Die Schokoladenvilla von Maria Nikolai (Roman)
ISBN 978-3-328-10322-6
Penguin Verlag
Klappentext:
Willkommen im Schokoladenimperium der Familie Rothmann
"Kaum war die unwirtliche Außenwelt ausgesperrt, versöhnte Judith der unverwechselbare Duft aus Schokolade und Zuckerwerk, der sie im Laden umfing. Unzählige feine Köstlichkeiten präsentierten sich auf der blank polierten Verkaufstheke und in den weiß lackierten Vitrinen entlang der Wände.
Wo man auch hinsah, standen Schalen und Etageren, gläserne Bonbonnieren und kunstvoll gestaltete Dosen mit verführerischem Inhalt. Schokoladenumhülltes Konfekt aus getrockneten Früchten oder Marzipan fand sich neben schokoladeüberzogenen Zuckerstäbchen, verschiedenste Sorten Tafelschokolade neben allerlei Arten von Bonbons. Eine exklusive Auswahl Rothmann'scher Leckereien wartete, sorgsam auf heller Spitze in hübsch bemalten Holzkästchen arrangiert, auf die gebotene Aufmerksamkeit..."
Wo man auch hinsah, standen Schalen und Etageren, gläserne Bonbonnieren und kunstvoll gestaltete Dosen mit verführerischem Inhalt. Schokoladenumhülltes Konfekt aus getrockneten Früchten oder Marzipan fand sich neben schokoladeüberzogenen Zuckerstäbchen, verschiedenste Sorten Tafelschokolade neben allerlei Arten von Bonbons. Eine exklusive Auswahl Rothmann'scher Leckereien wartete, sorgsam auf heller Spitze in hübsch bemalten Holzkästchen arrangiert, auf die gebotene Aufmerksamkeit..."
Judith, Tochter des Schokoladenfabrikanten Rothmann, macht nichts lieber, als neue Schokoladenkreationen zu entwickeln und frische Ideen zur Präsentation einzubringen. Ihr Vater jedoch verlobt sie mit dem nichtsnutzigen Bankierssohn Albrecht, im Gegenzug erwarten ihn Kreditzusagen, die ihm helfen sollen, sein marodes Unternehmen zu retten. Judith wehrt sich nach Kräften gegen diese Verbindung, hat sich in den smarten Victor verliebt, der ebenfalls im Unternehmen arbeitet.
1903/1904, Stuttgart ist eine aufstrebende Stadt mit Industrieunternehmen, die z.T. noch heute bestehen. Die Gesellschaft gibt Frauen kein Mitspracherecht, nicht einmal das über ihr eigenes Leben. Junge Mädchen werden nach wirtschaftlichen Erwägungen ihrer Väter verheiratet, so dass es manche unglückliche Ehe gibt, so auch die von Judiths Eltern. Ihre Mutter reist in ein Sanatorium an den Gardasee, um von ihren Depressionen zu genesen, beginnt letztlich in Riva ein neues Leben ohne Mann und Kinder.
Was zunächst und unter Berücksichtigung des Klappentextes den Anschein eines trivialen Romans hatte, entpuppt sich als Gesellschaftsroman mit ein wenig Liebe und einem Schwerpunkt auf Aspekten des Wandels, insbesondere der Frauenrechte, festgemacht an der Person der Protagonistin und ihrer Mutter, aber auch des zum Teil ausgebeuteten Hauspersonals. Die Fabriken bieten Arbeitsplätze mit besseren Bedingungen, die junge SPD erhält regen Zulauf von deren Arbeitern.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, lediglich der Schluss der Geschichte steuerte mir ein wenig zu kurz und glatt auf ein umfassendes "Happy End" zu.
Der Schreibstil ist modern, jedoch gleichzeitig stark orientiert an der Sprache und den Begriffen der damaligen Zeit, diesen scheinbaren Widerspruch konnte die Autorin sehr gut auflösen.
Den ausführlichen Anhang empfehle ich zu lesen, dort werden die im Roman genannten Fabriken und historischen Persönlichkeiten aufgelistet und ausführlich erklärt.
Aus dem hinteren Klappentext geht hervor, dass es der Auftakt zu einer 20. Jahrhundert-Trilogie ist.


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