Sonntag, 1. Juli 2018

Gelesen: Eisenberg

Eisenberg - Andreas Föhr (Krimi)
Knaur-Taschenbuch
ISBN 978-3-426-51765-9

Warum dieses Buch? Noch ein Andenken aus der Buchhandlung in Göttingen.

Klappentext:
"Ein Opfer, das grausam stirbt.
Ein Verdächtiger, der nicht verteidigt werden will.
Eine Anwältin, die um die Wahrheit ringt.

Eine junge Frau wird auf bestialische Weise ermordet, und alle Spuren belasten einen obdachlosen Mann. Anwältin Rachel Eisenberg übernimmt widerstrebend seine Verteidigung. Als sie ihrem Mandanten zum ersten Mal gegenübersitzt, ist sie jedoch fassungslos: Sie kennt den Mann - oder glaubte das zumindest..."

Zufällig ist es mir gelungen, den ersten Band einer neuen Serie zu kaufen. Auch der Autor war mir bis dahin unbekannt.

Zunächst gibt es zwei Erzählstränge, deren Handlungen nur wenige Monate auseinander liegen, und ich war erst ein wenig irritiert, gleichzeitig auch neugierig, wie diese beiden Geschichten wohl zusammengeführt werden würden. Und: Es ist gelungen, sehr gut sogar!

Im Mai 2015 wird eine grauslich zugerichtete Frauenleiche in einem Park gefunden, sehr schnell gerät ein Obdachloser ins Visier der Ermittlungsbehörden. Er wird verhaftet und kommt in Untersuchungshaft, wird angeklagt. Eine junge Obdachlose bittet die Anwältin Eisenberg um Übernahme der Pflichtverteidigung. Als sie dem Gefangenen erstmals gegenüber sitzt, stellt sie zu ihrer Verwunderung fest, dass es sich bei dem Obdachlosen um ihre einstmals große Liebe, Professor Heiko Opitz, jetzt Gerlach, handelt.

Der zweite Erzählstrang spielt im Januar 2015 und handelt von einer Kroatin, die mit ihrer neunjährigen Tochter auf der Flucht nach Deutschland ist, gefangen und bedroht wird, schließlich mit der Tochter fliehen kann und dann doch von der Bildfläche verschwindet. Aber es gibt eine junge Frau, die eine Vermisstenanzeige aufgibt...

Der Krimi erzählt auch von den Lebensverhältnissen der Anwältin Rachel Eisenberg, ihren persönlichen Konflikten und ist ein großartiger Gerichtsroman. Rachel und ihr Kanzleipartner, bezeichnenderweise ihr getrenntlebender Ehemann, auch die Angestellten, ermitteln, finden Widersprüchliches. Immer wieder ergeben sich neue Perspektiven während der laufenden Gerichtsverhandlung.

Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in amerikanischen Fernsehserien spazierte Rachel nicht im Gerichtssaal herum, sondern blieb sitzen und beschränkte sich auf Sichtkontakt mit dem Zeugen. Kommissar Glasmüllers Körperhaltung wurde eine Nuance verspannter, als Rachel das Wort an ihn richtete. Er war ihr schon einige Male vor Gericht begegnet. Meistens kamen von ihr Fragen, die Versäumnisse in den Ermittlungen aufdeckten. Versäumnisse gab es natugemäß immer. Aber nicht jeder Anwalt wusste, wo er nachhaken musste, falls er die Akten überhaupt vollständig gelesen hatte. Frau Dr. Eienberg schien in der Hinsicht über einen Röntgenblick zu verfügen.

Als man glaubt, das glückliche Ende zu kennen, ergibt sich eine überraschende und dramatische Wendung.

Mehr zu erzählen, hieße zu spoilern.


Uneingeschränkte Empfehlung. Ich freue mich schon auf die Folgeromane.

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