Donnerstag, 16. September 2021

Gelesen: The Guest List

The Guest List von Lucy Foley (Roman)
Harper Collins Publishers - Taschenbuch
ISBN 978-0-00-829719-0

Warum dieses Buch? Wie schon vielfach gehabt ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext:
Hmja, es gbit eigentlich gar keinen. Vorn im Buch kommen zwei Seiten Lobhudeleien. Hintendrauf steht folgendes...

"Each has a secret
Each has a motive

Off the windswept Irish coast, guests gather for the wedding of the year

Old friends
Past grudges

Happy families
Hidden jealousies

Thirteen guests
One body

One guest won't leave this wedding alive..."

Da finde ich es besser, mal die ersten zwei Absätze des Romans hier hinzutippen:

"NOW
The wedding night

The lights go out.
In an instant, everything is in darkness. The band stop their playing. Insinde the marquee the wedding guests squeal and clutch at one another. The light from the candles on the tables only adds to the confusion, sends shadows racing up the canvas walls. It's impossible to see where anyone is or hear what anyone is saying: above the guests' voices the wind rises in a frenzy.
Outside a storm is raging. It shrieks around them, it batters the marquee. At each assault the whole structure seems to flex and shudder with a loud groaning of metal; the guests cower in alarm. The doors have come free from their ties and flap at the entrance. The flames of the paraffin torches that illuminate the doorway snicker.
It feels personal, this storm. It feels as though it has saved all its fury for them."

Etwa einhundertfünfzig Hochzeitsgäste treffen auf einer einsamen Insel im Atlantik vor der irischen Küste ein, die Hochzeit des Jahres zwischen einem Fernsehstar und der Herausgeberin einer Lifestyle-Zeitschrift, beide bildschön und wie füreinander geschaffen, soll am nächsten Tage stattfinden.

Will, der Bräutigam hat auch seine Freunde aus Internatszeiten eingeladen, bis auf einen haben alle eine steile Karriere hingelegt. Von Jules, der Braut, ist außer den Eltern auch ihre jüngere Schwester Olivia dabei. Die einzigen Bewohner der Insel sind Aoife, die Hochzeitsplanerin, und Freddy, ihr Mann, der für die Küche zuständig ist. Sie haben das Anwesen gekauft und für Feierlichkeiten instand gesetzt, kümmern sich um die Gäste. Draußen ist ein Festzelt mit Tanzboden aufgebaut.

Die Umgebung ist - wie es gut zu irischen Geistergeschichten passt - am Abend dunkel und stürmisch. Die Klippen sind nah, die Brandung schlägt auf Felsen. Verschlungene Pfade führen durch ein Moor, große keltische Grabsteine eines alten Friedhofes erscheinen im Nebel wie aus dem Nichts. Dichte Atmosphäre.

Es treffen Menschen aufeinander, deren Schicksale auf unglückliche Weise miteinander verwoben sind, es wird zu viel getrunken, Dinge werden ausgeplaudert, Probleme kommen zum Vorschein.

Die Geschichte wird in Zeitsprüngen erzählt: Der Hochzeitstag, meist mit der Überschrift NOW, wird vom neutralen Erzähler berichtet, alle weiteren Kapitel sind häufig Rücksprünge zum Vortag und tragen jeweils den Namen des Protagonisten plus seine Funktion im Titel (JULES, The Bride). Diese berichten jeweils aus ihrer Vergangenheit. Die Leserin erfährt komplexe Zusammenhänge, aber zunächst nicht alle.

Bis einer am Hochzeitsabend tot aufgefunden wird. Wer es getan hat, war für mich vollkommen überraschend.

So weit, so gern gelesen. Besonders die dichte Atmosphäre hat es mir angetan.

Zur schriftstellerischen Qualität kann ich überhaupt nichts sagen, denn:

Sprache lebt, und mein Englisch ist alt. Mein Abschluss ist 45 Jahre her, ich habe nur bis Klasse 10 "normales" Englisch gelernt. Die weiteren Jahre waren "Commercial English", meine Berufstätigkeit in meinen frühen 20ern fand in einem Umfeld statt, in dem ein Business English vowiegend mit Japanern und Südamerikanern gesprochen wurde, im nächsten Job korrespondiert wurde mit Afrikanern.
Ein bisschen gesprochen habe ich es während meiner beiden kurzen Besuche in Dublin, aber auch hier brauchte ich ein paar Tage, um mich einzuhören.

In diesem Buch begegneten mir Vokabeln, die es mit Sicherheit vor vierzig Jahren noch nicht gab, Abkürzungen von britischen Schulabschlüssen, auch viel Umgangsspache - und ein Haufen Grammatik, von dem ich hätte schwören mögen, dass sie schlicht falsch sein muss.

Aber es kann auch gut sein, dass ich Jahrzehnte an Sprachentwicklung verpasst habe, was mir bei der Lektüre von meist amerikanischen Büchern allerdings nie aufgefallen war. (Und mit medizinischem Englisch habe ich gar keine Probleme, da bin ich gut eingelesen.)

Dass mir viele Vokabeln unbekannt waren - egal, aus dem Kontext war mir das meist schnell klar, ich verderbe mir nicht das Lesen mit dem Nachschlagen von Wörtern!

Übrigens hatte es mir meine Große gegeben mit dem Kommentar: "Das ist ganz gut." - Ich werde sie nochmal ausführlicher zu ihrer Meinung befragen.

Mittwoch, 8. September 2021

Gelesen: Mehr als tausend Worte

Mehr als tausend Worte von Lilli Beck (Roman)
Blanvalet/Random House Taschenbuch
ISBN 978-3-7341-0880-8

Warum dieses Buch? Wieder ein Tochterbuch zur weiteren Verwertung.

Klappentext:
"Liebe und Hoffnung in einer Zeit, die kein Morgen kennt...
Berlin, 9. November 1938: Alizia wird von durchdringenden Schreien geweckt, als die Gestapo ihren Großvater abholt. Die politische Lage in Deutschland spitzt sich immer weiter zu, doch entgegen aller Mahnungen weigert sich ihr Vater, ein jüdischer Arzt, das Land zu verlassen.
Nur seine Tochter will er im Ausland in Sicherheit bringen. Alizia ist am Boden zerstört, dass sie Fabian, ihre große Liebe, zurücklassen muss. Beim Abschied versprechen sich die beiden, nach ihrer Rückkehr zu heiraten. Doch werden sie die Wirren des Krieges überstehen? Und werden sie danach noch dieselben sein?"

So weit das Setting.
Es wird die gut situierte Arztfamilie vorgestellt, die nach und nach unter den Repressalien der Pogrome leidet, ebenso ihr "arischer" Mieter Karoschke mit Frau und Tochter, der die jüdische Familie zu beschützen scheint... Die siebzehnjährige Alizia verliebt sich in den Sohn des Inhabers einer Parfumerie, der jedoch nicht jüdisch und zunächst keiner Gefahr ausgesetzt ist. Mit einem der letzten Kindertransporte wird Alizia nach England geschickt, wo sie zunächst bei jüdischen Freunden gut aufgenommen wird, ein weiteres Mädchen lebt bereits dort.

Allmählich werden die deutschen Mädchen in England zu "Feinden", da Deutschland den Krieg eröffnet hat, Alizia verliert immer wieder unverschuldet Unterkunft und Arbeitsstelle, schuftet gegen einen Hungerlohn und träumt jeden Tag von ihrer großen Liebe.
Bis hierhin alles nachvollziehbar.

Dann driftet die Story ab in eine Art Aschenputtelgeschichte, es erscheint ein Retter samt Gehilfen auf der Bildfläche, die Not hat ein Ende, Alizia wird zu einer englischen Lady. Gleich nach dem Krieg wird sie auf kürzestem Wege nach Berlin geflogen, das in Schutt und Asche liegt. Verpflegung, Unterkunft und die Nachkriegswährung "amerikanische Zigaretten", alles gesichert. So macht sie sich auf die Suche nach ihrem Fabian...
Dieser Teil der Geschichte hat mich genervt.
Natürlich wird am Ende alles gut - und sie lebten glücklich und in Freuden.

Die Protagonistin scheint innerhalb von sieben Jahren keine Persönlichkeitsentwicklung zu durchleben und bleibt für mich als Leserin oberflächlich, trotz aller zu bestehenden Widrigkeiten. Sogar als ihr wiedergefundener Bruder Harald vom Abtransport der Eltern nach Sachsenhausen und deren Ermordung berichtet, scheint Alizia ohne eine Regung darüber hinweg zu gehen.

In der Erzählung, die voller Zeitsprünge ist, gibt es allerlei nicht erklärte Ungereimtheiten.

Insgesamt liest sich der Roman flott weg, lässt mich aber einigermaßen ratlos zurück. Schade um das Potenzial der Geschichte.

Dienstag, 7. September 2021

Gelesen: Die Prinzen von Irland

Die Prinzen von Irland (Details im verlinkten Artikel)


Ich beginne diese Buchbesprechung ein wenig anders als sonst, da es ein Weiterlesen bzw. erneutes Lesen war und ich schon einmal darüber geschrieben hatte.

Klappentext:
"Im 5. Jahrhundert ist Dubh Linn ("dunkler Teich") kaum mehr als eine Furt ins Marschland mit einer Wassermühle und ein paar Bauernhöfen. Hier herrscht Fergus, der Viehhändler und Clanhäuptling. Er achtet die keltische Tradition, bis er miterleben muss, dass deren Hüter, die Druiden, seiner Tochter Deidre und seinem Schwiegersohn ein übermenschliches Opfer abverlangen. Erst am Ende seines langen Lebens wird Fergus Zeuge, wie die Macht der Druiden gebrochen wird: Der ebenso charismatische wie gerissene Patrick, ein früherer Sklave, bekehrt immer mehr Menschen zum Christentum, und auch Deidres Sohn fühlt sich zu dem Missionar hingezogen.
Nach der Invasion der Wikinger wird Dublin 841 eine bedeutende Hafenstadt. Fergus' Nachfahren müssen zwischen den  Besatzern und den alteingesessenen Familien lavieren, um ihren Besitz in stürmischen Zeiten zu wahren. Nur zögernd schließen sie sich dem großen irischen Fürsten Brian Boru an, der den Wikingern 1014 in der Schlacht von Clontarf die Stirn bietet.
Auch in der Folge wird Dublins Unabhängigkeit immer wieder gefährdet: Die englischen Tudorkönige haben die Bedeutung der Stadt an der Liffey-Mündung erkannt und versuchen sie zu erobern...."

Hier meine Buchbesprechung aus 2014
Seitdem stand es  als beständige Erinnerung in meinem Bücherregal. Jetzt endlich war für mich die richtige Zeit, es komplett zu lesen.

Man darf es sich nicht als durchgehenden Roman vorstellen, im Wesentlichen erzählt es von der Geschichte Irlands/Dublins unter Zuhilfenahme fiktiver familiärer Schicksale und Strukturen, die über die Jahrhunderte immer wieder anhand besonderer Eigenschaften oder Dinge miteinander verknüpft werden, so dass man die Familien wieder erkennt.

Als mir dann einfiel, dass ich mir aus Dublin ein kleines Buch über die Geschichte Irlands mitgebracht hatte und ich dann parallel immer mal wieder darin las, war ich sehr erfreut festzustellen, dass sich der Autor des Romans sehr eng an die tatsächlichen Begebenheiten - sofern sie denn überhaupt erforscht werden konnten - gehalten hat und viele tatsächlich gelebte Personen eingeflochten hat.

A Pocket History of Ireland von Joseph McCullough
Verlag: Gill & Macmillan, Dublin
ISBN 978-0-7171-4729-8

Knapp tausend Jahre irischer Geschichte wurden mir damit vermittelt, und ich habe das Buch (die Bücher) gern gelesen. Wer sich aber einen spannenden Roman erhofft, ist mit diesem Buch nicht so gut bedient. Da sich die frühe Geschichte Irlands, insbesondere die vor dem europäischen Mittelalter, sehr von der gut bekannten kontinentaleuropäischen und eng verbundenen britischen unterscheidet, hat dieses Buch meinen Wissensdurst gestillt.