Samstag, 29. August 2020

Gelesen: OXEN - Der dunkle Mann

 OXEN - Der dunkle Mann von Jens Henrik Jensen (Thriller)
Aus dem Dänischen "De mørke mænd"
dtv Taschenbuch/broschiert
ISBN 978-3-423-26179-1
Band 2/3

Warum dieses Buch? Keine Frage, es ist der Folgeband.

Klappentext:
«Es würde keine schnelle Lösung geben. Seine einzige Chance auf einen Freispruch lag darin, die Schuld der dunklen Männer zu beweisen. Irgendwo auf dem Weg zum Zentrum der Macht lag der Schlüssel zu seiner Freiheit.»
"Niels Oxen lebt und arbeitet unter falschem Namen auf einer abgelegenen Fischzucht in Jütland. Der alte Fischer lässt den ehemaligen Elitesoldaten in einem heruntergekommenen Häuschen wohnen. Noch immer wird Oxen von seinen Albträumen gequält. Eines Tages wird Museumsdirektor Malte Bulbjerg auf Nyborg Slot ermordet. Ihm hatte Oxen zuvor geheimes Material über den Danehof zukommen lassen. Margrethe Franck gelingt es schließlich, den Untergetauchten aufzuspüren. Allerdings kann sie ihn nicht davon überzeugen, sich mit Axel Mossman zu treffen. Nach wie vor ist Oxen nicht klar, welche Rolle der Geheimdienst im Zusammenhang mit dem Danehof spielt. Doch dann tauchen die dunklen Männer des Danehof in Oxens Versteck auf, und ihm bleibt keine andere Wahl, als Mossmans Kooperationsangebot anzunehmen."

Wie schon im ersten Band beginnt die Geschichte mit einzelnen Sequenzen, die eine Zuordnung schwer machen, damit Rätsel aufgeben und die Spannung aufbauen.

Durch einen Zufall rettet Oxen einem alten Fischzüchter in der Neujahrsnacht das Leben und arbeitet unter falschem Namen für ihn, während Margrethe Franck das ganze Land nach ihm absucht, da der Geheimdienst dringend mit ihm sprechen oder arbeiten möchte.

Im Verlauf der Handlung taucht der Neffe von Mossman auf und arbeitet mit Oxen und Margrethe zusammen. Immer wieder versuchen dunkle Mächte, vermutlich der Danehof, Oxen zu finden, immer wieder schafft er es, zu entkommen.
 
 
Auch dieses ist wieder eine intelligente und mitreißende Geschichte, die ich erst mitten in der Nacht kurzzeitig aus der Hand legen mochte. Sie gibt dem Leser immer wieder Rätsel auf, und nur mit Konzentration lässt sich der Handlung folgen. Ich bin begeistert und beginne sofort mit dem dritten und letzten Band der Trilogie.

Dienstag, 25. August 2020

Gelesen: OXEN - Das erste Opfer

OXEN - Das erste Opfer von Jens Henrik Jensen (Thriller)
Aus dem Dänischen "De hængte hunde"
dtv Taschenbuch
ISBN 978-3-423-21765-1
Band 1/3

Warum dieses Buch? Irgendwo im Internet bin ich auf die Autorenseite gestoßen und wurde neugierig. Eine Geschichte mit Bezug zu Jylland machte mich neugerig. Weihnachten lagen dann alle drei Bände unter dem Tannenbaum.

Klappentext:
"Niels Oxen, ein hochdekorierter, aber schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in einen Wald auf dem dänischen Festland zurück. In der Einsamkeit Jütlands hofft er, seinen inneren Dämonen zu entkommen. Das Gegenteil passiert, als er nach einem nächtlichen Besuch des nahegelegenen Schlosses Nørlund zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall wird: Hans-Otto Corfitzen, ehemaliger Botschafter und Gründer eines einflussreichen Thinktanks, wurde auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen fängt an, selbst in der Sache zu ermitteln, gemeinsam mit der klugen, unangepassten Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck. Die beiden teilen ein ähnliches Schicksal und fassen nach und nach Vertrauen zueinander... Ein Kampf David gegen Goliath beginnt, denn bei ihren Ermittlungen bekommen es Oxen und Franck mit dem übermächtigen "Danehof" zu tun, einem Geheimbund, zu dem Corfitzen Verbindungen hatte und der sich als Brutstätte dunkler Machenschaften entpuppt."

Der Klappentext verrät schon sehr viel.

Die Persönlichkeit von Oxen ist kompliziert, zu Beginn weiß man eigentlich nicht, ob man ihn den "Guten" oder den "Bösen" zuordnen soll, aber spätestens als man ihn, unschuldig und nur durch seine Neugier ins Fadenkreuz geraten, als Täter festnageln will, ergreift die Leserin Partei für ihn.
Etwas komplizierter verhält es sich mit Margrethe Franck, die letztlich mit Oxen zusammenarbeitet, aber immer auch wenig durchschaubar bleibt.

Kriminelle Machenschaften, die sich durch den gesamten Polizei- und Geheimdienstapparat bis hin zum Justizminister ziehen, werden professionell vertuscht, letztlich deutet alles auf den Geheimbund hin...

Eine intelligente, spannende Geschichte mit komplizierten Wendungen und Verwicklungen, die ich nur aus der Hand legen mochte, weil ich gelegentlich auch etwas Schlaf brauchte.

Sonntag, 23. August 2020

Abgebrochen: Hoffnungsschatten

Hope & Despair: Hoffnungsschatten von Carina Mueller (Fantasy)
impress/Carlsen Verlag
ISBN 978-3-551-30060-7
Band 1/3

Warum dieses Buch? Ich bin einer Empfehlung aus der Büchergruppe gefolgt. Das ist schon ein paar Jahre her. (Ich arbeite sozusagen meinen SuB ab.)

Klappentext:
"Wahre Gegensätze finden immer zueinander.

Sie sind buchstäblich ein Geschenk des Himmels: Zum Dank für die heimliche Rettung eines schiffbrüchigen Ufos bekam die amerikanische Regierung einst zwölf übermenschliche Babys geschenkt. Sechs Mädchen und sechs Jungen - jeweils für die guten und die schlechten Gefühle der Menschen stehend. Dies ist genau siebzehn Jahre her und die Babys sind nicht nur groß geworden, sondern wurden auch voneinander getrennt. Während Hope und die anderen fünf Mädchen sich als Probas dem Guten im Menschen verpflichten, verhelfen die männlichen Improbas dem kriminellen Untergrund zu Geld und Macht. Bis zu dem Tag, an dem die Improbas ihre Gegenspielerinnen aufspüren und nur Hope entkommen kann. Mit ihrem Gegenpart Despair dicht auf den Fersen..."

Das ewige Spiel von gut/böse liest sich flott weg, die Story ist simpel, Spannung wird aufgebaut.

Trotzdem breche ich ab. Mich stört massiv die Verwendung von Alltags- bis hin zur Vulgärsprache, außerdem die Schilderung von Grausamkeiten und Folter. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Die Trilogie umfasst folgende Bände:
1. Hoffnungsschatten
2. Hoffnungsnacht
3. Hoffnungsstunde

Ich werde sie komplett weggeben.

Samstag, 22. August 2020

Gelesen: Ewige Schuld

Ewige Schuld von Linda Castillo (Thriller)
Amerikanisches Original "Down a Dark Road"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-29802-0
Band neun der Serie

Warum dieses Buch? Eine Kate Burkholder-Geschichte geht immer. In diesem speziellen Fall war mir aufgefallen, dass ich letztens Band zehn gelesen (und diesen übersehen) hatte.

Klappentext:
«Sie sagen, ich sei vom rechten Weg abgekommen. Sie glauben, dass jetzt nur noch Gott mir helfen kann.»
"Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein "gefallener" Amischer, einer, der ständig mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Doch diese Tat hat er immer vehement bestritten. Jetzt ist er ausgebrochen, hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau!"
 
Als Kate in der Gewalt von Joseph, der einst ihr Kinderfreund war, ist, seine Kinder sind bei ihm, kommt ein großes Krisenteam und Einsatzkommando zu Hilfe. Nachdem Kate frei ist und zu ermitteln beginnt, eskaliert vor Ort die Situation, in deren Folge Joseph erschossen wird. Damit ist die Geschichte nicht zu Ende, denn mittlerweile stößt Kate auf diverse Ungereimtheiten bei Deputies, Sheriffs bis hin zur Staatsanwaltschaft. Als sie im Begriff ist, einen Skandal aufzudecken, gerät sie - wie in jeder dieser Stories - in Lebensgefahr.
 
Eine Geschichte mit Rückblenden in Kates Kindheit in ihrer amischen Familie mit viel Gefühl.

Wie immer fast in einem Rutsch gelesen (einmal angefangen, kann ich diese Bücher einfach nicht aus der Hand legen.)

Donnerstag, 20. August 2020

Urticaria

Urticaria ist ein roter, manchmal geschwollener, gelegentlich auch blasiger fürchterlich stark juckender Hautausschlag. Gelegentlich allergisch bedingt, aber nicht immer.

Vor Monaten hatte ich so eine Hauterscheinung als unerwünschte (Neben-)Wirkung meiner Infusion, die bereits auf dem Beipackzettel aufgeführt ist, zusätzlich noch von mir gemeldet wurde, weil für den Hersteller des Medikaments ja auch die Häufigkeit des Auftretens interessant ist.

Während der letzten Tage hatte ich gelegentlich rote juckende Flecken. Zunächst vermutete ich Insektenstiche, fand aber kein passendes Tierchen in meiner Wohnung. Mit ein bisschen Ablenkung, Konzentration auf andere Sachen, verschwanden die Flecken meist auch nach ein bis zwei Stunden wieder.

Aber gestern! Und vorgestern!
Beide Unterarme, ausgehend von den Innenseiten, waren eine einzige rote quälende Fläche. Dazu noch einzelne Partien an anderen Körperstellen. Da half weder Ablenkung noch die in meiner Verzweiflung zweite "Allergietablette" des Tages. Eine nehme ich ja ohnehin wegen meiner Pollenallergie. Der Abend ließ sich überhaupt nur mittels diverser CoolPacks überstehen, die ich ständig gegen frisch gekühlte durchtauschte. Also in dem Sinne, dass der Kältereiz stärker sein mochte als der Juckreiz.

Heute Vormittag nochmal nachgedacht und recherchiert. Rotwein kann so etwas auslösen. Ich hatte Rosé, zwei Abende lang. Üblicherweise vertrage ich einen leichten Roséwein sehr gut. Vielleicht spielte da meine Infusion vom Dienstag noch eine Rolle? (Ich bekomme seit einigen Wochen Flaschen aus der gleichen Charge, das Medikament kann also nicht die alleinige Ursache sein.)

Also erstmal kein Rosé. Und beobachten. (Man gönnt sich ja sonst nichts.)

Samstag, 15. August 2020

Schreck am Abend und Entwarnung

Gestern Abend ein Anruf, meine Mutter sei ins Krankenhaus gekommen, Verdacht auf Lungenentzündung. Heute Vormittag, bevor ich im KH anrufen wollte, dann die Entwarnung, sie sei seit ein Uhr in der Nacht zurück. Alles in Ordnung.

Folge: Eine praktisch schlaflose Nacht, in der ich gedanklich immer habe meine Mutter sterben sehen. Mit knapp 93 Jahren nicht so abwegig.

Beim Telefonat heute war sie ausgesprochen guter Dinge und sehr gut sortiert. Aber sie hatte überhaujpt nicht verstanden, warum sie gestern mit Alarm ins KH gekommen war... Besser so, als wenn das Heim etwas übersehen hätte. So bin ich sicher, dass man einen aufmerksamen Blick auf die Bewohner hat.

Das Nuf

Neuer Bloglisten-Eintrag. Eigentlich gar nicht neu, überall und nirgends schon mal drüber gestolpert, aber nun habe ich mich festgelesen und den Link verankert, damit er mir nicht wieder entwischt. Viele gute und sehr kritische Gedanken, auch das Lesen der Kommentarposts empfehle ich sehr! Das Nuf Advanced

Donnerstag, 13. August 2020

Ausgelaugt

 Warum? - Darum:

"Bei sehr hoher Temperatur ist die Atemluft sauerstoffarm. Ein m3 Warmluft enthält weniger Moleküle als ein m3 Kaltluft; auch weniger Sauerstoffmoleküle. Es sind deshalb bei Hitze mehr Atemzüge notwendig, um die selbe Sauerstoffmenge einzuatmen. Durch die geringe Bewegung der Luft (Wind) ist sie zunehmend mit Staub und Allergenen belastet. Bleibt die Wetterlage über mehrere Tage stabil kann die Ozonbelastung Ihre Atemwege reizen.Sie müssen heute mit verstärkten Beschwerden rechnen." (Quelle: www.menschenswetter.de)

So allmählich reichts mir mit der Wärme: schlechte Atmung, Pollenallergie trotz Medikament so schlimm wie sonst Anfang Juni, dadurch brennende Augen, deshalb Buch lesen nicht möglich... Mimimimimi...

Samstag, 8. August 2020

Dreiunddreißig Grad

Sommer. Für etwa eine Woche, dann wird es das möglicherweise gewesen sein.

Also nutze ich meine Terrasse mit dem Kopf im Schatten und den Füßen in einer Wasserschüssel. Immer dabei: Etwas zu trinken. Auch wenn es auf dem Foto aussieht wie Aperol, nein, das ist Rote-Beeren-Tee mit geeister Zitrone. Löscht prima den Durst, ist gut für den Wasserhaushalt und hält den Puls unten.

Immer noch umtreibt mich die Sorge, wie es wohl mit S. weitergehen wird. Immer noch an der Beatmungsmaschine, jetzt noch eine Komplikation obendrauf.

Passt alle gut auf Euch auf!

Donnerstag, 6. August 2020

Gelesen: Mit der Flut

Mit der Flut von Agnes Krup (Roman)
PiperTaschenbuch
ISBN 978-3-492-31409-1

Warum dieses Buch? Zusammen mit anderen Büchern hat es hier Einzug gehalten, nachdem meine Tochter sie gekauft und gelesen hatte. Sozusagen Zweitverwertung bei mir.

Klappentext:
"Paul ist fast noch ein Junge, als er alles hinter sich lässt und zu einem neuen Leben nach New York aufbricht. Dort findet er, was ihm bei seiner Familie in Finkenwerder unmöglich war: eine gute Schulbildung, eine vielversprechende Anstellung und alle Chancen, etwas aus sich zu machen. Als er Antonina begegnet, scheint sein Leben perfekt. Aber Paul hat einen Traum: Er möchte Arzt werden, und nur in Deutschland kann er sich seinen Wunsch erfüllen. Ein zweites Mal wagt er einen Neuanfang - und kommt im Jahr 1937 in ein Land, das er kaum wiedererkennt. Je länger er dort bleibt, desto unüberwindlicher werden die Grenzen zwischen seinem neuen und seinem alten Leben. Doch Antonina ist entschlossen und nicht bereit, Paul aufzugeben...
Inspiriert vom bewegten Leben ihres Großonkels, erzählt Agnes Krup eine so dramatische wie faszinierende deutsche Familiengeschichte - und von einer scheinbar aussichtslosen Liebe, die keine Hindernisse akzezptieren will."

Eine Geschichte, die einen Bogen spannt von 1920 bis 1969. Die italienischstämmige Amerikanerin Antonina mit ihrer Familie in New York, bereit, Paul zu heiraten und, es gibt kaum einen größeren Kontrast, Pauls bäuerliche Familie in Finkenwerder sorgen für jede Menge Konflikte in einer schweren Zeit.

Für Hamburger wie mich ist der Genuss des Romans ein Stück Heimatgeschichte: Die Elbinsel Finkenwerder ist heute ein Stadtteil Hamburgs, viele Orte und Begriffe sind mir vertraut. Ebenso die vielfach eingestreute wörtliche Rede der Obstbauern auf Finkenwerder, Pauls Familie, sie sprechen durchgängig Plattdeutsch.

Paul kommt quasi-verlobt allein aus New York zurück, lebt wieder im Haus seiner Eltern in seinem Jungenzimmer und trifft viele alte Freunde und Bekannte wieder. Auch seine Kinderfreundin. Schnell fügt er sich wieder in das eher ärmlich anmutende Leben ein und nimmt seine Studien auf. Antonina schreibt regelmäßig lange Briefe und schickt Pakete, oft hat Paul keine Lust, ihr zu antworten. Inzwischen ist Krieg, und kurz vor seiner letzten Prüfung wird Paul eingezogen, zunächst nach Russland, wo er verwundet wird und deshalb Heimaturlaub bekommt. Er hat eine Nachricht eines gefallenen Freundes zu überbringen und verliebt sich in dessen Frau, die zwei kleine Kinder hat.

So nehmen das Leben und die Verwicklungen ihren Lauf, die amerikanische Freundin schreibt Briefe und schickt Pakete mit Kaffee, Zucker, Mehl, warmen Strümpfen und vielen Dingen mehr, die der großen Familie - Pauls Bruder ist verheiratet und hat Kinder, aber irgendwie gehört die halbe Nachbarschaft versippt und verschwägert dazu - durch Nachkriegszeit und harte Winter hilft.

Paul ist schreib- und mundfaul, aber das, was man einst "einen Weiberheld" nannte.

Irgendwann gelingt es Antonina, mit viel Mühe und guten Beziehungen, ein Visum zu bekommen. Sie besucht "ihren Paul" auf Finkenwerder, bleibt jedoch in seiner Familie eine Außenseiterin. Trotzdem heiraten sie irgendwann heimlich. Nach einigen Monaten reist sie zurück nach Amerika und sucht eine Wohnung für beide. Paul hat auf Finkenwerder mittlerweile eine Arztpraxis und ist mit dem Nachkommen sehr zögerlich.

An dieser Stelle höre ich auf zu spoilern.
Ich habe diesen Roman sehr gern gelesen, weil er mir die Geschichte meines Vaters (nein, kein Obstbauer auf Finkenwerder!) näher gebracht und ich viele seiner plattdeutschen Ausdrücke gelesen habe. Gleichfalls haben mich die Schilderungen des ärmlichen Lebens nach dem Krieg und in den Wintern 1944/1945 (von denen meine Mutter manchmal erzählt hat) sehr berührt.
Die ständige Entschlusslosigkeit von Paul war anstrengend zu lesen, aber auch verständlich.
Das sich ankündigende Ende in der nächsten Generation stimmt versöhnlich.
Das Buch ist gut geschrieben, mir hat es beim Lesen Freude gemacht. Ob es Lesern ohne norddeutschen Hintergrund oder jüngeren Lesern gefallen kann, mag ich nicht beurteilen.

Prolastin

Insider wissen, dass die Heiminfusion nach abgeschlossenem Gerichtsverfahren im Mai nun offiziell erlaubt ist.

In meiner soeben erhaltenen neuen Sendung lag obenauf ein großes Faltblatt mit einer entsprechend überarbeiteten Gebrauchsinformation. Außerdem fällt mir auf, dass der Text "pharmakodynamische Eigenschaften" zur Wirkweise ausführlicher geworden zu sein scheint. Da können sich weniger gut informierte Patienten weitere Aufklärung zu dieser Krankheit verschaffen.

Sonntag, 2. August 2020

Gelesen: Schöne neue Welt

Schöne neue Welt von Aldous Huxley (Ein Roman der Zukunft)
Englische Originalausgabe von 1932 unter dem Titel "Brave New World"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-90573-7
Neu übersetzt von Uda Strätling mit einem ausführlichen Nachwort von Tobias Döring und Daten zu Leben und Werk

Warum dieses Buch? Man sollte es gelesen haben. Ich folgte einem Impuls aus der Büchergruppe.

Klappentext:
" Schließlich ist es, wo immer die Massen politische Macht errangen, stets eher um Glück als um Wahrheit und Schönheit gegangen."

"1932 erschien einer der wichtigsten utopischen Romane des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird in Form einer Tablette. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg, und Fertilisationsstationen haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten - bis einer von außen dahinter blickt und einen Abgrund aus Arroganz und Verzweiflung entdeckt.

Endlich erscheint die längst fällige Neuübersetzung. Uda Strätling legt den spöttischen Witz und die visionäre Kraft der Sprache Huxleys frei: Das prophetische Buch, dessen Aktualität jeden Tag aufs Neue bewiesen wird, erhält eine sprachlich zeitgemäße Gestalt."

City-Brüter und Konditionierungscenter London: Der Roman beginnt mit einer Werksführung durch die Fertilisationsanstalt. Man erfährt in aller Ausführlichkeit, wie Menschen produziert, vermehrt und, entsprechend ihrer späteren Verwendung, bereits im Embryonenstadium in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Es entstehen riesige Mengen ("Produktionsreihen") von Mehrlingen für einfache Arbeiten (Gammas, Deltas, Epsilons). Nur Alphas und Betas, teilweise noch unterschieden mit "plus" und "minus", sind Einzelprodukte.

Eltern gibt es nicht, die Kinder werden im Center aufgezogen und konditioniert, u.a. mit automatisierten Einflüsterungen im Schlaf. Konsum und Promiskuität sind erwünscht und werden gefördert. Wer sich als Erwachsener nicht fügt, eventuell auch noch die übliche Glücksdroge ("Soma") verweigert, fällt unangenehm auf und macht sich verdächtig. Eigene Gedanken, vor allem kritische, werden zum ernstzunehmenden Problem.

(Interessant sind die technischen Gerätschaften, von denen tatsächlich einige heute existieren, z.B. der "Televisor", nur auf unsere Digitaltechnik ist der Autor nicht gekommen, es wird also eifrig mit Stiften auf Notizblöcke geschrieben.)

Mit kritischen Gedanken plagt sich der erste Protagonist Bernard Marx herum, trifft teilweise auf Verständnis bei einem Freund. Schließlich beantragt er Urlaub gemeinsam mit einer Gefährtin in einem mittelamerikanischen Reservat, wo er auf die einst verschollene Freundin des "Direktors" und ihren erwachsenen Sohn trifft.

Zwei Kulturen treffen endgültig aufeinander, als Marx die beiden mit nach Hause nimmt. Die inzwischen deutlich gealterte Freundin (und äußerliches Alter gibt es in der Weltengemeinschaft üblicherweise nicht!) flüchtet sich in einen anhaltenden Drogenrausch. Ihr Sohn John aber, dessen Bildung im Reservat in einem Band von Shakespeares gesammelten Werken bestand, nachdem seine Mutter ihm das Lesen beigebracht hatte, hinterfragt alles. Er ist der eigentliche Protagonist, der alles in Frage stellt, was das Leben dort ausmacht.

Schließlich hat er eine Unterhaltung mit dem ranghöchsten Regierungsmitglied, in deren Verlauf ihm deutlich gemacht wird, aus welchen Gründen die Weltordnung so sein muss, wie sie ist, warum eigenständiges Denken nicht erwünscht ist, wohin die systemkritischen Denker ausgewiesen werden können (gerne auf eine abgelegene Insel) und warum.

Nach dem Tod seiner Mutter bezieht John einen verlassenen Turm und baut sich ein beinahe autarkes einsames Leben auf, jedoch lassen die Medien ihn nicht in Ruhe, verfolgen ihn bis in seinen schlussendlichen Selbstmord.

Fazit: zunächst natürlich eine Utopie, die zum "culture clash" und letztlich philosophisch wird. Über jeden einzelnen Aspekt, jeden Abschnitt, lässt sich lange nachdenken. Empfehlenswert!


P.S. : Den Anhang zu lesen mit dem Vorwort des Autors, der Begriffserklärungen und dem Nachwort, ist eine lohnenswerte Aufgabe!

Samstag, 1. August 2020

Gelesen: Brennendes Grab

Brennendes Grab von Linda Castillo (Thriller)
Amerikanisches Original "A Gathering of Secrets"
Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-70426-2
Band zehn der Serie

Warum dieses Buch? Immer wieder gern ein Krimi um Kate Burkholder. Als Buch zwischendurch, gegen Grübelei, schlaflose Nächte oder für einen Tag auf der Terrasse ohne Verpflichtungen.

Klappentext:
"Eine brennende Scheune wird zur tödlichen Falle
Der 18jährige Sohn der Familie Gingerich verbrennt bei lebendigem Leib in der Scheune. Daniel galt als tüchtig, freundlich und zuverlässig. Doch die Ermittlungen bringen auch seine dunkle Seite ans Licht. Eine Seite, von der die amische Gemeinde nichts wissen will, aber hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt.
Als Kate Burkholder den Dingen auf den Grund geht, finden sich plötzlich viele Verdächtige. Jemand muss Daniel Gingerich grenzenlos gehasst haben. So sehr, dass er ihn in die Scheune lockte."

Wie immer bei diesen Geschichten beginnt das Buch mit einem Prolog, der einer Person eine zentrale Rolle gibt, deren Wichtigkeit erst im Verlaufe der Ermittlungen zu Tage tritt. Eine kurze, aber wichtige Episode, die die Leserin zunächst etwas verstört.

Ein allseits beliebter junger Mann wird in eine Falle gelockt, aus der es kein Entkommen gibt. Kate Burkholder ermittelt mit ihrem Team, dem staatlichen Brandermittler und ihrem Freund Tomassetti, außerdem dem Leichenbeschauer, wir würden sagen dem Gerichtsmediziner.

Es entwickelt sich eine verstörende Geschichte über Missbrauch, Scham und Schweigen, und Kate sieht sich einmal mehr mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Linda Castillo folgt ihren üblichen Muster eines spannenden Plots, in dem auch hier Kate in mehr als eine lebensbedrohliche Situation gerät und der Täter sich als jemand entpuppt, mit dem vorher nicht (oder kaum) zu rechnen war. Trotzdem halte ich diesen Band für den bisher besten, die Geschichte liest sich noch flüssiger, die psychologischen Abgründe werden noch einfühlsamer geschildert als gewohnt.

Ich habe dieses Buch an einem einzigen Tag durchgelesen und freue mich schon auf das nächste!