Buchgemeinschaftsausgabe für den Bertelsmann Club
Original 1996 im Weitbrecht Verlag
ISBN nicht vohanden
Warum dieses Buch? Bei Durchsicht eines öffentlichen Bücherschrankes sprang es mir in die Tasche. Ich erinnerte mich daran, dass ich Hohlbein mal ganz gern gelesen hatte. (Ich meine, es war "Das Druidentor" gewesen.)
Klappentext (Hinweis: der bei Amazon abgedruckte Klappentext bezieht sich nicht auf diese Ausgabe und ist inhaltlich nicht ganz richtig.):
"Intensiv leuchtet der blaue Lichtfleck zwischen den Wolken auf. Dann, mit einem gewaltigen Schlag, explodiert der Himmel - und ein Feuerball stürzt auf die Erde hinab. Seine maßlose Größe und Zerstörungskraft sprengen jede Vorstellungskraft. Ist ein Stern vom Himmel gefallen?
Ein phantastischer Roman: Wolfgang Hohlbein entführt seinen skeptischen Helden, den Journalisten Hendrick Vandermeer, in eine Sphäre jenseits vertrauter Vorstellungskraft. Mysteriöse Mächte bedrohen sein Leben und berauben ihn sämtlicher Gewißheiten, aus denen seine Welt bisher bestand."
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Petrov, Geheimdienstler und Soldat, führt einen kleinen Trupp junger Soldaten durch die sibirische Tunguska auf der Suche nach einer Gruppe von Wegelagerern, als ein alter Schamane und ein Kind an ihr Lagerfeuer treten. Sie bedrängen die Soldaten, zügig zu verschwinden, da ein großes Unheil nahen würde. Petrov glaubt ihnen nicht, zu mysteriös ist deren Vorhersage, und so geraten die Männer mitten hinein in eine Welle der Zerstörung, nach der dieser Teil der Welt nicht wiederzuerkennen ist. Petrov überlebt - und Haiko, das unheimliche Kind, durch die Wucht der Explosion und Helligkeit nun erblindet. - So weit diente offenbar der Meteoriten- oder Kometeneinschlag 1908 als Grundlage des Romans.
Er hatte ein Geräusch gehört.
Es war unendlich leise, ein Knacken oder Rascheln, vielleicht gerade noch an der Grenze des Hörbaren, aber es gehörte nicht zur normalen Geräuschkulisse des nächtlichen Lagers und Petrov hatte einen Gutteil seines Leben damit zugebracht, seine Sinne auf solcherlei Störungen zu konditionieren. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte er, dass auch der Hund, der gerade das Streichholz angeknurrt hatte, wieder den Kopf hob. Diesmal knurrt er nicht, aber seine Ohren waren lauschend aufgestellt und seine Augen blickten sehr aufmerksam.
Das Knacken wiederholte sich, ebenso leise wie zuvor, und was Petrovs Augen nicht sahen, vervollständigte seine Erfahrung: einen Fuß, der unendlich behutsam zu Boden gesenkt wurde und sicher nicht so leichtsinnig war, dabei einen Ast zu zerbrechen oder gegen einen Stein zu stoßen. Trotzdem vermochte sich niemand vollkommen lautlos zu bewegen. Auf dem Boden lagen trockene Tannennadeln, Laub. aus Petrovs Verdacht wurde Gewissheit. Jemand war hier.
So das erste Kapitel, welches den Rahmen vorgibt für die weitere Geschichte:
Neunzig Jahre später. Der Journalist Hendrick Vandermeer soll von einer Esoterikmesse berichten und kommt eher zufällig in den Besitz eines merkwürdigen Kristalls, sieht Michail wieder (der traumatische Erinnerungen neu belebt), lernt Wassili kennen (einen Russen, der bis zum Ende des Romans undurchschaubar bleibt), und letztlich die Zwillingsschwestern Anja und Ines.
Spätestens hier nimmt die Geschichte an Fahrt auf und zieht den Leser endgültig in ihren Bann: Es überschlagen sich die Ereignisse, unerklärliche Zufälle, bedrohliche Situationen, Verfolgungsjagden zu Wasser und zu Lande. Man fragt sich, welche Rolle Gwynneth spielt, die später Akteurin eines gefährlichen Dramas wird. Und Haiko, der, inzwischen ein Greis, wichtig ist.
Sein Herz schlug sehr langsam, aber so hart, dass er glaubte es bis in die Haarwurzeln zu spüren. Er hatte nicht wirklich Angst. Das Gefühl, das sich allmählich in ihm auszubreiten begann, während er mit der Rolltreppe nach oben fuhr, war vollkommen anders; wie eine sich langsam aufbauende, immer unerträglicher werdende Spannung, die ihn gleichzeitig zu lähmen wie auch mit einer nervösen Energie zu erfüllen schien, die es ihm unmöglich machte still zu stehen Er ging die Rolltreppe hinauf, statt sich, wie es der Sinn der Konstruktion war, nach oben tragen zu lassen. Seine Hände bewegten sich ununterbrochen.
Letztlich geht es nach vielen hundert Seiten in die Tunguska zum Ort der ehemaligen und geweissagten kurz bevor stehenden erneuten Explosion, Eile ist geboten, und Hendrick Vandermeer scheint der einzige Mensch zu sein, der ein erneutes Unglück verhindern kann. Der Soldat Petrov aus dem ersten Kapitel wird erwähnt als Urheber des "Jahrhunderts der Kriege". Den Grund kann ich hier nicht verraten.
Das Buch ist gut und fesselnd geschrieben, und die ersten 360 Seiten (von immerhin 621!) empfand ich wie einen Sog... dann allerdings waren mir die vielen Verfolgungsjagden, Verletzungen, Schießereien, Explosionen, fliegenden Glassplitter, Feuer und Sprengsätze ein wenig viel. Auch das Verwirrspiel der handelnden Personen, die Bösen sind eigentlich die Guten oder doch nicht, wer mag wen - und dann doch eher nicht - ging mir irgendwann auf die Nerven.
Der Roman bleibt bis zum Ende spannend, mir jedoch letztlich zu technisch, um dann dem Mysteriösen wirklich genug Raum zu geben. Das Ende wirkt konstruiert und vorhersehbar. Natürlich siegt "das Gute".
Nur eine bedingte Empfehlung.


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