Donnerstag, 10. September 2020

Gelesen: Vom Himmel zum Meer

Vom Himmel zum Meer von Lisa Marcks (Roman)
(Pseudonym für Kerstin Sgonina)
Goldmann Taschenbuch
ISBN 978-3-442-48829-2

Warum dieses Buch? Wieder von meiner Großen zur Zweitverwertung  bekommen.

Klappentext:
"Hamburg 1892. Die junge Waise Agnes tritt eine Stelle als Gesellschafterin der Pfarrerswitwe Tilly Bevenkamp an. Doch dann bricht die Cholera aus und die Frauen fliehen in Tillys altes Elternhaus an die Ostseeküste. Eines Tages entdeckt Agnes bei einem Spaziergang ein leer stehendes Herrenhaus mit einer herrlich ausgestatteten Küche. Einer, in der man anders als in der Kate die wunderbarsten Köstlichkeiten zaubern könnte... Sie hat jedoch die Rechnung ohne den Besitzer, den attraktiven Adligen Benjamin von Reiker, gemacht. Kategorisch verweigert er ihr den Zutritt zu dem Haus. Aber gelingt es ihm auch, ihr den Zutritt zu seinem Herzen zu verbieten?"
 
Der Klappentext verrät schon, was das Cover verspricht: Es ist ein romantischer Roman. Eher nicht mein Genre. 
 
Aber er beginnt in Hamburg vor mehr als hundert Jahren, das fasziniert mich, vor allem die Beschreibung der Gängeviertel, die es wohl zu meiner Kinderzeit teilweise noch gab (ich erinnere mich an einen Sonntagsspaziergang mit meinen Eltern), inzwischen jedoch verschwunden sind, bis auf einen Rest, der m.W. als Museum Bestand hat. Das Leben war sehr schwer, und in den Gängevierteln lebten arme Menschen. Bedingt durch die katastrophalen bzw. nicht vorhandenen sanitären Verhältnisse hatte sich die Cholera ausbreiten können.
 
Die Protagonistin kommt also aus dem Elsass nach Hamburg, um ihre erste Stelle anzutreten, und es dauert nicht lange, bis sie gemeinsam mit ihrer Arbeitgeberin elf Waisenkinder einsammelt und die Stadt fluchtartig in Richtung Ostsee verlässt. In ärmlichen Wohnverhältnissen und völlig mittellos krempelt Agnes die Ärmel hoch, fleißig und einfallsreich sorgt sie für die Kinder, Tilly und sich.
 
Es entwickelt sich eine nette Geschichte, die auch ohne eine beginnende und zunächst hoffnungslos scheinende Liebe gut gewesen wäre. Agnes entwickelt Mut und Tatkraft, die verschlossene und nahezu störrische Tilly taut auf, sie schließen zahlreiche Freundschaften und werden Unternehmerinnen.

Das Buch liest sich gut weg, vermutlich hätte es mir ohne die integrierte Liebesgeschichte tatsächlich noch besser gefallen. Nette Unterhaltung.

Unterwegs und im Pflegeheim

"Dank Corona" war ich seit Anfang März in keinem öffentlichen Verkehrsmittel mehr, deshalb auch nicht mehr zu Besuch im Pflegeheim. Immerhin "traue" ich mich seit einiger Zeit wieder in mein kleines Einkaufszentrum - immer brav mit Maske und Befolgung der Abstandsregeln.

Vor einer Woche war ich zum ersten Mal mit der S-Bahn unterwegs, ich hatte etwas zum Geburtstag meiner Mutter einzukaufen. Die Bahnfahrt kam mir nicht besonders unsicher vor. Die Bahn war maximal halbvoll, bis auf drei Ausnahmen am anderen Ende des Waggons trugen alle Fahrgäste den angesagten Mund-Nasen-Schutz, und die Sitzplätze waren mit reichlichem Abstand besetzt.

Ich war bei Karstadt, ja meine Filiale wird ganz offensichtlich nicht geschlossen, und ich bin sehr froh drum, es ist ganz einfach das Geschäft, in dem ich fast alles finde, zum Beispiel Kleidung für meine Mutter... Nun ist in Kaufhäusern eh keine gute Luft, nun also mit Maske. Sehr beschwerlich für mich. Dann das Lesen der Schilder in den Kleidungsstücken! Ohne Brille bin ich im Nahsichtbereich ja der reine Maulwurf. Mit Brille zusätzlich zur Maske dann aber blind. Die Brille beschlug schneller als ich sie aufsetzen konnte, und es dauerte einige Zeit, bis ich das Gewünschte dann schließlich zur Kasse tragen konnte. Auch hier hielten sich alle Kunden brav an die auf den Boden geklebten Abstandsmarkierungen.

Gestern dann der Besuch im Heim zum 93. Geburtstag. Zwecks Nachverfolgung möglicher Infektionsquellen war ein Formular auszufüllen. So weit, so gut. Aber außer zwei Besuchern eines anderen Bewohners und mir trug niemand eine Maske. Zunächst begaben wir uns in den Gartenbereich, denn im Freien kann man auf den MNS verzichten, aber - herrje! - hatte niemand den Bewohnern (meiner Mutter) erklärt, dass der Abstand unbedingt wichtig ist? Immer, wenn ich mit meinem Stuhl zurückrückte, zack!, kam Mama mit dem Rolli hinterher... Wollte meine Halskette anfassen. Ich: So dicht dürfen wir nicht, ich mache sie gerne ab, dann kannst du sie in die Hand nehmen. Sie: Kopfschütteln. Beleidigter Blick.

Zwecks Deponierens meiner Mitbringsel schob ich sie in ihr Zimmer... und wieder nach unten, da sie sich im großen Eingangsbereich von mir verabschieden wollte. Ihr Zimmer ist mit dem Lift zu erreichen. Knopf drücken für rauf, Knopf drücken für runter... Am Ausgang habe ich mir dann erstmal die Hände desinfiziert.

Also ist meine Beanstandung: Die Bewohner sollten doch im Kontakt mit Leuten von draußen (aka Besuchern) bitte einen Mund-Nasen-Schutz tragen! Warum ist das Pflegepersonal ohne Maske unterwegs? Sind die Bewohner nicht eingewiesen in die Abstandsregeln? Ich habe mich nicht sicher gefühlt und werde weiterhin nur sehr sporadisch hinfahren.

Meine Mutter: Nachdem unsere regelmäßigen Telefonate immer sehr freundlich verlaufen sind, war ich sehr überrascht, sie so schlecht gelaunt vorzufinden. Kein "Danke für deinen Besuch" oder "Danke für die schönen Sachen" - stattdessen plötzlich die Frage nach "den eleganten Hosen auf Bügeln aus ihrer Wohnung" - wo sind die eigentlich? (Seit mehr als fünf Jahren nicht getragen, inzwischen nicht mehr passend und bei der Räumung natürlich mit entsorgt.)

Donnerstag, 3. September 2020

Gelesen: Quälender Hass

Quälender Hass von Linda Castillo (Thriller)
Amerikanisches Original "Shamed"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-70449-1
Band elf der Serie

Warum dieses Buch? Kate Burkholder, mehr muss ich dazu eigentlich nicht mehr sagen...

Klappentext:
"Rache, Hass und ein gottesfürchtiges Leben
Eine verlassene Farm, eine brutal ermordete, ältere amische Frau, ein entführtes siebenjähriges Kind. Als Kate Burkholder von den Vorkommnissen erfährt, ist sie genauso schockiert wie die gesamte Gemeinde von Painters Mill. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um das Kind zu finden. Zunächst gibt ihr die ultrakonservative Familie noch bereitwillig Auskunft, doch Kate merkt, dass sie ihr etwas verschweigt. Was ist so brisant, dass die Wahrheit nicht ausgesprochen werden darf? Und warum wurden Großmutter und Enkelin zur Zielscheibe?"

Dieses Mal geht es um eine Suche unter Zeitdruck, das entführte Kind muss schnellstens gefunden werden, und um eine amische Familientragödie, so mitreißend geschrieben wie üblich, aber doch ein wenig anders als die vorherigen Fälle. Auch dieses ist eine Empfehlung.

 
Und nun muss ich wohl bis zum Sommer auf das Erscheinen des nächsten Buches dieser Serie warten...

Dienstag, 1. September 2020

Gelesen: OXEN - Gefrorene Flammen

OXEN - Gefrorene Flammen von Jens Henrik Jensen (Thriller)
Aus dem Dänischen "De frosne flammer"
dtv Taschenbuch/broschiert
ISBN 978-3-423-26180-7
Band 3/3

Warum dieses Buch? Es ist der Folgeband.

Klappentext:
«Von heute an diente jeder Tag der Mission seiner Befreiung, damit er nicht für immer von seinem Sohn getrennt sein würde. Es gab nur einen Weg ins Labyrinth der dunklen Männer. Ein Weg, der mit einer Menschenjagd in England begann...»
"Um seinen Verfolgern zu entkommen, flieht Niels Oxen auf die schwedischen Schären. Eine Ärztin nimmt ihn auf und pflegt ihn gesund. Sie bietet dem ehemaligen Elitesoldaten sogar die Möglichkeit, weit oben im Norden, abgeschieden von jeglicher Zivilisation, Arbeit und ein neues Zuhause zu finden. Doch die Gedanken an seinen Sohn Magnus und daran, dass der Danehof weiter seine üblen Machenschaften spinnt, lassen Oxen nicht los. Und so begibt er sich auf einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen die Killer des Geheimbundes und dringt bis in dessen innerstes Machtzentrum vor. Oxens ehemalige Mitstreiter sind zunächst nicht von großer Hilfe. Die einst toughe Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck hält sich mit Aushilfsjobs über Wasser, und der Ex-Geheimdienstchef Axel Mossmann scheint sich mehr für seinen Hund als für den Kampf gegen den Danehof zu interessieren. Oxen ist aber dringend auf ihre Hilfe angewiesen. Denn er will sein altes Leben wiederhaben. Um jeden Preis."

Okay... ich hätte diesen ausführlichen Klappentext wohl mit etwas anderen Schwerpunkten geschrieben, insgesamt schildert er die Rahmenbedingungen aber ganz gut. Da bleibt nicht viel hinzuzufügen.

Niels findet den Mörder des Fischzüchters und bekommt von ihm Informationen und einen USB-Stick. Dass dieser Mensch durch einen Treppensturz zu Tode kommt, ist eher ein Kollateralschaden. Er nimmt Kontakt zu alten Freunden auf, die ihm weiterhelfen. Margrethe Franck ist schwieriger zu finden, schließlich besuchen sie Axel Mossmann, der sich mit seinem (zwangsweisen) Rentnerleben abgefunden zu haben scheint. Später komplettiert sein Neffe die Gruppe. Sie betreiben Recherche, nicht nur am Computer. Abenteuerliche Aktionen mit GPS-Empfängern und Abhörgeräten, Handy-Videos bilden meist die Grundlage für ihre "konspirativen Treffen."

Letztendlich gelingt es ihnen gemeinsam, die Verschwörung, die Intrigen und Machenschaften des "Danehof," zahlreicher Politiker und Industriegrößen aufzuklären...

Auch dieser dritte und letzte Band der Trilogie ist temporeich und intelligent gemacht. Der Leser wird mitgerissen und fiebert der Auflösung entgegen.

Außerordentlich gern gelesen.