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Mittwoch, 8. März 2017

Gelesen: Das Nordseegrab

Das Nordseegrab (historischer Kriminalroman)
von Tilman Spreckelsen
- Ein Theodor-Storm-Krimi -
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-19483-4

Warum dieses Buch? Im Rahmen meines Themenkaufs "Nordseekrimis" im  vergangenen Jahr erworben.

Klappentext:
"DICHTER, ANWALT, ERMITTLER - Theodor Storm und sein geheimnisvoller Gehilfe Söt in Husum:
ein Nordseeküstenkrimi voller Spannung und historischer Atmosphäre.
Husum, 1843: die Stadt ist in Aufregung. Ein Bottich voll Blut, darin eine Leiche, die sich als Wachspuppe erweist. Wenig später wird ein echter Toter gefunden. Der junge Anwalt Theodor Storm spürt dem Rätsel nach, in alten Dorfkirchen und vor den Deichen Husums. Ihm und seinem geheimnisumwobenen Schreiber Peter Söt schlägt die ohnmächtige Wut armer Bauern entgegen, und das arrogante Schweigen der Reichen. Bis er auf ein fast vergessenes Schiffsunglück stößt, auf eine alte Schuld und einen Mörder, der diese Schuld eintreiben will…"

Ein Krimi, für den das Leben des jungen Anwalts und späteren Dichters Theodor Storm Pate gestanden hat. Der Schriftsteller hat dafür umfangreiche Recherchen angestellt und bringt uns das Husum des 19. Jahrhunderts mitsamt seiner Gesellschaft und seinen Gepflogenheiten näher.

Tragende Geschichte ist ein Kriminalfall, der sich mir nur sehr zäh entwickelt hat.

Einleitung (und in dieser Form sind immer wieder Teile zwischengefügt):

Als das Schiff explodierte, war er mit seinem Ruderboot weit genug entfernt. Er duckte sich hinter der Reling, um nicht von Trümmern getroffen zu werden, aber bis hierhin flogen sie nicht. Nach dem Knall und dem dumpfen Platschen der Schiffsteile, die auf die Wasseroberfläche gestürzt waren, hörte er in der Stille nur noch ein schmatzendes Saugen. Erst allmählich begriff er, dass es vom Wrack kam, das unter Wasser gezogen wurde. Dann war auch das vorbei.

Er saß immer noch in sicherem Abstand zur Bootswand. Die Nacht war klar, der Himmel hell. Aus dem Ledersäckchen, das er um den Hals trug, nahm er sein Messingfernrohr, zog es auseinander und schaute in die Richtung aus der er eben mit kräftigen Schlägen gerudert war. Das Meer war dort immer noch bewegt und voller Trümmer.

Er schob sein Fernrohr zusammen. Der Griff, mit Leder überzogen, war feucht. Er machte sich nicht die Mühe ihn abzureiben.

Sein Boot war viel zu klein für dieses Meer, aber er würde nicht lange darin ausharren müssen. In ein paar Stunden würden sie kommen und ihn einsammeln.

Dann würde er seinen Lohn fordern. Für den Tod von siezehn Männern, zwei Frauen und sechs Kindern. 

BREAK

Peter Söt, seines Zeichens Schreiber, bekommt von seinem Meister einen neuen Auftrag. Nie sieht er ihn, immer ist es ein Bote. Er möge bitte nach Husum zu Herrn Theodor Storm gehen und sich dort als sein Schreiber einstellen lassen.

"Also Söt. Aus Minden gebürtig, dreiundzwanzig Jahre alt, zuletzt in Schleswig?"
Der alte Mann, der mich musterte, war klein und hatte ein Raubvogelgesicht: die kantige blaue Nase scharf gebogen, die Augenbrauen buschig, der Mund schmal. Er führte das Gespräch, er entschied über die Stelle, so viel war klar, auch wenn es sein Sohn war, für den ich arbeiten sollte. Der saß gelangweilt auf dem Sofa der Stube, in der der Alte seine Klienten empfing, und dachte anscheinend an alles andere als an den Schreiber, der ihm demnächst zur Hand gehen würde. 

Der junge Theodor Storm interessiert sich zunächst mehr für seinen Chor in Gründung, viele Abschriften macht Söt in Folge von Noten und Texten, muss selber auch mitsingen.

Ein Strafgefangener spielt eine Rolle, der nach abgesessener Strafe und Aufenthalt im Armenhaus zur Überstellung in eine Arbeitseinrichtung nach Schleswig geflüchtet und erneut festgesetzt worden war.

Weiterhin geht es um ein gesunkenes Schiff, über dessen Fracht Uneinigkeit zu bestehen scheint. Die Besichtigung eines Lagers wird immer wieder verweigert.

Es wird eine Leiche in einem Fass gefunden, die sich als Wachspuppe entpuppt, sie sieht jemandem sehr, sehr ähnlich.

Ein Ausflug wird von einem älteren Teilnehmer in gelber Kleidung nicht überlebt, seine Leiche wird an einem Bach gefunden.

Bei einem Pfingstmarkt erscheinen in einem "Diorama" ein kanariengelber Körper und acht Köpfe mit der Unterschrift "Mörder."

Wie dieses nun alles zusammenhängt, warum das Städtchen voller wütender Bauern und schweigender Geschäftsleute ist, was sich hinter der Fassade der honorigen Handelsherren und Anwälte wirklich verbirgt, ja, das ist eine für mich sehr verworrene Geschichte, deren Handlungsstrang ich nicht vollständig überblicke.

Am Ende klärt sich zwar das Schiffsunglück auf, und wer sich an wem warum rächen wollte, man erfährt zum Schluss auch etwas mehr von Peter Söt, aber das letzte kleine Kapitel... verstehe ich kein bisschen.

Warum ich das Buch trotzdem als kleine Bettlektüre gern gelesen habe, ist das Lokalkolorit. Als Norddeutsche und in wenigstens Teilzeit an der Nordsee groß Gewordene, als Hanseatin auch, hat mir die Schilderung des Lebens in Husum 1843 gefallen. Die Erzählung schrammte immer knapp an der Langeweile vorbei, da die meiste Handlung durch Dialoge vermittelt wurde, die sie verhindern konnte; sie plätschert ruhig dahin und vermittelt Atmosphäre.

Das ja.
Leseempfehlung? Nicht von mir, aber der Text hat immerhin den Theodor-Storm-Preis 2014 gewonnen.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Buch des Monats Oktober - Deutschstunde

Mein neunter Beitrag zur BuchBlogParade von Eva Maria Nielsen.
(Denn der Juli musste hier leider ausfallen.)

Siegfried Lenz: "Deutschstunde"
dtv-Taschenbuch - ISBN 978-3-423-13411-8
(Es gibt viele verschiedene Ausgaben, meine erste war ein dickes, gebundenes Buch...)

Mein Buch des Monats Oktober

Warum eigentlich? Siegfried Lenz ist tot. Vergangene Woche gestorben.

Für mich bedeutet Siegfried Lenz die "Deutschstunde", auch wenn er natürlich wesentlich mehr geschrieben hat...

Die "Deutschstunde" war der erste Kontakt zu seinen Werken, ich habe sie zum ersten Male mit fünfzehn Jahren gelesen und ein Referat im Deutschunterricht darüber gehalten. Vor allem war ich beeindruckt vom norddeutschen Lokalkolorit - wie auf Knopfdruck sah und sehe ich in Gedanken den gewissenhaften, zu gewissenhaften, Polizisten Jepsen mit seinem Fahrrad im Sturmwind auf dem Deich radeln. In meinem Kopf entstehen die leuchtenden Gemälde des Malers Nansen, dem man nur zu deutlich den Emil Nolde (der bürgerlich ja "Hansen" hieß!) anmerkt, von der Obrigkeit verfolgt, denn seine Bilder galten als "entartete Kunst."

Deutschstunde - der Titel bezieht sich auf die Rahmenhandlung. Der Jugendliche Siggi J. sitzt in der Nähe von Hahnöfersand ein, ihm wird eine Strafarbeit aufgebrummt, ein deutscher Aufsatz. Und er beginnt zu schreiben, schreibt praktisch bis zum Tage seiner Entlassung, arbeitet seine Kindheit, seine Familie, alle Geschehnisse in seinem beschaulichen Ort während des Krieges auf.

Man braucht Geduld für diesen Roman, der, langsam zu lesen, geradezu beschaulich geschrieben ist. Ganz allmählich entrollt sich ein von Nordseewind und Regen, leuchtenden Gemälden und norddeutscher Sturheit getragenes Epos um "die Freuden der Pflicht."

"Wenn es bei uns regnet, dann verliert das Land seine Offenheit, seine schutzlose Tiefe, ein zerstäubter Nebel hängt über ihm und nimmt einem die Sicht; alles wird niedrig, verkürzt sich oder wächst sich schwarz und knollenhaft aus, und es lohnt sich einfach nicht, unter irgendein Dach zu treten, um ein Ende des Regens abzuwarten, denn das Ende läßt sich nicht absehen, man kann es nur nach einem Erwachen glücklich feststellen. Wenn es nur geregnet hätte, wären wir gemächlich nach Hause gegangen, das nehme ich doch an, aber das Gewitter trieb uns zum Lauf über die Düne, die reißenden Blitze über der See, der Donner, die harten Böen; das war kein Gehen unter der Wucht dieses Unwetters, wir taumelten über den stumpfen und nassen Sand der Düne, immer noch Hilke folgend, die jetzt auf die Hütte des Malers zulief, die Hütte erreichte und sogleich die Tür aufriß, aber nicht schloß, sondern in der dunklen, vom Regen schraffierten Öffnung stehen blieb, bis wir bei ihr waren. Sie rief uns in die Hütte hinein. Sie warf die Tür zu und seufzte zufrieden auf.

Den Riegel, sagte der Maler, du mußt noch den Riegel vorschieben, und meine Schwester schlug mit ihrem Handballen gegen den Riegel, und dann standen wir triefend in der Hütte des Malers."

Sonntag, 21. September 2014

Helgoländer Hummerbuden - 12.09.2014

Nachmittags spaziere ich dann wieder los, die Hummerbuden anschauen. Ursprünglich wohl Schuppen der Helgoländer Fischer, die dort allerlei Dinge aufbewahrten, sind sie lange schon ein weiteres Wahrzeichen der Insel geworden.


In vielen dieser Häuschen widmet man sich kunsthandwerklichen, kulturellen oder kulinarischen Dingen. Wobei ich, Touristin mit eindeutiger Kaufabsicht, doch vom Angebot enttäuscht bin; sogar die kulinarische Seite dort lässt zu wünschen übrig. Zumindest in dem Moment. Ich bin nicht sonderlich anspruchsvoll, aber einen Stehimbiss (zwei Tischlein vor der Tür) mit wenig appetitlich anzuschauendem Publikum habe ich mir doch eher nicht vorgestellt. (Nicht, dass ich das Publikum hätte verspeisen wollen, allein der Anblick...!)


Modeschmuck, Souvenirs, Bilderausstellung - alles natürlich winzig kleine Läden (dem Format der Hummerbuden geschuldet) - treffen irgendwie nicht meinen Geschmack.



Sehr malerisch sehen die Häuschen natürlich aus. Außerdem scheint die Sonne, es ist warm, so setze ich meinen Spaziergang fort, gehe zu den Hafenanlegern, sehe weitere Duty Free Shops, die sich hier dann "Schiffsausrüster" nennen, komme an allerhand Gewerbebetrieben vorbei. Die sind allerdings weniger malerisch, so dass ich auf das Fotografieren verzichte.

Um so schöner sind Hafenbecken, Schiffe...




... futuristisch anzusehen ist der Wasserturm:


So langsam bewege ich mich in Richtung auf meine Unterkunft - nicht ohne mir noch eines der "leckersten Fischbrötchen ever" einzuverleiben.



Samstag, 20. September 2014

Rote Felsen und viele Vögel - 12.09.2014


Das sind erstmal keine Vögel... Schafe stehen da oben auf und neben dem Weg herum, rupfen Gras und würdigen mich keines Blickes.

Aber nun! Steiler Fels und - keine Nordsee. Fast keine. Es ist nämlich Ebbe und man sieht das Watt. Na ja, man kann nicht alles haben.


Das hier ist mal kurz ein Blick nach links... unter dem Dünengras verbirgt sich natürlich - was wohl - rotes Felsgestein. Bröckelig, wie man unschwer erkennen kann.


 Inzwischen bin ich weiter gegangen und sehe direkt auf das Wahrzeichen Helgolands: Die Lange Anna! Irgendwie hatte ich sie mir größer und noch eindrucksvoller vorgestellt.


Aber hier ist Vogelschutzgebiet, und wenn ich mit der Kamera zoome, kann man ganz gut sehen, wie belebt die Felsnadel ist:


Ich gehe mal ein paar Schritte weiter...




Hier tobt das wahre Vogelleben!!!




Der Rest vom Oberland ist schnell erzählt: Ein paar hundert Meter weiter an den Klippen entlang, dann - mangels ausreichender Energie für mehr - der erste Weg, der geradewegs zurück in die Zivilisation führt, ist meiner ...


In diesem Moment reißt der Himmel auf, die Sonne strahlt...


... die Restaurants warten auf hungrige Gäste...



... keine Gasse ist zu eng für Blühendes...


... der Blick nach unten zeigt Spielzeughäuser - oder etwa nicht?


Hier geht's ins Mittelland...


... ich kehre, weil ich mittlerweile fußlahm bin, allerdings lieber um...


... und gönne mir eine Erholungspause.

Oberland: Kliffrandwanderweg - 12.09.2014

Seit vier Uhr wach, endlich ist es acht und ich kann zum Frühstück gehen, das meine ganze Aufmerksamkeit verdient, reichhaltig und lecker ist. Tasse Kaffee vorher, mittendrin und hinterher.

Solchermaßen gestärkt breche ich auf. Wo ist eigentlich die Sonne? Hat sich versteckt hinter Wolken und Dunst. Auch gut, eben Nordsee. Ich möchte auf die Kliffs. Glücklicherweise gibt es einen Fahrstuhl, so dass ich die 30 m nicht per Treppe überwinden muss. Der Felsen wird im Verlaufe des Weges höher, stellenweise 60 m... Der Lift ist lustig, denn man beschäftigt einen Fahrstuhlführer, der als Kartenverkäufer, -abreißer oder -locher (bei Dauerkarten, so richtig mit Lochzange) sowie Bediener der Tasten fungiert. Flashback in time?


Nun geht es rechts herum, den Blick auf die dunstige Nordsee gerichtet...


... und sehe auf die Gegend, durch die ich am Vortage spaziert bin.


Es ist windig hier oben - am Horizont verschwindet die Nordsee im Nebel.


Für mich völlig überraschend führt der Weg durch eine Kleingartenanlage. Ich hatte mal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen, wusste aber nicht, dass sie in luftiger Höhe liegt und der Weg zu den Klippen geradewegs hindurch geht. Die Kleingärtner haben sich hier große Mühe gegeben...




Endlich habe ich wieder freie Sicht...


Der Höhenunterschied ist fotografisch nur schwer wiederzugeben... ich schaue dorthin, von wo ich am Vortage in die Brandung guckte:


Aber hier: Das ist die Treppe, die vom Fuße des Felsens aufwärts zum Vogelschutzgebiet führt. Dazu gleich mehr.

Freitag, 19. September 2014

Schlaflos auf Helgoland - 11./12.09.2014

Das Licht am Abend...Bilder vom Balkon:



Und als ich dann im Bett bin, leuchtet ein großer, orangener Mond - da muss ich natürlich nochmal aufspringen und zur Kamera greifen...


Keine Ahnung, vielleicht wegen der fremden Umgebung, bin ich morgens schon ganz früh wach...


Helgoland, erster Erkundungsweg - 11.09.2014

Wo auch immer ich hinfahre, zuerst ist ein Erkundungsweg fällig, damit ich meine nähere Umgebung kennen lerne und weiß, wo ich mich "verorten" muss.

Nach einer klitzekleinen Erholungspause, dem Auspacken meines Köfferchens, zieht es mich also nach draußen:

Kurpromenade, na ja... und eine Bummelbahn für Touris. Vielleicht eine Option für mich? Mal sehen, erstmal weiter gehen.


Zur anderen Seite geschaut, Duty Free Shops, ja, ich erinnere mich. Na gut.

 

Drei Schritte weiter, rechts Wasser, in der Ferne ein Seebäderschiff, schon besser.


... Und noch eines, und noch eines... während der nächsten Tage soll das ein normaler, fast alltäglicher Anblick werden:



Ich geh' denn mal weiter, noch ein wenig skeptisch, ob es mir hier wirklich gefallen kann? Kurpromenade mit Hotels/Appartmenthäusern...



... maritimer Dekoration...



Die andere Seite spricht mich mehr an...



Es ist warm! Offenbar ist der Herbst noch weit, hier ist schöner, allerschönster Spätsommer, und es blühen noch viele Blumen:

 







Das schöne Wetter und die Blumen versöhnen mich - womit auch immer...



Ich sehe einen seltsamen Nadelbaum - nicht das letzte maritime Gewächs, das ich hier auf Helgoland sichten werde...


Der Weg macht einen Linksschwenk...




Die Klippen kommen näher!

 



Und die Nordsee auch!


Hier bleibe ich eine ganze Weile stehen, sehe aufs Wasser, atme... die Luft riecht nach Nordsee... alles ist gut!

Auf dem Rückweg bin ich ganz entspannt...