Samstag, 17. Juni 2017

Gelesen: The Girl Before

The Girl Before (Roman/Thriller)
von JP Delaney, aus dem Englischen von Karin Dufner
Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10099-7

Warum dieses Buch? Offenbar ein Hype.
Das derzeit wohl meistgelesene Buch meiner Facebook-Bücherlesegruppe.

Klappentext:
"Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht allein bin. Manchmal glaube ich, dass dieses Haus mich beobachtet. Etwas muss hier geschehen sein. Etwas Schreckliches.

Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr."

Es werden parallel zwei Geschichten erzählt, deren abwechselnde Kapitel jeweils beginnen mit:

Damals: Emma
Heute: Jane

Das hat natürlich einen Grund, der Leser mag ihn sich denken: Die Geschichten der Bewohnerinnen dieses ganz besonderen Hauses haben einiges gemein.

Das Haus in der Folgate Street Nummer 1 steht seit über einem Jahr leer, als Jane (ich muss direkt nachschauen, war es Emma mit Simon oder doch Jane?) bei ihrer Wohnungssuche durch ihre Maklerin darauf aufmerksam gemacht wird.

Es ist ein hochmodernes Haus, elektronisch gesteuert, sehr schlicht, was die Einrichtung betrifft, dabei raffiniert hinsichtlich des Komforts. Auch der Überwachung?

Nahezu spartanisch möbliert, so gibt es doch alles, was ein Bewohner braucht - wenn er denn mit den Bedingungen des sehr ungewöhnlichen Mietvertrages einverstanden sein mag.

Heute: Jane
Camilla lächelt verhalten. "Wenn ich eine der Bedingungen sage, heißt das, eine der klarsten. Wissen Sie, was eine Nutzungsbeschränkung ist?"
Ich schüttle den Kopf.
"Das ist eine Rechtsvorschrift, die auf ewig für eine Immobilie gilt, etwas, das sich selbst beim Verkauf des Hauses nicht aufheben lässt. Normalerweise wird sie auf Nutzungsrechte angewendet - ob das Haus kommerziell genutzt werden darf und so weiter. Bei diesem Haus sind diese Bedingungen Teil des Mietvertrages, sie sind nicht verhandelbar und können auch nicht geändert werden. Es ist ein ausgesprochen strenger Vertrag."
"Wovon genau reden wir?"
"Im Grunde genommen handelt es sich um eine Liste von Geboten und Verboten. Nun, zum Großteil sind es Verbote. Keine Veränderungen irgendwelcher Art, sofern nicht vorab genehmigt. Keine Teppiche. Keine Bilder. Keine Zimmerpflanzen. Keine Bücher..."
"Keine Bücher! Das ist doch lächerlich!"
"Keine Anpflanzungen im Garten. Keine Vorhänge..."
"Und wie kriegt man das Zimmer ohne Vorhänge dunkel?"
"Die Fenster sind lichtsensitiv. Sie verdunkeln sich, wenn es draußen dunkel wird."
"Also keine Vorhänge. Sonst noch etwas?"
"Oh, ja", erwidert Camilla, ohne auf meinen sarkstischen Ton zu achten. "Insgesamt gibt es etwa zweihundert Klauseln. Doch es ist die letzte, die die meisten Probleme verursacht." 

Damals: Emma
... keine Lampen, außer denen, die schon da sind, sagt der Makler. Keine Wäscheleinen. Keine Papierkörbe. Rauchen verboten. Keine Glasuntersetzer oder Platzdeckchen. Keine Sofakissen, keine Deko-Objekte, keine Möbel zum Selbstzusammenbauen..."

Jane hat vor kurzem ein totes Mädchen zur Welt gebracht, ihren einträglichen Job getauscht gegen eine Teilzeitarbeit in einer Sebsthilfeorganisation, sie braucht dringend eine preiswerte Wohnung und einen persönlichen Neuanfang. Zur Wohnungsbewerbung gehört die Beantwortung eines umfangreichen Fragebogens. Nachdem der Architekt und Eigentümer diesen offenbar wohlwollend gelesen hat, wird sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeleaden und darf tatsächlich Mieterin eines Hauses werden, das mittels einer "Housekeeper"-Software alles, wirklich alles, steuert.

Housekeeper registriert ihre Gewohnheiten, steuert Licht, Wärme, die bevorzugte Wassertemperatur beim Duschen - und die Internet-Suche! Statt google zu bemühen, schaltet sich Housekeeper dazwischen, speichert ihre Suchanfragen und filtert die Ergebnisse.

Der Architekt, Edward, interessiert sich für Jane, beginnt eine Beziehung mit ihr (solange sie "perfekt" ist!) und zieht (eine einzige Ledertasche als Gepäck genügt) bei Jane ein. Inzwischen hat Jane von Emma und Simon erfahren, recherchiert heimlich - wobei sie "Housekeeper" austrickst und über das ungesicherte WLAN ihres Nachbarn ins Netz geht ... Nimmt Kontakt zu Simon auf... und gerät allmählich in Gefahr.

Dann fallen immer wieder Funktionen ihres Hauses aus, beginnend mit dem Warmwasser der Dusche... "Housekeeper" verlangt mal wieder die Beantwortung von allerlei persönlichen Fragen, bevor die Elektronik ihre Arbeit weiterhin tut...

Jane, mittlerweile ungeplant schwanger und von Zweifeln geplagt, hat inzwischen Emmas Geschichte erforscht, gerät in Gefahr.

Das Ende der Geschichte ist sanft und leise - ich hätte mir einen fulminanten Schluss gewünscht - aber eindringlich genug, um mir tagelang nicht aus dem Kopf zu gehen.


Ein spannender und von der Thematik her vollkommen ungewöhnlicher Psychothriller.

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