Sonntag, 29. Juli 2018

Gelesen: Nur die Liebe bleibt

Nur die Liebe bleibt - Stefanie Zweig (Roman)
Heyne Taschenbuch
ISBN: 978-3-453-40156-5

Warum dieses Buch? Vom Tisch mit Mängelexemplaren mitgenommen, da mir "Jenseits von Afrika" so gut gefallen hatte.

Klappentext:
"Hoffnung und Angst bewegen den Vater auf der Flucht vor den Nazis 1938 von Leobschütz in Oberschlesien nach Ol' Joro Orok im Hochland Kenias; falsche Vorstellungen von einem neuen Leben begleiten seine Frau Jettel auf der Reise nach Hamburg, wo sie mit ihrer Tochter Regina das Schiff nach Afrika nimmt. Auf der Weiterfahrt von Mombasa nach Nairobi kommt es für Regina zur entscheidenen Begegnung mit Afrika. Ein Stück Zeitgeschichte, erlebt von Menschen, die ihre Heimat liebten und nicht zu Hause bleiben durften.
Die Schicksalspunkte im Leben der Familie Redlich sind durch Zugfahrten markiert, die der Autorin zum stilistischen Mittel dieses Romans werden. Mit feinen Wahrnehmungen und einer berührenden Vertrautheit gelingt ihr ein zeithistorisch bedeutendes Werk."

Ein leises Buch. Es handelt vom Abschied, immer und immer wieder.

Walter Redlich steht auf dem Bahnsteig von Leobschütz in Oberschlesien und wünscht sich, seine Familie würde jetzt gehen, um ihm den Abschied leichter zu machen. Als Jude auf der Flucht vor den Nazis auf dem Weg nach Afrika scheint er sich von allem und jedem gedanklich zu verabschieden, ganz besonders natürlich von seiner verwöhnten und streitlustigen Frau Jettel und der Tochter Regina, die schon früh lernen muss, in der Öffentlichkeit möglichst nichts zu sagen und nicht auf sich aufmerksam zu machen.

Er ist schließlich unterwegs nach Genua, von wo aus er mit dem Schiff nach Afrika reisen wird. Schmerzlich vermisst er seinen Freund, der aber später zusteigt, um ihn bis Genua zu begleiten. Immer wieder wird man Zeuge der Angst, die Walter unterwegs hat, Angst davor, als Jude erkannt zu werden, dem man unterwegs die Ausreise unmöglich machen könnte.

Es war eine Nacht mit Sternen. Sie funkelten so intensiv, als hätten die himmlischen Scharen beschlossen, dass auf Erden nur noch das Schöne und Gute geschehen dürfte. Der Zug drängte immer schneller in den Süden. Von den Schienen hörte der Davongekommene die verheißungsvolle Botschaft von Aufbruch und Neubeginn. Für den Moment der Gnade, da sich seine Seele betrügen ließ, schwor Walter, künftig mit dem alten Kinderglauben Gott zu vertrauen und nie mehr dem Kleinmut des Zweiflers nachzugeben.

Monate später wird der Abschied von Jettel und Regina thematisiert, die Zugfahrt nach Hamburg, das Bemühen von Jettel, die Tochter mit ihrem vorlauten Mundwerk ein wenig im Zaum zu halten, die Angst vor einer mit dem "Mutterorden" hochdekorierten Mitreisenden.

Ruhig erzählt, macht dieser Roman es möglich, die Ängste und Gefahren, denen Juden im III. Reich ausgesetzt waren, nachzuempfinden.

Auf dem letzten Stück der Reise mit dem Zug von Mombasa nach Nairobi verliebt sich Regina in Afrika.

Der Aufenthalt in Afrika wird nicht allzu ausführlich geschildert, die Familie lebt in relativer Armut, bis Walter eine Anstellung beim britischen Militär findet und man von der Farm umzieht in die Stadt, wo dann Jettel auch ein wenig mehr von der Aufmerksamkeit bekommt, nach der sie sich sehnt.

Schließlich bekommt Regina einen kleinen Bruder, den sie zu beschützen sich selbst versprochen hat. Nach Kriegsende zieht es Walter und Jettel zurück nach Deutschland, wo sie in Heidelberg landen, denn Oberschlesien ist mittlerweile polnisch, und man wird die Heimat nie wieder sehen.

Eine eindringlich beschriebene Geschichte, die nach meinem Empfinden ein Vorläufer von "Jenseits von Afrika" sein müsste.


Ein wunderbares Buch.

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