Montag, 5. April 2021

Gelesen: Drei Frauen am See

Drei Frauen am See von Dora Heldt (Roman)
dtv
ISBN 978-3-423-26206-4

Warum dieses Buch? Die Tochter hat es hier angeschleppt.

Klappentext:
"«Sommer am See 1981» stand über dem verblichenen Foto. Auf einem Steg drei Mädchen, die nackten Füße im Wasser, die Abendsonne im Gesicht. «Wir haben unsere Sommer immer gemeinsam am See verbracht», sagte Marie leise. «Wie ich dieses Haus geliebt habe!»

Marie, Jule, Friederike und Alex: Freundinnen fürs Leben - das sind sie jahrzehntelang gewesen. Alles haben sie miteinander geteilt, bis ins Erwachsenenalter hinein haben sie es geschafft, sich mindestens einmal im Jahr an Pfingsten im Haus am See zu treffen. Doch dann ist etwas geschehen, das ihre Freundschaft bis ins Mark erschütterte.

Zehn Jahre sind seit dem Bruch vergangen, und die Nachricht von Maries Tod trifft jede Einzelne von ihnen mit voller Wucht. Erinnerungen werden wach, alte Wunden reißen auf, und es kommt zu einem höchst unfreiwilligen Wiedersehen..."

Seit dreißig Jahren lese ich keine reinen Frauenbücher mehr, weil ich sie irgendwann einfach lächerlich fand, vielleicht war ich auch nur der Zielgruppe entwachsen.

Nach den beiden grauslich-brutalen Mittelalterkrimis kam mir dieses nun gerade recht, um Abstand zu gewinnen.

Das aktuelle Leben der vier Protagonistinnen wird abschnittweise geschildert, immer wieder unterbrochen von den Tagebuchaufzeichnungen der verstorbenen Marie. Zunächst kam ich mit den Namen etwas durcheinander, aber das gab sich, je mehr ich von der jeweiligen Frau erfuhr. Alle sind sie beruflich sehr erfolgreich geworden, das Privatleben hakelt etwas, man erfährt von den Konflikten, mit denen sie sich herumplagen.

Die Herausforderung besteht in der Befolgung des letzten Willens von Marie, nämlich für ein Treffen zum Haus am See zurück zu kehren. Alle sind zunächst voller Widerwillen, alte Verletzungen die Ursache. Aber da gibt es Hanna, Partnerin von Marie, die dieses Treffen gemäß Absprache mit Marie, die noch vom Krankenbett aus alles genau geplant und festgelegt hatte, regelrecht inszeniert...

Das Buch ist ein großes Lesevergnügen, Dora Heldt schreibt mitreißend und mitfühlend, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.

Sonntag, 4. April 2021

Frohe Ostern

Fast hätte ich meine treuen Leser hier vergessen, ich hatte mal wieder viel zu viel zu machen und zu bedenken...

Ein frohes Osterfest, wenn auch unter Pandemiebedingungen etwas einschgeschränkt, wünsche ich Euch. Genießt die freien Tage, u.U. ja doch mit dem einen oder anderen Familienmitglied. (Hier ist ein Haushalt plus eine Person erlaubt, die Verfügbarkeit und Anwendung von Schnelltests gibt uns etwas mehr Sicherheit.)




Donnerstag, 25. März 2021

Venedig hat Geburtstag

Der 25. März 421 gilt als Gründungsdatum Venedigs. Dazu gibt es eine Homepage, von denen allein das Video-Intro sehenswert ist.

"Secondo una tradizione millenaria,

il 25 marzo del 421 è comunemente riconosciuto come il giorno di fondazione della città di Venezia, come testimonia la fonte manoscritta del Chronicon Altinate e, in tempi più recenti, Marin Sanudo il quale, descrivendo il grande incendio di Rialto del 1514 nei suoi Diarii, scrive:

«Solum restò in piedi la chiexia di San Giacomo di Rialto, la qual fu la prima chiexia edificata in Venetia dil 421 a dì 25 Marzo, come in le nostre croniche si leze.» "

Mittwoch, 24. März 2021

Gelesen: 1794

1794 von Niklas Natt och Dag (historischer Kriminalroman)
aus dem Schwedischen
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-06194-0

Winge und Cardell ermitteln, Band 2/2

Warum dieses Buch? Wie hier.

Klappentext - NEIN, den schreibe ich jetzt nicht ab.

Protagonisten sind der psychotische Bruder des verstorbenen Cecil Winge, Emil, und wieder der traumatisierte Jean Michael Cardell. So weit, so gut.

Der Schriftsteller vermag es, den Leser durch seinen Schreibstil zu fesseln wie im ersten Band. Das ja.

Aber es ist langatmig, und dieses Mal gelingt die Verknüpfung der Schicksale unterschiedlicher Personen nicht, man wartet stets darauf, dass die Geschichte an Fahrt aufnehmen möchte.

Noch mehr Armut, noch mehr Krankeit, die Grausamkeit und Gewalt eskalieren. Vor allem die Beschreibungen der Mißbräuche und Gewalttaten, die immer wieder detailreich geschildert werden, haben mir zugesetzt.

Die letzten hundert Seiten dieses über 500-Seiten-Buches habe ich nur noch quergelesen, um zu sehen, wie die Geschichte aufgelöst wird, ohne zuviel an Gräueln lesen zu müssen. Letztlich werden nicht alle Handlungsstränge gut miteinander verwoben, die Geschichte findet zu keinem echten Ende, die Leserin (ich) bleibt ratlos zurück und erlebt eine schlaflose Nacht angesichts der Bilder ihrer Fantasie.

Ich werde versuchen, diese Romane schnellstens zu vergessen.


Donnerstag, 18. März 2021

Es sind zwei Bücher zu füllen

Ich soll zwei Bücher schreiben.

Tochter packte gestern die beiden Bücher aus und sagte, das seien die Weihnachtsgeschenke für sie und die Schwester. Ich hätte nun ein Dreivierteljahr Zeit, die Bücher mit meinen Erinnerungen zu füllen... 

Erste Blicke hinein sagen mir, dass es sehr aufwändig werden wird. Es ist nicht nur für die Antworten auf fertige Fragen viel Platz zum Schreiben, es sind auch ganze Seiten freigelassen für eigene Gedanken... Und das nun mal zwei, und nicht alles identisch, denn manches bezieht sich ja auch direkt auf mein jeweiliges Kind...
 
Es ist eine tolle Aufgabe, und ich werde mir in Kürze das Schreibgerät zurecht legen, mit dem es am leichtesten läuft.
 


Samstag, 13. März 2021

Gelesen: 1793

1793 von Niklas Natt och Dag (historischer Kriminalroman)
aus dem Schwedischen
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-06131-5

Winge und Cardell ermitteln, Band 1/2

Warum dieses Buch? Bei meinem letzten Besuch einer Buchhandlung im Januar 2020 sprangen mich dieses und der Folgeband förmlich an, möglicherweise auch wegen des ungewöhnlichen Titels und tollen Covers.

Klappentext:
"Im Stockholm des Jahres 1793 geht es den Menschen so schlecht wie noch nie. Der Krieg hat die Staatskasse geleert, um den Thron entbrennt ein erbitterter Machtkampf, und Paranoia und Krankheit bestimmen das Leben der einfachen Leute. Ein beißender Geruch von Verwesung liegt in der Luft, als eine mit höchster chirurgischer Präzision verstümmelte Leiche aus der Stadtkloake Södermalms geborgen wird. Bis auf einen hellblonden Schopf ist nichts Menschliches mehr daran. Der Jurist Cecil Winge, ein begnadeter Ermittler im Dienste der Stockholmer Polizeikammer, steht vor seinem ungewöhnlichsten und wohl auch letzten Mordfall. Die Tuberkulose zehrt an seinen Kräften, und immer wieder suchen ihn Fieberträume heim. Gemeinsam mit Jean Micheal Cardell, einem traumatisierten Veteranen mit einem Holzarm, durchstreift Winge das verruchte Stockholm nach Hinweisen zur Identität des Toten. Doch je näher die beiden der Wahrheit kommen, desto grauenhafter werden ihre Entdeckungen..."

Der Einstieg fiel mir zunächst nicht ganz leicht, die vielen schwedischen Ortsangaben sorgten für Verwirrung gleichzeitig mit den Namen. Es dauerte eine Weile, bis ich "drin" war. Den Schreibstil empfand ich als mitreißend und er sorgte für steten Spannungsaufbau.

Kapitelweise werden Geschichten von ganz unterschiedlichen Personen erzählt, teilweise auch nicht chronologisch, vielfach liegen sie zeitlich lange vor dem grausigen Leichenfund. Stück für Stück werden diese Geschichten mit ihren losen Enden zu einem großen Ganzen verknüpft und man versteht, warum dieser Aufbau logisch ist. Das Ende ist vollkommen überraschend.

Inhaltlich fällt man von einem Grauen ins nächste: Es ist eine Zeit voller Armut, Krankheit und Brutalität, ein Menschenleben ist nichts wert. Die Stadt scheint eine einzige Kloake zu sein, alle Gewässer sind verseucht mit allen Arten von Abwässern, man meint förmlich, den Gestank wahrzunehmen. Die Verstümmelung der aus dem Wasser gefischten Leiche und die Umstände der Tat werden aufs Genaueste geschildert, ebenso wie vielfältige weitere Folter- und Strafmethoden.

Für mich war das Buch ein Pageturner, aber es ist nichts für schwache Nerven: So viel Grausamkeit und Brutalität habe ich bisher in keinem anderen Buch gefunden, obwohl ich mit meiner Vorliebe für Krimi/Psycho/Thriller einiges gewohnt bin.

Der Folgeband wartet hier schon auf mich, und ich bin gespannt, wie lange der todkranke Protagonist  Cecil Winge noch durchhält und ob der einarmige Veteran Cardell vielleicht sein Glück mit der verwitweten Wirtstochter finden wird, die in Wirklichkeit gar nicht die Tochter ist...


Samstag, 6. März 2021

Abgebrochen: Ein angesehener Mann

Ein angesehener Mann (Roman) - Abir Mukherjee
aus dem Englischen "A Rising Man"
Wilhelm Heyne/Random House
ISBN 978-3-453-42173-8

Warum dieses Buch? Es gehört meiner Großen, also wieder Zweitverwertung

Klappentext:
"April 1919. In Black Town, jenem riesigen Teil Kalkuttas, in dem nur die indische Bevölkerung lebt, wird die Leiche eines weißen Mannes gefunden. Das allein ist schon ungwöhnlich. Doch noch seltsamer ist, dass es sich bei dem Ermordeten um einen engen politischen Berater des britischen Lieutenant-Governors handelt, des höchsten und mächtigsten Mannes in ganz Bengalen. Handelt es sich bei dieser Tat um einen Terrorakt der indischen Unabhängigkeitsbewegung? Captain Sam Wyndham, ein ehemaliger Scotland-Yard-Ermittler, der noch keine zwei Wochen in Indien weilt und große Schwierigkeiten hat, sich an das zerrissene Land und seine Gepflogenheiten zu gewöhnen, steht vor seinem ersten Mordopfer in Kalkutta."

Es ist nicht mein erster Roman, der in der Kolonialzeit in Indien spielt, und auch das Setting ist in Ordnung. Trotzdem: Die Geschichte ist sehr zäh und langweilig. Ich hatte den Roman vergangenen Sommer begonnen und nach fast 170 Seiten abgebrochen. Nun gehört ja zu meinem 2021-Leseprojekt, auch den abgebrochenen Büchern eine zweite Chance zu geben, aber ich war nach fast 40 Seiten schon wieder genervt und gelangweilt. Entschuldigung, aber das geht für mich gar nicht.

Ich lese die Amazon-Beurteilungen ja immer erst, nachdem ich meine eigene Buchbesprechung verfasst habe, war dieses Mal aber neugierig, wie das Buch bei der breiten Leserschaft ankommt: Viele sind voll des Lobes, aber es gibt doch einige sehr kritische Rezensionen, die mit mir einer Meinung sind, so bin ich nicht ganz die einzige Person, die sich hier nur langweilen konnte...