... weil ich es einfach gut finde:
"... Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen."
... weil ich es einfach gut finde:
"... Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen."
«Neger, Neger, Schornsteinfeger!» von Hans J. Massaquoi (Autobiografie)
Meine Kindheit in Deutschland
Aus dem Englischen "Destined to Witness"
FISCHER Taschenbuch
ISBN 978-3-596-18029-5
Ich hatte lange überlegt, ob mir google das böse N-Wort im Blog durchgehen lassen wird, nun aber beschlossen, es zu schreiben, da der Titel wohlweislich von Haus aus in Anführungszeichen steht und damit ein Zitat in wörtlicher Rede darstellt.
Klappentext/Rückseite:
"Als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters wächst Hans-Jürgen Massaquoi in großbürgerlichen Verhältnissen in Hamburg auf. Doch eines Tages verlässt der Vater das Land. Hans-Jürgen und seine Mutter bleiben zurück und ziehen in ein Arbeiterviertel. Als die Nazis die Macht übernehmen, verändert sich ihr Leben grundlegend..."
Vorsatzblatt:
"«Der Führer» kommt nach Hamburg. Die Straßen, durch die sein Konvoi rollt, sind gesäumt von begeistert jubelnden Schulkindern. In dem Meer von blonden und blauäugigen Schülern ein achtjähriger Junge mit brauner Haut, krausen Haaren und - noch - kindlichem Enthusiasmus. Vorerst erreichen ihn nur die Spottverse gleichaltriger Nachbarskinder: «Neger, Neger, Schornsteinfeger!»
Eines Tages aber wird man den Jungen vom Spielplatz jagen mit der schlichten Bemerkung: «Kannst du nicht lesen? Das Betreten dieses Platzes ist nur Ariern erlaubt.»
Hans J. Massaquoi beschreibt in seiner Autobiographie seine Kindheit und Jugend zwischen 1926 und 1948 als einer der ganz wenigen schwarzen Deutschen in diesem Land. Seine Hautfarbe bewahrte ihn unter anderem davor, Nazi zu werden. Und sie verhinderte, dass er in den Krieg geschickt wurde wie viele seiner Mitschüler, die nie zurückkamen."
Jetzt muss ich wieder ganz persönlich werden: Dieses Buch hat mich auf mehreren Ebenen fasziniert. Zum Einen spielt sich die Kindheit von Hans-Jürgen, den seine Freunde nur Mickey nennen, in Barmbek ab, dem Stadtteil meiner Kindheit, und schildert ganz nebenbei den Zustand der Gegend vor dem zweiten Weltkrieg. Zum Anderen ist H.-J. nur wenige Monate vor meinen Eltern geboren, so dass ich ihre jeweilige Kindheit nun besser nachvollziehen kann. Da hat mich dann beim Lesen einiges berührt, auch der zeitweise Sprung über die Elbe nach Harburg, damals ein eher ländlicher Vorort mit Industrie, heute ein Hamburger und mein Nachbar-Stadtteil, war beeindruckend, stand doch zu meiner Kindheit dort noch das eine oder andere geschilderte Fabrikgebäude... (Heute auch ein sanierter und deutlich aufgewerteter Stadtteil.)
Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem der Autor einen Überblick über sein Leben gibt. Ab Seite 15 geht es dann los mit seiner Kindheit, von dort an mochte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Alles, was mir ganz allgemein über die Schikanen der Nazis bekannt war, bekommt jetzt im Verhalten gegenüber Kindern eine ganz andere Dimension. Nachbarn wurden zu Blockwarten, Lehrer schikanierten "nicht-arische" Kinder, Ausbildungen wurden verweigert... Dann brach der Krieg über alle herein, schließlich schildert der Autor den aus der Sicht eines Teenagers erlebten Feuersturm über Hamburg... (Meine Mutter hat mir gelegentlich davon erzählt, und das in diesem Buch so wiederzufinden, war nicht ganz einfach für mich.)
Dann die Zeit nach dem Krieg, der Hunger, die Kälte, der Schwarzmarkt, hilfreiche oder gefährliche Bekanntschaften, schließlich hat H.-J. Glück und bekommt einen liberianischen Pass und eine Ausreise nach Liberia, bevor er sich zwei Jahre später seinen Traum erfüllen und nach Amerika auswandern kann.
Das Buch enthält ein Nachwort von Ralph Giordano, mit dem sich H.-J. in der Nachkriegszeit anfreundete. Die Giordanos waren Juden, und ihr Leben hatte einige Parallelen zu seinem Leben. Ralph Giordano ist der Autor von "Die Bertinis", in dem Buch kommt auch "Mickey" vor... (Dieses Buch liegt schon vor mir, es ist im Familienbestand, und ich hatte es in den 80er Jahren schon einmal gelesen...)
Ganz abgesehen von meinen persönlichen Befindlichkeiten kann ich diese Lektüre uneingeschränkt empfehlen, es ist die Dokumentation eines wichtigen Stückes Geschichte und zeigt, wohin Rassismus führen kann und führt.
An jenem Tag in Paris von Alex George (Roman)
Aus dem Englischen "The Paris Hours"
Pendo Verlag/Pieper
ISBN 978-3-86612-494-3
Warum dieses Buch? Zusammen mit zwei anderen Büchern spontan gekauft, als ich nach sehr langer Zeit im Frühjahr zum ersten Mal wieder eine Buchhandlung betreten hatte.
Klappentext/Rückseite:
Vier Leben zwischen Liebe, Schmerz und Hoffnung
"Paris, 1927. Eine Stadt, die von berühmten Künstlern, Schriftstellern und Musikern wimmelt, ein wahrer Schmelztiegel des Genies. Inmitten dieser schillernden Stadt ringen vier ganz normale Menschen mit ihren Geheimnissen: Die ehemalige Haushälterin von Marcel Proust sucht verzweifelt nach einem seiner Tagebücher, das sie heimlich behalten hatte. Ein Journalist kann nicht aufhören, in den Gesichtern der Pariser nach etwas ganz Bestimmten Ausschau zu halten. Ein liebeskranker Künstler ringt mit dem Verkauf seines einzig geldbringenden Gemäldes. Und ein armenischer Flüchtling betreibt Tag für Tag ein ungewöhnliches Marionettentheater. Die Wege dieser vier Pariser werden sich im Laufe eines einzigen Tages auf unvergleichliche Weise kreuzen."
Besser kann man dieses Buch nicht beschreiben.
Jedes der meist kurzen Kapitel schildert einen Moment oder einen Tag aus dem Leben eines der Protagonisten, manchmal weniger Leben und mehr Gedanken und Rückblenden. Alle für sich nehmen den Leser mit auf eine ganz persönliche Suche, und es gibt nicht das, was man unter einem Happy End versteht, obwohl am Ende alle Rätsel gelöst scheinen.
Es ist ein sehr anrührendes und eher melancholisches Buch, das einen mitnimmt in das Paris nach dem ersten Weltkrieg. Ich könnte mir vorstellen, dass Pariskenner sich direkt in den geschilderten Straßen sehen können, es wurden ganz bewusst Wohnviertel anstatt der großen Sehenswürdigkeiten zu Schauplätzen gemacht.
Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und musste hinterher noch tagelang darüber nachdenken.
Hallo und einen Gruß an alle im November...
Schon wieder länger nichts geschrieben hier, irgendwie komme ich gerade nicht dazu, was ein gutes Zeichen ist. Kein Stress, keine Langeweile, gelesen, gebacken... Eine Buchbesprechung ist pending, eine zweite kommt bald dazu. Alles normal also.
Eigentlich wollte ich mir meinen "BioNTech-Booster" (ob man in zehn Jahren noch weiß, was das wohl war?) im Januar beim Facharzt holen, eine Unterhaltung gestern stieß mich mit der Nase drauf, es doch bei meiner Hausärztin zu versuchen. Ich brauchte sowieso ein Rezept. Heute Mittag um zwölf gemailt, um dreizehn Uhr Anruf der Ärztin, um 13:30 Uhr von ihrem Praxis-Co-Doc fachmännisch geimpft worden, digitales Zertifikat inklusive. Ich bin immer noch ganz überrascht, wie einfach das war, besonders, weil es zu Anfang der Impfkampagne/n so schwierig war, überhaupt eine Impfung zu bekommen...
Übrigens, dieser Doc, den ich in gar nicht so guter Erinnerung hatte, erwies sich als ausgesprochen fröhlich, freundlich, höflich, zugewandt und kommunikativ. Vielleicht hatte er seinerzeit nur einfach mal einen schlechten Tag gehabt?
Gerade fiel mir ein, dass ich eigentlich zwei Fotos hier einkleben könnte... zum Geburtstag hatte mich ein großes Paket erreicht mit Pflanzen als Bausatz! Das fand ich recht lustig, das Ergebnis ist sehr schön, es gab lediglich eine Menge Plastikmüll...