Freitag, 31. Dezember 2021

Gelesen: Vergeltung

Vergeltung von Robert Harris (Roman)
Aus dem Amerikanischen "V2"
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-27209-5

Warum dieses Buch? Ein Spontankauf, der Name des Autors zog mich an, ich habe mehr von ihm.

Klappentext
"November 1944. Das Deutsche Reich steht vor der Niederlage. In einer Großoffensive setzt es seine modernste Waffe ein - die V2. Tausende dieser ballistischen Raketen mit schwerem Sprengkopf werden auf England abgeschossen. Radar und Aufklärer können sie nicht orten - wie aus dem Nichts stürzen sie mit Überschallgeschwindigkeit auf London herab.
Der Ingenieur Rudi Graf hat mit seinem Freund Wernher von Braun einst davon geträumt, einmal eine Rakete zum Mond zu schicken. Jetzt findet er sich im besetzten Holland wieder, wo er die technische Aufsicht über die Abschüsse hat. Vom Krieg ist er längst desillusioniert. Inzwischen ermittelt gar ein NS-Führungsoffizier wegen Sabotageverdacht gegen ihn.

Kay Caton-Walsh, Offizierin im Frauenhilfsdienst der britischen Luftwaffe, entkommt einem V2-Einschlag nur knapp. Als kurz darauf 160 Menschen von einer der Raketen getötet werden, vor allem Frauen und Kinder, meldet sie sich freiwillig zu einer lebensgefährlichen Mission. Zusammen mit Kameradinnen wird sie im befreiten Belgien abgesetzt. Dort sollen sie die mobilen Startplätze ausfindig machen und zerstören.

Das Schicksal wird Kay und Rudi schließlich aufeinandertreffen lassen."

Rückseite:
Ein deutscher Raketenforscher.
Eine junge englische Offizierin.
Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit.

"Europa, 1944:
In einem letzten Aufbäumen setzt das Deutsche Reich seine modernste und tödlichste Waffe ein. Zehntausend V2-Raketen mit tonnenschwerem Sprengkopf sollen auf England niedergehen. Schon jetzt gibt es Tausende Opfer unter der Bevölkerung. Der Deutsche Rudi und die Engländerin Kay sind Feinde. Ein Ziel jedoch eint sie. Sie wollen den Wahnsinn beenden."

Die Geschichte ist im Klappentext gut beschrieben. Sie basiert auf wahren Begebenheiten, die Personen des Romans sind, bis auf wenige Ausnahmen, fiktiv. Trotz des ernsten Themas liest sich das Buch flüssig und ist einigermaßen spannend. Das Aufeinandertreffen der beiden Hauptpersonen nach dem Krieg ist allerdings nur kurz beschrieben.

Kann man lesen, muss man aber nicht.

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Gelesen: Die GlasperlenMädchen

Die Glasperlenmädchen von Lisa Wingate (Roman)
Aus dem Amerikanischen "The Book of Lost Friends"
Limes/Penguin Random House
ISBN 978-3-8090-2739-3

Warum dieses Buch? Ein Spontankauf.

Klappentext/Rückseite:
«Blau ist die Farbe der Treue. Diese Perlen bedeuten, dass wir immer zusammenhalten, egal wo wir sind...»

1875: Nachdem der Amerikanische Bürgerkrieg das Land ins Chaos gestürzt hat, werden drei Frauen auf ihrer Reise nach Texas zu Weggefährtinnen: Lavinia, die Tochter weißer Plantagenbesitzer, ihre Halbschwester Juneau Jane sowie Hannie, eine ehemalige Sklavin.
Während Lavinia und Juneau um ihr Erbe kämpfen, sucht Hannie nach ihrer Familie, die vor langer Zeit von Sklavenhändlern verschleppt wurde. Einzig drei blaue Glasperlen sind Hannie als Erkennungsmerkmal geblieben, sollte sie ihre Liebsten je wiedersehen...

1987: Als die Lehrerin Benedetta die Schule in Augustine, Louisiana, betritt, ist nichts wie erwartet - schon gar nicht ihre Schüler. Erst als sie die Klasse für die Vergangenheit begeistert, ändert sich alles.

Inspiriert von einer wahren Begebenheit.

Kapitelweise wechseln sich zwei Handlungsstränge ab, und anfangs ist es etwas irritierend, dass sie so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen:

Die Lehrerin Benny kommt an eine Schule, deren SchülerInnen aus überwiegend bildungsfernen Familien stammen, meist sind es Farbige, obwohl das nicht explizit gesagt wird. Es sind Kinder, die laut, wild, rüpelhaft sind, ohne jegliche Motivation. Die einzige Anforderung der Schulleitung: Dafür zu sorgen, dass sie während der Schulstunden nicht im Flur herum rennen.

Benny konnte ein Häuschen beziehen, das, reparaturbedürftig, am Rande eines alten Friedhofes liegt. Bei ihren Erkundungsspaziergängen trifft sie auf das alte und verlassene Herrenhaus der ehemaligen Plantage, wo sie durch das Fenster eine große Bibliothek erblickt. In ihrem Kopf entwickelt sich ein Plan, wofür es notwendig ist, Kontakt zum Besitzer, einem Erben der ehemaligen Plantagenfamilie, aufzunehmen.

Ganz allmählich kann sie ihre Schüler für ihre Idee, mittels der alten Aufzeichnungen die Vergangenheit des Ortes und ihrer Familien zu erforschen, begeistern, stößt aber bei den wohlsituierten Familien, deren Kinder eine andere Schule besuchen, auf heftigen Widerstand.

Gleichzeitig lernen wir die 18jährige ehemalige Sklavin Hannie kennen, die als Junge verkleidet sich auf den Weg macht, um Lavinia und Juneau Jane auf ihrer Suche nach dem Rechtsanwalt ihres Vaters zu begleiten. Sie möchten in den Besitz der Papiere kommen, der ihre Erbschaft sichert. Sie haben allerlei gefährliche Abenteuer zu bestehen, finden aber auch Helfer unterwegs.

In einer Kirche, in der sie - krank und ausgehungert - ein paar Tage übernachten, finden sie Zeitungsseiten mit Vermisstenanzeigen, viele einst in die Sklaverei verschleppte Menschen sind auf der Suche nach ihren Angehörigen. Diese Zeitung erscheint in vielen Staaten, und die Anzeigen werden von den Pastoren in den Kirchen verlesen.

Da Hannie ihre Familienmitglieder vermisst, beginnt sie, für diese Idee zu brennen, lässt sich von Juneau Jane das Lesen und Schreiben beibringen und gemeinsam notieren sie von allen Leuten, die sie unterwegs treffen, die Vermisstenanzeigen in einem kleinen Buch.

Diese Zeitungsanzeigen sind im Buch zwischen den Kapiteln abgedruckt, und ganz allmählich erschließt sich der Leserin, wie beide Handlungsstränge verknüpft werden. Die SchülerInnen finden bei ihren Recherchen ihre eigenen Familien wieder, tragen teilweise auch deren historische Namen.

Mehr möchte ich zur Handlung nicht sagen. Es ist ein großartiges Buch über Vergangenheitsbewältigung und Identitätsfindung und zeigt, wie die Geschichten aus der Vergangenheit unser Leben in der Gegenwart beeinflussen.

Es ist ein absolut großartiger historischer Roman, den ich gern empfehle!

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Schach

 Am zweiten Weihnachtsfeiertag war mein Sohn hier.

Wie gewünscht, gab es einen "leichten Kuchen mit Obst, aber ohne Mandarinen" - als leidenschaftliche Hobby-Bäckerin kein Problem. Es wurde eine "Torta Paradiso" mit Pfirsichen.

Ich freue mich immer sehr, wenn der (riesige) Rest dann eingedost und mitgenommen wird.

Wieder einmal waren wir im Keller und haben seine Kindersachen durchgeschaut zwecks Mitnahme. Dabei fiel uns sein Schachspiel in die Hände. Ich hatte sowieso vor, mir das Spiel wieder draufzuschaffen (denn Enkel01 wünscht sich und bekommt eines zum Geburtstag), hatte als Mädchen mit meinem Bruder gespielt und immer (!) verloren, aber egal. Mein Sohn hatte es von einem Tunesien-Urlaub (mit Oma, Opa, Vater & Anhang, Onkel & Anhang) mitgebracht. Lang, lang ist's her.

Beim Aufbau stellten wir fest, dass die Figuren nicht vollständig sind. Also haben wir die fehlenden durch Legosteine (Riesenkiste für die Enkel steht ja bei mir) ergänzt.

Stundenlang haben wir gespielt und uns ganz herrlich amüsiert!


Das Ergebnis: Das Schachspiel bleibt bei mir, und ich werde neue Figuren besorgen, denn wir möchten gern künftig mehr spielen, es hat uns viel Freude bereitet.

(Und im Keller sind Dinge - Technikbaukästen und Lego Technik vor allem, auch ein paar Bücher - die ich demnächst nach und nach raufholen und den Enkeljungen anbieten kann.)

Samstag, 25. Dezember 2021

Alle Jahre wieder

Guten Morgen am ersten Weihnachtsfeiertag,

erst jetzt komme ich dazu, die obligatorischen Festtagswünsche zu hinterlassen, spät, aber nicht zu spät!

Mein treuer Stammleser möge mir verzeihen, dass es nicht zu einer Mail gereicht hat, es war hier in den letzten vierzehn Tagen alles ein bisschen viel für mich.

Erst wackelte meine Gesundheit zwischen dem dritten und vierten Advent, dann hatte ich einen Wasserschaden, hinzu kam eine grantelnde Mama, weil ihr Fernseher es nicht mehr tat, der gelieferte dann angeblich defekt war, die Retoure etwas kompliziert, weil das Gerät ja nicht bei mir und ich nicht vor Ort war - an dieser Stelle einen Dank an den großartigen Amazon-Kundendienst! Erkrankte Familienmitglieder, so dass bis zum Schluss nicht klar war, ob "unser Heiligabend" hätte evtl. ausfallen müssen, nun ein anderes Familienmitglied mit vermutlich Corona-Infektion... 

Immerhin konnte ich aber trotz angeschlagener Gesundheit allerlei Kekse backen, beim Eintüten dachte ich an den netten Kollegen, der alle die Jahre uns in der Firma zu Nikolaus mit wundervollen selbstgebackenen Keksen bedacht hat. Vielleicht macht er es noch? An die Qualität reichen meine natürlich nicht heran.

Letztlich hatten wir einen schönen Heiligen Abend mit - wie es sich gehört - aufgeregten Kindern, die wieder mal den Weihnachtsmann verpasst haben...

Nun ist Weihnachten noch nicht zu Ende, ein wenig Programm habe ich noch, ich hoffe, stressfrei und angenehm. Und dann geht es aufs Jahresende zu, wieder zwölf Monate geschafft, auf in das dritte Corona-Jahr. Es könnte eine neue Zeitrechnung werden...

Habt eine schöne Zeit, lasst Euch nicht stressen und bleibt gesund!

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Gelesen: Ich finde dich

Ich finde dich von Harlan Coben (Thriller)
(Originaltitel ist nicht genannt)
Taschenbuch von Eder & Bach
ISBN 978-3-945386-88-0

Warum dieses Buch? Der Autor ist eine meiner Entdeckungen in diesem Jahr, da konnte ich spontan zugreifen.

Klappentext/Rückseite:
"Natalie war die Liebe seines Lebens. Doch sie hat ihn verlassen, hat wie aus dem Nichts einen anderen Mann geheiratet, und Jake Fischer war am Boden zerstört. Bei ihrem Abschied musste er Natalie zudem schwören, sie zu vergessen, sie nie mehr zu kontaktieren. Doch als sechs Jahre später etwas Unglaubliches geschieht, bricht Jake sein Versprechen - und macht sich auf die Suche nach Natalie. Eine Suche, die seine eigene gutbürgerliche Existenz für immer zerstört. Ihm wird klar, dass die Frau, die er zu lieben glaubte, niemals wirklich existiert hat."

Jake, mittdreißigjähriger Universitätsprofessor, macht sich auf die Suche, recherchiert, trifft Menschen aus der Vergangenheit und scheucht dadurch Leute auf, die in der Folge hinter ihm her sind und ihm nach dem Leben trachten. Er lässt sich dadurch nicht bremsen, bis er das Geheimnis um die Frau seines Lebens (und nebenbei einiger anderer Menschen) gelüftet hat.

Das ist ein typischer Thriller von Harlan Coben, man fiebert mit, kann das Buch kaum aus der Hand legen, denn jede Minute passiert wieder etwas. In atemberaubendem Tempo entwickelt sich die Geschichte bis hin zum erhofften Happy End. So weit, so gut.

Ich empfand die Geschichte als "an den Haaren herbei gezogen" konstruiert, gelegentlich verwirrten mich die Zusammenhänge auch. Ich hätte mir ein etwas anderes Motiv für alles und ein paar weniger blutige Morde gewünscht.

Insgesamt fühlte ich mich aber gut unterhalten.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Gelesen: Golden Darkness

Golden Darkness
Stadt aus Licht & Schatten von Sarah Rees Brennan (Fantasy/Jugendbuch)
Aus dem Englischen "Tell the Wind and Fire"
Ravensburger Buchverlag
ISBN 978-3-473-40174-1

Warum dieses Buch? Man darf mich einfach nicht auf eine Buchhandlung loslassen. Außerdem: Das Cover hat Schuld.

Klappentext
"Er zog mich auf seinen Schoß, beugte den Kopf herab und drückte mir einen Kuss auf die Lippen, kurz und heiß wie ein Sonnenstrahl, der auf eine Glasscheibe trifft. Er hielt meine Hände an seine Brust gepresst und hinderte mich mit einem Bein daran, zu entkommen.
Ethan ließ mir immer die Möglichkeit, eine Berührung oder einen Kuss zu beenden. Noch nie hatte er mich so angefasst, dass ich mich gefangen fühlte.
Er sah vertraut aus, aber er fühlte sich nicht vertraut an. Er lächelte mich an und als ich dieses süße, freche Grinsen erkannte, schien der weiße Raum zu verschwimmen, als wären wir auf einmal unter Wasser.
"Hi Süße", sagte der Doppelgänger."


Rückseite:
"Die junge Lichtmagierin Lucie weiß, wie man überlebt: mit der perfekten Maskerade. Seit sie aus der verarmten Dunkelstadt Brooklyn in die reiche Lichtstadt Manhattan geflohen ist, spielt sie das brave, dankbare Mädchen an der Seite des wohlhabenden Ethan. Doch Lucies scheinbar heile Welt gerät aus den Fugen, als ein geheimnisvoller Fremder auftaucht: Carwyn, ein Magier aus der Dunkelstadt mit einer spöttischen Zunge, einem gefährlichen Lächeln - und Ethans Gesicht."

In einem New York der Zukunft, unterteilt in eine Licht- und eine Dunkelstadt, herrscht eine Handvoll reicher "Lichtmagier" und bestimmt das Schicksal der armen Leute. Licht- und Dunkelmagier leben in einer seltsamen Symbiose, dazu kommen die Doppelgänger, die erschaffen werden, um Leben zu retten, selber aber in der Dunkelheit bleiben müssen.

Es kommt zu einer Rebellion, in der Lucie, Ethan und sein Doppelgänger Carwyn Schlüsselrollen spielen, alle drei 17jährige Teenager.

Eine Geschichte um Liebe, Vertrauen und Schuld in einer Welt, die ganz ordentlich ausgestaltet ist, der aber trotzdem ein wenig Feintuning noch gut getan hätte.

Keine große Literatur, aber eine Geschichte, die sich gut weg liest und dabei unterhält.

Dienstag, 14. Dezember 2021

Gelesen: Die Bertinis

Die Bertinis von Ralph Giordano (Roman)
S. Fischer Verlag/Lizenzausgabe für den Bertelsmann Club
Erschienen 1982
- keine ISBN -

Warum dieses Buch? Das Buch ist seit den 1980er Jahren im Familienbesitz, und ich hatte es seinerzeit bereits gelesen. Nach der Lektüre des Buches von Hans-Jürgen Massaquoi war es mir ein Anliegen, der gedanklichen Vollständigkeit halber, diesen Roman noch einmal zu lesen.

Klappentext:
"Eine großangelegte Familien-Saga, ein exemplarischer Zeitroman. Ralph Giordano erzählt vom Schicksal der Familie Bertini in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Die Bertinis - der Vater ist italienischer, die Mutter jüdischer Herkunft - gehören nach der unheilvollen Definition der Nazis zu den Menschen, die nicht "deutsch" sein dürfen, die drei Söhne gelten nach einer widerlichen Sprachregelung der Zeit als "Mischlinge". Damit gerät die Familie wie viele andere in den grausamen Strom nationalsozialistischer Verfolgung, ihr droht die Deportation und das von Hitlers Schergen ersonnene Inferno.
Die Vorgeschichte beginnt Ende des letzten Jahrhunderts*, die eigentliche Handlung setzt vor 1933 ein und führt bis in die ersten Nachkriegsjahre. Ihr Schauplatz ist Hamburg - von den Elbvororten bis zum Stadtpark, von Barmbeck** im Norden bis zum Hafen im Süden, mit unvergeßlichen, in den dramatischen Ablauf verwobenen Gestalten, Bildern, Situationen. Fast unglaublich ist diese Geschichte: Der Autor hat mit seiner Phantasie die nackte Realität überhöht; es ist ihm gelungen, eine sinnfällige Schilderung von Menschen unter unmenschlichen Bedingungen zu schaffen. Giordano schildert die kleinen Leute mit ihren Schwächen unter dem grausamen Druck des herrschenden Bösen, mit ihren liebenswerten Zügen, mit dem Ausmaß des ihnen zugefügten Leides und der Fähigkeit zum Überleben. Nichts wird geschönt, keine bittere Erkenntnis verschwiegen. Doch was immer es an Furchtbarem gab: die Liebe zu Hamburg; diese ganz unsentimentale Heimatliebe, bleibt unerschüttert und ist entscheidend für die Zukunft der Bertinis.

*letztes Jahrhundert aus der Sicht von 1982

** damals übliche Schreibweise, heute "Barmbek"

Ralph Giordano, geboren 1923 in Hamburg und dort aufgewachsen, durchlitt in seiner Heimatstadt ab 1933 als rassisch Verfolgter Schikanen und Grausamkeiten der nationalsozialistischen Machthaber. Nach dem Kriege war er als Journalist tätig. Seit 1964 trat er mit zahlreichen vielbeachteten Fernsehdokumentationen für den Westdeutschen Rundfunk und den Sender Freies Berlin hervor."

- Alte Rechtschreibung, so abgetippt vom Klappentext. Das Buch ebenso, aber nach dreimal stutzen über die "ß" las es sich flüssig -

Puh. Was für ein Buch!
Der Inhalt ist im Klappentext ausführlich dargelegt. Deshalb nicht mehr dazu.

Zunächst merkte ich, dass sich die Schreib- und Lesegewohnheiten seit Erscheinen des Buches massiv verändert haben. Ich kann nicht genau sagen, ob es die langen Sätze oder die Ausdrucksweise "an sich" sind, aber es braucht ein bisschen Eingewöhnung in den altertümlich anmutenden Stil. (Ich hatte diesen Eindruck nicht als junge Frau, also hat sich unser Sprachgebrauch gewandelt.)
Ist man nach ein paar Seiten erstmal drin in der Geschichte, liest sich der Roman aber flüssig. Da es über 700 Seiten sind, braucht die Lektüre ein paar Tage...

Für mich persönlich war es - nach dem oben genannten Buch von H.-J. Massaquoi - ein weiterer  Aufenthalt in Hamburg-Barmbek, wo ich von 1957 bis 1977 aufgewachsen bin, gelebt habe, aber es ist ein Stadtteil, der selbstverständlich vor der "Operation Gomorrha" ein wenig anders ausgesehen haben muss. (Und der aktuell wieder im Wandel begriffen ist.) Trotzdem fiel es mir leicht, mich zu verorten, nur zwei Straßennamen sind im Buch geändert: Ich bin also mit dem Protagonisten durch die Straßen gelaufen, weiß gedanklich die Orte zu finden... Obwohl "zu meiner Zeit" vieles neu und anders war, war manches eben doch erhalten.

Das Buch ist zwar ein Roman und soll ausdrücklich keine Biografie sein, lese ich aber bei Wikipedia über Ralph Giordano und sein Leben, sehe ich, dass das Buch weniger Roman und doch mehr Autobiographie sein muss. (Romanhaft dürften die Befindlichkeiten und Dialoge der Familie sein, selbstverständlich.) Das ganze NS-Regime war so erschreckend brutal, dass der Autor Zeit seines Lebens für Zivilcourage und Nicht-Einschüchterung eingetreten ist.

Ich kann diese Lektüre dringend empfehlen, sie lässt damit jedermann miterleben, wie unglaublich schrecklich und menschenunwürdig die NS-Zeit gewesen ist. Das darf nicht vergessen werden.

Dienstag, 7. Dezember 2021

Dezember

Oh, ist es wieder so weit? Das Jahr geht dem Ende entgegen, dem weihnachtsglitzernden, verordneten jährlichen Familien-Freudentaumel. Alle Jahre wieder, was sonst?

Vorhin war ich draußen zwecks einer kurzfristigen Zahnreparatur und stellte fest: Es geht mir luftmäßig gerade gar nicht gut. Schon seit ein paar Tagen war alles etwas mühsam, aber noch tolerabel. Aber heute? Und mir fiel auf, dass es mir, als ich noch gearbeitet habe, sehr oft, fast regelmäßig so gegangen war. Da habe ich mich aber zügig an den besseren Zustand gewöhnt! Also kein Grund zur Beunruhigung, es wird nur das Wetter sein, welches allerlei Kapriolen schlägt, die Tiefdruckgebiete wechseln sich mit Zwischenhochs ab, nichts Beständiges ist dabei, da kann auch meine Atmung nicht beständig bleiben.

Wird schon wieder werden. Dann stress ich mich heute nicht, kann meine Keksbackambitionen noch ein paar Tage vor mir herschieben. Immerhin ist meine Küchenmaschine jetzt mit dem Ersatzteil wieder einsatzbereit, und die Zutaten können auch ein paar Tage liegen bleiben. Heute also eher lesen oder endlich wieder Steine anmalen. Oder Steine vorbereiten für den Fall, dass die Enkel spontan mal wieder Lust darauf haben sollten.

Kaum zu glauben, dass ich seit zweidreiviertel Jahren Ruheständlerin bin und alles, was mit der Arbeit zusammenhängt, so schnell ganz weit weg in die Vergangenheit gerutscht ist. Dies noch mehr, seitdem meine Nachfolgerin nicht mehr dort ist... Fiel mir vorhin auf, als einer der Firmenwagen praktisch an mir vorbei fuhr. Schick, mit neuer Corporate Identity.

Unser erstes Schulkind (seit August) schreibt bereits Einkaufslisten, sehr konzentriert und ganz korrekt. Ich meine, damit ist er früher dran und besser als meine Kinder waren - hin und wieder fallen mir alte Zettelchen und Briefchen in die Hände. Also knapp fünf Monate Schule, und es wird gelesen und geschrieben. Nächstes Jahr kommt der zweite Junge hin, die Zeit läuft!

Bleibt meine Mutter. Es geht ihr gut im Pflegeheim, letztens hatte ich es bei ihr etwas adventlich dekoriert. Sie ist überwiegend friedlich. Auf Zufriedenheit zu hoffen, wäre vermessen. Die kognitiven Fähigkeiten sind rückläufig, vermutlich normal bei einem biblischen Alter von 95 Jahren.

Nach einem wunderbaren Tag mit Tochter & Mann steht mein Weihnachtsbaum bereits frix und fertig. Da ich am Heiligen Abend bei den Enkeln sein werde - mit dieser Verschiebung war zu rechnen - und ein Teil der Familie nicht in Hamburg sein wird, ich mithin nur am 2. Feiertag Besuch bekomme, habe ich beschlossen, dass ich mich gerne schon jetzt jeden Tag an dem Baum erfreuen mag. Zum zweiten Mal ist er nur mit den "verrückten" Weihnachtsornamenten von (überwiegend) Butlers behangen, die ich mir über mehrere Jahre zusammengekauft habe. (Immer, wenn ich - einige Jahre lang war es so - im November/Dezember arg krank war, habe ich auf dem Heimweg vom Doc Baumhänger als Trösterchen gekauft. So sind es viele geworden...)

Traditionell habe ich mein Leben lang am 24.12. vormittags meist mit der Familie dem Baum geschmückt, aber eine Tradition ist kein Gesetz...

Ich wünsche Euch eine schöne Adventszeit!