Ich war in der ersten Märzwoche zuletzt "richtig" draußen. Also beim Arzt und im Pflegeheim.
Ganz kurz vorm Lockdown ging ich in Selbstisolation. Sicherheitshalber.
Danach der offizielle Lockdown.
Für mich:
Tägliche einsame Spaziergänge. Bewegung muss schließlich sein.
Jeden Tag ein Anruf von der Großen. Um zu hören, ob ich ok bin, nicht vereinsame.
Bis auf einen Weg Anfang April zur Post keine Wege in die Einkaufsgaleria.
Finale Wohnungsräumung der mütterlichen Wohnung aus der Ferne beauftragt.
Wohnungsübergabe aus der Ferne mittels Versand der Schlüssel.
Rewe online liefert zuverlässig Lebensmittel.
Keine Besuche im Pflegeheim, aber regelmäßige Telefonate.
Überhaupt kann man irgendwie alles online bestellen, meine Kreditkarte freut sich.
Irgendwann ist der Not gehorchend das Heiminfusionsprogramm des Medikamentenherstellers erweitert worden. Also einmal wöchentlich die Prolastin-Infusion jetzt zuhause.
Besuche über die Terrasse, mit viel Abstand. Besser als nichts. Aber es fühlt sich seltsam an.
Wenn jetzt nichts dazwischen kommt, sehe ich am Pfingstsonntag meine Enkelkinder, seit vielen Wochen das erste Mal. Sie fehlen mir.
Für die Familie:
Wir haben es gut. Niemand gerät in finanzielle Not.
Manche machen Homeoffice.
Einer, der als systemrelevant gilt, ist in Kurzarbeit mit gutem Tarifvertrag.
Eine im Homeoffice macht keine Geschäftsreisen mehr.
Eine im Homeoffice betreut "nebenbei" zwei kleine Jungen. (Nebenbei!!!)
Wer Rente bekommt, ist auch sicher.
Ich:
Um nach vielen Wochen ein bisschen "normales Leben" zurück zu erobern, war ich letzte Woche draußen. Kleine Besorgungen in meiner Einkaufsgaleria... nur zum Gemüsemann und zum Bäcker, zum Optiker.
Mit Mund-Nasenschutz, genannt "Maske."
Ich bin brav und halte mich an die Vorgaben.
Nach fünf bis zehn Minuten bekomme ich kaum noch Luft.
Erdbeeren gekauft und frische Brötchen.
Dann raus. Auf eine Bank gesetzt und verschnauft.
Anstrengend.
Ich kann ein Attest zur Befreiung bekommen, wenn ich vorher zum Lungenfunktionstest antrete.
Aber noch habe ich "Angst," mit der Bahn zu fahren.
Für das Pflegeheim gibt es ein "Hygienekonzept." Gleiches Problem für mich, ich müsste über eine Stunde lang diese "Maske" tragen. Und ich dürfte nichts (!) mitbringen.
Wir sind noch alle gesund, das ist es, was zählt.
Nebenbeigedanken:
Manchmal ist es erstaunlich, wie gut alles passt... Mein Rentenbeginn kurz vor dem Sturz meiner Mutter mit allen Folgen... Krankenhaus, Wohnungsbetreuung, Unterbringung im Heim, dann Wohnungsauflösung, jetzt Corona mit Isolation etc... Ich bin froh, dass das alles eintrat, als ich schon im Ruhestand war. Nicht auszudenken die Probleme am Arbeitsplatz spätestens in diesem Frühjahr, was mit Sicherheit eine Langzeitkrankschreibung bedeutet hätte. Nicht gut für die Firma, aber auch nicht gut für mich wegen des schlechten Gewissens und der Sorgen.
Achja: Haare
In der Lockdown-Woche hätte ich zu Rosa gehen müssen, in den Friseursalon.
Nun wachsen meine Haare. Ich bin nach über 30 Jahren Kurzhaarschnitt interessiert, zu sehen, was meine Haare eigentlich wollen. Jede Woche eine neue Überraschung.
Am Ende wird wenigstens die sog. Übergangszeit von kurz zu... weiß nicht, was, erledigt sein.
Ich bin gespannt, was ich am Ende damit oder daraus mache.