Sonntag, 4. Dezember 2016

Leser

Ich schau ja immer mal nach, woher meine Leser kommen. Die Statistik gibt über manches, nicht alles (!) Auskunft.

Irgendjemand kommt praktisch täglich über den Link in meinem Profil im Lungennetzwerk-Forum gucken, ohne sich je zu erkennen zu geben. Von so einem regelmäßigen Leser hätte ich mir hier einen Kommentar gewünscht. Nicht jeder dort ist unbedingt mein Freund.

Als kleine Protestreaktion - so unsinnig sie sein mag, denn ein Blog ist nahe verwandt mit einer Wandzeitung - habe ich dort jetzt meinen Link gelöscht.

Und du, unbekannter Leser, lass mich doch wissen, wer du bist.

Freitag, 2. Dezember 2016

Noch ein öffentliches Bücherregal

Die offenen/öffentlichen Bücherregale in meiner Umgebung werden mehr:




Heute im Untergeschoss eines lokalen Einkaufszentrums (Harburg Arcaden), in unmittelbarer Nähe aller möglichen Billigheimer (Aldi, Kik, Tedi usw.) direkt an der Rolltreppe stand ich wie vom Donner gerührt... ich bin entzückt... zwei britische Telefonzellen laden zum Deponieren und zum Stöbern ein. (Es muss während der Zeit meiner Krankheit eingerichtet worden sein - dafür, dass es noch so neu ist, ist es schon gut gefüllt.)



Ich konnte leider nicht widerstehen, habe mich aber auf zwei Bücher beschränkt, sonst hätte ich mich antisozial (nicht asozial!) gefunden. (Von Daringham Hall ist es Band drei, aber die ersten beiden werden mir bestimmt auch noch begegnen.) Ich werde künftig gut überlegen müssen, wie ich die Bücher, die nicht bei mir bleiben sollen, verteile - nach Jahren, in denen ich Mühe hatte, sie loszuwerden!

Gelesen: Wilde Akazien

Wilde Akazien von Johanna Nicholls, Roman
Aus dem Englischen "Ghost Gum Valley"
Page & Turner/Random House, Taschenbuch
ISBN 978-3-442-20349-9

Warum dieses Buch? Teil eines größeren Bücherschnäppchens vor einigen Monaten.

Klappentext:

"Allein in der Fremde. Gejagt von den Dämonen der Vergangenheit und auf der Suche nach einem Mann, den sie nicht kennt.
Gloucestershire im frühen 19. Jahrhundert: Die 17-jährige Isabel de Rolland lebt seit dem Tod ihrer Eltern auf dem Herrenhaus ihres Onkels Godfrey. Trotz ihrer Jugend wurde Isabel schon oft vom Schicksal gebeutelt. Weil er das Mädchen loswerden möchte, das ihm auf der Tasche liegt, will Godfrey seine Nichte mit einem Mann in Australien verheiraten. Und so begibt sich Isabel auf eine gefährliche Reise in eine ungewisse Zukunft..."

Ein Wälzer von über 700 Seiten, weshalb die Bezeichnung "Taschenbuch" schmunzeln lässt. Offiziell wird es bezeichnet als "broschiert." Etwa zwölf Stunden Lesezeit sollte man dafür einplanen - die allerdings vergehen wie im Fluge, es ist ein Buch zum Abtauchen aus dem Alltag, voller Spannung, großartiger Landschaften, gefühlvoll - und spielt zu einer Zeit und in einer fremden Welt, deren Faszination man gern erliegt.

Anfang des 19. Jahrhunderts, Isabel de Rolland, 17jährig, lebt auf dem Landgut ihres Onkels, der ihr Vormund ist. Sie hat lange gebraucht, sich zu erholen und verbringt nicht eine einzige Minute ohne Aufsicht, nachdem sie vor längerer Zeit verwirrt und verirrt im Wald gefunden wurde. Man sagt, sie leide an der "Schlafkrankheit" (sie schlafwandelt offenbar gelegentlich).

Ihrem Onkel droht das Schuldnergefängnis, woran ihr Cousin, dessen Frau offenbar todkrank ist, mit seinem schwungvollen Lebenswandel nicht unschuldig ist. Cousin Silas - innerhalb der Sippe der de Rolland haben generationenlang Cousinen und Cousins einander geheiratet - stellt ihr nach und bezeichnet sie als Hexe, beide haben die Gabe "das Andere" zu sehen.

Eines Tages wird Isabel eröffnet, dass sie heiraten muss, damit ihr Onkel schuldenfrei wird. Der Ehevertrag ist bereits unterzeichnet, das Geld für die "Auslösung" ist bereits angewiesen, die Schiffspassage bezahlt - Isabel bleibt keine Wahl.

Ich wurde in eine Ehe verkauft. Warum haben sie mir eingeredet, dass ich eine Wahl hätte? Dass ich London und Paris besuchen könne? Die Wahrheit ist, dass ich mein Leben in dieser Sträflingskolonie im Indischen Ozean beenden werde. Und wer ist dieser "verdammte Kerl?" Warum hat mich niemand gewarnt?
Die Antwort versetzte ihr einen solchen Schock, dass ihr schlecht wurde.
Zwei Fliegen mit einer Klappe! Das Vermögen der Familie wird wiederhergestellt, und gleichzeitig können sie die größte Bedrohung für die Familienehre loswerden - mich! Mein Gott, es ist also nicht nur der Abschaum der britischen Gesellschaft, der dorthin verfrachtet wird. Diesmal bin ich dran! Und die Ehe ist eine lebenslange Strafe!

In Australien trifft nach langer Abwesenheit Marmaduke Gamble ein, wo sein mütterliches Erbe auf ihn wartet - oder auch nicht. Die Ländereien seiner Mutter hatte sie ihm auf dem Totenbett versprochen, war jedoch vor Unterzeichnung des Testaments verstorben. Sein Vater Garnet Gamble, der seine eigenen Ländereien bewirtschaftet, besteht darauf, dass Marmaduke heiraten müsse, um sein Erbe anzutreten. Marmaduke - ein Casanova vor dem Herrn - hat sich geschworen, sich nie zu verlieben. Überhaupt sind Vater und Sohn zwei rechte Streithanseln...

"Ah, Sie sind also der Gentleman mit den Blumen," sagte sie und lächelte schwach. Er folgte ihrem Blick zu dem Bukett, das er ihr hatte schicken lassen. Leider hatte die Blumensprache keine Möglichkeit, ihr verschlüsselt zu sagen: Ich sterbe, wenn du mich nicht in dein Bett lässt. Doch Marmaduke erkannte am Blick ihrer dunklen Augen, dass sie auch so verstanden hatte, was er sagen wollte.

Unter abenteuerlichen Umständen lernt er dann seine Braut Isabel kennen und wertschätzen. Sie ist eine mutige und sehr ehrliche Frau. Sie treffen ein Abkommen, dass sie eine Ehe ohne Liebe führen werden für ein Jahr, bis Marmaduke sein Erbe antreten wird. (Nach Ablauf dieses einen Jahres, so hatte er angekündigt, wolle Cousin Silas Isabel abholen und ehelichen - wovor sie ein zunächst nicht näher benanntes Grauen empfindet.)

"In welcher Hinsicht entsprechen wir nicht Ihren englischen Vorstellungen von Etikette?"
Sie winkte sorglos ab, als wären es zu viele, um sie einzeln aufzuzählen. "Kein englischer Gentleman würde in Anwesenheit einer Dame sein Jakett ausziehen oder seinen Hut aufbehalten. Oder vulgäre Ausdrücke benutzen, die wahrscheinlich Sträflingsjargon sind. Und Ihre Manieren bei Tisch... nun, bestenfalls würde ich sagen, dass Sie eher mit Genuss als mit Eleganz speisen. Jedenfalls dürften Sie nicht darauf hoffen, sich als englischer Gentleman ausgeben zu können." 

Bis dahin passieren so viele Dinge, gibt es so viele Bedrohungen, entpuppen sich Stärken und Schwächen, dass der Leser wie gefangen in diesem Land und dieser Zeit bleibt.


Australiens Geschichte inklusive sozialer Strukturen unterscheidet sich von unserer europäischen, ein Großteil des Kontinents wurde von britischen Sträflingen besiedelt  - England entsorgte so auf elegante Weise seine Straftäter. Somit bildete sich eine Gesellschafsstruktur, die uns heute seltsam anmutet.

Isabel hingegen stammt aus der ehemaligen britischen Königsfamilie der Plantagenets, aus der höchsten Gesellschaftsschicht, wodurch der "Emanzipist" deutlich an Status gewinnen mochte.

Sehr gern gelesen und eine Empfehlung für alle, die einfach gut unterhalten werden möchten.

Sonntag, 27. November 2016

Erster Advent

Die Zeit, sie rennt - und schon ist es wieder Advent. (Und ganz aus Versehen reimt es sich auch noch. Schrecklich.)


Ich bin mit meiner Deko im Rückstand, Krankheitszeiten verzögern meine Hausarbeit, und bevor die nicht fertig ist, werden die Tannensträuße nicht bestückt... also bin ich mal weiter ein wenig (!) fleißig, damit ich vielleicht doch irgendwann mal fertig werde.

Weil die Sonne so schön scheint, ein Blick aus meinem Fenster - und auf einen gläsernen Vogel, jaja...


Habt eine ruhige und stressarme Vorweihnachtszeit!

Freitag, 25. November 2016

Weihnachten...

Krank sein ist blöd. Nicht nur wegen der Krankheit. Auch wegen der Einschränkungen, die damit verbunden sind. Schwierig teilweise. Morgen werde ich in Stadtteilnähe wenigstens ein paar Tannenzweige kaufen. Hier bin ich nun die ganze Zeit brav gewesen und habe nur kurze Wege gemacht...

Ein Mal am Tag muss ich wenigstens an die frische Luft... das nächste Ziel ist Budni (lokaler Drogeriemarkt)... ich musste *dringend* ein bisschen neue Weihnachtsdeko kaufen... noch fehlen die Tannenzweige ;-) Dieses hier ist mein Schlafzimmerfenster, dank der Teleskopstange sehr leicht zu handeln. Alles Weitere morgen oder übermorgen.


Alles, was sich evtl. nicht mit meiner Krankschreibung vertragen könnte, wird verschoben ;-)

Donnerstag, 24. November 2016

Lungenfunktionstest gut erklärt

Mein Lesezeichen gegen das Vegessen...

In "meiner" Arztpraxis stehen brandneue Testkabinen, dazu gehört eine neue Software. Nun sehen die Ausdrucke ein wenig anders aus, manche Bezeichnungen sind neu für mich - oder einfach nur andere Abkürzungen als zuvor.

Auf dieser Seite wird der Lungenfunktionstest sehr gut und ausführlich erklärt.

Mittwoch, 23. November 2016

Werner R.I.P.

Werner ist tot. Gestorben am 16.11.2016, ich habe es heute früh auf Facebook gelesen.

Werner war mein allerältester "Online-Freund" (so nannte man das damals) aus AOL 2.0-Zeiten.

Wir lernten uns in einem Partnersuche-Pinboard kennen, wussten zwar gleich, dass wir Partner nie werden würden, aber, ich zitiere aus der ersten Mitteilung von Werner: "wir können doch trotzdem Mail-Freunde sein." Das wurden wir augenblicklich.

Ich erinnere mich noch, wie er sich darüber amüsierte, ob eines meiner Kinder wohl das eigene Zimmer würde aufräumen wollen. Sämtliche Kinder sind heute in den Dreißigern...

Er zeichnete sich durch messerscharfen Verstand und einen besonderen Humor aus.

Ein Mal rief er an und gratulierte mir zum Geburtstag, ich war irgendwo Mitte 30 damals... fast hätte er sich ins Auto gesetzt und wäre gekommen, allein die Fahrtzeit von Herne war dann doch etwas hinderlich gewesen.

Irgendwann verschwand er komplett von der Online-/Internetbildfläche. Ich machte mir Sorgen, versuchte sogar, seine Postadresse zu recherchieren und schickte ihm eine Karte... bekam nie eine Reaktion.

Jahre später fand ich zwei Blogs von ihm, Thema "Dialyse in der Türkei." Oha, er hatte also inzwischen massive Probleme bekommen... trotzdem freute ich mich, von ihm zu lesen.

Ich muss immer in seinem Mail-Adressbuch gestanden haben, denn gelegentlich erreichten mich von ihm diverse Einladungen zu irgendwelchen "social networks" - ich schaute mir diese Netzwerke eine kurze Zeit an, kommunizierte ein wenig mit ihm - und meldete mich irgendwann wieder ab.

Enger wurde der Kontakt dann wieder über Facebook. Er kommentierte häufiger meine Posts, und ich stellte fest, dass es ihm insgesamt nicht gut ergangen war... Inzwischen multimorbid und stark gehbehindert, schien er mir verbittert geworden zu sein. Der Verstand war natürlich immer noch da, aber der Humor schien ihm abhanden gekommen zu sein.

Als seine Mutter verstarb, nachdem er für sie und sich Plätze im Pflegeheim organisiert hatte und dorthin umgezogen war, schien es, als hätte er frische Energie bekommen, er düste mit seinem  "Mobilchen" durch die Gegend, filmte mit einer neuen Kamera seine Wege, kaufte eine neue Fotokamera - die Liebe zur Fotografie hatte ihn ein Leben lang begleitet und war ungebrochen.

Seine Hoffnung auf eine Nierentransplantation bekam neuen Schwung, es war doch sein Plan für dieses Jahr gewesen, alle anderen gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen, um gelistet zu werden.

Die letzte OP war wohl eine Herzoperation. Ich weiß nicht, was dabei passierte, er wurde bettlägerig und sauerstoffpflichtig ins Heim entlassen; tagelang hat er gekämpft und es letztlich nicht geschafft.

In den letzten Jahren war Werner zusehends wirklich nicht nur kritisch, sondern auch knorrig und "sehr speziell" geworden. Jeder Satz von ihm endete mit mindestens einem Ausrufungszeichen - gelegentlich gerieten wir aneinander, ein Mal war ich kurz davor, ihn von meiner Freundesliste zu nehmen - er ärgerte sich immer gewaltig, wenn ich Themen hatte, die ihm lästig waren!

Ich war so sicher, dass sein Kampfgeist es schaffen würde, ihn über die nachoperativen Hürden zu bringen. Dem war ganz klar nicht so!

R. I. P.

Da seine schönen privaten Homepages nicht mehr zu existieren scheinen (in den 90ern hatten wir ja alle eine...), auch die Türkei-Blogs sind nicht mehr auffindbar, habe ich heute nur wenig Verlinkbares von ihm gefunden:

You Tube

 Eines dieser o.g. "sozialen Netzwerke"