Samstag, 11. März 2017

Gelesen: Der Schatten des Chamäleons

Der Schatten des Chamäleons (Psychothriller)
von Minette Walters
Goldmann Taschenbuch
ISBN 978-3-442-46796-9

Warum dieses Buch? Vom öffentlichen Bücherschrank mitgenommen, weil Minette Walters für Qualität bürgt.

Klappentext:
"Das Fremde in dir - wehe, wenn es erwacht!
Charles Acland erleidet eine schwere Kopfverletzung, die nicht nur sein Gesicht zeichnet, sondern vor allem seine Seele zutiefst verwundet. Der bisher als heiter und offen geltende Charles entwickelt sich zu einem unberechenbaren Mann, der seine Umwelt terrorisiert. Das Beängstigende: Charles ist sich seiner Persönlichkeitsveränderung bewusst, steht aber seinen eigenen Ausbrüchen vollkommen hilflos gegenüber. Als er nach einer Auseinandersetzung mit einem Mann in den Verdacht gerät, mit einer Mordserie in Verbindung zu stehen, sind weder er noch die Polizei sich sicher, ob er der gesuchte Killer ist ..."

Eingeflochten in die eigentliche Handlung sind immer wieder Zeitungsberichte, Arzt- und Polizeiprotokolle. So beginnt denn dieses Buch gleich mit der Schlagzeile "Mordopfer brutal erschlagen."

Bei einem Sprengstoffattenat im Irak wird Charles Acland schwer verletzt. Zwei seiner Kameraden sterben dabei, er wird nach Birmingham ausgeflogen, wo er mehrfach operiert wird. Ein Auge ist nicht zu retten, so dass er piratengleich künftig eine Augenklappe trägt, seine eine Gesichtshälfte wird metallverstärkt und hauttransplantiert so gut es geht wieder aufgebaut. Jedoch bleibt der 26jährige Charles Acland, Lieutenant Charles Acland, um genau zu sein, für den Rest seines Lebens entstellt.
Noch im Krankenhaus wird er von Dr Willis psychiatrisch betreut, auch von Dr. Willis finden wir im Buch Auszüge aus Protokollen. Bald fällt auf, dass Charles ein problematisches Verhältnis zu seiner Mutter hat sowie mit Aggression reagiert, so bald die Sprache auf seine Ex-Verlobte kommt.

Acland sah sich die kleine Pantomime an, wie sein Vater überfürsorglich seine Mutter ins Zimmer geleitete, um Abschied zu nehmen, und fragte sich, weshalb er überhaupt keine Schuldgefühle hatte. Vermutlich lag es daran, dass er diese Frau endlich in die Knie gezwungen hatte. Er fügte sich ihrem Bedürfnis, alles Unangenehme unter den Teppich zu kehren, und sagte, es täte ihm leid, ja ließ sich von ihr sogar auf die Wange küssen, aber sie wussten beide, dass es Theater war. Der Händedruck, mit dem er sich von seinem Vater verabschiedete, war etwas herzlicher, doch auch nur, weil er wusste, welche Vorwürfe den Mann wegen des Fehlverhaltens seines Sohnes erwarteten.

Mehr und mehr neigt er zu unvorhersehbaren Gewaltausbrüchen, was ihm, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen ist und er in einem Pub massiv überreagiert, die Bekanntschaft von Dr. Jackson, die sich selber nur "Jackson" nennt, einbringt. Jackson ist eine bemerkenswerte Frau, Notärztin und bodenständig, die im Laufe der Handlung ganz offensichtlich zu einer guten Freundin wird.

"Klasse," sagte Jackson brummig. "Wirf mal ein Geschirrtuch rüber, Daisy." Sie fing das Tuch auf und reichte es Acland. "Nehmen Sie das," befahl sie. Dann zog sie ihn hoch und hievte ihn über ihre Schulter. "Und versauen Sie mir ja nicht meine Sachen, sonst kostet Sie das noch mal einen Fünfziger." Vor den beiden Polizisten blieb sie kurz stehen. "Ich schlag ihn k.o., wenn er Amok laufen sollte," erklärte sie. "Kommen Sie mir also nicht mit schwerer Körperverletzung, wenn er sich hinterher bei ihnen beschwert."
"So viel Herz, Jackson."
"Wie wahr," stimmte sie zu und trug ihre Last davon, als wäre sie nicht schwerer als ein Kind. 

Der zunächst andere Handlungsstrang dreht sich um die Aufklärung dreier Mordfälle. Während der polizeilichen Ermittlungen gerät auch Charles immer wieder ins Visier ...

Wie sich die Geschichte entwickelt, welche Personen noch eine Rolle spielen und welche fast unerwartete Wendung (fast, weil ich sie von einem bestimmten Moment an vorher gesehen hatte) es gibt, könnt Ihr selbst erlesen.

Ein wirklich intelligenter Krimi, der in die Abgründe menschlichen Verhaltens taucht, geschrieben in einer Art, die mich das Buch nicht hat zur Seite legen lassen wollen...

Aber Psychothriller? Psycho ja, aber Thriller für mich nicht, dafür fand ich das Buch bzw. die Handlung nicht spannend genug. Trotzdem gern gelesen und eine Empfehlung wert.

Kommentare:

  1. Hallo Gudrun,
    von Minette Walters habe ich schon lange nichts mehr gelesen. Das Buch hört sich richtig gut an. Danke für deine Rezension und Empfehlung.
    LG Sonja

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  2. Hallo,
    Minette Walters ist irgendwie völlig von meiner "Liste" verschwunden. Danke für Deine Rezi und Erinnerung an eine tolle Autorin von der ich schon einiges gelesen habe,
    LG Anja

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    1. Danke auch dir für deinen netten Kommentar, Anja.

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