Samstag, 6. Oktober 2012

Blau

06.10.2012 - 18:47 Uhr

Nun war der Tag also erst zur Hälfte herum, die Sonne lachte - natürlich musste ich nochmals einen Weg nach draußen machen! Ganz entspannt bummelte ich über die Märkte, guckte hier und dort, traf dann auf einen kleinen Markt, mit italienischen Agrarprodukten: Käse, Brot, Wein, Honig, Gewürze, Salami und - und - und. Auch hier stand wieder, wie in Lucca (das muss ich noch weitererzählen, ich weiß!) ein romantisches Kinderkarussell! Das sah so schön aus...






Weiter ließ ich mich dann zur Piazza della Signoria treiben, fotografierte zum hundertsten Male dieselben Objekte; in diesem Falle war es dieser unglaublich blaue Himmel, der mich dazu verführte.





Dieses Blau glaube ich mir doch schon morgen selbst nicht mehr! Also festhalten, festhalten, festhalten...!

Ich bin einfach nur hingerissen!

06.10.2012 18:25 Uhr

Heute Vormittag habe ich also mein Vorhaben in die Tat umgesetzt und bin zur Piazzale Michelangelo und zur Kirche San Miniato al Monte gefahren.

Bei den ersten frühen Blicken aus dem Fenster hatte ich schon befürchtet, dass es das Wetter nicht gut mit mir meinen würde, weil der Himmel dick bezogen war. Aber das ist eines der seltsamen Phänomene hier in Florenz: Morgens alles grau, und gegen Mittag ist dann plötzlich wieder Sommer!

Als ich heute dann zum ersten (und im Moment auch letzten) Male mit dem Bus fuhr, hatte ich das Gefühl, erst jetzt in dieser Stadt richtig "angekommen" zu sein, jetzt fühlt sich vieles einfach normal an.

Na gut, das relativierte sich nach kurzer Zeit wieder, nämlich als ich an der Piazzale angekommen war: Zuerst sah ich nichts als Autos - das kommt aber, weil an an vielen Punkten am Stadtrand riesige Parkplätze gibt, denn im Centro herrscht Fahrverbot. Aber als ich am Parkplatz vorbei war, gingen mir die Augen über vor Staunen und vor Freude:




Ganz langsam spazierte ich an der Brüstung des hoch gelegenen Platzes entlang, genoss die Aussicht und freute mich, dass ich der DigiCam heute früh einen frisch geladenen Akku spendiert hatte! Vor lauter inneren Ahhhhs und Ohhhhs konnte ich nichts anderes machen als ein Foto nach dem anderen - festhalten, alles festhalten, denn der Winter kommt in großen Schritten. (Das soll ich glauben? Doch ja, ich habe mir heute früh die Wetterdaten angesehen... seufz)








Schließlich beschloss ich, auch die Kirche zu besuchen. Ich hatte ja befürchtet, San Miniato al Monte läge zu hoch, als dass ich die Stufen würde erklimmen können, aber: Das Übliche!!! Ich bin jetzt hier, diese Möglichkeit ist im Moment einmalig, und WIE KANN ich aus Florenz verschwinden, ohne die angeblich schönste Kirche der Stadt angesehen zu haben?


Langsam und gemütlich machte ich mich auf den Weg und an den Aufstieg. Positiv fiel mir auf, dass es erstens sehr breite und flache Stufen sind, zweitens nach jeweils zwanzig/ fünfundzwanzig Stufen so eine Art Plattform vorhanden ist. Reichlich Möglichkeiten zum Verschnaufen für mich - und zum Umsehen.




Auf der vorletzten Plattform war der Friedhof angelegt. Da er so ganz, ganz anders ist als alles, was ich kenne, habe ich mich zunächst hier umgesehen. Angefangen mit großen Grabplatten über Monumente und spezielle persönliche Kapellen sah ich auch die geschmückten "Wandfächer" für Särge oder Urnen, wer weiß?




Der letzte Aufstieg war ein wenig steiler, wurde aber sofort belohnt mit der Ansicht dieser ganz erstaunlichen Kirche und, nach rückwärts geschaut, nochmal mit dem Blick von oben auf die Stadt.

Eine der wichtigsten und schönsten Kirchen hier, und es wird weder Eintritt kassiert noch steht überall Sicherheitspersonal in der Gegend herum!


 
Im Inneren der Kirche ist es ganz erstaunlich... zum Einen herrscht eine sehr ruhige Atmosphöäre (was man dank der üblichen Touristenströme nicht über jede sagen kann), zum anderen ist sie sowohl von der Architektur als auch der Raumgestaltung und den Schmuckelementen her komplett anders als alle anderen Kirchen! Fresken, vielfarbiger Marmor, viele verschiedene Ebenen... beschreiben lässt sich das im Moment nicht recht, aber ich habe ja, wie meistens, genügend Fotos gemacht (immer dezent und ohne Blitz, meine DigiCam zeigt in diesem Urlaub ihre allergrößten Qualitäten).





Nachdem ich mich (fast mit einer Träne im Knopfloch) von diesen Schönheiten verabschiedet habe, galt es einige Zeit an der Bushaltestelle zu verbringen - in inzwischen, natürlich, wieder glühender Hitze. Zumindest großer Wärme und in der prallen Sonne.


(Auf dem Weg ins Hotel ein Stück Pizza besorgt, das war super lecker! Hätte ich diesen Laden nur schon eher mal ausprobiert!)

Abschiedsgefühle

05.10.2012 - 21:27

Bei meinem Abendspaziergang habe ich schon zum Teil Abschied genommen. Aber die Stadt beginnt auch, ihrerseits sich ein klein wenig auf die dunkle und sicher auch hier kältere Jahreszeit einzustimmen.


Nach zwei Wochen hier sehe ich, dass die Marktstände mit den Tüchern zusehends mehr Wollschals anbieten, wo die Händler letztens Flip-Flops und Sandalen verkauften, stehen nun Stiefel oder fellgefütterte Hausschuhe herum, die Lederjacken werden ergänzt mit Pelzjacken oder dicken Wollstrickjacken mit Pelzbesatz. Auch das Angebot an Handtaschen wechselt fast unmerklich zu robusteren Modellen.



Heue Abend stellte ich zum ersten Male fest, dass die Touristenmassen weniger werden! Die Trattorien und Pizzerien in den größeren Straßen und auf den Plätzen sind noch gut besucht, aber in den Nebenstraßen stehen die Inhaber schon vor den Türen und haben keine Gäste.




So ein bisschen Wehmut macht sich breit, vielleicht auch gerade weil ich diese Zeit hier sehr genossen habe - trotzdem beginnt es in mir, mich mit Macht wieder nach Hause zu ziehen!


Bei meinem Rundgang habe ich ganz bewusst nur versucht, die Stimmung unterwegs einzufangen, die Bilder dürfen daher gerne etwas unscharf sein!






Ein letzter Tag morgen, geplant ist mein Ausflug zur Piazzale Michelangelo...

Geschwächelt

05.10.2012 - 21:1 Uhr

Ob es an dem Abschluss des Kurses mit Test lag (kann eigentlich nicht) oder am Wetter (unvorstellbar: Es war so heiß heute, wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich es wohl kaum noch glauben können) - ich war nicht so ganz "auf dem Damm".

Aber der Reihe nach...

Eineinhalb Stunden Grammatiktraining mit Gianni, dann bei Patrizio der Test (86 % ist kein schlechtes Ergebnis, ein Teil errechnet sich aus der laufenden Kursmitarbeit), der mir auch (also doch!) das Zertifikat ausstellte. Mit jedem Lehrer machten wir noch einige Abschiedsfotos, schade nur, dass die nette Amerikanerin heute nicht dabei war!


Ich war sehr erstaunt und gerührt, dass die Türkin, die anfangs überaus zurückhaltend war und im Laufe der Zeit tüchtig "Fahrt" aufgenommen hatte, sich persönlich ausdrücklich von mir verabschiedete! (Und natürlich das Freundinnen-Duo, ohne das es nicht halb so lebhaft zugegangen wäre...)

Dann die große Tasche, Jacke (morgens frisch, mittags heiß) im Hotel abgeladen und zu einem Spaziergang aufgebrochen. Inzwischen kenne ich ja auch die kurzen Wege, bin also schnurstracks zum Fluß gegangen (daher nochmal die phantastischen Fotos) und habe mich im Sesto Fiorentino herum getrieben.




Das ist eine reine Wohngegend, nicht uninteressant, teils gehobene Klasse, eine Straße weiter aber eher ärmlich. Ich wollte mir eigentlich die Kirche anschauen, die auf all' den vielen Arno-Fotos zu sehen ist, aber sie wollte mich nicht! Besser: Vermutlich hatte ich schon den richtigen Weg eingeschlagen und war nur wenige Meter entfernt - aber es waren so viele männliche Wesen auf der Straße, die mir nicht wirklich geheuer waren. Ich hatte schon die Kamera nicht in der Hand, stattdessen eine italienische Zeitschrift, um mich nicht sofort als Touristin zu outen, aber wirklich gut fühlte ich mich nicht dort.



Also bin ich lieber wieder an die Uferstraße spaziert und habe dort auf meinem Rückweg noch einige malerische Motive aufgenommen.


Mittlerweile war mir nur noch heiß, ich war ausgesprochen schlapp und "fertig", dass ich mich ins Hotel schleppte, wo ich Siesta hielt. Ob das so gut war? Nach einem Schläfchen hatte ich Probleme, mich zu reaktivieren. Na gut, dann fing ich schon mal an mit dem Sortieren meines Gepäcks, denn so langsam machte ich mir wirklich Gedanken, wie ich all' den Krempel einpacken sollte. Inzwischen habe ich die Übersicht und bin nur noch wenig unruhig ;-)