1793 von Niklas Natt och Dag (historischer Kriminalroman)
aus dem Schwedischen
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-06131-5
Winge und Cardell ermitteln, Band 1/2
Warum dieses Buch? Bei meinem letzten Besuch einer Buchhandlung im Januar 2020 sprangen mich dieses und der Folgeband förmlich an, möglicherweise auch wegen des ungewöhnlichen Titels und tollen Covers.
Klappentext:
"Im Stockholm des Jahres 1793 geht es den Menschen so schlecht wie noch nie. Der Krieg hat die Staatskasse geleert, um den Thron entbrennt ein erbitterter Machtkampf, und Paranoia und Krankheit bestimmen das Leben der einfachen Leute. Ein beißender Geruch von Verwesung liegt in der Luft, als eine mit höchster chirurgischer Präzision verstümmelte Leiche aus der Stadtkloake Södermalms geborgen wird. Bis auf einen hellblonden Schopf ist nichts Menschliches mehr daran. Der Jurist Cecil Winge, ein begnadeter Ermittler im Dienste der Stockholmer Polizeikammer, steht vor seinem ungewöhnlichsten und wohl auch letzten Mordfall. Die Tuberkulose zehrt an seinen Kräften, und immer wieder suchen ihn Fieberträume heim. Gemeinsam mit Jean Micheal Cardell, einem traumatisierten Veteranen mit einem Holzarm, durchstreift Winge das verruchte Stockholm nach Hinweisen zur Identität des Toten. Doch je näher die beiden der Wahrheit kommen, desto grauenhafter werden ihre Entdeckungen..."
Der Einstieg fiel mir zunächst nicht ganz leicht, die vielen schwedischen Ortsangaben sorgten für Verwirrung gleichzeitig mit den Namen. Es dauerte eine Weile, bis ich "drin" war. Den Schreibstil empfand ich als mitreißend und er sorgte für steten Spannungsaufbau.
Kapitelweise werden Geschichten von ganz unterschiedlichen Personen erzählt, teilweise auch nicht chronologisch, vielfach liegen sie zeitlich lange vor dem grausigen Leichenfund. Stück für Stück werden diese Geschichten mit ihren losen Enden zu einem großen Ganzen verknüpft und man versteht, warum dieser Aufbau logisch ist. Das Ende ist vollkommen überraschend.
Inhaltlich fällt man von einem Grauen ins nächste: Es ist eine Zeit voller Armut, Krankheit und Brutalität, ein Menschenleben ist nichts wert. Die Stadt scheint eine einzige Kloake zu sein, alle Gewässer sind verseucht mit allen Arten von Abwässern, man meint förmlich, den Gestank wahrzunehmen. Die Verstümmelung der aus dem Wasser gefischten Leiche und die Umstände der Tat werden aufs Genaueste geschildert, ebenso wie vielfältige weitere Folter- und Strafmethoden.
Für mich war das Buch ein Pageturner, aber es ist nichts für schwache Nerven: So viel Grausamkeit und Brutalität habe ich bisher in keinem anderen Buch gefunden, obwohl ich mit meiner Vorliebe für Krimi/Psycho/Thriller einiges gewohnt bin.
Der Folgeband wartet hier schon auf mich, und ich bin gespannt, wie lange der todkranke Protagonist Cecil Winge noch durchhält und ob der einarmige Veteran Cardell vielleicht sein Glück mit der verwitweten Wirtstochter finden wird, die in Wirklichkeit gar nicht die Tochter ist...