Montag, 18. Dezember 2017

Gelesen: ROM Zwischen Chaos und Wunder

ROM - Zwischen Chaos und Wunder - Franca Magnani
Herausgegeben von ihren Kindern Sabina Magnani von Petersdorff und Marco Magnani
KiWi/Kiepenheuer & Witsch
ISBN 3-462-02690-9

Als ich mir vor Jahren dieses Buch zulegte, war es nur antiquarisch zu bekommen. Der Verlag scheint es mittlerweile neu aufgelegt zu haben, ob die ISBN dann noch stimmt, wage ich zu bezweifeln.

Warum dieses Buch? Nach meinem seinerzeitigen ersten Besuch in Rom suchte ich Lesestoff über die Stadt und das italienische Lebensgefühl. Dieses Buch war eines von zweien, das es sofort schaffte, mich zu bezaubern.

(Buch in alter Rechtschreibung, die ich analog übernommen habe.)

Klappentext:
"Franca Magnani berichtete 23 Jahre lang aus Rom und prägte als die "Stimme Italiens" das Italienbild der Deutschen.
Die hier zuammengefaßten Beobachtungen und Berichte aus "ihrem Rom", herausgegeben von ihrer Tochter und ihrem Sohn, bewegen sich zwischen den Werkstätten der Handwerker und den Palästen, zwischen Zerstörung und Rettung, zwischen Geschichte und Heute, Ghetto und Kirche. Von einem modernen Standort aus entsteht das Bild vom Leben in einer besonderen, von Gegensätzen gezeichneten Stadt.
Franca Magnani nimmt den Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise und vermittelt ihr ganz persönliches Romerlebnis"

Ich habe als Kind und großes Mädchen Franca Magnani oft im TV gesehen, unsere ganze Familie hat sie und ihre Berichte stets wertgeschätzt. Als ich auf dieses Büchlein mit Geschichten dieser großartigen Frau stieß, konnte ich natürlich nicht widerstehen. Und wurde nicht enttäuscht.

Auf 187 Seiten sind zahlreiche mehr oder weniger kurze Geschichten und einige Schwarzweißfotos zusammengestellt, die viele Themen abdecken - alle wird niemals ein einziges Buch behandeln können! Es sind Szenen aus der Geschichte Roms, von berühmten Plätzen, Restaurierungsarbeiten, Stadtsanierung - aber auch der sehr persönlichen Geschichte der Familie Magnani. Intelligent, auch mal augenzwinkernd, immer fundiert, niemals langweilig. Sie geben ein wenig Lebensgefühl der 1960er bis 90er Jahre wieder - übrigens steht unter jedem Artikel das Jahr der Entstehung.

Für mich ist es ein Herzensbuch, ich nehme es immer wieder gern zur Hand, fühle mich ein paar Jahrzente zurück versetzt - und nach ROM.

Wo essen die Römer?
Volkssprüche sagen viel über ein Land und seine Bewohner aus. So verrät die italienische Redensart sacco vuoto non sta ritto, ein leerer Sack steht nicht, die große Bedeutung, die die Italiener im allgemeinen und die Römer im besonderen dem Essen zuschreiben.
Der beliebteste Treffpunkt der Römer ist und bleibt das Eßlokal sei es die trattoria, das Restaurant die pizzeria oder die locanda, das Gasthaus. Liebesworte werden hier eher um einen gedeckten Tisch ausgetauscht als beim Spazieren "in der Natur". Das hat den Vorteil, daß man sich in die Augen schauen und gleichzeitig essen kann. Nur Barbaren, hört man hier sagen, konnten so etwas Diabolisches erfinden wie das "Arbeitsessen."
A tavola non si invecchia, um einen gedeckten Tisch altert man nicht, heißt ein Sprichwort, das heute noch gültig ist trotz der Theorie des gesundheitsschädlichen Übergewichts, von der man in Rom aber nicht viel hält. Lukullus, Staatsmann und Feldherr im 1. Jahrhundert v. Chr., ist nicht nur seiner Taten wegen in die Geschichte eingegangenen, sondern auch als Feinschmecker. Die Römer weisen gerne darauf hin, daß Lukullus 60 Jahre alt geworden ist, zu einer Zeit, da das Durchschnittsalter der Römer unter 40 lag...

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