Mittwoch, 23. November 2016

Gelesen: Die Engelmacherin

Die Engelmacherin von Camilla Läckberg, Kriminalroman
Aus dem Schwedischen "Änglamakerskan"
Ullstein Taschenbuch,
ISBN 978-3-548-28684-6

Warum dieses Buch? Ein Schnäppchen vom Remittendentisch.

Klappentext:

"Du hast schon alles verloren, doch jetzt wünscht dir jemand den Tod
Im alten Schulhaus auf der Insel Valö wird ein Mordanschlag auf die junge Ebba Stark verübt. Kommissar Patrik Hedström vernimmt die verstörte Frau, die gerade erst nach Fjällbacka zurückgekehrt war, um den tragischen Tod ihres kleinen Sohnes besser zu verkraften. Schriftstellerin Erica Falck, Patriks Frau, vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag auf Ebba und der Geschichte ihrer Eltern. Die Elvanders verschwanden Ostern 1974 ohne jede Spur. Sollte dieser ungeklärte Fall der Grund für den Mordversuch gewesen sein?"

Angeblich von der erfolgreichsten Schriftstellerin Schwedens verfasst, hoffte ich auf eine würdige Nachfolgerin von Henning Mankell.

Die Geschichte beginnt vielversprechend:

Sie hatten versucht, die Trauer wegzurenovieren. Beide waren sie nicht überzeugt, dass dies ein guter Plan war, aber sie hatten keinen anderen. Die Alternative wäre gewesen, sich hinzulegen und nie wieder aufzustehen.

Auf den ersten vierzehn Seiten werden bereits zwei Paare vorgestellt, sich ihnen langsam genähert.

Dann folgt der erste von vielen weiteren Rücksprüngen, dass viele weitere folgen würden, stellte sich im Verlaufe des Lesens heraus. So am Anfang wirkte der Aufbau durchaus "mankellesk" und ließ Raum für Spekulationen.

Fjällbacka 1908 - Der Beginn einer Familienkatastrophe. Charaktere, Ereignisse, Drama.

Dagmar sah, wie ihre Mutter zusammenbrach. Die Wange brannte immer noch höllisch, und ihr Herz klopfte wie wild. Ringsherum schrien die Kinder, als würde die Welt untergehen. Vielleicht war das ja auch der Fall. Denn obwohl Dagmar nicht begriff, was hier passierte, verriet der Gesichtsausdruk ihrer Mutter, dass soeben deren Leben zerstört worden war.

Und weiter in der Gegenwart.

Und nun wurde es für mich als Leserin sehr anstrengend und verworren. Selbst wenn man berücksichtigt, dass vorn im Buch ein Personenverzeichnis aufgeführt ist, habe ich während des Lesens oft nicht gewusst, vom wem eigentlich gerade die Rede war, wer mit wem verbandelt, verwandt oder Kollege ist: Viele Paare mit und ohne Kinder, verstorbene Kinder, Geschwister, geschiedene Partner, die Belegschaft einer Polizeistation, ein Journalist, ein Politiker - der allerdings ist nicht aufgelistet, genau so wie die Personen der Vergangenheit und die ehemaligen Internatsjungen.

Ebba und Mårten sind nach dem Tod ihres Kindes auf die Schäreninsel Valö gekommen, um das leer stehende Haus, ehemaliges Internat, Erbe von Ebba, in Besitz zu nehmen und zu renovieren. Der Verlust ihres Sohnes hat sie voneinander entfernt, und sie können nicht gut miteinander umgehen, stecken in ihrer Trauer fest.

Zuerst kommt es zu einer Brandstiftung. Dann machen sie beim Entfernen von Bodendielen eine Entdeckung, die die komplette Polizeimaschinerie von Fjällbacka in Gang setzt. Und es trifft eine Postkarte mit einer Morddrohung ein.

Einschließlich der Aktivitäten von Erica, Ehefrau des Polizisten Patrik und Mutter kleiner Kinder. Erica ist Schriftstellerin mit detektivischem Gespür und ihre Recherchen werden letztlich von der Polizei geduldet. Gemeinsam mit einem Journalisten kommt sie einem hohen Politiker auf die Spur, der rechtslastiges Gedankengut verbreitet und eine größere Aktion plant...

Es werden Personen inmitten ihres gegenwärtigen Lebens und Versagens vorgestellt, die man erst langsam als Hauptdarsteller aus der Vergangenheit erkennt.

Immer wieder eingeschoben sind die Sequenzen der deprimierenden Frauenleben seit 1908 bis in die Gegenwart:
1908/1912: Helga Svensson wird als Kindsmörderin festgenommen und verurteilt, die Tochter Dagmar kommt in eine Pflegefamilie, wird dort misshandelt und missbraucht.
1919: Dagmar ist eine schöne junge Frau und hat eine Anstellung als Dienstmädchen in einem gehobenen Haushalt, verkauft dann und wann ihren Körper an Gäste. Anlässlich eines Festes lernt sie einen gut aussehenden deutschen Flieger kennen, der schon damals prominent ist: Hermann Göring. Sie verliebt sich, aber er verschwindet sang- und klanglos.
Jahre später führt sie mit Tochter Laura ein armseliges Leben, ertränkt ihren Kummer über ihre verlorene Liebe im Alkohol und spricht ständig von Hermann, "der sie bald nach Hause holen wird."
Auf Laura folgt Inez, folgt Ebba...

Ebba wurde als Kleinstkind gefunden, allein im Eßzimmer des Internats, wo die gesamte Familie direkt vom Osteressen, der Tisch war noch gedeckt, spurlos verschwunden war.

Patrik dachte einen Augenblick lang an Ebbas Vergangenheit. Nicht viele Durchschnittsbürger trugen ein solches Geheimnis mit sich herum. In Fjällbacka und Umgebung hatte man sich die wildesten Geschichten über das erzählt, was Ebbas Familie zugestoßen war.
"Außer..." Mårten warf Ebba einen fragenden Blick zu, doch die schien nicht zu wissen, worauf er hinauswollte. Er sah sie durchdringend an. "Das Einzige, was mir dazu einfällt, sind die Glückwunschkarten."
"Glückwunschkarten?" fragte Martin.
"Seit ihrer Kindheit bekommt Ebba zu jedem Geburtstag eine Karte von jemandem, der nur mit G unterschreibt. Ihre Adoptiveltern haben nie herausbekommen, wer dahintersteckte. Die Glückwunschkarten kamen auch noch, nachdem sie von zu Hause ausgezogen war." 

Es braucht sorgfältige Recherchearbeit, die letztlich die Knoten der Gegenwart löst, die Verwicklungen und Handlungen der Vergangenheit klärt, in einem geheimen Verlies den Inhalt dreier Kisten erklärt und aus allem eine zusammenhängende Geschichte macht.


Meine Meinung: Fast hätte ich abgebrochen. Die Geschichte liest sich zäh, die viel zu vielen Personen verwirren. Die Beziehungen der Personen untereinander, deren Befindlichkeiten, waren anstrengend zu verfolgen. Es dauerte etwa 2/3 des Buches, bis die Geschichte allmählich Fahrt aufnahm und sich beinahe Spannung entwickelte.

Keine Empfehlung, kein nochmaliges Lesen, Buch wird weiter gegeben werden.

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