Montag, 22. Juni 2026

Medizinisch

 ... wird einiges auf mich zukommen.

Meine neue Ärztin in der altbekannten Praxis greift durch - mir geht es nun ja seit etwa einem halben Jahr wirklich sehr schlecht. Ein aktuelles CT habe ich schon machen lassen - und nun wird ein Rattenschwanz an Untersuchungen und mindestens ein Eingriff folgen. Ich bin - zugegebenermaßen - ein wenig bänglich. Habe heute eine Serie von Telefonaten geführt mit der Familie und einem, der das, was vor mir liegt, bereits hinter sich hat. Immer gut, vernetzt zu sein. Somit weiß ich schon ein wenig mehr von dem, was auf mich zukommen wird. Vermutlich also mehrfach stationär (wo ich bis heute Nachmittag von 1 x 4 Tagen ausgegangen war.) Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof.

Dieses Kind

 ... mit dem ich Wimmelbilder angeschaut, Farben geübt und mit ihm zusammen das erste Mal "Nanane"  gesagt habe, das auf meinem Schoß den ersten Schokoladenhasen probiert hat, schreibt mittlerweile lange Geschichten, gewinnt Lesewettbewerbe, hat einen Bericht fürs Jahrbuch der Schule verfasst und nimmt am englischen Buchstabierwettbewerb teil./ Stolze Oma.

Montag, 15. Juni 2026

Gelesen: Yesteryear

Yesteryear von Caro Claire Burke (Roman)

Aus dem Englischen
Wilhelm Heyne
ISBN 978-3-453-27535-5

Klappentext:
"Als Natalie Heller Mills eines Morgens aufwacht, ist alles anders: Ihre eigentlich so sorgfältig ausgeleuchtete Küche wird nur noch vom Schein eines spärlichen Kaminfeuers erhellt, ihre Kinder, die sonst in makellosen Outfits vor die Tür und Kamera treten, tragen schmutzige Klamotten und von den Kindermädchen und Hilfsarbeitern auf der Farm fehlt jede Spur. Es gibt nicht einmal mehr Strom oder fließendes Wasser. Natalie, die nun plötzlich Brennholz schleppen, Kleidung am Waschbrett schrubben und mehrmals täglich den schweißtreibenden Weg zum Brunnen antreten muss, kann nicht fassen, was passiert ist. Das ist nicht ihre schöne heile Welt, die sie allen vorgespielt hat, sondern die brutale Realität. Von nun an beherrscht sie ein einziger Gedanke - wo zur Hölle ist sie gelandet und wie kommt sie hier wieder raus?"

Die ganze Geschichte wird aus der Sicht von Natalie erzählt. Es sind verschiedene Abschnitte, von denen sie berichtet. Da wäre zuerst einmal ihr Dasein als Tradwife-Influencerin. Ihr Farmhaus soll aussehen als sei es aus der Zeit der Pioniere Amerikas, alle elektrischen Geräte sind so verbaut, dass sie nicht auf den Videos ins Bild kommen. Sie hat zwei Kindermädchen und eine Producerin, die sich darum kümmert, dass die Videos professionell werden. Nebenbei verkauft Natalie allerlei "eigene" Produkte.

Ein Abschnitt erzählt von ihrem Aufwachsen bei Mutter und Schwester in einem sehr christlichen (evangelikalen?) Haushalt. Dann von ihrer Collegezeit, wo sie schnell zur Außenseiterin wird. Es folgt das Kennenlernen und spätere Heirat mit Caleb, den sie selber als Weichei beschreibt.

Natalie kommt nicht sympathisch rüber, eher satirisch-zynisch.

Nun wacht sie eines Morgens auf und findet sich in einem Haus wieder, das ihr Haus ist und doch wieder nicht. Ihre Kinder sind ihre Kinder und doch nicht ihre Kinder. Sie verrichtet Schwerstarbeit, an manchen Tagen aber macht sie gar nichts. Das alles wird unendlich oft und ausführlich von ihr geschildert. Was ist los?

Mehr kann ich hier nicht sagen, denn irgendwann folgt ein Plottwist, mit dem ich nicht gerechnet habe. Der ist von der Idee her gut, scheint mir aber nicht ganz ausgereift zu sein. Es bleiben so viele Fragen offen.

Der Schreibstil ist eingängig, und ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen. Es ist keine "Literatur für den Bücherschrank", denn schwerlich wird das Thema "Tradwife-Influencerin" noch in einigen Jahren aktuell sein. Ich werde es kein zweites Mal lesen wollen. Das Buch kann die Runde bei meinen Töchtern machen und am Ende weg gegeben werden.

Gelesen: Circle of Days

Circle of Days von Ken Follett (Roman)

Auf Deutsch erhältlich als "Stonehenge"
Quercus, London/John Murray Group
ISBN 978-1-529234-2

Klappentext, ich beschränke mich hier nur auf die Überschriften:
"A flint miner with a gift.
A priestess who believes the impossible.
A monument that will define a civilization."

Wieso-weshalb-warum ich dieses Buch auf Englisch gekauft hatte und von dem ganzen Drumherum mit der Veranstaltung hatte ich schon berichtet.

Vorne im Buch ist eine Doppelseite mit einer Zeichnung des Gebietes, in dem die verschiedenen Stämme leben. Diese Abbildung empfand ich als hilfreich und habe während des Lesens immer mal nachgesehen, um mich zu orientieren.

Der Roman beginnt mit den Vorbereitungen zum Mittsommerfest, das bei den Priesterinnen stattfindet, parallel mit der Geschichte von Seft, einem jungen Feuersteinschläger, der vom Vater misshandelt und von den Brüdern drangsaliert wird. Zum Sonnenwendfest kommen Leute aus den verschiedenen Stämmen zusammen, auch um nach den Feierlichkeiten den einen oder anderen One-Night-Stand zu haben, denn schon damals war es wichtig, Inzucht entgegen zu wirken. Wer sich nun mit wem oder zu welchem Zwecke zusammentat, alle hatten ihren Spaß dabei.

Follett verwendet viel Mühe darauf, die Stämme zu schildern, überall hatte sich eine ganz eigene Gesellschaftsform mit speziellen Sitten und Gebräuchen gebildet. Hirten, Farmer, Waldbewohner, Steinschläger, sie kamen alle zum Fest zusammen. Problematisch fand ich die Namen, hatte oft die Schwierigkeit, überhaupt zu erkennen, ob ich es mit einem Mann oder einer Frau zu tun hatte.

Im Laufe der fiktiven Geschichte gibt es eine lange anhaltende Dürre und Hungersnot, Überfälle, Landraub bis hin zum Krieg. Um das Monument geht es erst im letzten Drittel des Romans. Der ursprüngliche Steinkreis aus Holz war einem Feuer zum Opfer gefallen und Seft (inzwischen verpartnert und Vater dreier Kinder) und die Priesterin Joia (Schwester seiner Frau Neem) entwickeln den Plan, den Kreis aus riesigen Steinen neu zu bauen. Viel dreht sich jetzt also um das Anwerben von freiwilligen Helfern und Bewältigen logistischer Probleme.

Das ist so etwa eine ganz kurze Zusammenfassung. Außer Alltagsproblemen, Mord und Totschlag geht es auch um Sex. Ein älterer Gentleman (Follett) sollte nicht darüber schreiben. Handlungen werden sehr technisch-beschreibend geschildert, ohne Empathie. Außerdem gibt es zu viele Vergewaltigungen und Missbrauch innerhalb der Priesterinnenschaft. Die Hälfte hätte es auch getan.

So sehr ich mich auf diese Lektüre gefreut hatte, so bin ich doch enttäuscht. Zunächst empfand ich die Sprache als zu simpel - Follett sagte ja, ihm sei wichtig, dass jeder seine Bücher lesen kann - aber wenn ich das als Fremdsprachenleserin so empfinde, ist es vielleicht doch zu sehr "einfache Sprache"?

Weiterhin hatte der Roman deutliche Längen. Von den fast 600 Seiten hätten gerne 300 gekürzt werden können, so war denn im zweiten Teil meine Lesemotivation nicht mehr sehr stark. Schade.