Sonntag, 9. Dezember 2018

Gelesen: Arkadien erwacht (1)

Arkadien erwacht von Kai Meyer (Fantasy) - Arkadien Teil 1
Piper Taschenbuch
ISBN 978-3-492-26788-5

Warum dieses Buch? Vor langer Zeit mal mit bei Arvelle bestellt, bei den günstigen Preisen habe ich gelegentlich Genre-Experimente gemacht.

Klappentext:
"Schon bei ihrer Ankunft auf Sizilien fühlt sich Rosa wie in einem alten Film – der Chauffeur am Flughafen, der heruntergekommene Palazzo ihrer Tante und dann die Gerüchte um zwei Mafiaclans, die seit Generationen erbittert gegeneinander kämpfen: die Alcantaras und die Carnevares, Rosas und Alessandros Familien. Trotzdem trifft sich Rosa weiterhin mit Alessandro. Seine kühle Anmut, seine animalische Eleganz faszinieren und verunsichern sie gleichermaßen. Doch in ihm ruht ein unheimliches Erbe, das nicht menschlich ist."

 ... und der Text von der Rückseite:
"Sie wartete. Zögerte. Dann zog sie den Kopf zurück, bevor sich ihre Lippen berühren konnten. Einen Herzschlag lang sah er verletzt aus, aber dann lächelte er, blinzelte in die Sonne und sagte: «Wenn es so weit ist, dann will ich dabei sein.» «Wenn was so weit ist?» «Wenn du allen anderen nicht mehr in die Augen schaust, als hätten sie dir gerade den Krieg erklärt. Und wenn du merkst, dass manches zwar aussieht wie das Ende der Welt, sie in Wahrheit aber weitergeht, drüben auf der anderen Seite.»"

Der Einstieg fiel mir leicht, denn die Geschichte spielt in Italien, genauer: auf Sizilien. Nun war ich dort zwar noch nie, konnte mich aber gefühlsmäßig sofort dort lokalisieren. Außerdem ist es eine Handlung, die in unserer aktuellen Zeit stattfindet. Bei Fantasy muss man ja grundsätzlich erstmal mit allem rechnen.

Rosa findet sich unversehens bei ihrer Tante Florinda und ihrer Schwester Zoe eingebunden in mafiöse Strukturen wieder, und längere Zeit liest sich der Roman ein wenig wie ein Familien-Mafia-Abenteuer-Liebesroman, wenn da nicht immer mal etwas aufblitzen würde, das jedem normalen Menschen unheimlich wäre...

Rosa ist trotz ihrer erst siebzehn Jahre ungewöhnlich angstfrei und eigenverantwortlich, erlebt gefährliche Abenteuer und lernt nach und nach, was es mit den Arkadiern auf sich hat, von denen besonders einer die Menschen möglicherweise wieder zurück in ein dunkles Zeitalter stürzen könnte.

"Und die Mafia", fragte sie, um sich abzulenken "ist in Warheit nichts als Maskerade? Um den Arkadischen Dynastien so was wie ein offizielles Gesicht zu geben?" Er schüttelte den Kopf. "Nein. Als die Mafia im neunzehnten Jahrhundert entstanden ist, aus Geheimbünden der sizilianischen Großgrundbesitzer, da wurden die Arkadier erst nur zufällig, auf Grund ihrer Geschichte, mit hineingezogen. Viele von ihnen gehörten zum alten Landadel, deine Familie und meine und noch ein paar andere, und so wurden sie Teil von etwas, das sie zuerst sogar abgelehnt haben. Sie fürchteten, dass bei Nachforschungen in Dokumenten und Akten weit mehr Dinge zu Tage gebracht würden als ein paar illegale Geschäfte. Aber schließlich haben die Dynastien erkannt, wie leicht es war, die Cosa Nostra für ihre Zwecke zu nutzen - und dass sie anderenfalls Gefahr liefen, ihren Einfluss auf Politik und Gesellschaft Siziliens an die Mafiaclans zu verlieren. Es ist jetzt drei, vier Generationen her, dass die Arkadischen Dynastien vollends mit der Cosa Nostra verschmolzen sind. Nur wenige Mafiaclans sind Arkadier, aber alle sizilianischen Arkadier gehören zur Mafia."


Und das unheimliche Element? Der Fantasy-Anteil? Ohne zu spoilern kann ich nur sagen: Gestaltwandler.

Ob ich es hier mit "ernstzunehmender Literatur" zu tun habe, kann ich gar nicht sagen, aber das Buch hat mich außerordentlich gut unterhalten. Es ist spannend und lässt sich flüssig lesen. Ich freue mich auf den zweiten Teil, der hier schon bereit liegt.

Samstag, 8. Dezember 2018

Gelesen: Sonntags in Trondheim

Sonntags in Trondheim von Anne B. Ragde
btb - Random House
ISBN 978-3-442-75737-4

Warum dieses Buch? Ein "nachgeschobener" vierter Band zur Trilogie um die Familie Neshov. "Natürlich" musste ich ihn lesen, da mir die anderen drei sehr gut gefallen hatten:

Das Lügenhaus
Einsiedlerkrebse
Hitzewelle

Klappentext:
"Blut ist dicker als Wasser. Das lässt sich zwischen Sonntagsbraten und Familienquerelen leicht aus den Augen verlieren. Bei de Neshovs ist das nicht anders. Einst auf einem Schweinezüchterhof in Trondheim zu Hause, lebt die Sippe inzwischen weit verstreut, man trifft sich nicht einmal mehr zu besonderen Anlässen. Margido etwa besucht den Vater im Altenheim nur ungern und widmet sich mit fast religiöser Hingabe seinem Bestattungsunternehmen. Sein Bruder Erlend, ein schwuler Schaufensterdekorateur, hat sein Glück in Kopenhagen gesucht. Torunn wiederum, die Nichte der beiden, vergeudet ihre Zeit mit einem Mann, der Schlittenhunde züchtet - zu denen sie eine bessere Beziehung unterhält als zu ihm. Als sie an einem Sonntagmorgen beschließt, dass es an der Zeit ist, die alten Familienbande neu zu knüpfen, erleben die Neshovs eine Überraschung..."

Der Einstieg ins Buch fällt leicht, es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, den Kontakt zu den Personen wieder herzustellen. Im ersten Teil wird jeder Familienzweig beschrieben, Jahre nach dem Ende des dritten Bandes.

Torunn lebt als Partnerin des Schlittenhundezüchters, Erlend und Krumme haben mit Lizzy und Jytte drei Kinder, Margido macht sich Gedanken um sein Beerdigungsinstitut und der Großvater lebt stillvergnügt im Seniorenheim. So weit, so gut.

Nicht alle Handlungsstränge werden zusammengeführt, als Torunn sowohl den Großvater besucht als auch einen engeren Kontakt zu Margido herstellt, während sie ihrem Leben eine neue Richtung gibt.

Hier und jetzt, das war wirklich.
Sie hatte es getan, und sie war am Ziel. Es war nicht zu fassen. Sie verspürte nicht nur ein Aufflackern, sondern etwas viel Größeres: Das hier war richtig. Es war das einzig Richtige für sie. Da war eine Ruhe, von der sie auf seltsame Weise überrumpelt wurde. Sie zog das Telefon aus der Tasche und rief Margarete an.
"Jetzt bin ich hier. Jetzt bin ich auf meinem Hof, Margarete."
Unsere Anerbin, sagte Margarete.
"Es regnet und ist dunkel, also brauche ich mich heute Abend nur um Innen zu kümmern. Und ich glaube, das ist gut so. Der Hof war in grauenhaftem Zustand, als ich weggegangen bin, warum sollte er jetzt besser aussehen, um's mal so auszudrücken."
Aber sie schaffte das. Sie wollte auch ihre Mutter anrufen, damit sie das hinter sich hatte. 


Ein nettes Buch, das sich schnell wegliest. Wer die vorherigen drei Bände gelesen hat, fühlt sich vertraut mit den Personen. Aber auch ein Buch, das die Welt nicht braucht, Stückwerk, das kein harmonisches Ganzes ergibt und qualitativ nicht einmal in die Nähe der ursprünglichen drei Bände rückt.

Montag, 3. Dezember 2018

Gelesen: Schwarzes Wasser

Schwarzes Wasser - Die Nordsee-Morde (3) von Isa Maron 
DuMont Buchverlag Köln
ISBN 978-3-8321-6418-8

Warum dieses Buch? Der nächste Band der Nordsee-Morde an der niederländischen Küste.

Klappentext:
"Im Garten einer Villa im Amsterdamer Norden wird ein grausiger Fund gemacht: ein weiblicher Schädel. Bei der Untersuchung des Geländes tauchen weitere Köpfe auf, allen fehlen die Körper. Kommissarin Maud Mertens ist höchst alarmiert - nicht zuletzt, weil sich die Villa in direkter Nachbarschaft zum Elternhaus der Kriminalistikstudentin Kyra Slagter befindet, deren ältere Schwester vor Jahren spurlos verschwand. Bei ihren Ermittlungen im Umfeld der ehemaligen Hausbesitzer stößt Mertens auf eine Mauer des Schweigens. Handelt es sich um ein Verbrechen aus der Vergangenheit, oder lebt der Mörder noch und sucht nach seinem nächsten Opfer?"

Wir begegnen bekannten Personen, nicht nur Maud Mertens und Kyra Slagter, sondern auch weiteren Kriminalbeamten sowie Familienmitgliedern von Maud und Kyra und Tom, der in einem früheren Kriminalfall mit Kyra nach einem Jungen gesucht hatte. Das ist nett, man fühlt sich sofort wieder zuhause, wenn man die vorherigen Bücher gelesen hat, gelegentlich wird Bezug auf die früheren  Fälle genommen. Obwohl dies ein komplett neuer Fall ist, ist es spätestens jetzt ratsam, die ersten beiden Bände gelesen zu haben, damit man wirklich alles versteht.

"Das ändert die Sachlage", sagt Niels und schüttelt den Kopf. Maud weiß, welchen massiven Widerwillen der Name Demsterwold bei ihrem Kollegen auslöst, aber in diesem Augenblick wirkt er eher fassungslos. Vor einigen Jahren hat er den Politiker verdächtigt, an dem Missbrauch und anschließenden Mord an einem kleinen Mädchen beteiligt gewesen zu sein, das in Einzelteilen über das ganze Land verteilt gefunden worden war. So viele blaue Flecken hatte sie nun auch wieder nicht...  Maud hatte sich damals auf die Eltern konzentriert, vor allem die Mutter. War es nicht ihre Aufgabe gewesen ihre Tochter zu beschützen? Gegen den Stiefvater, ja, egal gegen wen.

In diesem Buch rückt zusätzlich zum aktuellen Fall mehr die Geschichte um Kyras verschwundene Schwester in den Vordergrund, wieder recherchiert sie, knüpft neue Kontakte, unternimmt mit Tom eine Reise von Amsterdam bis hinauf nach Norwegen.

Außerdem gibt es immer wieder Sequenzen von Sarah/Béatrice, die allmählich ihr Erinnerungsvermögen zurück erlangt und dringend Kontakt zu Kyra aufzunehmen versucht.

Obwohl der Fall der vergrabenen Köpfe gelöst ist, endet das Buch mit einem heftigen Cliffhanger, so dass ich auch den letzten Band lesen werde.


Meine Meinung: Gut geschrieben, auch spannend, aber als einzelner Krimi eher nicht empfehlenswert, der Leser versteht dann nicht alle Zusammenhänge. Ich mag Serien, von daher ist das für mich in Ordnung. Wer die Nordsee-Morde noch nicht kennt, beginnt besser mit dem ersten Buch.

Dunkle Flut - Die Nordsee-Morde (1) von Isa Maron

Kalte Brandung - Die Nordsee-Morde (2) von Isa Maron

Sonntag, 2. Dezember 2018

Erster Advent

Schon wieder eilt das Jahr mit großen Schritten auf sein Ende zu...

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen einen schönen ersten Advent und eine ruhige Vorweihnachtszeit.

Freitag, 30. November 2018

Gelesen: Die Lebenden und Toten von Winsford

Die Lebenden und die Toten von Winsford - Håkan Nesser
Ramdom House, btb (Taschenbuch)
ISBN 978-3-442-71389-9

Warum dieses Buch? Eine Empfehlung der Buchhandlung im vergangenen Jahr

Klappentext:
"Als ich zu dem Fenster hinaufblickte, entdeckte ich das Gesicht. Es war bleich, fast weiß, und gehörte einem jungen Mann, der uns offenbar beobachtete. Vollkommen reglos, so dass ich mir für einen kurzen Moment einbildete, es handelte sich um eine Puppe. Aber es war keine Puppe. Als wir ungefähr zehn Sekunden so gestanden und einander angeschaut hatten, hob er sachte seine rechte Hand und zog sie quer über die Kehle, die Bedeutung war unmissverständlich."

Dieser Klappentext ist vollkommen irreführend. Ja, es ist eine Szene, ein Moment, aus dem Buch, hat aber gar nicht die besondere Bedeutung, die dem potenziellen Leser nahe gebracht wird und wohl zum Kauf "überreden" soll.

Ich hatte das Buch als Reiselektüre mitgenommen und war zunächst enttäuscht, weil die Geschichte keinerlei Sog auf mich ausübte, die ersten gut vierzig Seiten zogen sich wie Kaugummi dahin und motivierten mich kaum zum Weiterlesen. Allein der Name Håkan Nesser war ein uneingelöstes Versprechen, dass ich doch etwas Gutes in Händen halten sollte, so nahm ich das Lesen in diesem Buch dann irgendwann wieder auf.

Maria fährt im Herbst durch die englische Grafschaft Somerset und mietet für mehrere Monate ein einfaches Haus in Exmoor, einer Heidelandschaft, teilweise einsam, mit häufig nebligem und regnerischem Wetter, wilden Ponys und gemütlichen Pubs in verschiedenen Dörfern.

Maria gibt sich als schwedische Schriftstellerin aus, die in der winterlichen Einsamkeit arbeiten möchte. Ihr Hund Castor begleitet sie.

Ich fragte ihn nicht nach Details, natürlich nicht, und während er erzählte, gewann ich, trotz allem, besagte Zeit und konnte entscheiden, wie viel ich von meinem Ich preisgeben wollte.
Nicht viel, stellte ich fest und blieb bei dieser Linie.
Maria Anderson, Schriftstellerin aus Schweden. Ich glaube sogar, dass es mir gelang, ihm weiszumachen, dass ich unter einem Pseudonym schrieb. Wohnhaft etwas oberhalb von Winsford, wie gesagt, wo genau, erwähnte ich nicht.
Was für Bücher, wollte er wissen.
Romane.
Nein, ich war keine bekannte Autorin. Erst recht nicht im Ausland, aber ich kam über die Runden. Hatte irgendein einjähriges Stipendium bekommen, deshalb hielt ich mich hier auf.
"Und Sie wollen über die Heide schreiben?"
"Ich denke schon."
Anschließend fragte ich ihn, was er mit seiner Bemerkung über den Schatten, den abwesenden Mann und dieses Haus im Süden gemeint habe. 

Nach und nach lernen wir Maria und ihre Geschichte kennen - das Buch besteht praktisch aus einem langen gedanklichen Monolog von ihr. Sie lernt unterschiedliche Menschen kennen, verliebt sich wohl auch ein wenig, und entwickelt eine Strategie. Was es damit auf sich hat, erfährt der Leser ganz allmählich...

Wo steckt eigentlich ihr Ehemann, der Literaturprofessor? Was ist überhaupt in der Vergangenheit passiert? Eine Schlüsselrolle mögen auch die Tagebücher und die Dateien auf einem Laptop spielen.

Längst schon hat man eine tiefe Sympathie für die Protagonistin entwickelt, als man feststellt, dass sie...

Ein Ende, das beinahe "happy" geworden wäre, endet auf fünfzehn Quadratmetern.

Samstag, 24. November 2018

Montag, 19. November 2018

Technik-Update

Technik-Update bei A. - Cyberwoche.

Ja, ein Kindle (Paperwhite) ist dabei. Ich liebe immer noch "echte Bücher" - den Rest hatte ich schon mal verlauten lassen: Gewichtsreduzierung im Handgepäck bzw. der Handtasche. Außerdem Ladegeräte/USB-Kabel als Ersatz für die verschwundenen.

Nun bin ich gespannt.