Donnerstag, 30. Dezember 2021

Gelesen: Die GlasperlenMädchen

Die Glasperlenmädchen von Lisa Wingate (Roman)
Aus dem Amerikanischen "The Book of Lost Friends"
Limes/Penguin Random House
ISBN 978-3-8090-2739-3

Warum dieses Buch? Ein Spontankauf.

Klappentext/Rückseite:
«Blau ist die Farbe der Treue. Diese Perlen bedeuten, dass wir immer zusammenhalten, egal wo wir sind...»

1875: Nachdem der Amerikanische Bürgerkrieg das Land ins Chaos gestürzt hat, werden drei Frauen auf ihrer Reise nach Texas zu Weggefährtinnen: Lavinia, die Tochter weißer Plantagenbesitzer, ihre Halbschwester Juneau Jane sowie Hannie, eine ehemalige Sklavin.
Während Lavinia und Juneau um ihr Erbe kämpfen, sucht Hannie nach ihrer Familie, die vor langer Zeit von Sklavenhändlern verschleppt wurde. Einzig drei blaue Glasperlen sind Hannie als Erkennungsmerkmal geblieben, sollte sie ihre Liebsten je wiedersehen...

1987: Als die Lehrerin Benedetta die Schule in Augustine, Louisiana, betritt, ist nichts wie erwartet - schon gar nicht ihre Schüler. Erst als sie die Klasse für die Vergangenheit begeistert, ändert sich alles.

Inspiriert von einer wahren Begebenheit.

Kapitelweise wechseln sich zwei Handlungsstränge ab, und anfangs ist es etwas irritierend, dass sie so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen:

Die Lehrerin Benny kommt an eine Schule, deren SchülerInnen aus überwiegend bildungsfernen Familien stammen, meist sind es Farbige, obwohl das nicht explizit gesagt wird. Es sind Kinder, die laut, wild, rüpelhaft sind, ohne jegliche Motivation. Die einzige Anforderung der Schulleitung: Dafür zu sorgen, dass sie während der Schulstunden nicht im Flur herum rennen.

Benny konnte ein Häuschen beziehen, das, reparaturbedürftig, am Rande eines alten Friedhofes liegt. Bei ihren Erkundungsspaziergängen trifft sie auf das alte und verlassene Herrenhaus der ehemaligen Plantage, wo sie durch das Fenster eine große Bibliothek erblickt. In ihrem Kopf entwickelt sich ein Plan, wofür es notwendig ist, Kontakt zum Besitzer, einem Erben der ehemaligen Plantagenfamilie, aufzunehmen.

Ganz allmählich kann sie ihre Schüler für ihre Idee, mittels der alten Aufzeichnungen die Vergangenheit des Ortes und ihrer Familien zu erforschen, begeistern, stößt aber bei den wohlsituierten Familien, deren Kinder eine andere Schule besuchen, auf heftigen Widerstand.

Gleichzeitig lernen wir die 18jährige ehemalige Sklavin Hannie kennen, die als Junge verkleidet sich auf den Weg macht, um Lavinia und Juneau Jane auf ihrer Suche nach dem Rechtsanwalt ihres Vaters zu begleiten. Sie möchten in den Besitz der Papiere kommen, der ihre Erbschaft sichert. Sie haben allerlei gefährliche Abenteuer zu bestehen, finden aber auch Helfer unterwegs.

In einer Kirche, in der sie - krank und ausgehungert - ein paar Tage übernachten, finden sie Zeitungsseiten mit Vermisstenanzeigen, viele einst in die Sklaverei verschleppte Menschen sind auf der Suche nach ihren Angehörigen. Diese Zeitung erscheint in vielen Staaten, und die Anzeigen werden von den Pastoren in den Kirchen verlesen.

Da Hannie ihre Familienmitglieder vermisst, beginnt sie, für diese Idee zu brennen, lässt sich von Juneau Jane das Lesen und Schreiben beibringen und gemeinsam notieren sie von allen Leuten, die sie unterwegs treffen, die Vermisstenanzeigen in einem kleinen Buch.

Diese Zeitungsanzeigen sind im Buch zwischen den Kapiteln abgedruckt, und ganz allmählich erschließt sich der Leserin, wie beide Handlungsstränge verknüpft werden. Die SchülerInnen finden bei ihren Recherchen ihre eigenen Familien wieder, tragen teilweise auch deren historische Namen.

Mehr möchte ich zur Handlung nicht sagen. Es ist ein großartiges Buch über Vergangenheitsbewältigung und Identitätsfindung und zeigt, wie die Geschichten aus der Vergangenheit unser Leben in der Gegenwart beeinflussen.

Es ist ein absolut großartiger historischer Roman, den ich gern empfehle!

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