Vorab: Ich schreibe dies nicht, weil ich mich so unglaublich wichtig finde, sondern als Erinnerungshilfe. In der Vergangenheit hab ich schon häufiger auf meine alten Berichte zurückgegriffen, was immer sehr nützlich war. Wer allerdings eine Implantation von Lungenventilen in Erwägung zieht, mag hier gerne verfolgen, wie es mir ergeht/erging. You're welcome.
30.06.2026
Es zieht sich alles so unglaublich.
Heute dann endlich der Anruf vom KH zur ersten Vorstellung beim Prof. Stationäre Aufnahme (noch) nicht, Köfferchen kann also hier bleiben. Soll werden: Gespräch, Lungenfunktion, BGA, Herzecho.
02.07.2026
Zuhause. Unglaublich müde, bin ja seit 5:00 Uhr auf... Einfach mal so runtererzählt: Top modernes Krankenhaus. Wartemarke ziehen wie bei einer Behörde. - Warten -
Aufruf über Bildschirm, den Platz suchen. Sieben Papiere unterschreiben. Im 4. Stock einmal alles vorzeigen. -Warten-
Lungenfunktionstest. - Warten-
Blutgasanalyse. -Warten-
Gespräch mit einer sehr netten Ärztin. -Warten-
Blutabnahme zwecks Auszählung der Eosinophilen.
Die Bäckerei noch etwas reicher gemacht (Goldgrube, bestimmt!)
Zurück in den 4. Stock. - Warten-
Herzultraschall, etwas schwierig bei mir, immerhin schlägt es. Zwischendurch kommt der Prof. rein (ich mit Tuch vor der Brust), spricht mit mir. Stationäre Aufnahme für zwei Tage (weil wir nun das Herzecho schon gemacht haben, sind es keine drei) demnächst, Termin wird mir mitgeteilt.
Leute, ich bin so durch. Aber der Anfang ist gemacht.
27.07.2026
Warten ist nicht meine Stärke, Geduld schon.
Ich wusste ja, dass Herr Prof zwei Wochen außer Haus sein würde. Ich saß hier voller Erwartung, dass während dieser Zeit seine Sekretärin einen Termin mit mir absprechen würde. Aber nada. Vergangenen Dienstag rief ich sie an, sie wollte zurückrufen. Der Rückruf ist nicht erfolgt.
Ich gehe so ungern anderen Leuten auf den Geist. Aber ich werde aus der Ferne ein bisschen gecoached von einem Mit-Alpha, der diese ganze Prozedur schon hinter sich hat, von ihm bekam ich die Mailadresse vom Herrn Prof. Nach reichlichem Herumdenken - ich muss dabei ja sachlich und unemotional bleiben - schickte ich ihm gestern Abend eine Mail.
Langer Rede kurzer Sinn: In Kürze darf ich mit Köfferchen einrücken.
01.08.2026
Mein Krankenhausbrief mit sämtlichen Befunden war heute in der Post. Nach einem (!!!) Monat. Aber nicht nur die technischen Sachen (Werte), sondern alles gut ausformuliert als komplette Beurteilung. Dann weiß ich ja, dass der nächste Brief wohl auch einen Monat brauchen wird, mindestens. (Tatsächlich bekam ich dann den kompletten Bericht bei Entlassung mit.) Die ganze Prozedur zieht sich...
04.08.2026
Nun also mit Köfferchen los. Mein Schwager-und-bester-Freund hat mich abgeholt und begleitet, bis ich zu den ersten Untersuchungen musste, hat sich brav um mein rosa Köfferchen gekümmert.
Zuerst gab es Verwaltungswirrwar, denn ich war ja mit der Überweisung von neulich bereits aufgenommen gewesen, was eine Mitarbeiterin nicht hatte wahrhaben wollen. Wieder auf der bekannten Station, Köfferchen wurde erstmal weggeschlossen, M. nach Hause verabschiedet, und die Untersuchungsrallye ging los:
Lungenfunktionstest - warten
Blutgasanalyse - warten
6 Minuten Gehtest. Horror für mich. 130 m, endend mit einem SpO2 von 62 %.
Blutabnahme. Die Krankenschwester/Pflegerin? hatte es etwas zu eilig, mich loszuwerden, ließ mir keine Zeit, um die Vene richtig abzudrücken. Folge: Ein fieser Bluterguss. Und das, nachdem ich ihr eine alternative Stelle zum Blutzapfen gezeigt hatte, weil sie sich nicht an meine Armbeuge mit den Infusionsvernarbungen traute. (Was alle anderen Leute dort prima hinbekamen.)
EKG, dann wurde ich ohne Warterei gescheucht, mit Koffer, wohl weil Schichtwechsel?
Fahrstuhl, dann rechts rum, langer Gang: CT und Röntgen. Wieder mal fiel mir auf, wie modern und megaschnell die Geräte sind, normale Praxisausrüstung ist nichts dagegen.
Dann durfte ich mit Köfferchen mein Zimmer beziehen, natürlich auch nach sehr langen Wegstrecken am Ende eines Ganges und nochmal links rum (oder so ähnlich), Hinweise deuteten auf Privatstation hin, wohl weil ich Patientin vom Prof. war. Zunächst allein im Zimmer, das änderte sich aber im Laufe des Nachmittags noch.
Zwei Personen mit irgendwelchen Fragen (Hilfsmittel? Rollator? Pflegegrad? Hörgeräte? Brille? loser Zahnersatz?) Ist wohl alles normal, wenn man sehr krank ist, hat mich aber trotzdem etwas verstört, die Psyche ist ja immer mit dabei.
Dann gab es einen Stapel Fragebogen zum Ankreuzen für mich. Der übliche CAT-Bogen und der mMRC auch. Dazu noch ein siebenseitiger Fragebogen "The St George's Respiratory Questionnaire" mit 50 Fragen zur Lebensqualität von Patienten mit COPD. Irgendwann zeigten sich ein Arzt (Oberarzt, Stationsarzt?) und der Prof. zwecks Aufklärung für den nächsten Tag. Da war nämlich die Bronchoskopie angesagt, vor der ich einen Heidenrespekt hatte. Dann um 17 Uhr Abendessen. (Uh, unlecker!) Es erschien eine Pflegerin mit der üblichen Heparinspritze in den Bauch (ach, die hatte ich schon ganz vergessen, mein letzter Klinikaufenthalt ist ja erst 25 Jahre her) als Thromboseprophylaxe. Das war es noch immer nicht, gegen Abend kam nämlich eine Pflegerin mit einem Gerät hereinspaziert für die "Kapnometrie", eine Verkabelung für die Nacht zwecks Aufzeichnung bestimmter Werte. Dafür gab es später ein Pflaster mit einem Sensor an die Stirn geklebt. (Außer, dass mir das ganze auseinanderfiel, als ich nachts mal raus musste und ich minutenlang im Licht meines Handys die beiden Teile des Kabels gesucht und wieder zusammengesteckt habe, mir den Sensor wieder auf die Stirn pappte.) Nun, die Auswertung war wohl trotzdem ausreichend.
Kurze Zeit später kam ein Atemtherapeut zu mir, dem ich erklärte, er möge bitte wiederkommen, wenn ich nicht mehr so derangiert sei. - Kleidung gegriffen und ins Bad geflohen, mich vom Flügelhemd befreit und halbwegs tageslichttauglich hergerichtet Dann Mittagessen. (Uh, dreimal mit der Gabel durchgefahren und geschmeckt, dann den Deckel wieder drauf gemacht. Ungenießbar.)
Der Atemtherapeut erschien. Vorausschicken muss ich, dass ich während eines Arztgespräches gesagt hatte, ich hätte gern etwas, das mir hilft für die Zeit bis zum geplanten Eingriff, weil es mir wirklich sehr schlecht geht. Der Atemtherapeut, ein überaus freundlicher und umgänglicher junger Mann (Witz! Für mich sind inzwischen die meisten Leute "jung" - alles eine Frage der Perspektive), hatte einen mobilen Sauerstoffkonzentrator dabei und bat mich, mit ihm mal ein Stück auf dem Gang zu gehen. Das funktionierte nur so mittelgut. Er stellte fest, dass ich nicht demandfähig sei und machte den nächsten Versuch mit Flüssigsauerstoff. So kam ich zu meiner derzeitigen Sauerstoffverordnung (LTOT). Später am Nachmittag besuchte mich Prof. E. dann im Zimmer und fragte mich, wie es mir ginge. "Ganz gut, nur ein bisschen müde." Nun, das sei der Grund, warum er seine schwerkranken Patienten immer noch einen Tag hierbehalten würde. Schließlich müsse sich der Rest des Schlafmittels noch abbauen. (Das Etikett "schwerkrank" setzt mir auch noch zu, aber wo er Recht hat, hat er Recht.) Alles in allem sähe es bei mir so weit gut aus, das Nächste sei dann eine Nuklearuntersuchung, wo ich wohnen würde? Ach dann sei das Krankenhaus... ja passend. Und ich könne am nächsten Tag dann nach Hause gehen.
06.08.2026 Nach einer mäßig guten Nacht gab es dann auch für mich ein Frühstück:
Auch, wenn es so ganz gut aussah, es war nicht lecker. Der mir schon bekannte Arzt erschien auf der Bildfläche und entließ mich. Papiere könne ich am Tresen abholen. Gesagt, getan, Köfferchen geschnappt und raus an die frische Luft! Nach diesen brutal heißen Tagen war der Wind eine richtige Wohltat. M. angerufen, der mich dann in der Bäckerei vom Kaffeetisch einsammelte. [Ich hatte den Wunsch geäußert, einen kleinen Einkauf zu machen, nach dem gruseligen Krankenhausessen brauchte ich Obst und Salatsachen, so fuhr er einen wahrhaft tollen Rewe an und half mir dabei. Zuhause dann rückte er mir noch ein paar Kleinmöbel, um Platz zu schaffen für die geplante Lieferung von Sauerstoffgeräten am nächsten Tag.] Zuhause hatte ich dann schon die Klinik für Nuklearmedizin auf dem AB, ein Termin war schnell gemacht. Ja, ich mache gleich noch Fotos von den Sauerstoffgeräten, jedoch um der Chronologie willen kommt noch ein kleiner Exkurs: Zahnschmerzen! Ich bekam also an diesem Rückkehr-Donnerstag noch Schmerzen an dem Zahn, der ohnehin der Sorgenzahn von meiner Zahnärztin und mir war, wurzelbehandelt, trotzdem irgendwie inzwischen unrettbar. Nun nahm ich aber am Abend wegen meiner Rückenschmerzen (Krankenhausbett!) eine Tablette, womit dann auch der Zahn Ruhe hielt. Aber die Augen verschließen vor der Tatsache, dass er mich in Kürze wieder ärgern würde? Folglich habe ich Freitagmittag den Sauerstoffmann abgewartet und bin dann gleich zu Dr. G. gegangen, die glücklicherweise freitags durchgehend bis 14:00 Uhr da ist. Und, klar, den Zahn musste sie "rupfen", wofür eine normale Betäubung bei mir nicht ausreichte und erst nach der zweiten Ladung alles tot war. Zahn raus, Gesicht taub vom Auge bis zur Lippe. Alles hing, Kaffee mit Strohhalm (dafür habe ich sie seit 30 Jahren hier liegen, der Vorrat eines Päckchens reicht bis an mein Lebensende) und Kekse zum Stippen... Nun habe ich hier einen Sauerstoffkonzentrator, der fast rund um die Uhr meine Stromrechnung in die Höhe treibt, mit 10 m Schlauch, außerdem eine Sauerstofftonne mit Flüssigsauerstoff, um das mobile Teil aufzufüllen, damit ich unterwegs sein kann.
(Der Konzentrator, der permanent Betriebsgeräusche macht, da ich nachts die Durchflussmenge reduziere und die Tür anlehne, ist es erträglich damit.)
Der Sauerstoff hilft (körperlich geht es mir fast unverschämt gut damit, habe sogar inzwischen meinen Kraftsport bei der Physio so gut machen können, dass ich in dieser Woche nur noch aus Muskelkater zu bestehen scheine, außerdem schlafe ich besser), ich soll mindestens 16 Stunden am Tag dran sein, de facto bin ich länger dabei. Wenn ich draußen auf der Terrasse sitze mit Buch oder mit Besuch, lasse ich alles ab, da bin ich unbelastet und genieße die Freiheit. ABER es nervt! Diese 10 m Schlauch sind tückisch, entweder sie verheddern sich mit sich selber oder verhaken sich an irgendeinem Möbelstück, fabrizieren Fußfallen... ständig muss ich mich konzentrieren, gehe auch mal mit ein paar Metern Schlauch aufgewickelt durch die Wohnung. Muss immer überlegen, durch welche Tür ich gehe (mein Wohnzimmer hat zwei Türen, eine von der Küche, eine vom Flur aus, kommt immer drauf an, was ich machen möchte: Essen mit ins Wohnzimmer nehmen? Oder erwarte ich ein Paket und gehe reflexartig vom Sofa zur Haustür? Für die ganze Runde reichen 10 m nicht, meine Wohnung ist nicht klein.
To be continued...




















































