Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig (Roman)
aus dem Englischen unter dem Titel "The Midnight Library"
ISBN 978-3-426-30825-7
Taschenbuch, Droemer/Knaur Verlag
Warum dieses Buch? Ich war schon lange neugierig darauf gewesen.
Klappentext/Rückseite:
"Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gefüllt mit all den Leben, die du hättest führen können.
Alles, was du jemals bereut hast, könntest du ungeschehen machen.
Genau dort findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort zwischen Raum und Zeit, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, hat sie plötzlich die Möglichkeit, all das zu ändern, was sie aus der Bahn geworfen hat.
Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?"
Nora verliert ihren Job, ist mit ihrer Miete im Rückstand, und nun ist auch noch ihr Kater gestorben. Sie hat das Gefühl, in ihrem Leben nur falsche Entscheidungen getroffen und alle Menschen enttäuscht zu haben: Ihren Vater, weil sie auf dem Weg zu Olympia ihre Schwimmkarriere aufgegeben hat; ihren Verlobten, weil sein Zukunftstraum von einem Pub auf dem Lande nicht ihrer war, und noch viel mehr.
Sie bedauert und verzweifelt, nimmt Tabletten. Und findet sich wieder in einer seltsamen Bibliothek mit sich bewegenden Bücherregalen und ihrer ehemaligen Schulbibliothekarin Mrs. Elm, der einzigen Person, die in einer sehr traurigen Zeit für sie da gewesen war. Mit Mrs. Elm hat Nora immer wieder interessante Gespräche, zunächst erklärt ihr Mrs. Elm aber die Bibliothek: Jedes Buch ist eines der ungelebten Leben von Nora, ein Leben, das von einer einzigen getroffenen Entscheidung aus sich hätte entwickeln können. Und jedes Buch gibt ihr die Möglichkeit, in dieses Leben jetzt sofort einzutauchen.
Nora probiert viele Leben aus, die Abschnitte werden lebhaft erzählt, auch diese Leben sind voller Höhen und Tiefen. Nachdem sich Nora eingewöhnt hat, stellt sie fest, dass dieses jeweilige Leben nicht richtig für sie ist und kommt augenblicklich zurück in die Bibliothek zu Mrs. Elm, wo die Uhren immer noch exakt Mitternacht anzeigen. Es gibt ein "Buch des Bedauerns" von Noras Leben, das Kapitel um Kapitel dünner wird, denn nach jedem anderen Leben gibt es weniger zu bedauern.
Das alles ist gut und spannend geschildert, ein bisschen überfordert war ich vom Prinzip der Quantenphysik ("Schrödingers Katze"), gelegentlich auch von den reichlichen Philosophiezitaten (Nora war in ihrem Ursprungsleben eine studierte Philosophin).
Ein Kapitel, in dem viele Leben einer Aufzählung gleich genannt werden, fand ich überflüssig, obwohl dies wohl zeigen sollte, dass Nora viele Leben mehr als nur die ausführlich geschilderten gelebt hat - bzw. Zeitabschnitte davon.
Ende gut, alles gut, in buchstäblich letzter Minute gelingt ihr die Rückkehr in ihr Leben inklusive Krankenhausaufenthalt und Treffen mit Menschen, die in manchen der ausprobierten Leben bereits verstorben waren. - Ihre Probleme sind geblieben, aber die Sicht auf die Menschen und Dinge sowie den Sinn des Lebens haben sich geändert.
Mich hat das Buch phasenweise sehr nachdenklich gemacht, und ich habe zwischendurch mein eigenes Leben reflektiert - da komme ich ganz gut bei weg.
Eine erstaunliche und sehr gut lesbare Lektüre, die mir viel Freude bereitet hat.