Mittwoch, 13. Januar 2021

Gelesen: Bella mia

Bella mia von Donatella Di Pietrantonio (Roman)
Aus dem Italienischen "Bella mia"
Verlag Antje Kunstmann
ISBN 978-3-9516-091-4

Warum dieses Buch? Das ist eine längere und ganz persönliche Geschichte...

Meine Tochter lebte damals in Rom und wollte über Ostern nach Hause kommen, Flug am Vormittag des 06. April 2009. Morgens rief sie an und berichtete, es habe in gut hundert Kilometern Entfernung in den Abruzzen in L'Aquila ein Erdbeben gegeben, welches sie morgens gegen halb vier geweckt habe. Das ganze Haus hätte geschwankt, Bilder seien von den Wänden und Dinge von den Regalen gefallen. Sie sei vom Mitbewohner angewiesen worden, sich unter einem Türrahmen zu postieren. Ansonsten sei aber alles in Ordnung. Der Flughafen Fiumicino weit außerhalb Roms sei in Betrieb und sie würde wie geplant kommen.

Stundenlang habe ich geschaut, was die Nachrichtenkanäle non-stop sendeten und war erschüttert. Als ich die Tochter vom Flughafen abholte (unsere Airport-Station der S-Bahn war brandneu), haben wir während der gesamten Rückfahrt über dieses entsetzliche Unglück gesprochen.

--- Break ---

Im Jahre 2016 entdeckte ich via Internet die Möglichkeit, sich um Buch-Rezensionsexemplare zu bewerben, als mir "Bella mia" ins Auge fiel. Groß war meine Freude, als ich es tatsächlich bekam!

Und dann fiel es mir so schwer, in der Geschichte Fuß zu fassen. Abbruch und neuer Versuch ein paar Jahre später, da kam ich etwas weiter, habe es aber nach ca. 2/3 wieder beiseite gelegt. Und ein sehr schlechtes Gewissen gegenüber dem Verlag gehabt, weil ich mit keiner Rezension rüberkam. Mir zum Trost gereichte die Tatsache, dass es bereits zu dem Zeitpunkt, als ich es erhalten hatte, im Buchhandel zu kaufen war. Es wäre also ohnehin kein Vorablesen mehr gewesen.

--- Break ---

Jetzt habe ich mir ein "Buchprojekt 2021" vorgenommen, in dem alle begonnenen und aus unterschiedlichen Gründen abgebrochenen Bücher wieder in die Hand genommen und hoffentlich endlich (fertig oder ganz von vorn) gelesen werden. Davon war dieses Buch das erste. 

Klappentext:
"Als »Bella mia« besingt ein Volkslied die Stadt L'Aquila in den Abruzzen  - 2009 legt ein Erdbeben sie in Schutt und Asche, tötet Menschen, reißt Familien auseinander. In einer der Behelfsunterkünfte, die bald die einzige Normalität darstellen, versuchen drei Menschen, den Weg zurück ins Leben zu finden: die Erzählerin Caterina, deren Zwillingsschwester Olivia umkam, als sie noch kurz in das einstürzende Haus zurücklief, Marco, Olivias heranwachsender Sohn, der nach dem Verlust niemanden mehr an sich heranlässt, und die alte Mutter, die sich um alle kümmern will und doch selbst am meisten Hilfe braucht. Wie soll man einem schweigsamen, störrischen Jugendlichen plötzlich Ersatzmutter sein, wie den eigenen Gefühlen wieder trauen und die Sicherheit finden, sich auf Neues einzulassen? Behutsam, über kleine Gesten und auf ganz unterschiedlichen Wegen finden die drei allmählich aneinander Halt und den Mut, der Willkür und Vernachlässigung durch die Behörden zu trotzen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ein eindringlicher Roman über Verlust und verschüttete Gefühle, aber auch über die Kraft, sich neu zu erfinden." 

Die  Handlung wird mit dem Klappentext gut beschrieben. Der Inhalt ist vollkommen prosaisch und schildert das Leben dieser unvollständigen und trauernden Familie. Das ganz und gar Besondere ist der fast poetische Schreibstil, der es fertig bringt, mit wenigen Worten komplexe Stimmungen zu transportieren. Die Geschichte hat mich nach und nach gefangen genommen, gelegentlich musste ich unterbrechen und die Atmosphäre auf mich wirken lassen.

"Um zu meiner alten Werkstatt zu gelangen, muss ich an dem Haus entlanggehen, das seine Fassade verloren hat und das übrig gebliebene Innere zeigt, Konserven und Nudelpackungen in der Küche, im Bad den zerbrochenen Spiegel, der kubistische Variationen des Himmels einfängt, im weit offen stehenden Schrank die Kleider, die noch auf den Bügeln hängen und ihre Ärmel von der beharrlichen Sonne bleichen lassen. Ein Lichtschalter ohne Wand baumelt an einer Leitung. Übelkeit steigt auf, ich schlucke sie runter. Es ist dieses leichte Schwanken, ich muss nur den Blick abwenden und weitergehen."

Jetzt habe ich es sehr gern gelesen, ein ganz besonderes Buch, ein leises.

Sonntag, 3. Januar 2021

Gelesen: Kalt wie dein Verrat

Kalt wie dein Verrat von Linda Castillo (Roman/Krimi)
Amerikanisches Original "Midnight Run"
MIRA Taschenbuch
ISBN 978-3-95649-748-3

Warum dieses Buch? Da meine geliebte Kate Burkholder-Serie zunächst ausgelesen ist (jährlich erscheint ein neuer Band), wollte ich gerne etwas Anderes von Linda Castillo lesen.

Klappentext:
"Er ist ihr Ex und ein verurteilter Mörder! Darf sie ihm trauen?"
"Panik steigt in Landis auf. Eigentlich hatte sie sich in ihrer Berghütte nur etwas Ruhe und Einsamkeit erhofft. Stattdessen erwartet die junge Staatsanwältin dort ihr ehemaliger Liebhaber Jack LaCroix. Vor einem Jahr wurde er wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Jetzt ist Jack aus dem Gefängnis geflohen und beteuert seine Unschuld. Darf sie ihm glauben, obwohl er sie doch schon einmal betrogen hat? Nicht nur Landis' Karriere, sondern auch ihr Leben und ihr Herz stehen bei dieser Entscheidung auf dem Spiel."
 
Wie immer gelingt es der Autorin, die Leserin schnell in die Geschichte hinein zu ziehen, und in rasantem Tempo geht es weiter: Jack steht unvermutet in Landis' Haus und braucht Hilfe, die Landis zunächst nicht gewähren will, jedoch überschlagen sich die Ereignisse, und schneller als sie denken kann (und das kann die Staatsanwältin sehr gut) ist sie involviert. Dazu kommt, dass zwischen Jack und ihr ständig die Luft brennt, die einstige Leidenschaft ist augenblicklich wieder entbrannt, obwohl Landis sich immer wieder dagegen zu wehren versucht und ihrem analytischen Verstand den Vorrang geben möchte.
 
Jack, ehemaliger Polizist, wurde des Mordes an Landis' Bruder, ebenfalls Polizist, schuldig gesprochen, beteuert aber seine Unschuld und meint, diese beweisen zu können, weshalb er aus dem Gefängnis geflohen ist. Um an diese Beweise zu kommen, müssen sie ein halsbrecherisches und lebensgefährliches Manöver wagen.
 
"Sie hatte immer gewusst, dass Jack LaCroix kein Mann für schwache Nerven war. An ihm war nichts leicht. Er konnte kompromisslos und unvernünftig und höllisch stur sein. Er beugte Regeln, bis sie brachen. Er rannte gegen Grenzen, bis sie sich verschoben. Er hieß das Risiko mit ausgebreiteten Armen willkommen, umwarb die Gefahr und lachte Autoritäten ins Gesicht, Es war alles, was sie nicht war. Aber die Kombination dieser Eigenschaften hatte sie angezogen wie das Licht einer Motte...
Landis reckte das Kinn und erwiderte Jacks Blick. Sie betete, dass er die Gefühle nicht sah, die ihr Herz verknoteten.
"Ich werde dir helfen", sagte Sie.
"Das ist keine Antwort."
"Das ist aber alles, was du von mir bekommst."
 
Ein temporeicher Krimi gepaart mit einem satten Schuss Erotik, den ich kaum aus der Hand legen konnte, spannend bis zum Ende.


Donnerstag, 31. Dezember 2020

Jahresende

2020, wir haben fertig.

Danke der Nachfrage, ich hatte schöne Weihnachtsfeiertage. Etwas anders als sonst, vorsichtiger als nur vorschriftskonform und mit geteilter Familie an zwei Tagen. Ein Besuch im Pflegeheim war nicht möglich, aber ich habe ein Paket gesendet - so allmählich genieße ich den Luxus von bezahlten Dienstleistungen wie z.B. einem Taxi als Kurier - und in kürzeren Abständen angerufen.

Und als diese Woche zwischen den Feiertagen hätte so richtig gemütlich werden können, wurde ich erstmal krank. Es war Fieber und ein schier unendliches Schlafbedürfnis. Corona kann es nicht gewesen sein, denn ich hatte keinerlei Symptome irgendeiner Art. Nur Fieber eben, was ich gelegentlich mit einer IBU-Tablette gedeckelt habe (Als Alpha soll man kein Fieber haben.) Und geschlafen, geschlafen, geschlafen... Sehr mysteriös.

Inzwischen bin ich wieder okay, mein verrückter bunter Tannenbaum strahlt, und ich habe es gemütlich...

Gestern wurde meine Mutter im Pflegeheim mit dem neuen Impfstoff von BioNTec versorgt. Ich bin sehr erfreut, dass es dort so schnell gegangen ist. Ich werde mich wohl noch ein wenig gedulden müssen...

Nun also ein ruhiger Silvesterabend, wie er mir so richtig entgegen kommt.

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr, 2021 kann ja nur besser werden, bleibt einfach alle gesund!


Gelesen: Enna Andersen und das verschwundene Mädchen

Enna Andersen und das verschwundene Mädchen von Anna Johannsen (Krimi)
Taschenbuch, Edition M Amazon Media
ISBN 978-2-49670-153-1

Warum dieses Buch? Es lag gerade unter dem Tannenbaum.

Klappentext:

"Nach dem Unfalltod ihres Mannes und einer beruflichen Auszeit wird die alleinerziehende Hauptkommissarin Enna Andersen in eine Abteilung versetzt, die sich um alte ungelöste Fälle kümmern soll. Zunächst wenig begeistert von der Aufgabe, macht sie sich mit ihren beiden Mitstreitern, einem degradierten Oberkommissar und einer frisch gebackenen Kommissarin, an die Arbeit.

Vor zehn Jahren ist Marie Hansen bei einer Klassenfahrt auf der Ostfriesischen Insel Wangerooge spurlos verschwunden. Trotz intensiver neuer Ermittlungen landet das Team immer wieder in einer Sackgasse. Erst ein Telefonat mit der mittlerweile in Australien lebenden Schwester des Opfers bringt Bewegung in den Fall. Enna wird plötzlich das Gefühl nicht los, dass die Familie von Marie jahrelang etwas verschwiegen hat..."

Erfrischend. Ein ganz und gar deutscher Krimi, der sich hauptsächlich mit akribischer kriminalistischer Recherche befasst und durchaus spannende Momente mitbringt, ohne allzuviel Blut zu vergießen. Kein blutrünstiger Thriller sondern solide Ermittlungsarbeit eines Teams, das erst zusammenfinden muss.

Wir haben hier die Hauptkommissarin Enna Andersen, den degradierten Oberkommissar Jan Paulsen und die junge Kommissarin Pia Sims. Entgegen Ennas ursprünglicher Annahme, sind sie keine Gruppe von Loosern, jeder bringt seine speziellen Qualitäten ein, und am Ende scheinen sie Freunde geworden zu sein.

Natürlich wird der Fall furios gelöst und besteht letztendlich aus einer Reihe von unterschiedlichen Verfahren, es geht um mafiöse Umtriebe, Kindesentzug, Geldwäsche und Kinderpornografie, alles zu einem großen Knäuel verwickelt.

Die Geschichte liest sich ähnlich gut weg wie die Bücher von Linda Castillo, ist aber weniger brutal und blutig. Mir hat sie sehr gut gefallen. Und: Der Klappentext trägt die Überschrift "Der spannende erste Fall für die Ermittlerin Enna Andersen und ihr Team." Ich bleibe da mal dran.

Samstag, 26. Dezember 2020

Regalati tempo

 

Regalati tempo
per prenderti cura di te
per fare le cose che ami
per stare con le persone che ami.
Regalati tempo
per stare da sola ad ascoltare il silenzio
per godere della bellezza della natura
per perderti nei paesaggi della tua anima.
Regalati tempo per giocare,
tempo per amare,
tempo per sognare,
tempo per vivere.
E non dimenticare mai che
non c'è persona più ricca di chi ha tempo.
 
( Antonio Curnetta )

Gelesen: Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown

Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown (Roman) von Anne Helene Bubenzer
Hardcover, Thiele Verlag
ISBN 978-3-85179-028-3

Warum dieses Buch? Vor Jahren stolperte ich in der Büchergruppe über den Titel, und es dauerte länger, bis ich mich wieder daran erinnerte... Eine gute Wahl als Lesestoff für die Adventszeit.


Klappentext:
"Das ist mein Leben. Hier erfahren Sie alles von mir. Und dass ich ein Bär bin, stört Sie doch nicht - oder?"
 
"Henry N. Brown wird am 16. Juli 1921 geboren. Er erblickt das Licht der Welt, als ihm das zweite Auge angenäht wird. So beginnt ein Leben, wie es turbulenter nicht sein kann. Eine Odyssee durch Europa, durch das zwanzigste Jahrhundert, durch Krieg und Frieden, Angst und Hoffnung, Sehnsucht und Glück - gesehen durch die Augen und erlebt mit dem Herzen eines Teddybären.
 
Doch während all der Jahre hat niemand entdeckt, dass Henry einen kleinen Gegenstand in der Brust trägt, den er für sich immer nur "Die Liebe" nennt. Ein Geheimnis, das er sein ganzes Leben lang bewahrt und das nicht einmal er selbst kennt."
 
"Liebe ist eine Sprache, in der ohne Worte alles gesagt werden kann."
 
Viel mehr muss man über dieses Buch eigentlich nicht sagen. Es schildert ein Stück Zeitgeschichte durch die Augen eines Teddybären, der die Menschen beobachtet, alles fühlt, und den Geschehnissen ausgesetzt ist, ohne auf sie Einfluss nehmen zu können. Zahlreiche Kinder konnte er durch bloße Anwesenheit trösten - manches Mal auch Erwachsene. Die Geschichte ist traurig und fröhlich, zugleich sehr anrührend und nachdenklich machend. Frei von Kitsch außerdem. Sechzig Jahre Teddybärenleben eben. Klare Empfehlung für ein Buch der besonderen Art.

Samstag, 12. Dezember 2020

Shutdown oder Lockdown oder wie auch immer

Ich habe eben den letzten analogen Einkauf gemacht für dieses Jahr. Alles Weitere wird bei ReweOnline bestellt oder holt mir meine Tochter.

War aber total leer draußen, die Menschen fallen wohl gerade in Schockstarre.

Nun gibt es nur noch einmal Zahnarzt (Zahnärztin trägt FFP2 plus darüber OP-Maske) und Haare schneiden (Friseur hat einen coolen Trick für die Masken der Kunden zwecks Befestigung, damit die Maske nicht beim Schneiden stört.)

Bleibt alle möglichst fein zuhause und gesund! 💗