"Dank Corona" war ich seit Anfang März in keinem öffentlichen Verkehrsmittel mehr, deshalb auch nicht mehr zu Besuch im Pflegeheim. Immerhin "traue" ich mich seit einiger Zeit wieder in mein kleines Einkaufszentrum - immer brav mit Maske und Befolgung der Abstandsregeln.
Vor einer Woche war ich zum ersten Mal mit der S-Bahn unterwegs, ich hatte etwas zum Geburtstag meiner Mutter einzukaufen. Die Bahnfahrt kam mir nicht besonders unsicher vor. Die Bahn war maximal halbvoll, bis auf drei Ausnahmen am anderen Ende des Waggons trugen alle Fahrgäste den angesagten Mund-Nasen-Schutz, und die Sitzplätze waren mit reichlichem Abstand besetzt.
Ich war bei Karstadt, ja meine Filiale wird ganz offensichtlich nicht geschlossen, und ich bin sehr froh drum, es ist ganz einfach das Geschäft, in dem ich fast alles finde, zum Beispiel Kleidung für meine Mutter... Nun ist in Kaufhäusern eh keine gute Luft, nun also mit Maske. Sehr beschwerlich für mich. Dann das Lesen der Schilder in den Kleidungsstücken! Ohne Brille bin ich im Nahsichtbereich ja der reine Maulwurf. Mit Brille zusätzlich zur Maske dann aber blind. Die Brille beschlug schneller als ich sie aufsetzen konnte, und es dauerte einige Zeit, bis ich das Gewünschte dann schließlich zur Kasse tragen konnte. Auch hier hielten sich alle Kunden brav an die auf den Boden geklebten Abstandsmarkierungen.
Gestern dann der Besuch im Heim zum 93. Geburtstag. Zwecks Nachverfolgung möglicher Infektionsquellen war ein Formular auszufüllen. So weit, so gut. Aber außer zwei Besuchern eines anderen Bewohners und mir trug niemand eine Maske. Zunächst begaben wir uns in den Gartenbereich, denn im Freien kann man auf den MNS verzichten, aber - herrje! - hatte niemand den Bewohnern (meiner Mutter) erklärt, dass der Abstand unbedingt wichtig ist? Immer, wenn ich mit meinem Stuhl zurückrückte, zack!, kam Mama mit dem Rolli hinterher... Wollte meine Halskette anfassen. Ich: So dicht dürfen wir nicht, ich mache sie gerne ab, dann kannst du sie in die Hand nehmen. Sie: Kopfschütteln. Beleidigter Blick.
Zwecks Deponierens meiner Mitbringsel schob ich sie in ihr Zimmer... und wieder nach unten, da sie sich im großen Eingangsbereich von mir verabschieden wollte. Ihr Zimmer ist mit dem Lift zu erreichen. Knopf drücken für rauf, Knopf drücken für runter... Am Ausgang habe ich mir dann erstmal die Hände desinfiziert.
Also ist meine Beanstandung: Die Bewohner sollten doch im Kontakt mit Leuten von draußen (aka Besuchern) bitte einen Mund-Nasen-Schutz tragen! Warum ist das Pflegepersonal ohne Maske unterwegs? Sind die Bewohner nicht eingewiesen in die Abstandsregeln? Ich habe mich nicht sicher gefühlt und werde weiterhin nur sehr sporadisch hinfahren.
Meine Mutter: Nachdem unsere regelmäßigen Telefonate immer sehr freundlich verlaufen sind, war ich sehr überrascht, sie so schlecht gelaunt vorzufinden. Kein "Danke für deinen Besuch" oder "Danke für die schönen Sachen" - stattdessen plötzlich die Frage nach "den eleganten Hosen auf Bügeln aus ihrer Wohnung" - wo sind die eigentlich? (Seit mehr als fünf Jahren nicht getragen, inzwischen nicht mehr passend und bei der Räumung natürlich mit entsorgt.)