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Montag, 15. Juni 2026

Gelesen: Yesteryear

Yesteryear von Caro Claire Burke (Roman)

Aus dem Englischen
Wilhelm Heyne
ISBN 978-3-453-27535-5

Klappentext:
"Als Natalie Heller Mills eines Morgens aufwacht, ist alles anders: Ihre eigentlich so sorgfältig ausgeleuchtete Küche wird nur noch vom Schein eines spärlichen Kaminfeuers erhellt, ihre Kinder, die sonst in makellosen Outfits vor die Tür und Kamera treten, tragen schmutzige Klamotten und von den Kindermädchen und Hilfsarbeitern auf der Farm fehlt jede Spur. Es gibt nicht einmal mehr Strom oder fließendes Wasser. Natalie, die nun plötzlich Brennholz schleppen, Kleidung am Waschbrett schrubben und mehrmals täglich den schweißtreibenden Weg zum Brunnen antreten muss, kann nicht fassen, was passiert ist. Das ist nicht ihre schöne heile Welt, die sie allen vorgespielt hat, sondern die brutale Realität. Von nun an beherrscht sie ein einziger Gedanke - wo zur Hölle ist sie gelandet und wie kommt sie hier wieder raus?"

Die ganze Geschichte wird aus der Sicht von Natalie erzählt. Es sind verschiedene Abschnitte, von denen sie berichtet. Da wäre zuerst einmal ihr Dasein als Tradwife-Influencerin. Ihr Farmhaus soll aussehen als sei es aus der Zeit der Pioniere Amerikas, alle elektrischen Geräte sind so verbaut, dass sie nicht auf den Videos ins Bild kommen. Sie hat zwei Kindermädchen und eine Producerin, die sich darum kümmert, dass die Videos professionell werden. Nebenbei verkauft Natalie allerlei "eigene" Produkte.

Ein Abschnitt erzählt von ihrem Aufwachsen bei Mutter und Schwester in einem sehr christlichen (evangelikalen?) Haushalt. Dann von ihrer Collegezeit, wo sie schnell zur Außenseiterin wird. Es folgt das Kennenlernen und spätere Heirat mit Caleb, den sie selber als Weichei beschreibt.

Natalie kommt nicht sympathisch rüber, eher satirisch-zynisch.

Nun wacht sie eines Morgens auf und findet sich in einem Haus wieder, das ihr Haus ist und doch wieder nicht. Ihre Kinder sind ihre Kinder und doch nicht ihre Kinder. Sie verrichtet Schwerstarbeit, an manchen Tagen aber macht sie gar nichts. Das alles wird unendlich oft und ausführlich von ihr geschildert. Was ist los?

Mehr kann ich hier nicht sagen, denn irgendwann folgt ein Plottwist, mit dem ich nicht gerechnet habe. Der ist von der Idee her gut, scheint mir aber nicht ganz ausgereift zu sein. Es bleiben so viele Fragen offen.

Der Schreibstil ist eingängig, und ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen. Es ist keine "Literatur für den Bücherschrank", denn schwerlich wird das Thema "Tradwife-Influencerin" noch in einigen Jahren aktuell sein. Ich werde es kein zweites Mal lesen wollen. Das Buch kann die Runde bei meinen Töchtern machen und am Ende weg gegeben werden.

Gelesen: Circle of Days

Circle of Days von Ken Follett (Roman)

Auf Deutsch erhältlich als "Stonehenge"
Quercus, London/John Murray Group
ISBN 978-1-529234-2

Klappentext, ich beschränke mich hier nur auf die Überschriften:
"A flint miner with a gift.
A priestess who believes the impossible.
A monument that will define a civilization."

Wieso-weshalb-warum ich dieses Buch auf Englisch gekauft hatte und von dem ganzen Drumherum mit der Veranstaltung hatte ich schon berichtet.

Vorne im Buch ist eine Doppelseite mit einer Zeichnung des Gebietes, in dem die verschiedenen Stämme leben. Diese Abbildung empfand ich als hilfreich und habe während des Lesens immer mal nachgesehen, um mich zu orientieren.

Der Roman beginnt mit den Vorbereitungen zum Mittsommerfest, das bei den Priesterinnen stattfindet, parallel mit der Geschichte von Seft, einem jungen Feuersteinschläger, der vom Vater misshandelt und von den Brüdern drangsaliert wird. Zum Sonnenwendfest kommen Leute aus den verschiedenen Stämmen zusammen, auch um nach den Feierlichkeiten den einen oder anderen One-Night-Stand zu haben, denn schon damals war es wichtig, Inzucht entgegen zu wirken. Wer sich nun mit wem oder zu welchem Zwecke zusammentat, alle hatten ihren Spaß dabei.

Follett verwendet viel Mühe darauf, die Stämme zu schildern, überall hatte sich eine ganz eigene Gesellschaftsform mit speziellen Sitten und Gebräuchen gebildet. Hirten, Farmer, Waldbewohner, Steinschläger, sie kamen alle zum Fest zusammen. Problematisch fand ich die Namen, hatte oft die Schwierigkeit, überhaupt zu erkennen, ob ich es mit einem Mann oder einer Frau zu tun hatte.

Im Laufe der fiktiven Geschichte gibt es eine lange anhaltende Dürre und Hungersnot, Überfälle, Landraub bis hin zum Krieg. Um das Monument geht es erst im letzten Drittel des Romans. Der ursprüngliche Steinkreis aus Holz war einem Feuer zum Opfer gefallen und Seft (inzwischen verpartnert und Vater dreier Kinder) und die Priesterin Joia (Schwester seiner Frau Neem) entwickeln den Plan, den Kreis aus riesigen Steinen neu zu bauen. Viel dreht sich jetzt also um das Anwerben von freiwilligen Helfern und Bewältigen logistischer Probleme.

Das ist so etwa eine ganz kurze Zusammenfassung. Außer Alltagsproblemen, Mord und Totschlag geht es auch um Sex. Ein älterer Gentleman (Follett) sollte nicht darüber schreiben. Handlungen werden sehr technisch-beschreibend geschildert, ohne Empathie. Außerdem gibt es zu viele Vergewaltigungen und Missbrauch innerhalb der Priesterinnenschaft. Die Hälfte hätte es auch getan.

So sehr ich mich auf diese Lektüre gefreut hatte, so bin ich doch enttäuscht. Zunächst empfand ich die Sprache als zu simpel - Follett sagte ja, ihm sei wichtig, dass jeder seine Bücher lesen kann - aber wenn ich das als Fremdsprachenleserin so empfinde, ist es vielleicht doch zu sehr "einfache Sprache"?

Weiterhin hatte der Roman deutliche Längen. Von den fast 600 Seiten hätten gerne 300 gekürzt werden können, so war denn im zweiten Teil meine Lesemotivation nicht mehr sehr stark. Schade.

Sonntag, 10. Mai 2026

Gelesen: Die Leuchtturmwärter

Die Leuchtturmwärter von Emma Stonex (Roman)

Aus dem Englischen "The Lamplighters"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-70058-5

Klappentext/Rückseite:
"Spurlos verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Leuchtturmwärter von ihrem Turm. Der zum Abendessen gedeckte Tisch ist unberührt. Die Uhren stehengeblieben. Die Tür von innen verschlossen. Zurück bleiben drei Frauen. Ein ganzes Leben lang wird dieser rätselhafte Fall Helen, Jennifer und Michelle nicht loslassen, bleibt die Abwesenheit ihrer Männer spürbar. Doch erst 20 Jahre später erzählen sie zum ersten Mal ihre Geschichte. Von einer Zeit voller Entbehrungen und Enttäuschungen. Von einer Zeit des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer wir mit ihnen hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung."

Es wird in abwechselnden Kapiteln das Leben der Leuchtturmwärter aus den jeweiligen Perspektiven der drei Wärter erzählt. Ein Journalist nimmt Kontakt auf zu den drei verlassenen Frauen, nach einiger Zeit erzählen sie aus ihrer Sicht, wie das Leben mit den Leuchtturmwärtern vor vielen Jahren abgelaufen ist. Von ihren Wünschen, Träumen, Hoffnungen. Zuerst zögerlich, später ausführlicher. Dazwischen die Gedanken der Leuchtturmwärter, erst kollegial, dann freundschaftlich, später eher schwierig.

Zu einem gewissen Maße alles nachvollziehbar und berührend. Schwierigkeiten machte mir der letzte Teil, in dem es um die (vermuteten) Gedanken und Gefühle der Leuchtturmwärter ging bis hin zu einem Mechaniker, den niemand geschickt haben wollte, dann einem Wesen, das einem Sterbenden die Hand reicht.

Stellenweise berührend, zum Schluss hin eher enttäuschend und nicht nachvollziehbar.

Sonntag, 8. März 2026

Abgebrochen: Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier (Roman)

btb/Random House
ISBN 978-3-442-73436-8
Taschenbuchausgabe von 2006

Klappentext:
"Mitten im Unterricht steht der Lateinlehrer Raimund Gregorius auf und verlässt seine Klasse. Aufgeschreckt vom plötzlichen Gefühl der verrinnenden Zeit, lässt er sein wohlgeordnetes Leben hinter sich und setzt sich in den Nachtzug nach Lissabon. Im Gepäck hat er ein Buch von dem Portugiesen Amadeu de Prado, dessen Ausführungen über das Leben, über Liebe, Einsamkeit, Endlichkeit, Freundschaft und Tod ihn nicht mehr loslassen. Er macht sich auf die Suche nach den Spuren dieses faszinierenden Menschen. Langsam meint Gregorius zu ahnen, wer der Schriftsteller war. Doch was hat das für Konsequenzen für sein eigenes Leben? Kann man denn einfach so ausbrechen und alles Gewohnte hinter sich lassen? Dieser Roman ist ein vielstimmiges Epos von einer Reise nicht nur durch Europa, sondern auch durch unser Denken und Fühlen."

+++

Ganz entgegen meiner Gewohnheit beginne ich hier, ohne mehr als gute 80 Seiten bisher gelesen zu haben. Die Einleitung zieht sich, ist gemächlich bis langweilig, und erst ganz langsam komme ich in die Geschichte hinein.

Ich habe dieses Buch 2006 meiner großen Tochter geschenkt und frage mich gerade, ob das eine gute Wahl für eine junge Frau war?

Der Protagonist, allgemein nur "Mundus" genannt, hat ein Erlebnis, das ihn sein Leben neu durchdenken lässt. Im Zentrum steht der Satz: "Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?" (Und hier erinnert es mich stark an die Sinnfrage von Matt Haig in der "Mitternachtsbibliothek")

Mundus kauft sich ein Buch und einen Anfängersprachkurs Portugiesisch, lernt und übersetzt eine ganze Nacht lang, kauft sich eine Bahnfahrkarte nach Lissabon. Gesetzt, Mundus ist ein Sprachgenie für alte Sprachen, scheint es mir unglaubwürdig, dass er mit wenig mehr als rudimentären Fremdsprachenkenntnissen bereits ein philosophisches Werk abschnittweise übersetzen kann. Die tatsächlichen Sprechversuche hingegen sind nachvollziehbar und glaubwürdig. Im Zug knüpft er erste Kontakte. Ebenfalls mit meinen eigenen Erfahrungen überein stimmt das Bedürfnis, eine Buchhandlung aufzusuchen und sich dort fremdsprachlich einzudecken.

So allmählich kommt die Geschichte also in Gang und ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.
16.02.2026

+++

Tja, so wirklich in Gang gekommen ist die Geschichte dann nicht. Der Protagonist hält sich lange in Lissabon auf, lernt mehr und mehr die Sprache, wobei er auch häufig französisch spricht, und folgt den Spuren einer Person, macht Bekanntschaft mit deren Freunden und  Familienmitgliedern, stellt so allerlei Betrachtungen an. Unterdessen verändert er sich und damit auch sein Äußeres, die Brille wird erneuert, seine Kleidung auch. Er beginnt, durch den Kontakt mit einem Mann, den er nun regelmäßig im Heim besucht und eine Partie Schach mit ihm spielt, zu rauchen. Nach und nach entwirrt er allerlei Knoten der Vergangenheit, wobei allerdings nicht der Anschein von Spannung entsteht. Und: Ganz plötzlich zu Beginn eines neuen Kapitels bucht er sich einen Heimflug. Dies habe ich nicht verstanden. Ich gebe auf.

Fazit: Langweilig ohne Ende.

Samstag, 7. Februar 2026

Abgebrochen: Das geheime Bildnis

Das geheime Bildnis von Ellery Lloyd (Krimi)

Aus dem Englischen "The Final Act of Juliette Willoughby"
Knaur Verlag/Droemer Knaur GmbH
ISBN 978-3-426-56761-4

Hinter dem Pseudonym Ellery Lloyd steht das Ehepaar Collette Lyons und Paul Vlitos.

Klappentext:
"Wenn andere über mein Bild sprechen, ist von Albträumen die Rede, von heimlichen Ängsten, die öffentlich preisgegeben werden. Ich glaube, keiner ahnt auch nur ansatzweise, wie viel von dem, was ich gemalt habe, die Realität abbildet.

Als ich in unseren Ausstellungsraum kam, stand vor meinem Bild ein einzelner Mann, groß, kerzengerade, weißes Haar, den Hut in der Hand. Lange stand er da und starrte das Bild an. Und noch ehe er weiterging, ehe ich sein Gesicht sah, erinnerte irgendetwas an ihm mich an meinen Vater, an die Männer in meiner Familie. Da wusste ich, wer er war. Ich habe wohl hörbar nach Luft geschnappt. Er drehte sich um. Er erblickte mich. Und als ich den entsetzten Ausdruck auf Onkel Austens Gesicht sah, wusste ich, dass er es verstanden hatte. Was das Bild bedeutet. In dem Moment begriff ich, was für einen riesigen Fehler ich gemacht habe. "Selbstporträt als Sphinx" ist nicht einfach nur ein Gemälde. Nicht für meine Familie. Für meine Familie ist es eine Kriegserklärung."


Rückseite:
"Ein brutaler Mord. Ein Familienfluch. Ein rätselhaftes Kunstwerk...

Paris, 1938: Bei einem Brand kommen die begabte junge Malerin Juliette Willoughby und ihr Geliebter ums Leben. Mit Juliette verbrennt ihr Meisterwerk, das surrealistische Gemälde Selbstporträt als Sphinx.

Cambridge, 1991
: Die Kunststudentin Caroline und Patrick stoßen auf Hinweise, dass Juliettes Tod kein Unfall war. Und dass die aristokratischen Willoughbys bis heute etwas zu verbergen haben.

Dubai, heute: Patrick, mittlerweile Kunsthändler, verkauft eine zweite Version von Selbstporträt als Sphinx für einen sensationellen Betrag. Am nächsten Tag wird er wegen Mordes an seinem ältesten Freud verhaftet - dem letzten Erben der Willoughbys.

Enthält Juliettes Bildnis den Schlüssel zu den tödlichen Geheimnissen ihrer Familie?"

Zeitsprünge, immer erzählen die Personen wechselweise. Die Texte sind frei von Emotionen und lesen sich eher wie Polizeiberichte. Zwischendurch Schilderung eines Festes, das mir vorkommt wie eine Nacherzählung der dekadenten Feiern des Großen Gatsby.

Nachdem ich das Buch im Herbst zur Seite gelegt hatte, bekam es jetzt eine zweite Chance. Es ist so unendlich langweilig. Auf Seite 168 breche ich jetzt endgültig ab. Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.

Dienstag, 3. Februar 2026

Gelesen: The Legend of Lady Byeoksa

The Legend of Lady Byeoksa - Die Perlen des Todes von Esther Park (Fantasy)

Aus dem Koreanischen 
Bramble Verlag/Droemer Knaur GmbH
ISBN 978-3-426-56384-7

Klappentext innen:

Alles, was sie noch sehen konnte, waren seine Augen.

Sein feuriger Blick stand in starkem Kontrast zu seinem kühlen Gesichtsausdruck. Einen Moment lang hatte Bin das Gefühl, als würde alles Licht der Welt auf sie herabscheinen. Es fiel auf ihr Haar, ihren Nasenrücken, ihre runden Schultern und die Schleife ihres Oberteils und bahnte sich von dort aus seinen Weg über den Rest ihres Körpers.

"Bin Seamoon", sprach Eunho sie an.

Das allein reichte schon aus, damit ihr Herz sich aus seinen Fesseln löste und erneut zu flattern begann. Wie ein Schmetterling, der gerade aus seinem Kokon geschlüpft war."


Rückseite:

Ich habe mich u.a. wegen der besonders romantischen Aufmachung, den farbigen Buchschnitt zeige ich am Ende, zum Kauf verleiten lassen. Außerdem war ich neugierig auf eine Sage/Legende/ein Märchen aus Asien.

So ganz habe ich nicht eintauchen können in diese Welt zwischen Dies- und Jenseits mit einem besonderen Kampf zwischen gut und böse. Schlangen spielen eine Rolle, ein mysteriöses Meer, Tote und Untote, Magie, Talismane. Dazu zwischen Kämpfen und Beschwörungen eine Liebesgeschichte, die immer wieder vergessen werden muss. Verwirrend, obwohl zeitweise wirklich spannend.

Im Nachwort schreibt die Produzentin dieses Buches: "... geht es um die Geschichte... einer Seelenjägerin, die sich als Mann verkleidet, um ihren Liebsten zu schützen." Weiter "...Der Roman umfasst eine Vielzahl von Genres. Es ist eine Fantasy-Romanze, die in der Joseon-Dynastie spielt, ein spektakulärer Okkultismus-Thriller und eine Coming-of-Age-Geschichte für eine Vielzahl von Figuren".

Die Buchschnitte:

Sehr hübsch gemacht, aber ein reines Lesevergnügen wollte sich bei mir nicht einstellen.

Montag, 26. Januar 2026

Gelesen: Der gefrorene Fluss

Der gefrorene Fluss von Ariel Lawhon (Roman)

Aus dem Englischen "The Frozen River"
ADRIAN VERLAG/Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH
ISBN 978-3985852956

Klappentext/Rückseite:
"Maine, 1789: Als der Kennebec River zufriert und einen Mann im Eis bestattet, wird Martha Ballard gerufen, um den Leichnam zu untersuchen und die Todesursache festzustellen. Als Hebamme und Heilerin ist sie in vieles eingeweiht, was in der Kleinstadt Hallowell hinter verschlossenen Türen vor sich geht. In ihrem Tagebuch hält sie jede Geburt und jeden Todesfall, jedes Verbrechen und jede Katastrophe fest, die sich in der eng zusammengewachsenen Gemeinde ereignet. Monate zuvor hat Martha die Einzelheiten einer angeblichen Vergewaltigung durch zwei der angesehensten Männer der Stadt dokumentiert - einer von ihnen wurde nun tot im Eis aufgefunden. Martha ist sich sicher, dass sie es hier mit einem Mord zu tun hat. Doch als ein ortsansässiger Arzt ihre Schlussfolgerung in Frage stellt und den Tod für einen Unfall erklärt, ist Martha gezwungen, den schockierenden Mord auf eigene Faust zu untersuchen.
Im Laufe eines Winters, während der Prozess näher rückt und Gerüchte und Vorurteile zunehmen, ist Martha beharrlich auf der Suche nach der Wahrheit. Ihr Tagebuch gerät bald in den Mittelpunkt des Skandals, verwickelt diejenigen darin, die sie liebt, und zwingt Martha, zu entscheiden, wo ihre eigene Loyalität liegt."

Wir erfahren hier viel über das Leben um 1800, Familienstrukturen, die Ungleichstellung der Frauen, Kindersterblichkeit und ein noch unfertiges Rechtssystem, so ganz anders als wir es kennen, in den noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika.

Was mich aber wirklich bezaubert und sofort mitgenommen hat, ist diese wunderbare Art zu erzählen. Geradezu sanft im Ton - aber keinen Moment langweilig - führt uns die Protagonistin durch die Geschichte, die voller Begebenheiten und brenzliger Situationen ist. Sie schildert ein turbulentes Familienleben und einen sehr zugewandten Ehemann, was der Erzählung einen schönen Rahmen gibt.

Schade, dass auch diese Geschichte irgendwann zu Ende war!


Diese Autorin werde ich mir merken.

Dienstag, 6. Januar 2026

Gelesen: Wir gegen euch

Wir gegen euch von Fredrik Backman (Roman)

Aus dem Schwedischen "Vi mot er"
Goldmann Taschenbuch/Penguin Random House
ISBN 978-3-442-49392-0

Die Fortsetzung von "Björnstadt" (Als ich das las, wusste ich nicht, dass es drei Bände sind!)

Klappentext:
"Der Überlebenskampf einer kleinen Stadt - und die ganze Welt der großen Emotionen.
Das kleine Björnstadt musste erleben, was es heißt, wenn ein ganzer Ort auseinanderbricht. Nun sieht sich die Stadt einer erneuten Herausforderung gegenüber. Denn nicht nur ist ihr Eishockeyverein von der Schließung bedroht - zudem wird auch noch der Klub der Nachbarstadt Hed, Erzrivale Björnstadts, als neuer Stern am Himmel des geliebten Sports gefeiert. Der gemeinsame Feind schweißt viele Björnstädter wieder zusammen, und aus der sportlichen Rivalität zweier Städte wird ein verbissener Kampf, der mit allen Mitteln geführt wird und niemanden verschont. Bis zum dramatischen Finale..."


Obwohl es schon einige Monate her ist, dass ich den ersten Band las, gelingt es dem Autor, mich sofort wieder in die Geschichte hineinzuziehen. Nach und nach greift er alle losen Enden auf und bleibt doch in der Gegenwart. So erinnert sich die Leserin an die Protagonisten - davon gibt es viele - mit deren Schicksalen und Befindlichkeiten. Neu hinzu kommt ein Politiker, dem jedes Mittel recht ist, um Karriere zu machen, bleibt jedoch immer im Hintergrund, so dass die Leidtragenden andere sind.

Die Jugendlichen wachsen heran und ihre Auseinandersetzungen werden heftiger, aber manche lernen auch, mit ihren persönlichen Tragödien umzugehen. Der Kampf der Sportvereine ist nach wie vor ein Kampf zwischen zwei Kleinstädten, der so manches Opfer fordert.

Hinreißend geschrieben, wieder in vielen kurzen Abschnitten, die jeweils mit einem Cliffhanger enden.

Freitag, 12. Dezember 2025

Ken Follett - Stonehenge

Mitte November waren wir im Cinemaxx, wo Ken Follett seinen neuen Roman "Stonehenge" vorgestellt hat. Es war eine Veranstaltung des Verlages in Zusammenarbeit mit dem Team meines Bücher-Podcasts vom NDR eat.READ.sleep.

 

In lockerem Ton erzählte Ken Follett von seinem neuesten Buch, auch eine Archäologin kam hinzu. Stonehenge ist echt, was die Romanhandlung natürlich nicht ist. Er berichtete, wie er eine Story entwickeln würde und von den ausgedachten (aber nicht unwahrscheinlichen) Bevölkerungsschichten.

Follett zeigte sich als echter britischer Gentleman mit viel Humor und einer wunderbaren englischen Aussprache, so dass ich keinerlei Mühe hatte, ihm zu folgen.

Es war ein schöner Abend, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass auch eine kleine Lesung dabei gewesen wäre.

In den nächsten Tagen stöberte ich beim Buchversender. Das Hardcover ist sehr teuer, das Paperback wird erst im Frühjahr herauskommen. Aber es waren die Prime Days und ganz offenbar gilt für England keine Buchpreisbindung, da gab es die Bücher praktisch zum halben Preis.

Was soll ich noch sagen? Seither liegt "Circle of Days" bei mir und ich bin voller Vorfreude.



Über das Buch werde ich natürlich erst etwas schreiben, wenn ich diesen Wälzer durchgelesen habe.

Facebook-Link: Here are a few highlights from my recent... - Ken Follett (official) | Facebook

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Die Henkerstochter und der König der Bettler

Die Henkerstochter und der König der Bettler von Oliver Pötzsch (Historischer Roman)

ISBN 978-3-548-61232-4
List/Ullstein Taschenbuch

Teil 3/6 (ja, ja, es gibt noch mehr davon)

Warum dieses Buch? Der nächste Band eben.

Klappentext/Rückseite:
"Der Schongauer Henker Jakob Kuisl ist in eine Falle getappt: Bei einem Besuch in Regensburg findet er seine Schwester und den Schwager tot in der Badestube. Die Stadtwache verhaftet Kuisl als Verdächtigen und wirft ihn in den Kerker. Nun drohen ihm, dem Henker, selbst Folter und Hinrichtung. Fieberhaft suchen seine Tochter Magdalena und der Medicus Simon Fronwieser nach dem wahren Täter und stoßen dabei auf einen Komplott, bei dem die Zukunft des Kaiserreichs auf dem Spiel steht."

Ein gewohnt guter Mittelalterkrimi, in dem sich innerhalb zweier Erzählstränge die Ereignisse überschlagen. Am Ende wird zwar alles gut, aber bis dahin haben Magdalena/Simon und Jakob so einige brenzlige Situationen zu überstehen. Auch wieder gern gelesen.

Sonntag, 17. August 2025

Gelesen: Totenblumen

Totenblumen von Christian Uecker (Krimi)

Friedrich Wittig Verlag
ISBN 978-3-8048-4495-7

Klappentext:
"Totenblumen...
Unter diesem düsteren Omen steht der Gemeindeausflug nach Südengland. Auch Pastor Falke ahnt die Gefahr, bleibt aber lieber ahnungslos. So sterben drei Menschen, bevor Falke - erneut als Detektiv wider Willen - den Fall lösen kann und muss."

Es ist dieses der letzte Band einer kleinen Krimireihe um den Pastor Falke, so versteht man obigen Text. Der Autor soll während der Fertigstellung verstorben sein, 

Der Pastor einer norddeutschen Gemeinde macht eine Busreise mit einigen Gemeindemitgliedern, die man während des Lesens genauer kennenlernt. Zweck der Reise war eine Besichtigung der schönen Gärten in Südengland, die im Verlaufe der Geschichte auch gewürdigt werden.

Jeder Reisende trägt sein persönliches Päckchen mit sich herum, und als dem Busfahrer eine Frau vor den Bus läuft und später verstirbt, der Fahrer mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus kommt, passieren weitere Dinge.

Darüber möchte ich hier nichts erzählen, sonst wäre der Inhalt der 165 Seiten schnell gespoilert.

Eine nette Geschichte für zwischendurch.

Gelesen: Der fremde Gast

Der fremde Gast von Charlotte Link (Krimi)

Blanvalet/Random House
ISBN 978-3-442-37927-9

Klappentext:
"An einem Julimorgen beschließt Rebecca Brandt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Nichts kann die junge Witwe über den Tod ihres Mannes hinwegtrösten. Doch genau an diesem Tag treffen unerwartete Besucher in ihrem Haus in Südfrankreich ein: Maximilian Kemper, ein alter Freund ihres verstorbenen Mannes, der unterwegs zwei Anhalter mitgenommen hat: die Studenten Inga und Marius. Rebecca und Inga sind sich schnell sympathisch, und so überlässt Rebecca dem jungen Paar ihr Boot für einen Segeltörn. Doch bei einem heftigen Streit geht Marius im Sturm über Bord und ist spurlos verschwunden. In Deutschland berichten unterdessen die Zeitungen von einem erschütternden Verbrechen. Ein älteres Ehepaar ist im eigenen Haus grausam gequält und ermordet worden. Und noch während die Polizei fieberhaft nach Hinweisen fahndet, muss Rebecca erkennen, dass sie die Hauptfigur in einem perfide inszenierten Spiel ist. Und in höchster Gefahr schwebt..."

Das alte Ehepaar wird von einer Nachbarin und einem Gärtner gefunden, als es schon einige Tage tot in ihrem Haus liegt. Zunächst wird im Umfeld der alten Leute gesucht, aber außer einem ehemaligen Pflegesohn, dessen Aufenthalt unbekannt ist, gibt es keine Angehörigen.

Drei Frauen haben in der letzten Zeit immer wieder Drohbriefe erhalten, zunächst ergibt sich kein Zusammenhang, aber der ermittelnde Kommissar lässt nicht locker.

Gleichzeitig sind Inga und Marius in Südfrankreich unterwegs und werden von Maximilian eingesammelt und mit zu Rebecca genommen. Auf einem Segeltörn kommt es zu einem scheinbar unerklärlichen Wutausbruch von Marius und er geht über Bord.

Maximilian ist seit langer Zeit in Rebecca verliebt, schon ehe sie seinen Freund heiratete, und wird nun schlussendlich abgewiesen.

Die Geschichte nimmt bedrohliche Züge an, Rebecca und Inga geraten in Gefahr - und letztendlich ist der Mörder eine Überraschung.



Spannende Lektüre!

Gelesen: Der dunkle Sommer

Der dunkle Sommer von Vera Buck (Thriller)
-Nur einer weiß, was in jener Nacht geschah-

rowohlt Polaris Taschenbuch
ISBN 978-3-499-01685-1

Klappentext:
"Ein Haus in Italien für einen Euro: Für die Architektin Tilda ist die verfallene Villa im Geisterdorf Botigalli die Gelegenheit, einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen. Einsam im wilden Hinterland Sardiniens gelegen, verspricht das Dorf vollständige Abgeschiedenheit. Doch die Idylle des verwinkelten Ortes trügt: Ist Botigalli wirklich so verlassen, wie es scheint? In der menschenleeren Kirche läuten die Glocken, jemand legt Tilda eine tote Ratte vor die Tür, und die Inselbewohner warnen sie vor einem Fluch, der auf ihrem Haus liegen soll. Zusammen mit dem Journalisten Enzo, der die Geschichte von Botigalli erforscht, will Tilda den Geheimnissen auf den Grund gehen. Doch der einzige Bewohner, der mehr weiß, ist der alte Silvio. Und der erzählt eine Geschichte, der man immer weniger trauen kann. Tilda beginnt zu ahnen, dass der vermeintlich gebrechliche Mann gefährlicher ist, als er vorgibt. Und was zunächst wie ein Glücksgriff erschien, wird bald zu einem Albtraum. Tilda und Enzo müssen erkennen, dass die Wahrheit über Botigalli düsterer ist als jede Geistergeschichte."

Tilda hat eines der leerstehenden Häuser im wilden Hinterland Sardiniens gekauft, als Architektin fällt es ihr nicht schwer, es wieder schön herzurichten. Das ganze Dorf steht leer, nur der alte Silvio lebt dort noch mit seiner Haushälterin. Es ist brüllend heiß, die Straße führt nicht ganz hoch bis zu Tildas Haus, man erlebt die Mühe, mit der sie alles zu Fuß hochträgt. Die Arbeit macht ihr Freude und lenkt sie ab, es ist der Beginn einer Auszeit ihrer Ehe.

Doch so ganz scheint es mit rechten Dingen nicht zuzugehen in diesem verlassenen Dorf: Einmal, als sie heimkommt, ist im Flur eine Serie sehr alter Bilder aufgehängt. Ein anderes Mal läuten plötzlich die Glocken.

Sie schließt Freundschaft mit einem jungen Fischer, bei dem sie gern einkauft, hält ihn für einen Freund. Und irgendwann lernt sie den Journalisten Enzo kennen, der allsonntäglich Silvio einen Besuch abstattet, dem er die Geschichte des Dorfes entlocken will, denn nach wie vor ist unklar, warum alle Bewohner vor vielen Jahren von einem Tag zum anderen einem Verbrechen zum Opfer fielen.

Das Buch liest sich flott weg, bietet auch einen Gruselfaktor. Ganz zum Schluss klärt sich das alte Verbrechen auf und damit überraschenderweise auch Tildas Vergangenheit.

Sehr empfehlenswert.

Gelesen: Aschetod

Aschetod von Linda Castillo (Thriller)

Amerikanisches Original "The Burning"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-70984-7
Band sechzehn der Serie

Klappentext/Rückseite:
"Wenn die Flammen eine schreckliche Wahrheit verbergen
Mitten in der Nacht wird Polizeichefin Kate Burkholder von einem Anruf geweckt: Bei einem Feuer in einem einsamen Waldstück ist ein amischer Mann umgekommen. Der Verstorbene wurde an einen Pfahl gefesselt und lebendig verbrannt. Kate weiß nur zu gut, dass die Amischen ihre Probleme lieber ohne Einmischung der Außenwelt lösen, doch nach und nach erfährt sie, dass der Tote vor kurzem aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde. Warum wurde er so bestraft? Um die Wahrheit herauszufinden, muss Kate tief in die Geschichte der Amischen eintauchen. Bis sie ein Geheimnis aufdeckt, das alles erschüttert, was sie über die Amischen - und damit ihre eigenen Wurzeln - zu wissen glaubt."

Wie immer bleibt Linda Castillo ihrem Erzählschema treu: Im Prolog wird das Verbrechen aus Sicht des Opfers erzählt, dieses Mal ist es besonders gruselig. Dann geht es um die Aufklärung, die davon lebt, dass Kate die Gewohnheiten der Amischen gut kennt und auch ihren speziellen Dialekt spricht. Die Amischen haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass Kate, einst selbst Amische, bei der Polizei arbeitet. Trotzdem sind sie häufig sehr verschlossen, insbesondere, wenn es um sehr persönlich-private Angelegenheiten geht.

Spoiler:
In dieser Geschichte geht es um eine Abspaltung von ehemaligen Amischen, die ihre eigene Rache üben, wenn sie meinen, jemand benehme sich schlecht. Anführer ist ein sehr freundlicher und sympathischer Mann - an der Oberfläche.

Am Ende gerät, wie jedes Mal, Kate in Lebensgefahr. Da sie wegen einer möglichen Involvierung ihres Bruders entgegen der Weisung ihres Vorgesetzten auf eigene Faust ermittelt hatte, wird sie natürlich vollständig rehabilitiert.

Selbstverständlich erfährt man, dass ihre Ehe mit Tomasetti, der sie als Angestellter des BCI nach Kräften unterstützt, glücklich ist und sie eventuell an Familiengründung denken.


Wieder sehr gern gelesen - und nun muss ich wieder ein ganzes Jahr auf die nächste Folge warten.

Gelesen: Bretonische Flut

Bretonische Flut- Kommissar Dupins fünfter Fall von Jean-Luc Bannalec (Krimi)

ISBN 978-3-462-04937-4

Kiepenheuer & Witsch, Taschenbuch

Klappentext/Rückseite:
"Hochseefischer, Delfinforscher, Schmuggler und eine sagenumwobene Insel mitten im Atlantik
Nie wieder wollte Kommissar Dupin auf dem Meer ermitteln. Doch in seinem neuen Fall verschlägt es ihn an einem strahlend schönen Junitag vor die äußerste Westküste der Bretagne. Auf die einzigartige Île de Sein, wo mehr Kaninchen als Menschen leben, der Frisör per Boot kommt und früher mächtige Hexen hausten. Vor atemberaubender Kulisse - zwischen den Inseln Molène, Ouessant und der Bucht von Douarnenez - ermitteln der Kommissar und seine Inspektoren in einem rätselhaften Fall, der ihnen alles abverlangt, auch das Überschreiten der eigenen Grenzen."

Es geht um Frauenleichen, zuerst wird eine junge Frau in der Fischauktionshalle gefunden und, als sei der Fall nicht schon kompliziert genug, wenig später eine weitere. Die befragten Personen geben sich bekannt unzugänglich, nahezu störrisch, so haben Dupin und seine Mitarbeiter viel mit der Aufklärung zu tun. Wieder mal muss Dupin viel Boot fahren, nach wie vor setzt ihm die Seekrankheit heftig zu. Offenbar ging es bei den Morden um einen Schatz, den die Frauen gefunden hatten, einen Schatz, von dem nicht klar ist, ob es ihn überhaupt gibt, denn er spielt eine wichtige Rolle in einer der zahlreichen Sagen und Legenden der Inseln.

Ich habe mit diesen Dupin-Krimis ein Hassliebe-Problem: Ich mag die Schilderungen der Bretagne und des Meeres, aber sie ziehen sich sehr in die Länge. Und es gibt eine unendliche Menge an Namen, die ich mir nicht merken kann und immer wieder den Faden verliere, weil ich nicht mehr weiß, wer wer ist. Die Aufklärung ist regelmäßig sehr unspektakulär. Allerdings lerne ich in jeden Band etwas über die Besonderheiten vor Ort. 

Hinzu kommt, dass ich inzwischen Kommissar Dupin im Fernsehen angeschaut habe. Damit wird meine Vorstellungskraft gestört, denn ich hatte ganz eigene Bilder der handelnden Personen vor Augen. Oft halte ich die Filme nicht durch, weil es mir zu langweilig ist, Dupin hin und her laufen zu sehen, ohne dass etwas passiert.

Ein Buch aus der Reihe wartet hier noch, aber weitere werde ich mir nicht zulegen.

Sonntag, 20. Juli 2025

Gelesen: Heimwärts

Heimwärts von Kate Morton (Roman)

Aus dem Englischen "Homecoming"
Heyne Taschenbuch
ISBN 978-3-453-42926-0

Klappentext:
"Ein glühend heißer Sommertag in den Adelaide Hills, Heiligabend 1959. Percy, der Gemischtwarenhändler des Örtchens Tambilla, liefert letzte Bestellungen aus. Sein Weg führt über das idyllische Gelände eines verwunschenen Herrenhauses. Am Bach macht er eine schreckliche Entdeckung. Die Polizei nimmt sofort die Ermittlungen auf, aber der schockierende Fall wird nie gelöst.

Fast sechzig Jahre später steckt die Journalistin Jess in einer privaten wie beruflichen Krise. Da erhält sie einen alarmierenden Anruf aus ihrer alten Heimat Australien: Ihre geliebte Großmutter Nora, die sie als Kind aufgezogen hat, liegt nach einem Unfall im Krankenhaus. Jess kehrt sofort nach Sydney zurück. Nora ist nicht mehr ansprechbar, aber irgendetwas aus der Vergangenheit scheint sie schwer zu belasten. In Noras Haus findet Jess ein altes Buch - einen romanhaften Bericht über die Tragödie am Heiligabend 1959. Als Journalistin stürzt sie sich begeistert in die Recherche zum Fall. Bis sie einen erschütternden Zusammenhang mit ihrer eigenen Familiengeschichte entdeckt."


Ein epischer Roman, der auf mehr als zwei Zeitebenen spielt, ein Buch im Buch enthält, aus unterschiedlichen Perspektiven die Vorkommnisse schildert.

Jess gelingt es durch mühevolle Recherche und viele Gespräche mit einer amerikanischen Nachlassverwalterin des Autors des alten Buches, der ein Freund ihrer Großmutter war, einem Nachkommen des damaligen Gemischtwarenhändlers und letztlich auch ihrer Mutter, zu der sie nie ein inniges Verhältnis hatte, die Fäden zu entwirren. Sie besucht auch das alte Anwesen mit dem leerstehenden Herrenhaus und jetzt verwilderten Garten.

Stück für Stück klärt sich die Familiengeschichte auf und nimmt dabei die Leserin mit auf eine spannende wie emotionale Reise.



Dieser Roman ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe und sei jederfrau wärmstens ans Herz gelegt.

Gelesen: Das Grandhotel an der Alster

Das Grandhotel an der Alster - Susanne Rubin (Roman)

ISBN 978-3-453-42546-0
Heyne Taschenbuch

Klappentext/Rückseite:
"Ein edles Hotel, ein geheimnisvolles Erbe, eine unmögliche Liebe
Hamburg, 2019: Emily Magnussen führt die Geschäfte des Hotel Jacoby. Als dessen Besitzer stirbt, muss sie die Übergabe des prestigereichen Hauses an den Erben regeln. Der ist zu ihrer Überraschung ein völlig Fremder, ein gewisser Ryan Maclane aus Schottland. Emily ist von dem jungen Mann sofort fasziniert. Gemeinsam gehen sie dem Geheimnis der Jacobys auf den Grund.
Sechzig Jahre zuvor: Nach dem Tod ihres Mannes hat Lina Jacoby das Hotel ihrer Eltern durch die Kriegsjahre gebracht und will ihm nun zu neuem Glanz verhelfen. Dass sie sich in ihren Chefkoch Martin verliebt, macht es nicht leichter. Da taucht eine Hebamme auf, die Lina eine unfassbare Geschichte erzählt, die alles, was sie über ihre Familie zu wissen glaubte, ins Wanken bringt..."

Mit diesem Text ist eigentlich schon alles erzählt.

Es gibt zwei Erzählstränge.
Zunächst trifft Ryan im Hotel ein, lernt Emily, den Hotelalltag und die Verwaltung kennen. "Natürlich" verlieben sie sich ineinander. Beiden ist es ein Rätsel, warum Ryan der Erbe ist, bis sie bei Umbauarbeiten hinter einer zusätzlichen Wand etwas entdecken.
Rücksprung zur Geburt von Lina Jacoby und ihrer späteren Übernahme des Hotels und Überleben während der Kriegs- und Nachkriegsjahre.
Nach und nach entwickelt sich durch beide Erzählstränge eine Erklärung, die die Verbindung der Jacobys mit Ryan und damit die Erbschaft aufklärt.

Alles eingebettet in eine nette Liebesgeschichte, liest sich dieser Roman gut weg. Es ist keine anspruchsvolle Literatur, sondern eine kleine Entspannung für ein verregnetes Wochenende. Muss man nicht lesen, kann man aber gerne.

Freitag, 18. Juli 2025

Gelesen: Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel von Richard Osman (Roman)

aus dem Englischen unter dem Titel "The Bullet That Missed"
ISBN 978-3-471-36052-1
Broschiert (oder ein sehr dickes Taschenbuch), List/Ullstein
Nummer 3/4


Klappentext/Rückseite:
"Über einen Mangel an ungelösten Mordfällen kann sich der Donnerstagsmordclub wahrlich nicht beklagen. Darunter auch: der Fall Bethany Waites. Die junge Journalistin wurde vor fast zehn Jahren ermordet, weil sie den Strippenziehern eines riesigen Steuerbetrugs zu nahegekommen war. Kaum haben Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim angefangen zu ermitteln, wird aus dem cold case sehr schnell ein brandheißer. Dann wird auch noch Elizabeth entführt, und ihr Widersacher stellt sie vor eine unangenehme Wahl: töten oder getötet werden. Eine verzwickte Situation. Aber die sind ja zum Glück das Spezialgebiet des Donnerstagsmordclubs."

Ron Ritchie soll ins Fernsehen, während er der Maskenbildnerin Pauline ausgeliefert ist, trudelt der Freundeskreis beim Sender ein. Die Talk Show ist natürlich nur ein Vorwand, um dem Produzenten näher zu kommen und ihm Einzelheiten zum Verschwinden seiner ehemaligen Mitarbeiterin zu entlocken

Nach diesem munteren Auftakt wird nächtens Elizabeth gemeinsam mit ihrem dementen, aber sehr liebenswerten Mann entführt, der tatsächlich eine sehr gute Beobachtungsgabe hat. Der Entführer droht ihr, Joyce umzubringen, sollte Elizabeth es nicht schaffen, einen seiner Widersacher zu erschießen. Womit denn die turbulente Handlung mit all ihren Verwicklungen ihren Lauf nimmt.

So ganz nebenbei finden sich alte und neue Freunde zusammen, Paarbeziehungen werden enger und alles endet in perfekter Harmonie. Doch gibt es einen ganz leisen Cliffhanger - eine Spur führt nach Dubai...


Nach meiner Meinung ist dieses Buch das bisher beste aus der Serie. Es ist verzwickt genug, um ein spannender Krimi zu sein, gleichzeitig laufen die Charaktere zur Hochform auf, es gibt einiges zum Schmunzeln.

Donnerstag, 15. Mai 2025

Gelesen: Der Mann, der zweimal starb

Der Mann, der zweimal starb
Ein neuer Fall für den Donnerstagsmordclub von Richard Osman (Roman)

aus dem Englischen unter dem Titel "The Who Died Twice"
ISBN 978-3-471-36013-2
Broschiert (oder ein sehr dickes Taschenbuch), List/Ullstein

Was ich beim Lesen des ersten Buches nicht wusste: Es gibt mehr als einen Band vom Donnerstagsmordclub, zu diesem Zeitpunkt vier. Also haben wir hier Nummer 2/4

Klappentext/Rückseite:
"Da hat er sich in etwas reingeritten, der gute Douglas Middlemiss. Und jetzt soll Elizabeth ihm da wieder raushelfen. Dabei müsste ihr ehemaliger Geheimdienst-Kollege doch eigentlich wissen, mit wem man sich besser nicht anlegen sollte. Dazu gehört ganz bestimmt: Die New Yorker Mafia. Ist die erst mal im Spiel, geht es ziemlich sicher bald jemandem an den Kragen. Vor allem, wenn Diamanten im Wert von 20 Millionen Pfund verschwunden sind. Doch auch Profis können Fehler machen, etwa ihrem Handwerk in der Seniorenresidenz Coopers Chase nachgehen. Denn wer hier mordet, dem ist der Donnerstagsmordclub auf den Fersen, und der macht, schneller als ihm lieb sein kann, aus dem Jäger den Gejagten."

442 Seiten reines Lesevergnügen!
Die uns nun schon bekannte Seniorentruppe um Joyce, Elizabeth, Ibrahim und Ron, den Polizisten Chris und Donna sowie dem Allround-Handwerker Bogdan löst einen verzwickten Fall um gestohlene Diamanten, die zuvor gestohlen worden waren. Konfus? Genau, und im Entwirren solcher Zusammenhänge sind die Angehörigen des Donnerstagsmordclubs ja Spezialisten.

Das Charmante dieser Romane ist, dass die wichtigen und alltäglichen Dinge vollkommen gleichberechtigt nebeneinander stehen und wie selbstverständlich so von Joyce erzählt werden. Es gibt mehrere Morde, Kokainhandel, eine entflammte Liebe zwischen Chris und Donnas Mutter, einen überfallenen Ibrahim und Stefans geduldigen Schachpartner Bogdan, der sich für keine Schandtat zu schade ist. Elizabeth weiß, wie mit dem MI5 und MI6 umzugehen ist und kann auch die Botschaften ihres verstorbenen Exmannes entschlüsseln. Außerdem erfahren wir en passant, welche Strickjacke Joy anzieht und wo sie gerne während der Wartezeit einen Snack haben möchte.

Übrigens wird der Donnerstagsmordclub gerade verfilmt, so dass ich mich ranhalten muss, Band Nr. 3 zu lesen.

Mittwoch, 7. Mai 2025

Gelesen: Sturmvögel

Sturmvögel (Roman) von Einar Kárason

Aus dem Isländischen "Stormfuglar".

ISBN 978-3-442-77332-9

btb Taschenbuch, Penguin Random House

Rückseite:
"Der verzweifelte Kampf einer isländischen Fischercrew gegen die Kräfte der Natur.

Winter 1959, ein isländischer Trawler liegt vor Neufundland auf stiller See. Zweiunddreißig Mann sind an Bord, das Wetter ausgezeichnet. Plötzlich zieht ein schwerer Sturm auf, das Schiff droht zu bersten und in den unbändigen Wellen zu versinken. Notrufe an andere Schiffe laufen ins Leere, es beginnt ein erbitterter Kampf um Leben und Tod.

Nach einer wahren Begebenheit - übersetzt von Bestsellerautor Kristof Magnusson."

Klappentext:
"Im Februar 1959 geraten mehrere isländische Fischtrawler vor Neufundland  in ein schweres Unwetter. Mitten im Sturm befindet sich die Mávur, zu Deutsch "Möwe", auf der der 18-jährige Lárus und die anderen  Crewmitglieder um ihr Überleben kämpfen. Notrufe laufen ins Leere, eisige Brecher prasseln auf das Schiff ein und die Mannschaft versucht verzweifelt, die Rettungsboote vom Eis zu befreien. Beladen mit 400 Tonnen Rotbarsch und durch das Gewicht des Eises zusätzlich belastet, scheint die Mávur dem Untergang geweiht. Im Kampf mit den Naturgewalten kommt es nun auf den Zusammenhalt der Mannschaft an."

Beim Lesen erfährt man einiges über das Leben der Mannschaftsmitglieder, auch Einzelschicksale, Träume, Hoffnungen. Außerdem wird immer wieder beschrieben, was sich an Bord abspielt, auch wenn man als Leser:in die Fachbegriffe nicht alle kennt/versteht, tut das dem Lesefluss keinen Abbruch. Während die Mannschaft über die Erschöpfung hinaus Unmenschliches leistet, sich mit schnellen Mahlzeiten aus der Kombüse und literweise Kaffee irgendwie wach hält und arbeitet, wird man hineingezogen in diesen Kampf gegen das eisige Unwetter. Es ist kaum zu glauben, dass am Ende die Mannschaft überlebt.

Ein ungewöhnlicher Roman nach einer wahren Begebenheit, 142 Seiten, die sich gut an einem Sonntag durchlesen lassen.