Sonntag, 11. Dezember 2022

Weihnachtsausstellung - Kitsch as Kitsch can

Vor ein paar Tagen haben wir meinen Weihnachtsbaum gekauft, der jetzt auf der Terrasse ausharrt, bis seine Zeit gekommen ist.

Der Baumarkt hat eine wunderfeine Weihnachts(verkaufs)ausstellung, die uns bereits im vergangenen Jahr Freude gemacht hatte. Genüsslich haben wir gestöbert - na, wer jetzt nicht in Weihnachtsstimmung kommen würde, hätte selber Schuld gehabt!








"The Mystery of Banksy - A Genius Mind"

Schon lange hatte ich diese Ausstellung besuchen wollen, einzig der plötzliche Zeitdruck, weil sie genau heute enden sollte, ließ mich dann eine Eintrittskarte buchen.

Ich wusste ja, dass ich nicht viel Ahnung von Banksy hatte, nur seine bekanntesten "Murals" waren mir geläufig. So habe ich denn nun gelernt, dass er mehr gemacht hat, als auf Wände zu sprayen, die meisten Bilder mit Schablonen. Banksy hat eine große Anzahl von Siebdrucken in limitierter Auflage sowie einige Gemälde produziert, dazu kommen Skulpturen, einige einzelne Objekte und sein "Dismaland", eine Persiflage des Disneyland - ausdrücklich ein Erlebnispark nicht für Kinder. Es gab wohl kein gesellschaftskritisches Thema, mit dem sich Banksy nicht beschäftigt hätte, jedes Objekt wurde mit einer Hinweistafel ausführlich beschriftet.









Das ist selbstverständlich nur ein kleiner Eindruck!

Durch einen Teil einer britischen Underground-Bahn kam ich in einen riesigen Multimedia-Saal, wo ich es aber nicht länger als vielleicht zehn Minuten aushielt, es war laut und grell mit schnellen Bildfolgen und bunten Lichtern.

Es gab noch viel mehr zu sehen, teilweise mit Videos begleitet, so z.B. dieses Objekt, welches während seiner Versteigerung geshreddert wurde:

Zur Eröffnung der Biennale in Venedig 2019 platzierte Banksy einen Mann mitsamt Klappstuhl, Zeitung und Kunststand am zentralen Markusplatz. Zu sehen war eine Installation aus verschiedenen gerahmten und übereinander gestapelten Kunstwerken, die das Gesamtbild eines riesigen Kreuzfahrtschiffes in einem venezianischen Kanal ergeben. Der Titel "Venice in Oil" bekommt hier eine doppelte Bedeutung: Das Schild gibt Auskunft über das Werk und das Material, zusätzlich kritisiert es die Umweltverschmutzung durch die Schifffahrt und den Tourismus. (...) "Obwohl ich das größte und prestigeträchtigste Kunstereignis der Welt bin, wurde ich aus irgendeinem Grund nie eingeladen." (Abgeschrieben von der Infotafel)


Wer mehr Fotos von der Ausstellung sehen möchte, ist herzlich eingeladen.

Ich liebe diese Museumsshops, in die man auf dem Weg nach draußen geleitet wird, von Banksy habe ich mir ein Malbuch mitgenommen, weil mir spontan eigene Interpretationen der Motive einfielen.

"Monets Garten - Ein immersives Ausstellungserlebnis"

Den Besuch dieser Ausstellung hatte ich mir zum Geburtstag gewünscht, und vor einer Woche war ich mit Tochter und Mann dort. Ich hatte keine Vorstellung davon, was mich mit dieser Ausstellung erwarten würde, aber Monet und ganz allgemein die impressionistische Malerei waren mir seit Teenagertagen vertraut.

Die Ausstellung ist übrigens auch sehenswert für Leute, die üblicherweise nicht kunstaffin sind oder keinen Bezug zum Impressionismus bzw. Monet haben, allein schon wegen der gigantischen Multimedia-Effekte. 

Die Location sah sehr provisorisch aus, was man aber sofort vergaß, es war grandios!

Wer keine Vorstellung von Monet und seinem Leben hatte (oder, wie ich, nicht mehr ganz gegenwärtig hatte), dem wurden nochmal die wichtigsten Stationen seines Lebens auf einer Schautafel nahegebracht.

Zur Einstimmung konnte man einige seiner Gemälde auf Monitoren betrachten, sie bewegten sich, zerlegten sich in ihre einzelnen Farben und setzten sich wieder zusammen.


Es gab einen "Photo Point", von dem aus man eine Darstellung beeinflussen konnte, wenn man sich umarmte, die Aufnahme von Personen wurde in einzelne Farbpunkte zerlegt, was einer intuitiven Erklärung des Impressionismus nahe kam.

Durch einen Durchgang kamen wir in "Monets Garten" mit einer Nachbildung seiner Brücke, vielen künstlichen Pflanzen und einer tollen Atmosphäre. In einer Ecke war ein kleiner Maltisch, an dem einige Leute vorgedruckte Seerosenbilder ausmalten, die dann auf die "Teiche" neben der Brücke projiziert wurden.




Weiter ging es in einen Saal, wow! - Alle Wände waren Projektionsflächen mit "viel Multimedia", die das Leben und Wirken des Malers zeigten. Auf dem Boden lagen Matratzen für die Besucher, wir saßen auf Polsterwürfeln nahe einer Wand. Auch der Boden wurde in das Erleben einbezogen - es lässt sich kaum beschreiben. Hier ein paar Bilder davon:




Wer Lust auf mehr Bilder und die Videos hat, ist herzlich eingeladen, hier das ganze Album anzuschauen.

Samstag, 10. Dezember 2022

Gelesen: Die Köchinnen von Fenley

Die Köchinnen von Fenley von Jennifer Ryan (Roman)

Aus dem Englischen "The Kitchen Front"
ISBN 978-3-462-00392-5
Kiepenheuer & Witsch

Warum dieses Buch? Es war ein Geburtstagsgeschenk.

Klappentext:
"Zwei Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs leidet Großbritannien unter seinen Verlusten. Um den britischen Hausfrauen beim Kochen mit rationierten Lebensmitteln zu helfen, veranstaltet die BBC-Radiosendung "The Kitchen Front" einen Kochwettbewerb. Die Gewinnerin wird die erste weibliche Co-Moderatorin der Sendung. Für vier sehr unterschiedliche Frauen (und begnadete Köchinnen) aus dem Dörfchen Fenley wäre der Gewinn des Wettbewerbs eine entscheidende Chance auf ein besseres Leben: Für die junge Witwe Audrey ist es die Chance, die Schulden ihres Mannes zu begleichen und ihren Kindern ein Dach über dem Kopf zu bieten. Für das Küchenmädchen Nell ist es die Chance, die Knechtschaft zu verlassen und die Freiheit zu finden. Für die Gutsherrin Lady Gwendoline ist es die Chance, dem zunehmend feindseligen Verhalten ihres Ehemanns zu entkommen. Und für die ausgebildete Köchin Zelda ist es die Chance, ihre männlichen Kollegen endlich herauszufordern."

(Für den langweiligen und wortwiederholungsreichen Klappentext ist der Verlag verantwortlich 😉)

Audrey hat ihren Mann im Krieg verloren, lebt mit ihren drei Kindern in einem Haus, das hochverschuldet und beinahe unbewohnbar ist. Geld ist keines vorhanden. Rechtzeitig bei Kriegsausbruch hatte sie ihren Ziergarten in einen Gemüsegarten umgestaltet, so dass sie das Glück hat, auf frisches Obst, Kräuter und Gemüse zugreifen zu können. Sie verdient ein wenig Geld mit der Zubereitung von Pies (warmen Pasteten), die sie in der Umgebung verkauft. Zu allem Überfluss war ihr Geldgeber der Hypothek auf dem Haus Sir Strickland, der Mann ihrer Schwester Gwendoline, mit der kein gutes Einvernehmen besteht.

"Lady Gwendoline" Strickland arbeitet für das Ministerium für Ernährung und hält Vorträge für gesunde Ernährung in Kriegszeiten unter Zuhilfenahme der rationierten Lebensmittel. Zunächst kommt sie hochmütig daher, hofft, mit ihrer Teilnahme am Kochwettbewerb einer unglücklichen Ehe entkommen zu können.

Nell ist das Küchenmädchen von Fenley Hall (bei Sir Strickland), die von ihrer betagten Freundin Mrs. Quince, der Köchin, deren Koch- und Backkünste gelernt hat. Zunächst ist sie sehr schüchtern. Auf der Farm von Mr. Barlow, Zulieferer für die Küche von Fenley Hall, trifft sie auf den italienischen Kriegsgefangenen Paolo, der ihr ein italienisches Gericht als Inspiration kocht, und entwickelt zarte Gefühle.

Zelda Dupont, einst Köchin eines Hotels, das den Bomben zum Opfer fiel, arbeitet in einer Fabrikkantine, bis sie ihre fortschreitende Schwangerschaft nicht mehr verbergen kann. Nach einer höchst unerfreulichen Kindheit hatte sie sich hochgearbeitet und wünscht sich nichts mehr, als nach dem Krieg wieder in London zu arbeiten und Küchenchefin zu werden.

Das sind die Ausgangsbedingungen für eine herzerwärmende Geschichte vierer Frauen, die alles Andere als rührselig ist, garniert mit den jeweiligen Rezepten der Gerichte, mit denen sie sich um den ersten Platz des Kochwettbewerbs bemühen.

Die BBC-Sendung und weitere Wettbewerbe hat es tatsächlich gegeben, die Rahmenbedingungen beruhen u.a. auf den Archiven des Senders, wie im Anhang erklärt wird.


Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Advent, Advent

Ich bin zurück von meinem Ausflug zu Blume2000, hier bei mir gibt es ja nichts, kein Blumengeschäft und auch sonst nicht viel.

In der Einkaufspassage (die auch schon bessere Zeiten gesehen hat), ist zwar Weihnachtsbeleuchtung installiert, aber nicht angestellt. Alles sieht so traurig aus. Energiesparen schön und gut, ich beleuchte meine Fenster auch nicht mehr 24/7 wie sonst, aber an Tagen wie diesen, an denen es gar nicht hell zu werden scheint, habe ich auch schon mal um 15 Uhr meine Lichter in den Fenstern eingeschaltet. Die Seele braucht das, und vielleicht erfreuen sich auch heimkehrende Nachbarn daran.

Ich habe Blumen für meine Mutter ausgesucht. In den Vorjahren hatte ich ihr eine Mini-Konifere im Blumentopf geschmückt und hingestellt, aber - genau wie alle anderen Topfpflanzen - waren sie stets nach kürzester Zeit vertrocknet und unansehnlich. Jetzt also ein Strauß, die passende Vase nehme ich mit. Solcherlei Sträuße waren nicht fertig gebunden vorrätig, also habe ich die Sachen selbst zusammengesucht und dann binden lassen. Aber auch hier: Inflation! Von allen guten Geistern verlassen habe ich gut 20 Euro dafür hingelegt, und die Amaryllis werden nicht bis Weihnachten halten. 


Betrifft fehlende Berichte: Ich werde sie rückdatieren, damit sie hier in der richtigen (chronologischen) Reihenfolge erscheinen, sonst sähe das etwas merkwürdig aus für Dezember. Richtig, Dezember, noch bin ich mal wieder zu nichts gekommen. (Stichwort: Rentner haben nie Zeit. Anderes Stichwort: An den langen, dunklen Winterabenden erledigen... Wo sind die bitte lang?)

Wie auch immer, habt eine schöne Vorweihnachtszeit, lasst Euch nicht stressen und genießt die Feiertage dann mit Euren Lieben.

Dienstag, 22. November 2022

Gelesen: OXEN - NOCTIS

 OXEN - NOCTIS von Jens Henrik Jensen (Thriller)

Aus dem Dänischen
dtv Taschenbuch/broschiert
ISBN 978-3-423-26324-5

Warum dieses Buch?  Ich bin fasziniert von Oxen, denn Intelligenz zieht mich einfach an. Es ist auch hier gut, die ersten Bände gelesen zu haben, denn es geht um dieselben Personen, und das Vorherige wird als bekannt voraus gesetzt.

Klappentext:
«Lagerplatz, Schutzhütten, Kriegsveteranen. Das waren unbehagliche Parallelen zwischen seinem eigenen Gefühl einer latenten Bedrohung draußen im Gribskov und den Ereignissen, die sich offenbar tatsächlich in Ostjütland abgespielt hatten.»
"Niels Oxen träumt von einem Leben ohne Angst. Die Sitzungen bei Trauma-Therapeutin Leyla Damjanovic geben ihm Kraft. Flashbacks quälen ihn seltener, und das Verhältnis zu seinem Sohn Magnus entspannt sich zusehends.
Ausgerechnet jetzt bittet Ex-PET-Chef Mossman ihn um Unterstützung in einem Fall, der weite Kreise zieht. Auf dem Gelände einer verlassenen Kiesgrube und an einer geschützten Stelle im Wald sind die Leichen von sieben Veteranen gefunden worden. Die Männer wurden aus einiger Entfernung erschossen. Wird das Land von einem Sniper bedroht? Und was hat es mit der gemeinsamen Militärvergangenheit der Opfer auf sich? Als Ex-Elitesoldat fühlt Niels Oxen sich verantwortlich und gibt Mossmans Drängen nach. Immerhin wird Margrethe Franck an seiner Seite sein, die schon mit ihm den Danehof zerschlug. Doch ist er wirklich stark genug?

Die Geschichte beginnt damit, dass am Lagerplatz im Wald ehemalige Soldaten systematisch erschossen werden, wobei die Leserin zunächst die Perspektive des Täters erlebt und einigermaßen verwirrt zurück bleibt.

Es wird eine Wasserleiche geborgen, wobei es eine unbekannte Zuschauerin bzw. Ermittlerin gibt, Sally Finnsen, die eigentlich nur auf der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder ist und später mit zum festen Ermittlerteam gehört.

Nach und nach werden unterschiedliche Erzählstränge entwickelt, zunächst erschließt sich nicht, wie sie miteinander verknüpft sind, die Geschichte nimmt allmählich Fahrt auf.

Im Rahmen der Ermittlungen gerät Oxen in Gefangenschaft und in den Untergrund, was hier wörtlich zu nehmen ist, es wird nach Belieben gefoltert (was zwar beschrieben wird, aber einigermaßen verträglich ist für die Leserin), Dekadenz ausgelebt.

Mossman bemüht alle ihm zur Verfügung stehenden internationalen Geheimdienstkontakte, einmal noch hat der pensionierte PET-Chef die Fäden in der Hand...

Im Übrigen gibt es in diesem Buch zweimal ein Crossover mit einer anderen Bücherreihe, die hier schon wartet, deren Protagonistin Nina Portland kurz eingebunden wird.



Das war für mich allerfeinste und spannende Unterhaltung, trotzdem werde ich mit dem nächsten Buch zur Erholung das Genre wechseln. 

Nachtrag: Oxen wird derzeit für das dänische Fernsehen verfilmt, unter Beteiligung des Autors.

Dienstag, 15. November 2022

Endlich darf ich wieder...

 ... ungebremst lesen und schreiben.

Neue Lesebrille ist super, Gleitsichtbrille dauert noch zwei Tage oder so. 

Am 7. September hatte ich die Augen-OP mit anschließendem Leseverbot. Einmal war ich unartig und habe zwei Stunden auf dem Kindle gelesen, weil man da ja die Schriftgröße frei einstellen kann, die Quittung hatte ich hinterher: ich habe durch die Überanstrengung den Rest des Tages alles nur noch verschwommen gesehen.

Nun hoffe ich, dass das linke Auge sich noch ein bisschen Zeit lässt und ich meine sehr teuren Brillen ausreichend werde nutzen können...

OP-Bericht für Neugierige folgt noch, denn bei meiner Recherche habe ich zwar jede Menge Infos auf Wikipedia, von Ärzten und Linsenherstellern gefunden, das war aber kein bisschen unterschiedlich von dem, was mir meine Augenklinik erzählt hat. Erfahrungsberichte von Betroffenen fand ich keine. Also, es war ein bisschen unheimlich, aber vollkommen schmerzfrei. Der Rest kommt dann hier noch. Wollte nur erstmal ein Lebenszeichen geben.

Ich habe in diesen gut zwei Monaten so viele Fotos gemacht, schon auch um mir selber zu verdeutlichen, dass ich gelebt habe... also gegen das Vergessen mal wieder.

CUsoon