Hier erzählt am 08.12.2022
Bereits im Frühjahr merkte ich, dass ich "irgendwie" nicht richtig gucken konnte. Ich packte mein begonnenes Puzzle ein, der Frühling und Sommer brachen über nicht nur mich herein, und fast täglich saß ich mit meinem Buch auf meiner Terrasse.
Ich ertappte mich dabei, wie ich immer wieder das rechte Glas meiner Lesebrille putzte, doch vermeintliche Flecken waren gar nicht drauf. Irgendwann fiel dann bei mir der Groschen und ich dachte, bevor ich meinen Optiker reich mache, sollte ich doch mal meine Augenärztin beehren. Nach einem kurzen Telefonat mit ihr bekam ich bereits für zwei Tage später einen Termin. Oha! Das sah nach einer gewissen Dringlichkeit aus!
Man mag von IGEL-Geschichten halten, was man möchte, die Krankenkassen behaupten ja gerne, dass alles Notwendige übernommen wird, und was selbst zu zahlen sei, wäre überflüssig, trotzdem habe ich zwei Untersuchungen selber bezahlt. Die Lachnummer ist nämlich, dass, wenn diese Untersuchungen einen Befund ergeben, die notwendige Behandlung dann von der Krankenkasse übernommen wird.
Langer Rede kurzer Sinn, meine Linsentrübung auf dem rechten Auge ermöglichte mir nur noch eine Sehkraft von 40%, was eine unbedingte Indikation für eine OP war. In der Augenklinik bekam ich einen Termin für den 07.09. um 16:20 Uhr.
Aber es gab noch im Juli eine Vorstellung in der ambulanten Klinik mit nochmaliger Untersuchung, Augentropfen und einer weiteren "individuellen Gesundheitsleistung" zwecks Ermittlung der für mich bestmöglichen Linse. Die Augentropfen waren für mich überraschend, und als ich später ins Freie trat, fühlte ich mich sehr geblendet. "Natürlich" hatte ich keine Sonnenbrille dabei, mangels Erfahrung hatte ich damit ja nicht gerechnet. Meine Idee, noch ein wenig durch die Spitaler- und Mönckebergstraße zu spazieren, war damit natürlich hinfällig. Ich ging dann etwas unsicheren Schrittes zurück zum Hauptbahnhof, wo ich erstmal einen Kaffee brauchte.

Nun denn, auf, auf zur OP. Etwas unruhig war ich schon, frau macht das ja nicht jeden Tag! Zunächst hieß es wieder warten, warten, warten. Dann die nun bereits bekannten Augentropfen, wieder warten. Es folgte eine neue Untersuchung, diese Untersuchungen bedeuten allesamt, dass man in irgendwelche Gerätschaften schaut, Lichter oder Symbole sieht. Wieder warten. Nochmal Tropfen. Wieder warten.
Irgendwann, ich war die letzte Person im Wartezimmer, und es war mittlerweile ungefähr 18:30 Uhr geworden, wurde ich dann zur OP aufgerufen. Ich wurde in einen Raum geführt, der wohl so eine Art Schleuse war, jedenfalls bekam ich schneller als ich "piep" sagen konnte von Kopf bis Fuß hübsche hellblaugrüne Plastiküberzieher angekleidet, meine Handtasche verschwand in einem Schließfach, der Schlüssel wurde irgendwo an meinen feinen Kittel befestigt; alsdann folgte ich der netten Assistentin in den OP, wo schon weitere Patienten ihrer Augenversorgung harrten zwecks Entlassung.
Auf eine schmale Liege sollte ich mich bitte legen, was zunächst schwierig war, da ich wegen meiner kranken Lunge immer eine ganz leichte Oberkörpererhöhung benötige. Aber auch das bekam man in den Griff: Ein kleines Polster wurde mir unter den Rücken gepackt, dafür musste ich meinen Kopf auf einer Art Rolle ein wenig nach hinten strecken, kein Problem. Wohin mit den Händen? Am besten unter den Allerwertesten oder die Oberschenkel legen, damit sie nicht im Weg sind.
Nun ging es los. Bekanntermaßen ist ja in allen medizinischen Einrichtungen immer noch Maskenpflicht, nun wurde mein Kopf inklusive Maske mit einem weiteren blaugrünen Plastikteil abgedeckt, welches nur eine Öffnung für das zu operierende Auge hatte. Nun, meine Atmung machte mir keinerlei Probleme, das fand ich sehr beruhigend.
Der Doc kam hinzu und setzte mir eine Spritze. Ich kann ja einiges ab, aber die war für mich wirklich beängstigend. Die Injektion erinnert ungefähr an eine Betäubung beim Zahnarzt, nur dass ich die natürlich schon häufiger bekommen habe und sie "kenne", aber direkt oberhalb des Wangenknochens in den unteren Bereich des Auges, das ist schon sehr besonders. Damit ich die richtige Position beibehielt, musste ich die ganze Zeit in ein blaues Licht blicken, welches die Assistentin links von mir hielt. So, diese Injektion war das Unangenehmste überhaupt an diesem Eingriff! Übrigens wird jede Aktion kommuniziert, ich wusste zu jeder Zeit, was gerade passierte. Die Mitarbeiterin drückte mit irgendwas nun unter dem Auge herum, damit sich das Medikament richtig verteilen konnte. Außerdem gab es für kurze Zeit noch eine Art Druckverband aufs Auge.
Jetzt schritt der Operateur zu Werke. Ich sah während der ganzen Zeit nur ein sehr helles Licht und fühlte, dass ich permanent Flüssigkeit ins Auge bekam. (Anm.: Die Linse wurde zertrümmert, weggespült und abgesaugt. Danach wurde die neue Linse hineingeschoben. Wikipedia und diverse medizinische Seiten beschreiben diesen Vorgang ganz gut.)
Ganz zum Schluss sah ich viele sich drehende bunte Kreise, so dass mir kurz schwindlig wurde. Aber das war es auch schon! Ins Auge kam eine Salbe, dann wurde eine Augenklappe fixiert, die nun über Nacht draufbleiben sollte bis zur Kontrolle am nächsten Tag.
Ich wurde zurück zur Schleuse gebracht, mir wurde meine hübsche Plastikkleidung genommen, meine Tasche zurückgegeben, und es stand eine Tasse Kaffee für mich bereit. (Vor der OP war ich gefragt worden, ob ich hinterher Sekt, Kaffee oder Apfelschorle möchte.) Auf meine Frage, wann ich denn meinen Sohn anrufen könne zwecks Abholung, hieß es "sofort". Er hatte schon ganz in der Nähe auf meinen Anruf gewartet, so dass wir um 19:30 Uhr die Praxis verließen.
Ungern wäre ich allein nach Hause gefahren, vor allem gegangen, denn so einäugig ist die räumliche Orientierung nicht unbedingt gegeben.
Den Tag haben wir dann zum größten Teil auf der Terrasse beendet.
Am nächsten Vormittag hatte ich den Kontrolltermin. Inzwischen konnte ich den Weg gut allein bewältigen, es ist schon erstaunlich, wie schnell sich das Gehirn anpasst! Augenklappe also ab, nochmalige Untersuchung, abschließender Sehtest. Rezept für Augentropfen. Eine Augenklappe sollte ich zum Schlafen und Duschen für ein paar Tage tragen, festgeklebt mit Leukosilk. Zum Schlafen okay, beim Duschen fiel sie ab, habe ich weggelassen und einfach nur das Auge geschlossen.
Nach Hause gefahren (das alles zu der Zeit sehr umständlich, dazu später mal mehr), Rezept eingelöst, zum Optiker meines Vertrauens gegangen und die rechten Lesebrillengläser ausgetauscht gegen Fensterglas.
Leseverbot!
Genau eine Woche später Kontrolltermin bei meiner Augenärztin. Neues Rezept, weil ich die Augentropfen nicht gut vertragen habe (Konservierungsmittel!). Komplettes Leseverbot bis zum "Brillentermin" am 09. November. Maximal kurz das Fernsehprogramm lesen, denn fernsehen blieb mir erlaubt. Natürlich auch Verbot von Augen-MakeUp wegen des Reibens beim Entfernen.