Stay away from Gretchen
Eine unmögliche Liebe von Susanne Abel (Roman)
ISBN 978-3-423-28259-8
dtv Verlagsgesellschaft
Warum dieses Buch? Hinweise aus dem Imternet/Empfehlung unserer FB-Büchergruppe
Klappentext:
"Der Kölner Nachrichtensprecher Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die mehr und mehr vergisst. Als die Diagnose Demenz im Raum steht, ist Tom entsetzt. Bis die Krankheit seiner Mutter zu einem Geschenk wird. Erstmals in ihrem Leben erzählt Greta von sich - von ihrer Kindheit in Preußisch Eylau mit den geliebten Großeltern, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, ihrer Begegnung mit dem GI Robert Cooper in Heidelberg. Ist all das der Schlüssel, um Gretas Traurigkeit zu verstehen, die auch Toms Kindheit überschattet hat?
Als Tom auf Briefe und Bilder aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stößt, kommt er einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Wer ist das kleine Mädchen auf dem Foto, das Greta wie einen Schatz hütet? Mehr und mehr erkennt Tom, dass auch sein Lebensglück mit der Vergangenheit seiner Mutter verknüpft ist..."
Der ewig gestresste, getriebene Nachrichtenmoderator wird von seiner Mutter ausgebremst, als diese immer vergesslicher wird und aus abenteuerlichen Situationen befreit werden muss, bis sie zunächst in einem Krankenhaus strandet. Während Tom in der Wohnung seiner Mutter aufräumt, stößt er auf Fotos, Briefe, Dokumente, die ihm Rätsel aufgeben. Schließlich kommt ihm eine Kollegin zu Hilfe und stellt Nachforschungen an.
In einzelnen Sequenzen werden immer wieder die Erlebnisse der jungen Greta erzählt, von Flucht und Vertreibung, Angst vor den Russen, Aufnahme in Übergangslagern bis hin zum allmählichen Aufbau einer bescheidenen Existenz während der "Hungerwinter" 1945/1946. Dabei kommt unverhoffte Unterstützung eines schwarzen amerikanischen Soldaten. Im Laufe der Zeit verlieben sich Greta und Bob ineinander und leben eine heimliche Beziehung. Greta wird schwanger und Marie kommt zur Welt, aber Greta hat eine schwere Infektion und droht zu sterben. Nur Penicillin kann helfen, das damals nur die Amerikaner besitzen. Bob hilft, Greta gesund zu pflegen und fliegt schließlich in seine Heimat, um einiges zu regeln, damit sie heiraten können.
Greta sieht Bob nie wieder, als er endlich zurückkommt, ist Greta verheiratet und Marie verschwunden.
Greta droht, daran zu zerbrechen, und über ihrem Leben hängt die Traurigkeit wie eine große Wolke.
Die Recherchen von Tom und seiner Kollegin Jenny bringen Erstaunliches zu Tage, am Ende können sich Greta, Bob und Marie in die Arme fallen - manchmal ist Greta im Geiste jung und erkennt Bob, manchmal hat sie Angst vor dem Fremden in ihrer Wohnung.
Ein happy End, könnte man meinen.
In dieser fiktiven Familiengeschichte wird das Leiden von Krieg und Vertreibung, aber auch der damals bestehenden Unterschiede schwarz/weiß geschildert. Die dunklen Amerikaner erfuhren als Besatzungssoldaten in Deutschland erstmals eine Gleichbehandlung, die aber, zurück in Amerika, sofort wieder aufgehoben war. Außerdem wurden die mit deutschen Frauen gezeugten sogenannten "Brown Babies" stigmatisiert, einzelne Projekte zur Adoption in die USA führten auch nicht immer zu einem glücklichen Ausgang.
Das Buch endet mit einem neuen Aspekt, der eine Überleitung zu einem Folgeroman ist, von dem ich aber heute noch nicht weiß, ob ich ihn lesen möchte. (Ich habe mehr Bücher gelesen bzw. hier liegen, die sich mit der Zeit des Wiederaufbaus beschäftigen, und manchmal wird es mir etwas zu viel.)
Persönliches:
Dieses Buch, auch wenn es zum Ende hin etwas arg auf die Tränendrüse drückt, hat mir wieder einmal klar gemacht, woher diese Menge an Vorurteilen und Pauschalisierungen kam, mit der ich erzogen wurde. Meine Eltern sind ja während der NS-Zeit aufgewachsen und waren sehr indoktriniert worden, bis heute klingen bei meiner Mutter z.B. Abneigungen und Abwertungen gegenüber farbigen Menschen durch, die ich nie verstanden habe. In der weitläufigen Familie hatten wir ein GI-Kind, welches allerdings weiß war und vom späteren Mann der betroffenen Frau adoptiert wurde. Trotzdem wurde immer ein wenig verächtlich darüber gesprochen.