Donnerstag, 25. Februar 2021

Prio Gruppe 2

Die Impfungen schleppen sich so voran. Meine Mutter ist schon lange mit erster und zweiter Impfung durch (BioNTech), Nebenwirkungen waren so wie bekannt, zwei Tage Bettruhe und fertig.

Ich hatte heute von meiner Arztpraxis mein Attest in der Post, welches für mich die Priorisierung in Gruppe 2 ausweist. Noch ist die Gruppe hier in HH nicht dran, aber in kleinen Schritten geht es ja doch vielleicht vorwärts?

Hey, ich nehme jeden Impfstoff! (Würde zwar auch BioNTech den Vorzug geben, aber letztlich ist mir das auch egal... AstraZeneca, wenn's sein muss, ich hätte auch nichts gegen Sputnik.) Hauptsache, nützt.

Impfnebenwirkungen hatte ich schon vor Jahren mal bei Impfungen gegen zwei andere Sachen, böse-böse, ganze Wochenenden im Bett verbracht, ohne zu wissen, welcher Tag oder welche Tageszeit gerade war.

Bei Covid 19 lautet die Gleichung für mich Lungenkrankheit + Covid19 = Friedhof.

Von daher... impfen!

Montag, 15. Februar 2021

Gelesen: Die Lüge

Die Lüge von Mattias Edvardsson (Roman)
aus dem Schwedischen "En helt vanlig familj"
Limes/Random House
ISBN 978-3-8090-2705-8

Warum dieses Buch? Es war ein Geschenk.

Klappentext:
"Verborgen hinter Lügen liegt eine Wahrheit, die nie ans Licht kommen sollte...

Lund, Schweden. Ein 19-jähriges Mädchen wird des Mordes an einem wesentlich älteren Mann angeklagt. Stella ist ein ganz normaler Teenager, Tochter einer angesehenen Familie. Woher hätte sie den undurchsichtigen Geschäftsmann kennen sollen und vor allem, welche Günde könnte sie gehabt haben, ihn zu töten? Das alles muss ein schreckliches Missverständnis sein. Davon ist Stellas Vater, Pastor ihrer kleinen Gemeinde, überzeugt. Als Stella verhaftet wird, stehen Adam und seine Frau Ulrika vor den Scherben ihrer vermeintlich so perfekten kleinen Familie. Für Adam sind Anstand und Wahrheit schon immer die höchsten Güter, sowohl bei seiner Arbeit als auch im Privatleben. Doch als die Zukunft seiner Tochter auf dem Spiel steht, ist er bereit, seine Prinzipien über Bord zu werfen und ihr durch eine Lüge ein Alibi zu verschaffen. Aber Stella ist keineswegs das brave kleine Mädchen, für das ihr Vater sie hält. Und auch Adam und Ulrika haben Geheimnisse, die ihre Familie für immer zerstören könnten..."

Der Klappentext kratzt nur an der Oberfläche. Der Roman ist vielschichtig und erzählt die Geschichte im Wechsel aus der Perspektive von Adam, Ulrika und Stella, immer wieder durchsetzt von Rückblenden. Der Leser erhält ein komplexes Psychogramm der Familie, ein Mix großer Bemühungen und enttäuschter Erwartungen.

Trotz der Aufmachung des Buches und des Mordfalls ist es kein Krimi, ist dabei viel spannender zu lesen als so mancher. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe die 541 Seiten an zwei Tagen förmlich verschlungen.

 
Diese Buchbesprechung habe ich extra sehr kurz gehalten. Es ist ein aktuelles Buch, das viele wohl noch nicht gelesen haben, da wollte ich nicht spoilern. Auf jeden Fall bekommt es von mir eine dicke Empfehlung!

(Und das war das fünfte Buch von meinem 2021-Projekt.)

Samstag, 13. Februar 2021

Gelesen: Emmas Glück

Emmas Glück von Claudia Schreiber (Roman)
Reclam Verlag Leipzig
ISBN 3-379-00805-2

Warum dieses Buch? Es war ein Geschenk.

Klappentext:

"Noch ein letztes Mal will der sterbenskranke Max das Land sehen, wo er den einzigen Traumurlaub seines jungen Lebens verbrachte. Um die Reise finanzieren zu können, bricht er nachts in die Autofirma ein, in der er bisher gearbeitet hat. Doch er wird dabei überrascht und flieht Hals über Kopf mit einem gestohlenen Ferrari. Die Fahrt endet an einem Baum auf dem Gelände eines einsam gelegenen Bauernhofs. Das laute Krachen des zerschellenden Autos reißt die Bäuerin Emma jäh aus dem Schlaf: Sie zerrt den bewusstlosen Fahrer ins Haus, zieht ihn aus und verarztet ihn - nicht ohne ihn neugierig zu betrachten und zu betasten. Der gut gebaute Kerl scheint nicht ernsthaft verletzt zu sein. Emma sucht seine Papiere im Auto und findet einen Plastikksack voller Dollarnoten. Kurz entschlossen versteckt sie das Geld im Stall und zündet das Unfallauto an. Als die Polizei am nächsten Tag ermittelt, mimt Emma die Ahnungslose - mit gutem Grund: Einsam und völlig verschuldet, sehnt sie sich seit Jahren nach zweierlei: nach einem Mann und nach Geld. Nun ist ihr beides vor die Füße gefallen. Doch damit beginnt erst eine tragikomische Liebesgeschichte mit einem völlig überraschenden Ende..."

Eine überraschend berührende Geschichte von Emma, die als Kind misshandelt und missachtet wurde, sich einen Schutz ihrer Seele aufgebaut hat zwischen Unrat im Hause und einem liebevollen Verhältnis zu ihren Tieren, mit denen sie gelegentlich spricht, und Max, der seit seiner Kindheit im Schatten seines vermeintlich tüchtigeren, auf jeden Fall gerissenen Freundes stand. Max, der an Krebs leidet, aber nicht drüber sprechen möchte, dem es zusehends schlechter geht, und Emma, deren Panzer langsam aufbricht, nähern sich allmählich an, finden zueinander. Das Ganze ist geschrieben in einer sehr prosaischen Sprache, die gelegentlich deftig daher kommt, ohne plump zu sein. Am Ende stirbt Max auf überraschende Weise, und trotzdem ist gleichzeitig alles gut.


Donnerstag, 11. Februar 2021

Gelesen: Sturz der Titanen

Sturz der Titanen von Ken Follett (Roman)
Aus dem Englischen "Fall of Giants"
Bastei Lübbe
ISBN 978-3-7857-2406-4

Jahrhundert-Trilogie 1/3

Warum dieses Buch? Vor längerer Zeit fanden auf unterschiedlichen Wegen alle drei Bände der Jahrhundert-Trilogie den Weg zu mir. Im vergangenen Sommer, als große Hitze mich zu Inaktivität verdammte, hielt ich es für eine gute Idee, mit dem ersten Tausendseitenwälzer zu beginnen.

Klappentext:

"England. Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie aus Wales, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen..

Deutschland. Anders als sein konservativer Vater sehnt sich Walter von Ulrich nach einem demokratischen Deutschland. Als Militärattaché in London verliebt er sich Hals über Kopf in die emanzipierte Lady Maud. Am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland heiraten sie heimlich. Aber der beginnende Konflikt reißt die Liebenden auseinander.

Russland. Grigori und Lew Peschkow wachsen als Waien auf. Während der rechtschaffene Grigori zum Revolutionär wird, gelangt sein leichtfertiger Bruder in Amerika zu Reichtum. Doch dann hat Lew keine Wahl, als sich zur Armee zu melden, und kehrt so als Soldat in die Heimat zurück.

Drei Länder und drei Familien, deren Schicksale sich kreuzen, während der Schatten des Krieges die Welt verändert."

Rückseitentext:

"Europa 1914. Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die unter den politischen Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen dem Aufstieg der Arbeiterschaft und dem Niedergang des Adels. Und zwei Brüder aus Russland, von denen der eine zum Revolutionär wird, während der andere in der Fremde sein Glück sucht. Ihre Schicksale verflechten sich vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Sturmes, der die alten Mächte hinwegfegen und die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird."

Ich fand die Romane von Follett, die ich bisher gelesen hatte, immer sehr mitreißend geschrieben, allen voran "Die Säulen der Erde," aber ich war nach gut siebenhundert Seiten sehr frustriert und gelangweilt: Wer versäumten Geschichtsunterricht nachholen möchte, ist wohl gut damit bedient, Entstehung und Verlauf des ersten Weltkrieges werden so historisch richtig, genau und ausführlich geschildert, dass ich mich ständig fragte, wann die Romanhandlung vorangehen würde. Die Charaktere sind gut beschrieben, und ihre Lebensumstände interessant, aber die jeweils regierungsnahe Einbindung und Teilnahme am Krieg usw. empfand ich als zu detailliert und wirklich langweilig. So langweilig, dass ich die Lektüre zunächst abbrach.

Zu meinem Leseprojekt 2021 gehören nun aber auch alle die Bücher, die ich irgendwann einmal angefangen und unterbrochen habe, entweder um sie fertig zu lesen oder festzustellen, dass sie nichts für mich sind. Somit habe ich diesen Follett "erledigt" und werde sicherlich einige Zeit verstreichen lassen, bevor ich Band zwei und drei in die Hand nehmen werde.

Mittwoch, 10. Februar 2021

Gedanken über die Sprache

"Unsere Sprache kann man ansehen als eine alte Stadt: Ein Gewinkel von Gässchen und Plätzen, alten und neuen Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten: und dies umgeben von einer Menge Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern."


(Ludwig Wittgenstein, gefunden bei Richard David Precht)

Dienstag, 9. Februar 2021

Kalt

Ich habe mir Mützen bestellt. Seitdem ich sechzehn Jahre alt bin, habe ich keine Mützen mehr getragen. Ausnahme war der Besuch der Cliffs of Moher vor Jahren, da hatte ich eine der Mützen aus dem Altbestand meiner Tochter aufgesetzt....

Jetzt haben wir Winter. Richtigen Winter. Früher war das normal, aber inzwischen...? Also, ich warte auf meine Mützen, denn es soll noch ein paar Tage lang richtig kalt sein.

Früher war es normal, von November bis Ostern Eis und Schnee zu haben, ich erinnere mich auch an die Winter 1985 und 1986, meine Jüngste war im Kinderwagen/in der Karre, wir hatten minus 20 °C, kann ja fast dieses Theater um den Wintereinbruch nicht verstehen... ´

Jedenfalls habe ich mir Mützen bestellt, meine Große musste lachen... aber das Wetter hat gute Werte für mich parat, und ich sehe es nicht ein, deshalb zu frieren, aber ich möchte spazieren gehen. 😂

Dienstag, 2. Februar 2021

Gelesen: Sterne über Afrika

Sterne über Afrika von Ilona Maria Hilliges (Roman)
Wunderlich/Rohwolt Verlag
ISBN 978-3-8052-0846-8

Warum dieses Buch? Vor längerer Zeit sprang dieses Buch vom Mängelexemplare-Tisch direkt in meinen Einkaufswagen. Ich habe dann auch bald begonnen, es zu lesen. Ja, dann muss mir irgendwas dazwischen gekommen sein, seither schaute es mich jeden Tag vorwurfsvoll an. Nun aber!

Klappentext:
"  «Heiraten und bekommen Sie Kinder!" Hohn schlägt der jungen Ärztin Amelie von Freyer entgegen, als sie sich in ihrem Beruf bewähren will. Enttäuscht reist sie im April 1906 zu ihrem Bruder Hanns nach Ostafrika. Dorthin, wo sie als junges Mädchen am Rande des Urwalds aufgewachsen ist. Während der Schiffspassage droht eine Frau in Amelies Alter nach einer Fehlgeburt zu sterben. Amelie rettet Hermine das Leben. Ihr selbstloser Einsatz macht den undurchsichtigen Kaufmann Messingnagel auf Amelies Fähigkeiten aufmerksam. Gerade als sie in den Usambara-Bergen ein Eingeborenen-Hospital errichten will, taucht Messingnagel auf. Er macht ihr ein Angebot, das ihr der berühmte Forscher Robert Koch kurz zuvor verwehrt hatte. Sie soll als Ärztin eine Expedition begleiten, die eine verheerende Seuche am Tanganjikasee bekämpfen soll. Obwohl Hanns Amelie vor den drohenden Gefahren warnt, lässt sie sich auf das Abenteuer ihres Lebens ein. Als sie ihren Fehler einsieht, ist es zur Umkehr zu spät. Da erfährt sie, dass ein Mann dasselbe Ziel hat wie ihre Expedition. Ein Mann, den sie vor Jahren aus den Augen verloren und einmal sehr geliebt hat..."
 
Der Klapptentext beschreibt den Inhalt schon sehr gut, lässt aber (natürlich) wesentliche Aspekte aus.
Als Amelie ihr Medizinstudium absolvieren wollte, war es in Deutschland für Frauen noch nicht erlaubt, weshalb sie ihre Ausbildung in der Schweiz gemacht hat. In Berlin hat sie dann an der berühmten Charité unter Robert Koch gearbeitet - zum Gespött der männlichen Kollegen. Von daher  hat man es hier auch mit einem feministischen Roman zu tun.
 
Amelie, geboren im armen Berliner Wedding und verwaist ungefähr sechsjährig von der Familie von Freyer adoptiert, wanderte zwölfjährig mit ihrer Adoptivfamilie nach Deutsch-Ostafrika aus, wohin es sie, wie im Klappentext erwähnt, zurückzieht. Ihr (Adoptiv-)Bruder Hanns betreibt dort eine Farm. Als Kind hatte sie die eingeborene Bevölkerung kennen- und wertschätzen gelernt. Im Buch wird übrigens häufig das mittlerweile verpönte N-Wort gebraucht, gehört aber unbedingt in den historischen Kontext der Geschichte. Der Roman ist auch als anti-rassistisch zu betrachten, denn viele wichtige Nebenfiguren sind sehr sympathisch und klug ausgearbeitet. Ein Teilnehmer von Amelies 1.200 km langer Reise durch die Wildnis ist ein "Medizinmann" und rettet Amelies Leben, als dem deutschen Arzt nur die Amputation aller ihrer Gliedmaßen oder der sichere Tod einfällt.

Amelie hat auf ihrer Safari mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, trifft kurz vor Erreichen ihres Zieles ihre Berliner Jugendliebe wieder und stößt mit ihrer Arbeit, die sie gern wissenschaftlich durchführen würde, auf allerlei Widerstände.

Es geht um die Bekämpfung der "Schlafkrankheit" mit dem Mittel Atoxyl, auch hier hat die Autorin gut recherchiert und die tatsächlichen damals neuen Erkenntnisse gut in ihren Roman eingearbeitet.

Um die Abenteuergeschichte herum, die gelegentlich zur Romanze wird, werden die Zustände in Deutsch-Ostafrika geschildert, die doch erst gute hundert Jahre her sind, und dem Leser klar machen,  welche Verbrechen an den Afrikanern "wir" begangen haben.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und gerade festgestellt, dass diese Geschichte eine Fortsetzung hat, was mich insofern zufrieden sein lässt, da das Ende des Romans nur ein vorläufiger Schlusspunkt zu sein scheint und mehrere optionale Lebenswege möglich sein lässt.