders war, war manches eben doch erhalten.

Das Buch ist zwar ein Roman und soll ausdrücklich keine Biografie sein, lese ich aber bei Wikipedia über Ralph Giordano und sein Leben, sehe ich, dass das Buch weniger Roman und doch mehr Autobiographie sein muss. (Romanhaft dürften die Befindlichkeiten und Dialoge der Familie sein, selbstverständlich.) Das ganze NS-Regime war so erschreckend brutal, dass der Autor Zeit seines Lebens für Zivilcourage und Nicht-Einschüchterung eingetreten ist.

Ich kann diese Lektüre dringend empfehlen, sie lässt damit jedermann miterleben, wie unglaublich schrecklich und menschenunwürdig die NS-Zeit gewesen ist. Das darf nicht vergessen werden.

Dienstag, 7. Dezember 2021

Dezember

Oh, ist es wieder so weit? Das Jahr geht dem Ende entgegen, dem weihnachtsglitzernden, verordneten jährlichen Familien-Freudentaumel. Alle Jahre wieder, was sonst?

Vorhin war ich draußen zwecks einer kurzfristigen Zahnreparatur und stellte fest: Es geht mir luftmäßig gerade gar nicht gut. Schon seit ein paar Tagen war alles etwas mühsam, aber noch tolerabel. Aber heute? Und mir fiel auf, dass es mir, als ich noch gearbeitet habe, sehr oft, fast regelmäßig so gegangen war. Da habe ich mich aber zügig an den besseren Zustand gewöhnt! Also kein Grund zur Beunruhigung, es wird nur das Wetter sein, welches allerlei Kapriolen schlägt, die Tiefdruckgebiete wechseln sich mit Zwischenhochs ab, nichts Beständiges ist dabei, da kann auch meine Atmung nicht beständig bleiben.

Wird schon wieder werden. Dann stress ich mich heute nicht, kann meine Keksbackambitionen noch ein paar Tage vor mir herschieben. Immerhin ist meine Küchenmaschine jetzt mit dem Ersatzteil wieder einsatzbereit, und die Zutaten können auch ein paar Tage liegen bleiben. Heute also eher lesen oder endlich wieder Steine anmalen. Oder Steine vorbereiten für den Fall, dass die Enkel spontan mal wieder Lust darauf haben sollten.

Kaum zu glauben, dass ich seit zweidreiviertel Jahren Ruheständlerin bin und alles, was mit der Arbeit zusammenhängt, so schnell ganz weit weg in die Vergangenheit gerutscht ist. Dies noch mehr, seitdem meine Nachfolgerin nicht mehr dort ist... Fiel mir vorhin auf, als einer der Firmenwagen praktisch an mir vorbei fuhr. Schick, mit neuer Corporate Identity.

Unser erstes Schulkind (seit August) schreibt bereits Einkaufslisten, sehr konzentriert und ganz korrekt. Ich meine, damit ist er früher dran und besser als meine Kinder waren - hin und wieder fallen mir alte Zettelchen und Briefchen in die Hände. Also knapp fünf Monate Schule, und es wird gelesen und geschrieben. Nächstes Jahr kommt der zweite Junge hin, die Zeit läuft!

Bleibt meine Mutter. Es geht ihr gut im Pflegeheim, letztens hatte ich es bei ihr etwas adventlich dekoriert. Sie ist überwiegend friedlich. Auf Zufriedenheit zu hoffen, wäre vermessen. Die kognitiven Fähigkeiten sind rückläufig, vermutlich normal bei einem biblischen Alter von 95 Jahren.

Nach einem wunderbaren Tag mit Tochter & Mann steht mein Weihnachtsbaum bereits frix und fertig. Da ich am Heiligen Abend bei den Enkeln sein werde - mit dieser Verschiebung war zu rechnen - und ein Teil der Familie nicht in Hamburg sein wird, ich mithin nur am 2. Feiertag Besuch bekomme, habe ich beschlossen, dass ich mich gerne schon jetzt jeden Tag an dem Baum erfreuen mag. Zum zweiten Mal ist er nur mit den "verrückten" Weihnachtsornamenten von (überwiegend) Butlers behangen, die ich mir über mehrere Jahre zusammengekauft habe. (Immer, wenn ich - einige Jahre lang war es so - im November/Dezember arg krank war, habe ich auf dem Heimweg vom Doc Baumhänger als Trösterchen gekauft. So sind es viele geworden...)

Traditionell habe ich mein Leben lang am 24.12. vormittags meist mit der Familie dem Baum geschmückt, aber eine Tradition ist kein Gesetz...

Ich wünsche Euch eine schöne Adventszeit!

Samstag, 20. November 2021

Auf die Schnelle mal festgehalten...

 ... weil ich es einfach gut finde:

"... Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen."

Zitat von hier

Dienstag, 16. November 2021

Gelesen: «Neger, Neger, Schornsteinfeger!»

«Neger, Neger, Schornsteinfeger!» von Hans J. Massaquoi (Autobiografie)
Meine Kindheit in Deutschland
Aus dem Englischen "Destined to Witness"
FISCHER Taschenbuch
ISBN 978-3-596-18029-5

Ich hatte lange überlegt, ob mir google das böse N-Wort im Blog durchgehen lassen wird, nun aber beschlossen, es zu schreiben, da der Titel wohlweislich von Haus aus in Anführungszeichen steht und damit ein Zitat in wörtlicher Rede darstellt.


Warum dieses Buch? Das ist eine etwas längere Geschichte:
Ich bin in Hamburg-Barmbek aufgewachsen, meine Mutter lebte dort noch bis vor gut zwei Jahren. Das ehemalige "Arbeiterviertel" vollzieht derzeit einen Wandel, dazu gehören größere Baumaßnahmen und einige Umgestaltungen. So kam es, dass ich in den letzten Jahren, während der ich meine Mutter besuchte, danach dann ihren Haushalt auflöste, jedes Mal durch eine neu geschaffene "Massaquoipassage" zum Bahnhof ging. Dieser ungewöhnliche Name veranlasste mich zu weiterer Recherche; schon lange hat dieses Buch auf meiner Merkliste gestanden.

Klappentext/Rückseite:
"Als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters wächst Hans-Jürgen Massaquoi in großbürgerlichen Verhältnissen in Hamburg auf. Doch eines Tages verlässt der Vater das Land. Hans-Jürgen und seine Mutter bleiben zurück und ziehen in ein Arbeiterviertel. Als die Nazis die Macht übernehmen, verändert sich ihr Leben grundlegend..."

Vorsatzblatt:
"«Der Führer» kommt nach Hamburg. Die Straßen, durch die sein Konvoi rollt, sind gesäumt von begeistert jubelnden Schulkindern. In dem Meer von blonden und blauäugigen Schülern ein achtjähriger Junge mit brauner Haut, krausen Haaren und - noch - kindlichem Enthusiasmus. Vorerst erreichen ihn nur die Spottverse gleichaltriger Nachbarskinder: «Neger, Neger, Schornsteinfeger!»
Eines Tages aber wird man den Jungen vom Spielplatz jagen mit der schlichten Bemerkung: «Kannst du nicht lesen? Das Betreten dieses Platzes ist nur Ariern erlaubt.»
Hans J. Massaquoi beschreibt in seiner Autobiographie seine Kindheit und Jugend zwischen 1926 und 1948 als einer der ganz wenigen schwarzen Deutschen in diesem Land. Seine Hautfarbe bewahrte ihn unter anderem davor, Nazi zu werden. Und sie verhinderte, dass er in den Krieg geschickt wurde wie viele seiner Mitschüler, die nie zurückkamen."

Jetzt muss ich wieder ganz persönlich werden: Dieses Buch hat mich auf mehreren Ebenen fasziniert. Zum Einen spielt sich die Kindheit von Hans-Jürgen, den seine Freunde nur Mickey nennen, in Barmbek ab, dem Stadtteil meiner Kindheit, und schildert ganz nebenbei den Zustand der Gegend vor dem zweiten Weltkrieg. Zum Anderen ist H.-J. nur wenige Monate vor meinen Eltern geboren, so dass ich ihre jeweilige Kindheit nun besser nachvollziehen kann. Da hat mich dann beim Lesen einiges berührt, auch der zeitweise Sprung über die Elbe nach Harburg, damals ein eher ländlicher Vorort mit Industrie, heute ein Hamburger und mein Nachbar-Stadtteil, war beeindruckend, stand doch zu meiner Kindheit dort noch das eine oder andere geschilderte Fabrikgebäude... (Heute auch ein sanierter und deutlich aufgewerteter Stadtteil.)

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem der Autor einen Überblick über sein Leben gibt. Ab Seite 15 geht es dann los mit seiner Kindheit, von dort an mochte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Alles, was mir ganz allgemein über die Schikanen der Nazis bekannt war, bekommt jetzt im Verhalten gegenüber Kindern eine ganz andere Dimension. Nachbarn wurden zu Blockwarten, Lehrer schikanierten "nicht-arische" Kinder, Ausbildungen wurden verweigert... Dann brach der Krieg über alle herein, schließlich schildert der Autor den aus der Sicht eines Teenagers erlebten Feuersturm über Hamburg... (Meine Mutter hat mir gelegentlich davon erzählt, und das in diesem Buch so wiederzufinden, war nicht ganz einfach für mich.)

Dann die Zeit nach dem Krieg, der Hunger, die Kälte, der Schwarzmarkt, hilfreiche oder gefährliche Bekanntschaften, schließlich hat H.-J. Glück und bekommt einen liberianischen Pass und eine Ausreise nach Liberia, bevor er sich zwei Jahre später seinen Traum erfüllen und nach Amerika auswandern kann.

Das Buch enthält ein Nachwort von Ralph Giordano, mit dem sich H.-J. in der Nachkriegszeit anfreundete. Die Giordanos waren Juden, und ihr Leben hatte einige Parallelen zu seinem Leben. Ralph Giordano ist der Autor von "Die Bertinis", in dem Buch kommt auch "Mickey" vor... (Dieses Buch liegt schon vor mir, es ist im Familienbestand, und ich hatte es in den 80er Jahren schon einmal gelesen...)

Ganz abgesehen von meinen persönlichen Befindlichkeiten kann ich diese Lektüre uneingeschränkt empfehlen, es ist die Dokumentation eines wichtigen Stückes Geschichte und zeigt, wohin Rassismus führen kann und führt.

Gelesen: An jenem Tag in Paris

An jenem Tag in Paris von Alex George (Roman)
Aus dem Englischen "The Paris Hours"
Pendo Verlag/Pieper
ISBN 978-3-86612-494-3

Warum dieses Buch? Zusammen mit zwei anderen Büchern spontan gekauft, als ich nach sehr langer Zeit im Frühjahr zum ersten Mal wieder eine Buchhandlung betreten hatte.

Klappentext/Rückseite:
Vier Leben zwischen Liebe, Schmerz und Hoffnung
"Paris, 1927. Eine Stadt, die von berühmten Künstlern, Schriftstellern und Musikern wimmelt, ein wahrer Schmelztiegel des Genies. Inmitten dieser schillernden Stadt ringen vier ganz normale Menschen mit ihren Geheimnissen: Die ehemalige Haushälterin von Marcel Proust sucht verzweifelt nach einem seiner Tagebücher, das sie heimlich behalten hatte. Ein Journalist kann nicht aufhören, in den Gesichtern der Pariser nach etwas ganz Bestimmten Ausschau zu halten. Ein liebeskranker Künstler ringt mit dem Verkauf seines einzig geldbringenden Gemäldes. Und ein armenischer Flüchtling betreibt Tag für Tag ein ungewöhnliches Marionettentheater. Die Wege dieser vier Pariser werden sich im Laufe eines einzigen Tages auf unvergleichliche Weise kreuzen."

Besser kann man dieses Buch nicht beschreiben.
Jedes der meist kurzen Kapitel schildert einen Moment oder einen Tag aus dem Leben eines der Protagonisten, manchmal weniger Leben und mehr Gedanken und Rückblenden. Alle für sich nehmen den Leser mit auf eine ganz persönliche Suche, und es gibt nicht das, was man unter einem Happy End versteht, obwohl am Ende alle Rätsel gelöst scheinen.

Es ist ein sehr anrührendes und eher melancholisches Buch, das einen mitnimmt in das Paris nach dem ersten Weltkrieg. Ich könnte mir vorstellen, dass Pariskenner sich direkt in den geschilderten Straßen sehen können, es wurden ganz bewusst Wohnviertel anstatt der großen Sehenswürdigkeiten zu Schauplätzen gemacht.

Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und musste hinterher noch tagelang darüber nachdenken.

Montag, 15. November 2021

Geboostert

Hallo und einen Gruß an alle im November...

Schon wieder länger nichts geschrieben hier, irgendwie komme ich gerade nicht dazu, was ein gutes Zeichen ist. Kein Stress, keine Langeweile, gelesen, gebacken... Eine Buchbesprechung ist pending, eine zweite kommt bald dazu. Alles normal also.

Eigentlich wollte ich mir meinen "BioNTech-Booster" (ob man in zehn Jahren noch weiß, was das wohl war?) im Januar beim Facharzt holen, eine Unterhaltung gestern stieß mich mit der Nase drauf, es doch bei meiner Hausärztin zu versuchen. Ich brauchte sowieso ein Rezept. Heute Mittag um zwölf gemailt, um dreizehn Uhr Anruf der Ärztin, um 13:30 Uhr von ihrem Praxis-Co-Doc fachmännisch geimpft worden, digitales Zertifikat inklusive. Ich bin immer noch ganz überrascht, wie einfach das war, besonders, weil es zu Anfang der Impfkampagne/n so schwierig war, überhaupt eine Impfung zu bekommen...

Übrigens, dieser Doc, den ich in gar nicht so guter Erinnerung hatte, erwies sich als ausgesprochen fröhlich, freundlich, höflich, zugewandt und kommunikativ. Vielleicht hatte er seinerzeit nur einfach mal einen schlechten Tag gehabt?

Gerade fiel mir ein, dass ich eigentlich zwei Fotos hier einkleben könnte... zum Geburtstag hatte mich ein großes Paket erreicht mit Pflanzen als Bausatz! Das fand ich recht lustig, das Ergebnis ist sehr schön, es gab lediglich eine Menge Plastikmüll...



Montag, 18. Oktober 2021

Gelesen: Ein Kind Afrikas

Ein Kind Afrikas von Ilona Maria Hilliges (Roman)
Weltbild Verlag
ISBN 978-3-8289-9626-7

Warum dieses Buch? Es ist die Fortsetzung von "Sterne über Afrika", ich wollte unbedingt die Geschichte von Amelie von Freyer weiter verfolgen.

Klappentext:
"«Bibi dactari, du willst stärker sein als der Tod.» So kommentiert Amelies schwarze «Mamma» ihr Vorhaben, ein modernes Krankenhaus für Eingeborene in der Wildnis der Usambara-Berge zu errichten. Doch die junge Ärztin setzt sich über alle Vorbehalte hinweg.
Sie ist Mitte des Jahres 1907 auf die Familienfarm Salama zurückgekehrt, um inneren Frieden zu finden, denn hinter ihr liegt eine anstrengende Expedition durch die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Aber die Situation auf Salama ist angespannt: Ihr Bruder Hanns hat mit der Tochter des Vorarbeiters eine kleine Tochter. Amelie hat die dunkelhäutige Lotte in ihr Herz geschlossen.
Ganz im Gegensatz zu Professor Freyer, für den seine Enkelin ein «Bastard» ist. Er will seinen Erstgeborenen Hanns enterben. Amelie stellt sich das erste Mal in ihrem Leben gegen ihren Vater. Und macht eine erschreckende Entdeckung: Die kleine Lotte ist einem geheimen Schlangenkult geweiht - mit Wissen von Hanns. Endlich trifft Amelies Verlobter Gustav ein, von dem sie sich Unterstützung erhofft. Doch der Stabsoffizier eröffnet ihr, dass er von Deutsch-Ostafrika zurück ins heimische Berlin versetzt werden soll. Die Ereignisse auf Salama spitzen sich dramatisch zu..."

Auch mit dem zweiten Teil der Geschichte ist der Autorin ein spannender Roman gelungen, der den Zusammenprall zweier Kulturen und auch die Emanzipation der Frauen in der Frühzeit des zwanzigsten Jahrhunderts beschreibt. Ein Abenteuer zwischen Ostafrika mit seinen traditionellen Gebräuchen und Berlin, das vom Patriarchat bestimmt wird.

Sehr gern innerhalb eines Tages durchgelesen. 

Gelesen: OstfriesenZORN

OstfriesenZORN von Klaus-Peter Wolf (Krimi)
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-70008-0

Warum dieses Buch? Wie gehabt: ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext (Rückseite):
"Sie will Urlaub machen auf Langeoog und am Strand entspannen. Dabei ist ihr Schicksal längst besiegelt. Denn der Mörder weiß genau, wo er sie später am Abend finden und ihr den Weg in die Ewigkeit zeigen wird. Sie ist das erste Opfer, weitere werden folgen. Bei ihren Ermittlungen erhält Ann Kathrin Klaasen unerwartet Hilfe von Dr. Bernhard Sommerfeldt. Eine Finte oder ein ehrliches Hilfsangebot?"

Da der Autor bereits eine große Menge an Ostfriesland-Krimis verfasst hat, nehme ich an, dass die Protagonisten bekannt sein sollten. Für mich war es die erste Bekanntschaft mit Ann Kathrin Klaasen, ihrem Ehemann und Kollegen Frank Weller, dem Hauptkommissar Rupert, alle von der Mordkommission Aurich. Weiterhin in einer Nebenrolle der Journalist Holger Bloem.

Es wird gemordet auf Langeoog, mit einer Stahlschlinge. Der Täter ist dem Leser von Anfang an bekannt, er hat sich im Darknet einen Namen mit "Upskirting"-Fotos gemacht (was inzwischen ein Straftatbestand ist). Aus dieser Fotogalerie sucht er sich nach seiner Rückkehr aufs Festland seine neuen Opfer aus, er möchte unbedingt berühmt werden als Serienmörder. 

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist ein verurteilter Serienmörder, der unter diesem Namen Bücher veröffentlicht hat und dadurch während seiner Haftstrafe eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Unser aktueller Täter versucht, Kontakt zu ihm herzustellen und schickt ihm stets die Fotos seiner Opfer.

So weit das Setting, mehr hieße zu spoilern.

Mich konnte der Krimi, immerhin mehr als 500 Seiten, nicht überzeugen. Die Handlung schien sehr konstruiert, die Gefühle und Gedanken sämtlicher Personen zu ausführlich geschildert. Man hätte die Story gut um die Hälfte kürzen können. So wundert es nicht, dass sich das Lesen bei mir endlos hinzog und ich häufig keine Lust hatte, zu diesem Buch zu greifen.

Montag, 4. Oktober 2021

Gelesen: Unsere allerbeste Zeit

Unsere allerbeste Zeit von Gaby Hauptmann (Roman)
Piper Verlag, Taschenbuch
ISBN 978-3-492-06267-1

Warum dieses Buch? Wieder ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext:
"Eigentlich hat Katja alles, was Frau braucht: ein gemütliches Apartment mitten in Hamburg, einen tollen Job, Freunde, bei denen sie sich aufgehoben fühlt. Aber als ihre Freundin Doris anruft, um ihr zu erzählen, dass sie zu Hause gebraucht wird, bricht Katja spontan alle Brücken ab. Kurzerhand zieht sie zurück in ihre alte Heimat. Sie möchte näher bei ihrer Mutter sein, deren Demenz nicht mehr zu leugnen ist Der Umzug wird für Katja auch eine Reise in die Vergangenheit, zu ihrer besten Freundin und ihrer alten Liebe. Doch die Rückkehr an den Ort, der so vertraut und altbekannt erschien, gestaltet sich abenteuerlicher, als sie sich das vorgestellt hatte...
«Unsere allerbeste Zeit» ist immer die, die hinter uns liegt - oder vor uns. Nie die, die wir gerade erleben. Und das ist ausgerechnet dann, wenn man sich vermeintlich am wohlsten fühlt, nicht wirklich logisch. Aber was ist schon logisch, wenn das Leben selbst die Entscheidungen trifft."


Rückseitentext:
"Wenn dir das Leben eine Frage stellt...
... dann brauchst du Mut für die Antwort. Du kannst zögern oder zupacken.
Als für Katja der Hilferuf aus der Heimat kommt, folgt sie ihren Gefühlen und packt zu. Sie gibt ihre Stadt und ihren guten Job auf, und sich um ihre Mutter zu kümmern. Wieder daheim genießt sie das Zusammensein mit ihren alten Freunden, aber es tun sich auch ungeahnte Hindernisse auf. Ziemlich große sogar, findet Katja. Und sie fragt sich, ob ihre schnelle Entscheidung dem Leben standhält?"

Oh je, Gaby Hauptmann... ihr erstes Buch "Suche impotenten Mann fürs Leben" hatte ich seinerzeit in einer langen Nacht in einem Rutsch gelesen und mich dabei herrlich amüsiert. Nachdem ich vier oder fünf weitere ihrer Romane gelesen hatte, war ich mit ihr "durch": Alle gleich und für mich längst nicht mehr lustig. Aber das war in den 1990er Jahren, ich war jünger - und die Protagonistinnen auch. Ich ging also nicht ohne Vorbehalte an dieses Buch

Leider ist das Muster der Handlung gleich geblieben: Alleinstehende, getrennte Frau stürzt ins Chaos, lernt sehr spezielle Charaktere kennen inklusive einer (natürlich) großen Liebe, und am Ende wird alles gut.

Der Schreibstil von Gaby Hauptmann ist flüssig, das Buch sehr gut zu lesen, unterhaltend ist es auch. Zentrales Thema ist hier die beginnende Demenz ihrer Mutter, ein Thema, das derzeit sehr aktuell ist und auch mich persönlich anspricht. Allerdings kommt es mir zu weichgespült daher.

Probleme im Job lassen sich mit Hilfe der Freunde lösen, da eine Selbständigkeit winkt, die Familienprobleme werden leichter durch die vorher kaum gekannte Schwägerin mit ihren Kindern... und so weiter, und so fort.

Nette Lektüre für ein verregnetes Wochenende, aber nicht mehr.

Gelesen: Erklär mir Italien!

Erklär mir Italien! von Roberto Saviano und Giovanni di Lorenzo
Untertitel: Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?
Kiepenheuter & Witsch
ISBN 978-3-462-04971-8

Warum dieses Buch? Das ist eine etwas längere Geschichte:
Als das Buch erschien, stellte Giovanni di Lorenzo es in einer TalkShow vor. Da meine Mutter etwa dreißig Jahre lang "italiensüchtig" war und sie di Lorenzo zu schätzen schien, schenkte ich es ihr zu ihrem nächsten Geburtstag. Das Buch war wohl für sie kein Volltreffer, das Lesezeichen steckte bei Seite 80, als ich es vor zwei Jahren anlässlich der Wohnungsräumung übernahm. Meine Mutter blieb wohl lieber bei der rein touristischen Sicht auf das Land: Dolce Vita, Kunst, Kultur und Essen... Nun war ich neugierig genug, es selber zu lesen.

Klappentext:
"Sehnsuchtsort der Deutschen, Sorgenkind Europas: Wie kann ein Land bloß so schön und doch so verdorben sein? Zwei Männer, die Italien eng verbunden sind, versuchen im Gespräch, dieses Rätsel zu ergründen: Roberto Saviano, der nicht nur die Machenschaften der Mafia durchleuchtet, sondern sich auch als herausragender Interpret der italienischen Politik und Zeitgeschichte erweise, und Giovanni di Lorenzo, der mit der leidvollen Leidenschaft eines Weggezogenen auf seine frühere und heute noch zeitweilige Heimat schaut."

Einleitend geht es los mit einigen Klischees, Familienverhältnissen (warum leben junge Leute bis in ihre 40er hinein noch zuhause?), dann geht es schnell in die Tiefe: Mafia, Berlusconi und die korrupte Politik. Mussolini, Auswanderer und Lampedusa, über ein breites Spektrum italienischer Besonderheiten und Probleme wird hier gesprochen, warum die Verwaltung ist, wie sie ist, und "Vitamin B" immer noch am besten nützt. Angesichts so verknäulter Sachverhalte mag man verzweifeln. Der interessierte Leser bekommt einen Blick hinter die Kulissen fernab vom Dolce Vita.

Das ist keine leichte Lektüre, aber eine aufschlussreiche.

Samstag, 2. Oktober 2021

Herbst

Mögliche Stammleser mögen denken, mein Blog sei mittlerweile zu einem reinen Bücherblog geworden. Das wäre ja nicht schlimm, soll aber nicht so sein. Das einzige, was fehlt, sind meine langen "einsamen" Ausflüge, sonstige Aktionen finden meist mit der Familie statt, und Fotos sind nie ohne Menschen, so dass ich sie hier nicht einfach so einstellen kann.

Es ist zu schnell herbstlich geworden, für mein Empfinden, denn der August fiel praktisch aus. Das Wetter ließ zu wünschen übrig, schöne Sommertage beschränkten sich auf kurze Zeiten im Juni und Juli, der August war sehr zurückhaltend: kalt und nass.

Wie schön, dass gestern bilderbuchmäßiges Herbstwetter war, sozusagen als Geburtstagsgeschenk für mein jüngstes Kind, das ja schon sehr lange kein Kind mehr ist.



Es fehlen hier auch Gartenbilder von meiner Terrasse. Die ist im Moment besonders schön, nachdem im April mein Neffe sie gemäß meiner Wünsche pflegeleicht umgestaltet hat und ich nur noch in Töpfen und Kübeln gärtnere. Ungewünschte Pflanzen sind deutlich weniger geworden, das Rupfen beschränkte sich auf ungefähr vier Male. Allerdings findet die wilde Brombeere an den abenteuerlichsten Stellen ihre Wege. Obwohl viele Wurzelknäule ausgegraben wurden, kommt sie wieder und muss gut beobachtet und auch immer mal wieder zumindest abgeschnitten werden.

Inzwischen habe ich die Geranien eingetopft und reingeholt, um sie über den Winter zu bringen.

Im Moment sieht es draußen so aus und sollte auch mit evtl. Eis und Schnee noch dekorativ sein, außerdem habe ich Blumenzwiebeln verteilt, so dass für freudige Begrüßung des Frühlings auch gesorgt sein wird: 



 Gelegentliche sonnige Tage lassen sich - zumindest stundenweise - noch draußen verbringen.

Ansonsten war ich viele Monate lang damit beschäftigt, die Erinnerungsbücher für meine Töchter mit Geschichten und Fotos zu füllen, nun sind sie seit ein paar Tagen fertig und können eingepackt werden und auf Weihnachten warten.

Da die ganze Familie inzwischen gegen Covid durchgeimpft ist, sind wir erleichtert, uns wieder mehr sehen zu können, auch Pflegeheimbesuche sind seit längerer Zeit wieder möglich, Impfnachweis genügt. Aber es ist nicht wirklich einfach, zu sehen, wie die kognitiven Fähigkeiten meiner alten Dame nach und nach weniger werden...

Morgen werden wir den Geburtstag nachfeiern, nächste Woche haben die Kinder gewünscht, mit und bei mir Steine anzumalen, meine Infusionen bekomme ich seit April 2020 zuhause - es wird nicht langweilig.

... Und die nächsten Posts werden wieder Buchbesprechungen sein, zwei Bücher warten drauf.

Donnerstag, 16. September 2021

Gelesen: The Guest List

The Guest List von Lucy Foley (Roman)
Harper Collins Publishers - Taschenbuch
ISBN 978-0-00-829719-0

Warum dieses Buch? Wie schon vielfach gehabt ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext:
Hmja, es gbit eigentlich gar keinen. Vorn im Buch kommen zwei Seiten Lobhudeleien. Hintendrauf steht folgendes...

"Each has a secret
Each has a motive

Off the windswept Irish coast, guests gather for the wedding of the year

Old friends
Past grudges

Happy families
Hidden jealousies

Thirteen guests
One body

One guest won't leave this wedding alive..."

Da finde ich es besser, mal die ersten zwei Absätze des Romans hier hinzutippen:

"NOW
The wedding night

The lights go out.
In an instant, everything is in darkness. The band stop their playing. Insinde the marquee the wedding guests squeal and clutch at one another. The light from the candles on the tables only adds to the confusion, sends shadows racing up the canvas walls. It's impossible to see where anyone is or hear what anyone is saying: above the guests' voices the wind rises in a frenzy.
Outside a storm is raging. It shrieks around them, it batters the marquee. At each assault the whole structure seems to flex and shudder with a loud groaning of metal; the guests cower in alarm. The doors have come free from their ties and flap at the entrance. The flames of the paraffin torches that illuminate the doorway snicker.
It feels personal, this storm. It feels as though it has saved all its fury for them."

Etwa einhundertfünfzig Hochzeitsgäste treffen auf einer einsamen Insel im Atlantik vor der irischen Küste ein, die Hochzeit des Jahres zwischen einem Fernsehstar und der Herausgeberin einer Lifestyle-Zeitschrift, beide bildschön und wie füreinander geschaffen, soll am nächsten Tage stattfinden.

Will, der Bräutigam hat auch seine Freunde aus Internatszeiten eingeladen, bis auf einen haben alle eine steile Karriere hingelegt. Von Jules, der Braut, ist außer den Eltern auch ihre jüngere Schwester Olivia dabei. Die einzigen Bewohner der Insel sind Aoife, die Hochzeitsplanerin, und Freddy, ihr Mann, der für die Küche zuständig ist. Sie haben das Anwesen gekauft und für Feierlichkeiten instand gesetzt, kümmern sich um die Gäste. Draußen ist ein Festzelt mit Tanzboden aufgebaut.

Die Umgebung ist - wie es gut zu irischen Geistergeschichten passt - am Abend dunkel und stürmisch. Die Klippen sind nah, die Brandung schlägt auf Felsen. Verschlungene Pfade führen durch ein Moor, große keltische Grabsteine eines alten Friedhofes erscheinen im Nebel wie aus dem Nichts. Dichte Atmosphäre.

Es treffen Menschen aufeinander, deren Schicksale auf unglückliche Weise miteinander verwoben sind, es wird zu viel getrunken, Dinge werden ausgeplaudert, Probleme kommen zum Vorschein.

Die Geschichte wird in Zeitsprüngen erzählt: Der Hochzeitstag, meist mit der Überschrift NOW, wird vom neutralen Erzähler berichtet, alle weiteren Kapitel sind häufig Rücksprünge zum Vortag und tragen jeweils den Namen des Protagonisten plus seine Funktion im Titel (JULES, The Bride). Diese berichten jeweils aus ihrer Vergangenheit. Die Leserin erfährt komplexe Zusammenhänge, aber zunächst nicht alle.

Bis einer am Hochzeitsabend tot aufgefunden wird. Wer es getan hat, war für mich vollkommen überraschend.

So weit, so gern gelesen. Besonders die dichte Atmosphäre hat es mir angetan.

Zur schriftstellerischen Qualität kann ich überhaupt nichts sagen, denn:

Sprache lebt, und mein Englisch ist alt. Mein Abschluss ist 45 Jahre her, ich habe nur bis Klasse 10 "normales" Englisch gelernt. Die weiteren Jahre waren "Commercial English", meine Berufstätigkeit in meinen frühen 20ern fand in einem Umfeld statt, in dem ein Business English vowiegend mit Japanern und Südamerikanern gesprochen wurde, im nächsten Job korrespondiert wurde mit Afrikanern.
Ein bisschen gesprochen habe ich es während meiner beiden kurzen Besuche in Dublin, aber auch hier brauchte ich ein paar Tage, um mich einzuhören.

In diesem Buch begegneten mir Vokabeln, die es mit Sicherheit vor vierzig Jahren noch nicht gab, Abkürzungen von britischen Schulabschlüssen, auch viel Umgangsspache - und ein Haufen Grammatik, von dem ich hätte schwören mögen, dass sie schlicht falsch sein muss.

Aber es kann auch gut sein, dass ich Jahrzehnte an Sprachentwicklung verpasst habe, was mir bei der Lektüre von meist amerikanischen Büchern allerdings nie aufgefallen war. (Und mit medizinischem Englisch habe ich gar keine Probleme, da bin ich gut eingelesen.)

Dass mir viele Vokabeln unbekannt waren - egal, aus dem Kontext war mir das meist schnell klar, ich verderbe mir nicht das Lesen mit dem Nachschlagen von Wörtern!

Übrigens hatte es mir meine Große gegeben mit dem Kommentar: "Das ist ganz gut." - Ich werde sie nochmal ausführlicher zu ihrer Meinung befragen.

Mittwoch, 8. September 2021

Gelesen: Mehr als tausend Worte

Mehr als tausend Worte von Lilli Beck (Roman)
Blanvalet/Random House Taschenbuch
ISBN 978-3-7341-0880-8

Warum dieses Buch? Wieder ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext:
"Liebe und Hoffnung in einer Zeit, die kein Morgen kennt...
Berlin, 9. November 1938: Alizia wird von durchdringenden Schreien geweckt, als die Gestapo ihren Großvater abholt. Die politische Lage in Deutschland spitzt sich immer weiter zu, doch entgegen aller Mahnungen weigert sich ihr Vater, ein jüdischer Arzt, das Land zu verlassen.
Nur seine Tochter will er im Ausland in Sicherheit bringen. Alizia ist am Boden zerstört, dass sie Fabian, ihre große Liebe, zurücklassen muss. Beim Abschied versprechen sich die beiden, nach ihrer Rückkehr zu heiraten. Doch werden sie die Wirren des Krieges überstehen? Und werden sie danach noch dieselben sein?"

So weit das Setting.
Es wird die gut situierte Arztfamilie vorgestellt, die nach und nach unter den Repressalien der Pogrome leidet, ebenso ihr "arischer" Mieter Karoschke mit Frau und Tochter, der die jüdische Familie zu beschützen scheint... Die siebzehnjährige Alizia verliebt sich in den Sohn des Inhabers einer Parfumerie, der jedoch nicht jüdisch und zunächst keiner Gefahr ausgesetzt ist. Mit einem der letzten Kindertransporte wird Alizia nach England geschickt, wo sie zunächst bei jüdischen Freunden gut aufgenommen wird, ein weiteres Mädchen lebt bereits dort.

Allmählich werden die deutschen Mädchen in England zu "Feinden", da Deutschland den Krieg eröffnet hat, Alizia verliert immer wieder unverschuldet Unterkunft und Arbeitsstelle, schuftet gegen einen Hungerlohn und träumt jeden Tag von ihrer großen Liebe.
Bis hierhin alles nachvollziehbar.

Dann driftet die Story ab in eine Art Aschenputtelgeschichte, es erscheint ein Retter samt Gehilfen auf der Bildfläche, die Not hat ein Ende, Alizia wird zu einer englischen Lady. Gleich nach dem Krieg wird sie auf kürzestem Wege nach Berlin geflogen, das in Schutt und Asche liegt. Verpflegung, Unterkunft und die Nachkriegswährung "amerikanische Zigaretten", alles gesichert. So macht sie sich auf die Suche nach ihrem Fabian...
Dieser Teil der Geschichte hat mich genervt.
Natürlich wird am Ende alles gut - und sie lebten glücklich und in Freuden.

Die Protagonistin scheint innerhalb von sieben Jahren keine Persönlichkeitsentwicklung zu durchleben und bleibt für mich als Leserin oberflächlich, trotz aller zu bestehenden Widrigkeiten. Sogar als ihr wiedergefundener Bruder Harald vom Abtransport der Eltern nach Sachsenhausen und deren Ermordung berichtet, scheint Alizia ohne eine Regung darüber hinweg zu gehen.

In der Erzählung, die voller Zeitsprünge ist, gibt es allerlei nicht erklärte Ungereimtheiten.

Insgesamt liest sich der Roman flott weg, lässt mich aber einigermaßen ratlos zurück. Schade um das Potenzial der Geschichte.

Dienstag, 7. September 2021

Gelesen: Die Prinzen von Irland

Die Prinzen von Irland (Details im verlinkten Artikel)


Ich beginne diese Buchbesprechung ein wenig anders als sonst, da es ein Weiterlesen bzw. erneutes Lesen war und ich schon einmal darüber geschrieben hatte.

Klappentext:
"Im 5. Jahrhundert ist Dubh Linn ("dunkler Teich") kaum mehr als eine Furt ins Marschland mit einer Wassermühle und ein paar Bauernhöfen. Hier herrscht Fergus, der Viehhändler und Clanhäuptling. Er achtet die keltische Tradition, bis er miterleben muss, dass deren Hüter, die Druiden, seiner Tochter Deidre und seinem Schwiegersohn ein übermenschliches Opfer abverlangen. Erst am Ende seines langen Lebens wird Fergus Zeuge, wie die Macht der Druiden gebrochen wird: Der ebenso charismatische wie gerissene Patrick, ein früherer Sklave, bekehrt immer mehr Menschen zum Christentum, und auch Deidres Sohn fühlt sich zu dem Missionar hingezogen.
Nach der Invasion der Wikinger wird Dublin 841 eine bedeutende Hafenstadt. Fergus' Nachfahren müssen zwischen den  Besatzern und den alteingesessenen Familien lavieren, um ihren Besitz in stürmischen Zeiten zu wahren. Nur zögernd schließen sie sich dem großen irischen Fürsten Brian Boru an, der den Wikingern 1014 in der Schlacht von Clontarf die Stirn bietet.
Auch in der Folge wird Dublins Unabhängigkeit immer wieder gefährdet: Die englischen Tudorkönige haben die Bedeutung der Stadt an der Liffey-Mündung erkannt und versuchen sie zu erobern...."

Hier meine Buchbesprechung aus 2014
Seitdem stand es  als beständige Erinnerung in meinem Bücherregal. Jetzt endlich war für mich die richtige Zeit, es komplett zu lesen.

Man darf es sich nicht als durchgehenden Roman vorstellen, im Wesentlichen erzählt es von der Geschichte Irlands/Dublins unter Zuhilfenahme fiktiver familiärer Schicksale und Strukturen, die über die Jahrhunderte immer wieder anhand besonderer Eigenschaften oder Dinge miteinander verknüpft werden, so dass man die Familien wieder erkennt.

Als mir dann einfiel, dass ich mir aus Dublin ein kleines Buch über die Geschichte Irlands mitgebracht hatte und ich dann parallel immer mal wieder darin las, war ich sehr erfreut festzustellen, dass sich der Autor des Romans sehr eng an die tatsächlichen Begebenheiten - sofern sie denn überhaupt erforscht werden konnten - gehalten hat und viele tatsächlich gelebte Personen eingeflochten hat.

A Pocket History of Ireland von Joseph McCullough
Verlag: Gill & Macmillan, Dublin
ISBN 978-0-7171-4729-8

Knapp tausend Jahre irischer Geschichte wurden mir damit vermittelt, und ich habe das Buch (die Bücher) gern gelesen. Wer sich aber einen spannenden Roman erhofft, ist mit diesem Buch nicht so gut bedient. Da sich die frühe Geschichte Irlands, insbesondere die vor dem europäischen Mittelalter, sehr von der gut bekannten kontinentaleuropäischen und eng verbundenen britischen unterscheidet, hat dieses Buch meinen Wissensdurst gestillt.

Mittwoch, 18. August 2021

Der Friedensmaler

In mentaler Vorbereitung auf weitere Vervollständigung der Erinnerungsbücher fiel mir "der Friedensmaler" ein.

Die 80er Jahre waren sehr "friedensbewegt", insofern war unser sehr guter (staatlicher) Kindergarten durchaus politisch, setzte sich für Frieden jeglicher Art und Weise, Integration ausländischer Kinder etc. ein. Der Friedensmaler war so etwas wie die Hymne der Kita, wurde auf Ausflügen, Sommerfesten, dem SPD-Flohmarkt im Stadtteil gesungen, mit Gitarrenbegleitung durch eine Erzieherin und, sofern Eltern dabei waren, haben wir mitgesungen. Dieses Lied hat allen viel Freude bereitet.

Ich freue mich, es auf you tube gefunden zu haben - alle paar Jahre habe ich danach gesucht.

Der Rechteinhaber des Songs erlaubt kein Einbetten, der Link führt aber direkt auf den Song. 


(Bild: Von Mika Launis - http://www.dfg-vk-mainz.de/material/download-online/layout-materialien/friedenstaube-1/, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=5361123)

Samstag, 14. August 2021

Gelesen: In deinem Namen

In deinem Namen von Harlan Coben (Thriller)
Aus dem Englischen "Don't let go"
Taschenbuch von Random House/Goldmann
ISBN 978-3-442-48990-9

Warum dieses Buch? Der Autor ist eine meiner Entdeckungen in diesem Jahr.

Klappentext:
"Vor 15 Jahren zerbrach in nur einer Nacht Nap Dumas‘ Leben: Sein Zwillingsbruder Leo und dessen Freundin wurden unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden – und Naps großer Liebe Maura verschwand spurlos. Nun glaubt Nap, inzwischen Detective bei der Kriminalpolizei, die Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Bis im Wagen eines Mörders Mauras Fingerabdrücke auftauchen. Nap hofft, endlich Antworten zu bekommen, doch stattdessen stößt er auf immer neue Fragen. Denn die Wahrheit darüber, was in jener fatalen Nacht tatsächlich geschah, ist dunkel und gefährlich ..."

Der Einstieg in die Story ist verwirrend, wird doch Nap zunächst als brutaler Schläger eingeführt. Gelegentlich hilft er einer Freundin bei ihrer Arbeit im Frauenhaus und räumt manchmal gewalttätige Männer kurzzeitig aus dem Weg, damit die Frauen unbehelligt in ihre Wohnung und an ihr Eigentum gelangen können. Also ein Cop mit dem Hang, das Falsche aus den richtigen Gründen zu tun.

Im Verlaufe der Geschichte wird er von Kollegen begleitet, in deren Bezirk der PKW mit den Fingerabdrücken von Maura gefunden wurde. Nap, der seit fünfzehn Jahren unter dem Verlust seines Zwillingsbruders (mit dem er in Gedanken spricht) und seiner großen Liebe Maura leidet, macht sich auf den Weg und sticht in ein Wespennest. Weitere ehemalige Mitschüler geraten in Gefahr oder sterben sogar.

Was hat es mit der ehemaligen Militärbasis auf sich, was ist der "Conspiracy Club" und was ist vor fünfzehn Jahren im Wald passiert? Wo ist Maura?

Eine mitreißende Story mit einem überraschenden Ende. Mehr davon!

Freitag, 13. August 2021

Schullektüre

Ich bin auf einen sehr interessanten Artikel zum Thema "Schullektüre" gestoßen, unten mit Links auf weitere Beiträge zum Thema.
 
Ich stelle fest, ich kenne kaum etwas davon. Oder habe es verdrängt.
 
Ich habe kein Abitur, bin aber seit der Mittelstufe mit Lektüre und "Literaturarbeit" gequält worden, als ich auf die Fachschule kam ab Klasse 11, gab es natürlich auch das Fach Deutsch mit, ratet: Literaturarbeit.
 
Durchgängig hatte ich mittelmäßige Noten in den Arbeiten, weil ich nie, nie, nie der Ansicht der jeweiligen Lehrkraft war, und Interpretationen waren Standard.
 
Übrigens war ich seit Kinderzeiten eine Leseratte, und ich bin froh, dass meine Schulzeit mir die Freude an Büchern nicht nehmen konnte.
 

Donnerstag, 12. August 2021

Gelesen Enna Andersen und der trauernde Enkel

Enna Andersen und der trauernde Enkel von Anna Johannsen (Krimi)
Taschenbuch, Edition M Amazon Media
ISBN 978-2-49670-593-5

Band drei der Reihe.

Warum dieses Buch? Die Serie um Enna Andersen entwickelt sich bei mir zum Selbstläufer.

Klappentext:
"Der Enkel eines wohlhabenden Bauunternehmers kontaktiert das Team von Enna Andersen. Sein Großvater ist drei Jahre zuvor offiziell an Herzversagen gestorben, dabei galt er als kerngesund. Die Ermittlungen schlagen nach kurzer Zeit hohe Wellen: Ennas Familie wird massiv bedroht und muss erst einmal in Sicherheit gebracht werden.

Wer ist Ennas mächtiger Gegenspieler, der alles daransetzt, die Ermittlungen zu stoppen? War jemand aus der Familie am Tod des Unternehmers beteiligt? Die Arbeit an dem Fall wird zu einer großen Belastungsprobe für das Cold-Case-Team."

Dieses Mal wird der Fall nicht wie sonst mittels Los bestimmt, sondern ein guter Freund der jungen Kommissarin Pia hat sich an sie gewandt. Er befürchtet, dass sein Großvater, Gründer eines international arbeitenden Bauunternehmens, ermordet wurde. Nachdem sich herausstellt, dass der Obduktionsbericht lückenhaft ist und einige Untersuchungen offenbar nicht gemacht wurden, übernimmt Enna Andersen nach anfänglichem Zögern mit ihrem Team die Arbeit. Ein vierter Mitarbeiter ist hinzugekommen, der bei Innendienstaufgaben, Recherche und kniffligen Computersachen tatkräftig unterstützt.

Wieder wird nach und nach ein Puzzleteilchen an das andere gelegt, Zusammenarbeit mit Dienststellen in anderen Bundesländern und zwei Staatsanwälten ist erforderlich, was zunächst etwas schwergängig zu sein scheint, schließlich aber doch funktioniert. Da auch ein Einsatz von Enna Andersen in Hamburg spielt, gewisse Gegebenheiten, also Namen, Straßen, Plätze, Stadtteile usw. beschrieben werden, bin ich überzeugt davon, dass auch alle anderen Beschreibungen gut recherchiert der Wahrheit entsprechen.

Sehr charmant sind wieder kleine Einfügungen aus privaten Bereichen der Ermittlerin und ihrer Mitarbeiterin, zarte Bande entwickeln sich, das Kind Elias spielt weiterhin eine große Rolle in Ennas Familienleben.

Auch diesen Krimi habe ich wieder sehr gern gelesen.

Dienstag, 10. August 2021

Gelesen: Enna Andersen und die Tote im Mai

Enna Andersen und die Tote im Mai von Anna Johannsen (Krimi)
Taschenbuch, Edition M Amazon Media
ISBN 978-2-49670-157-9

Band zwei der Reihe.

Warum dieses Buch? Nachdem ich das erste Buch dieser Reihe gelesen hatte, wollte ich ja mal dranbleiben...

Klappentext:
"Vor beinahe 20 Jahren verschwand eine Studentin nach einer großen Maifeier, ihre Leiche wurde Monate später vergraben im Wald gefunden. Die SoKo-Ermittlungen führten zu keinem Erfolg.

Hauptkommissarin Enna Andersen und ihre Kollegen Pia Sims und Jan Paulsen rollen den Fall neu auf. Das Opfer war auf den ersten Blick äußerst beliebt und ehrgeizig, doch schnell stellt sich bei Befragungen ihres Umfelds heraus, dass sie sich mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn nicht nur Freunde gemacht hat. Auch die erzkonservative Familie der jungen Frau reagiert zurückhaltend und scheint etwas zu verschweigen. Die Lage spitzt sich zu, als einer der Zeugen tot aufgefunden wird …"

Mein Gefühl, es hier mit einer vielversprechenden neuen Reihe zu tun zu haben, hat nicht getrogen. Wieder wird in einem sog. "Cold Case" neu ermittelt. Es werden Schulfreunde und Studienkollegen der ehemaligen Studentin ausfindig gemacht und mehrfach befragt. Das uns schon bekannte Team ermittelt nicht nur mit Fingerspitzengefühl und Intuition, sondern auch mit umfangreichem Einsatz aktueller Technik.

Immer wieder wird vom Privatleben der Ermittlerin kurz berichtet, ebenso von kleinen Neckereien innerhalb ihres Teams, was die Geschichte auflockert und menschlich macht.

Am Ende wird (selbstverständlich) der Fall gelöst.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen und mich keine Minute gelangweilt. Das nächste Buch dieser Reihe wartet bereits hier...

Sonntag, 8. August 2021

Gelesen: Dein ist die Lüge

Dein ist die Lüge - von Linda Castillo (Thriller)
Amerikanisches Original "Outsider"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-70596-2
Band zwölf der Serie

Warum dieses Buch? Da braucht es hier schon weiter keine Erklärung, einfach der brandneue Roman um Kate Burkholder...

Klappentext:
"Als Adam Lengacher, ein verwitweter amischer Familienvater, auf seiner Farm eine schwer verletzte Frau findet, bittet er Polizeichefin Kate Burkholder um Hilfe. Kate erkennt die Frau sofort: Sie heißt Gina Colorosa, vor 10 Jahren waren sie ein Team bei der Polizei in Columbus und beste Freundinnen. Doch jetzt ist Gina auf der Flucht. Ihre eigenen Kollegen wollen sie aus dem Weg räumen, wei sie ihnen auf die Schliche gekommen ist. Kate versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch je näher Kate der Wahrheit kommt, desto näher kommt den beiden Frauen auch der auf sie angesetzte Mörder."

Wieder eine Story, in der man sofort drin ist und nicht aufhören mag zu lesen. Linda Castillo entfernt sich mit dieser Geschichte um die erfolgreiche Polizeichefin von ihrem altbekannten Muster - schrecklicher sehr blutiger Todesfall im Umfeld der Amischen muss aufgeklärt werden - ohne die bekannten Protagonisten dabei zu verraten, deren persönliche Entwicklung man von Buch zu Buch verfolgen kann.

Dieses Mal geht es um ihre ehemalige Freundin und Kollegin Gina und Korruption bei der Polizei in Columbus, welche Gina aufklären möchte. Allerdings war sie jahrelang mit in diesem Korruptionsnetzwerk tätig, hat weggesehen oder Vorteile genossen. Nun verfolgen sie ihre Vorgesetzten, und auch Kate gerät in Gefahr. Allzeit bereit ihr zu helfen ist wieder ihr Lebensgefährte vom BCI, Tomasetti.

Interesant fand ich auch, dass der Großteil der Geschichte sich im Haushalt der amischen Familie abspielt und man viele Einblicke in deren Alltag bekommt.

Leider viel zu schnell durchgelesen, nun muss ich wieder ein Jahr auf den nächsten Band warten!

Abgebrochen: Nächte, in denen Sturm aufzieht

Nächte, in denen Sturm aufzieht von Jojo Moyes (Roman)
Rowohlt Taschenbuch
ISBN 978-3-499-27639-2

Warum dieses Buch? Auch ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext:
"Liza McCullen weiß, dass sie ihrer Vergangenheit nicht entfliehen kann. Doch in dem kleinen beschaulichen Örtchen Silver Bay an der Küste Australiens hat sie ein Zuhause gefunden für sich und ihre Tochter Hannah. Die unberührten Strände, der Zusammenhalt in der kleinen Gemeinde und die majestätischen Wale, die in der Bucht leben, bedeuten ihr alles. Täglich fährt sie mit ihrem Boot raus aufs Meer und bietet Walbeobachtungstouren an für die wenigen Touristen, die sich nach Silver Bay verirren. Als der Engländer Mike Dormer anreist und sich in der Pension von Lizas Tante einquartiert, gerät das beschauliche Leben in Gefahr. Der gutaussehende Fremde in den zu schicken Klamotten passt nicht nach Silver Bay, und niemand ahnt, dass er Pläne schmiedet, die den kleinen Fischerort für immer verändern könnten."

Vor  knapp einem Jahr habe ich das Buch zum ersten Mal zur Hand genommen, fand es langweilig und bin in die Geschichte nicht reingekommen. Es zieht sich in die Länge, und es passiert irgendwie nichts...

Die zweite Chance hat das Buch bei mir verspielt, weil es mich auch jetzt nicht angesprochen hat. Manchmal ist es eben so.