Donnerstag, 15. Mai 2025

Gelesen: Der Mann, der zweimal starb

Der Mann, der zweimal starb
Ein neuer Fall für den Donnerstagsmordclub von Richard Osman (Roman)

aus dem Englischen unter dem Titel "The Who Died Twice"
ISBN 978-3-471-36013-2
Broschiert (oder ein sehr dickes Taschenbuch), List/Ullstein

Was ich beim Lesen des ersten Buches nicht wusste: Es gibt mehr als einen Band vom Donnerstagsmordclub, zu diesem Zeitpunkt vier. Also haben wir hier Nummer 2/4

Klappentext/Rückseite:
"Da hat er sich in etwas reingeritten, der gute Douglas Middlemiss. Und jetzt soll Elizabeth ihm da wieder raushelfen. Dabei müsste ihr ehemaliger Geheimdienst-Kollege doch eigentlich wissen, mit wem man sich besser nicht anlegen sollte. Dazu gehört ganz bestimmt: Die New Yorker Mafia. Ist die erst mal im Spiel, geht es ziemlich sicher bald jemandem an den Kragen. Vor allem, wenn Diamanten im Wert von 20 Millionen Pfund verschwunden sind. Doch auch Profis können Fehler machen, etwa ihrem Handwerk in der Seniorenresidenz Coopers Chase nachgehen. Denn wer hier mordet, dem ist der Donnerstagsmordclub auf den Fersen, und der macht, schneller als ihm lieb sein kann, aus dem Jäger den Gejagten."

442 Seiten reines Lesevergnügen!
Die uns nun schon bekannte Seniorentruppe um Joyce, Elizabeth, Ibrahim und Ron, den Polizisten Chris und Donna sowie dem Allround-Handwerker Bogdan löst einen verzwickten Fall um gestohlene Diamanten, die zuvor gestohlen worden waren. Konfus? Genau, und im Entwirren solcher Zusammenhänge sind die Angehörigen des Donnerstagsmordclubs ja Spezialisten.

Das Charmante dieser Romane ist, dass die wichtigen und alltäglichen Dinge vollkommen gleichberechtigt nebeneinander stehen und wie selbstverständlich so von Joyce erzählt werden. Es gibt mehrere Morde, Kokainhandel, eine entflammte Liebe zwischen Chris und Donnas Mutter, einen überfallenen Ibrahim und Stefans geduldigen Schachpartner Bogdan, der sich für keine Schandtat zu schade ist. Elizabeth weiß, wie mit dem MI5 und MI6 umzugehen ist und kann auch die Botschaften ihres verstorbenen Exmannes entschlüsseln. Außerdem erfahren wir en passant, welche Strickjacke Joy anzieht und wo sie gerne während der Wartezeit einen Snack haben möchte.

Übrigens wird der Donnerstagsmordclub gerade verfilmt, so dass ich mich ranhalten muss, Band Nr. 3 zu lesen.

Familienzeit in der Kunsthalle

Jeden Sonntag bietet die Hamburger Kunsthalle eine "Familienzeit" für Kinder ab fünf Jahren und deren Familien an. Ich war mit meiner Tochter und den Enkeln dort.

Während wir auf die anderen Teilnehmer warteten, guckten wir uns etwas oben im Eingangsbereich um, so sah ich dann zwei sehr geliebte Bilder nach langer Zeit wieder. (Es wird Zeit, dass ich mal wieder einen Rundgang durch meine Lieblingsabteilungen mache!)




Die "Nana" von Edouard Monet



Morgendlicher Ausritt im Bois de Boulogne von Auguste Renoir

Ein Kunsttherapeut (oder Kunstpädagoge?) führte uns durch die Katakomben (ich übte fleißig betreutes Liftfahren mit N.), hoch und runter, kreuz und quer, bis wir in der einen oder anderen Abteilung der Moderne angekommen waren. (Die hier gezeigten Fotos geben das bis auf den Kandinsky so nicht wieder.)



"Weißer Fleck" von Kandinsky

Er erklärte den Kindern ganz viel zu Materialien und Kunstwerken (was alles Kunst ist!) und baute immer wieder kreative Pausen ein, in denen die Kinder (Eltern auch, so sie wollten, aber vieles fand auf dem Boden sitzend statt, da wäre ich kaum wieder hochgekommen) selbst künstlerisch tätig werden konnten.



Mit Holzkohle direkt an die Wand fabrizierte Abbilder von Flammen über Holzregalbrettern.


Flüssiges Blei wurde auf die "Dreiecke" und an die Wand geworfen und ist dann erhärtet.

Kunstwerke von teilnehmenden Kindern:

Mit Kreide großflächig gestaltet.


Kleine Stücke Holzkohle zwischen zwei Pappen gepresst und von einer herunterrutschen lassen.


Am Ende haben wir uns im Café ein wenig gestärkt. Der Tag hat mir Freude gemacht, ich habe meine Familie genossen, aber eigentlich war ich körperlich ziemlich überfordert. Was für ein Tag! 

Hier noch ein paar Kunsthallen-Ansichten:









Auf der Treppe ein Schild: Dieses ist ein Kunstwerk, deshalb sind die Stufen größer als üblich.
(Das Dach des neueren Teils der Kunsthalle)

Was hier fehlt: Fotos mit Menschen. Aus nachvollziehbaren Gründen kann ich sie hier leider nicht zeigen, obwohl das natürlich die besseren Bilder sind.

Mittwoch, 7. Mai 2025

Gelesen: Sturmvögel

Sturmvögel (Roman) von Einar Kárason

Aus dem Isländischen "Stormfuglar".

ISBN 978-3-442-77332-9

btb Taschenbuch, Penguin Random House

Rückseite:
"Der verzweifelte Kampf einer isländischen Fischercrew gegen die Kräfte der Natur.

Winter 1959, ein isländischer Trawler liegt vor Neufundland auf stiller See. Zweiunddreißig Mann sind an Bord, das Wetter ausgezeichnet. Plötzlich zieht ein schwerer Sturm auf, das Schiff droht zu bersten und in den unbändigen Wellen zu versinken. Notrufe an andere Schiffe laufen ins Leere, es beginnt ein erbitterter Kampf um Leben und Tod.

Nach einer wahren Begebenheit - übersetzt von Bestsellerautor Kristof Magnusson."

Klappentext:
"Im Februar 1959 geraten mehrere isländische Fischtrawler vor Neufundland  in ein schweres Unwetter. Mitten im Sturm befindet sich die Mávur, zu Deutsch "Möwe", auf der der 18-jährige Lárus und die anderen  Crewmitglieder um ihr Überleben kämpfen. Notrufe laufen ins Leere, eisige Brecher prasseln auf das Schiff ein und die Mannschaft versucht verzweifelt, die Rettungsboote vom Eis zu befreien. Beladen mit 400 Tonnen Rotbarsch und durch das Gewicht des Eises zusätzlich belastet, scheint die Mávur dem Untergang geweiht. Im Kampf mit den Naturgewalten kommt es nun auf den Zusammenhalt der Mannschaft an."

Beim Lesen erfährt man einiges über das Leben der Mannschaftsmitglieder, auch Einzelschicksale, Träume, Hoffnungen. Außerdem wird immer wieder beschrieben, was sich an Bord abspielt, auch wenn man als Leser:in die Fachbegriffe nicht alle kennt/versteht, tut das dem Lesefluss keinen Abbruch. Während die Mannschaft über die Erschöpfung hinaus Unmenschliches leistet, sich mit schnellen Mahlzeiten aus der Kombüse und literweise Kaffee irgendwie wach hält und arbeitet, wird man hineingezogen in diesen Kampf gegen das eisige Unwetter. Es ist kaum zu glauben, dass am Ende die Mannschaft überlebt.

Ein ungewöhnlicher Roman nach einer wahren Begebenheit, 142 Seiten, die sich gut an einem Sonntag durchlesen lassen.

Gelesen: Stalking Jack The Ripper

Stalking Jack The Ripper
Die Spur in den Schatten (historischer Kriminalroman)
von Kerri Maniscalco

Aus dem Englischen.

ISBN 978-3-492-79000-0

Gebundenes Buch, Piper Verlag, München

Rückseite:
"Grausame Morde im viktorianischen London

London, 1888. Als Tochter eines Lords hat Audrey Rose Wadsworth ein Leben voller Reichtum und Privilegien vor sich. Doch sie führt ein verbotenes Doppelleben. Entgegen den Wünschen ihres strengen Vaters studiert sie heimlich Gerichtsmedizin. Dabei arbeitet sie an einer Reihe grausam zugerichteter Frauenleichen und macht es sich zum Ziel, deren Mörder zu entlarven. Gemeinsam mit dem attraktiven Thomas Cresswell fängt sie an, zu ermitteln. Der Mörder nennt sich selbst Jack the Ripper - und seine Spur führt in Audreys eigenes Umfeld..."


Klappentext:
"Zweimal im Jahr kamen Tante Amelia und meine Cousine Liza zu Besuch. Dabei versuchten sie jedes Mal, mich mit anderen Mädchen in meinem Alter in Kontakt zu bringen, indem sie verschwenderische Teegesellschaften gaben. Tante Amelia hoffte, dass ich mich danach aus eigenem Antrieb weiter mit ihnen treffen würde, doch ich hatte dem ein Ende gesetzt. Die Mädchen beim Tee verstanden mich einfach nicht, was genau der Grund war, warum ich während der vergangenen Monate sämtliche Einladungen ausgeschlagen hatte. Ich verabscheute das Mitgefühl, das ich in ihren Blicken las, und ich konnte mir nicht einmal vorstellen, ihnen von meinen nachmittäglichen Beschäftigungen zu erzählen. Einige von ihnen fanden es bereits unanständig, wenn man sein Buttermesser in die Schale mit dem Lemon Curd tauchte. Wie entsetzt wären sie wohl, wenn sie herausfinden, dass ich mein Messer regelmäßig in blutiges Gewebe tauchte?"

Entgegen meiner Gewohnheit zeige ich schon an dieser Stelle das Umschlagbild, mehr zur Gestaltung folgt dann am Ende:


Vor einiger Zeit war die Mutter von Audrey Rose verstorben, an einer Scharlacherkrankung. Seither versucht ihr Vater, sie so viel wie möglich von der Außenwelt fernzuhalten, sie zu beschützen. Gleichzeitig verkriecht er sich immer länger in seinem Arbeitszimmer und gibt sich seiner Trauer hin. Außerdem hat Audrey Rose einen Bruder, der viel Wert auf sein Äußeres legt und dem Anschein nach studiert. Der Bruder ihres Vaters, Dr. Jonathan Wadsworth, ist Gerichtsmediziner und unterrichtet vormittags an der Universität. Der 17jährigen Audrey ist der Besuch sowohl der Universität als auch des Laboratoriums ihres Onkels verboten, sie ist schließlich ein Mädchen!

Allerdings hat Audrey ganz ihren eigenen Kopf und schleicht sich nachmittags aus dem Haus, um bei ihrem Onkel schnell ihre aufwändige Kleidung gegen ein einfaches Kleid und eine Schürze zu tauschen. Sie assistiert ihrem Onkel bei der Entnahme von Organen und stellt Überlegungen zu den Todesursachen an. Gleichzeitig ist Thomas Cresswell mit im Labor, ebenfalls Student der Gerichtsmedizin.

Die ermordeten Frauen, die Audrey zu Gesicht bekommt, lassen ihr keine Ruhe, so dass sie sich zu nächtlicher Stunde auf den Weg in die dunklen Gassen Londons macht. Auch Thomas ist dort unterwegs und erweist sich spontan als Beschützer. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, bis sie gemeinsam versuchen, die Morde aufzuklären, besonders, da ihr Onkel Jonathan inzwischen verhaftet, in die Psychiatrie eingewiesen und unter Drogen gesetzt wurde.

Eine spannende Geschichte um ein junges Mädchen, das, entgegen der Konventionen seiner Zeit, unbeirrbar seinen Weg geht und ... (Mehr zu schreiben, hieße zu spoilern, lest selber!)

Das Buch hat eine schöne Aufmachung. Entfernt man das Umschlagpapier, so zeigt es sich mit einem leuchtend türkisblauen Druck eines Herzens mit einem Dolch/Messer.


Die innere Umschlaggestaltung ist ebenfalls sehr liebevoll gemacht, ein loses Blatt Pergamentpapier mit einem unbeschrifteten Druck des Londoner Stadtplans liegt bei.

Und es hat einen hübschen farbigen Buchschnitt:


Ich habe diesen historischen Krimi sehr gern gelesen und kann ihn wärmstens empfehlen.