Bella mia von Donatella Di Pietrantonio (Roman)
Aus dem Italienischen "Bella mia"
Verlag Antje Kunstmann
ISBN 978-3-9516-091-4
Warum dieses Buch? Das ist eine längere und ganz persönliche Geschichte...
Meine Tochter lebte damals in Rom und wollte über Ostern nach Hause kommen, Flug am Vormittag des 06. April 2009. Morgens rief sie an und berichtete, es habe in gut hundert Kilometern Entfernung in den Abruzzen in L'Aquila ein Erdbeben gegeben, welches sie morgens gegen halb vier geweckt habe. Das ganze Haus hätte geschwankt, Bilder seien von den Wänden und Dinge von den Regalen gefallen. Sie sei vom Mitbewohner angewiesen worden, sich unter einem Türrahmen zu postieren. Ansonsten sei aber alles in Ordnung. Der Flughafen Fiumicino weit außerhalb Roms sei in Betrieb und sie würde wie geplant kommen.
Stundenlang habe ich geschaut, was die Nachrichtenkanäle non-stop sendeten und war erschüttert. Als ich die Tochter vom Flughafen abholte (unsere Airport-Station der S-Bahn war brandneu), haben wir während der gesamten Rückfahrt über dieses entsetzliche Unglück gesprochen.
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Im Jahre 2016 entdeckte ich via Internet die Möglichkeit, sich um Buch-Rezensionsexemplare zu bewerben, als mir "Bella mia" ins Auge fiel. Groß war meine Freude, als ich es tatsächlich bekam!
Und dann fiel es mir so schwer, in der Geschichte Fuß zu fassen. Abbruch und neuer Versuch ein paar Jahre später, da kam ich etwas weiter, habe es aber nach ca. 2/3 wieder beiseite gelegt. Und ein sehr schlechtes Gewissen gegenüber dem Verlag gehabt, weil ich mit keiner Rezension rüberkam. Mir zum Trost gereichte die Tatsache, dass es bereits zu dem Zeitpunkt, als ich es erhalten hatte, im Buchhandel zu kaufen war. Es wäre also ohnehin kein Vorablesen mehr gewesen.
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Jetzt habe ich mir ein "Buchprojekt 2021" vorgenommen, in dem alle begonnenen und aus unterschiedlichen Gründen abgebrochenen Bücher wieder in die Hand genommen und hoffentlich endlich (fertig oder ganz von vorn) gelesen werden. Davon war dieses Buch das erste.
Klappentext:
"Als »Bella mia« besingt ein Volkslied die Stadt L'Aquila in den Abruzzen -
2009 legt ein Erdbeben sie in Schutt und Asche, tötet Menschen, reißt
Familien auseinander. In einer der Behelfsunterkünfte, die bald die
einzige Normalität darstellen, versuchen drei Menschen, den Weg zurück
ins Leben zu finden: die Erzählerin Caterina, deren Zwillingsschwester
Olivia umkam, als sie noch kurz in das einstürzende Haus zurücklief,
Marco, Olivias heranwachsender Sohn, der nach dem Verlust niemanden mehr
an sich heranlässt, und die alte Mutter, die sich um alle kümmern will
und doch selbst am meisten Hilfe braucht. Wie soll man einem
schweigsamen, störrischen Jugendlichen plötzlich Ersatzmutter sein, wie
den eigenen Gefühlen wieder trauen und die Sicherheit finden, sich auf
Neues einzulassen? Behutsam, über kleine Gesten und auf ganz
unterschiedlichen Wegen finden die drei allmählich aneinander Halt und
den Mut, der Willkür und Vernachlässigung durch die Behörden zu trotzen
und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ein eindringlicher Roman
über Verlust und verschüttete Gefühle, aber auch über die Kraft, sich
neu zu erfinden."
Die Handlung wird mit dem Klappentext gut beschrieben. Der Inhalt ist vollkommen prosaisch und schildert das Leben dieser unvollständigen und trauernden Familie. Das ganz und gar Besondere ist der fast poetische Schreibstil, der es fertig bringt, mit wenigen Worten komplexe Stimmungen zu transportieren. Die Geschichte hat mich nach und nach gefangen genommen, gelegentlich musste ich unterbrechen und die Atmosphäre auf mich wirken lassen.
"Um zu meiner alten Werkstatt zu gelangen, muss ich an dem Haus entlanggehen, das seine Fassade verloren hat und das übrig gebliebene Innere zeigt, Konserven und Nudelpackungen in der Küche, im Bad den zerbrochenen Spiegel, der kubistische Variationen des Himmels einfängt, im weit offen stehenden Schrank die Kleider, die noch auf den Bügeln hängen und ihre Ärmel von der beharrlichen Sonne bleichen lassen. Ein Lichtschalter ohne Wand baumelt an einer Leitung. Übelkeit steigt auf, ich schlucke sie runter. Es ist dieses leichte Schwanken, ich muss nur den Blick abwenden und weitergehen."
Jetzt habe ich es sehr gern gelesen, ein ganz besonderes Buch, ein leises.

