Dienstag, 2. Februar 2021

Gelesen: Sterne über Afrika

Sterne über Afrika von Ilona Maria Hilliges (Roman)
Wunderlich/Rohwolt Verlag
ISBN 978-3-8052-0846-8

Warum dieses Buch? Vor längerer Zeit sprang dieses Buch vom Mängelexemplare-Tisch direkt in meinen Einkaufswagen. Ich habe dann auch bald begonnen, es zu lesen. Ja, dann muss mir irgendwas dazwischen gekommen sein, seither schaute es mich jeden Tag vorwurfsvoll an. Nun aber!

Klappentext:
"  «Heiraten und bekommen Sie Kinder!" Hohn schlägt der jungen Ärztin Amelie von Freyer entgegen, als sie sich in ihrem Beruf bewähren will. Enttäuscht reist sie im April 1906 zu ihrem Bruder Hanns nach Ostafrika. Dorthin, wo sie als junges Mädchen am Rande des Urwalds aufgewachsen ist. Während der Schiffspassage droht eine Frau in Amelies Alter nach einer Fehlgeburt zu sterben. Amelie rettet Hermine das Leben. Ihr selbstloser Einsatz macht den undurchsichtigen Kaufmann Messingnagel auf Amelies Fähigkeiten aufmerksam. Gerade als sie in den Usambara-Bergen ein Eingeborenen-Hospital errichten will, taucht Messingnagel auf. Er macht ihr ein Angebot, das ihr der berühmte Forscher Robert Koch kurz zuvor verwehrt hatte. Sie soll als Ärztin eine Expedition begleiten, die eine verheerende Seuche am Tanganjikasee bekämpfen soll. Obwohl Hanns Amelie vor den drohenden Gefahren warnt, lässt sie sich auf das Abenteuer ihres Lebens ein. Als sie ihren Fehler einsieht, ist es zur Umkehr zu spät. Da erfährt sie, dass ein Mann dasselbe Ziel hat wie ihre Expedition. Ein Mann, den sie vor Jahren aus den Augen verloren und einmal sehr geliebt hat..."
 
Der Klapptentext beschreibt den Inhalt schon sehr gut, lässt aber (natürlich) wesentliche Aspekte aus.
Als Amelie ihr Medizinstudium absolvieren wollte, war es in Deutschland für Frauen noch nicht erlaubt, weshalb sie ihre Ausbildung in der Schweiz gemacht hat. In Berlin hat sie dann an der berühmten Charité unter Robert Koch gearbeitet - zum Gespött der männlichen Kollegen. Von daher  hat man es hier auch mit einem feministischen Roman zu tun.
 
Amelie, geboren im armen Berliner Wedding und verwaist ungefähr sechsjährig von der Familie von Freyer adoptiert, wanderte zwölfjährig mit ihrer Adoptivfamilie nach Deutsch-Ostafrika aus, wohin es sie, wie im Klappentext erwähnt, zurückzieht. Ihr (Adoptiv-)Bruder Hanns betreibt dort eine Farm. Als Kind hatte sie die eingeborene Bevölkerung kennen- und wertschätzen gelernt. Im Buch wird übrigens häufig das mittlerweile verpönte N-Wort gebraucht, gehört aber unbedingt in den historischen Kontext der Geschichte. Der Roman ist auch als anti-rassistisch zu betrachten, denn viele wichtige Nebenfiguren sind sehr sympathisch und klug ausgearbeitet. Ein Teilnehmer von Amelies 1.200 km langer Reise durch die Wildnis ist ein "Medizinmann" und rettet Amelies Leben, als dem deutschen Arzt nur die Amputation aller ihrer Gliedmaßen oder der sichere Tod einfällt.

Amelie hat auf ihrer Safari mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, trifft kurz vor Erreichen ihres Zieles ihre Berliner Jugendliebe wieder und stößt mit ihrer Arbeit, die sie gern wissenschaftlich durchführen würde, auf allerlei Widerstände.

Es geht um die Bekämpfung der "Schlafkrankheit" mit dem Mittel Atoxyl, auch hier hat die Autorin gut recherchiert und die tatsächlichen damals neuen Erkenntnisse gut in ihren Roman eingearbeitet.

Um die Abenteuergeschichte herum, die gelegentlich zur Romanze wird, werden die Zustände in Deutsch-Ostafrika geschildert, die doch erst gute hundert Jahre her sind, und dem Leser klar machen,  welche Verbrechen an den Afrikanern "wir" begangen haben.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und gerade festgestellt, dass diese Geschichte eine Fortsetzung hat, was mich insofern zufrieden sein lässt, da das Ende des Romans nur ein vorläufiger Schlusspunkt zu sein scheint und mehrere optionale Lebenswege möglich sein lässt.

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