Freitag, 14. Oktober 2016

Lebensqualität und Arbeit

(Ich schreibe manchmal etwas für einen geschlossenen Bereich "Chronisch krank & Lebensqualität" - und da es diese meine Texte nun mal gibt verankere ich sie, leicht modifiziert, auch hier. Neues Label = LQ (für Lebensqualität)

Ich war heute die meisten Stunden total allein im Büro und hoffnungslos überlastet: Meine Kollegin ist im Urlaub, freitags ist meine Chefdame nie anwesend... und alle Männer hatten Termine und fuhren irgendwo in der Weltgeschichte herum.

Ich mache Auftragsbearbeitung und nehme 99% aller eingehenden Telefonate an, habe natürlich auch selber Gespräche zu führen... Als Handwerksbetrieb gibt es auch dringende Fälle, Notdiensteinsätze usw.

Durch die Abwesenheit der Kollegin habe ich also gerade alles für zwei Abteilungen bzw. vier Kollegen, und besonders ein Bereich ist unglaublich papierintensiv. (Ich verzichte auf ein Foto, weil mein Chef möglicherweise etwas dagegen haben könnte.)

Dadurch, dass der Freitag immer nur ein halber Arbeitstag bei uns ist, muss ich natürlich (und ich arbeite sowieso immer schon schnell) alles ein paar Umdrehungen schneller machen.

Und das ist der Knackpunkt:
Steigt der Arbeits-/Zeitdruck, bleibt mir nämlich langsam und sicher immer mehr die Luft weg. (Abgesehen davon, dass ich meine Wege durch die Räume immer noch viel zu schnell gehe und hinterher mich selbst schnaufen höre!) Also je größer der Druck, desto weniger die Luft. Was außer mir niemand bemerkt. Aber ich bin ja auch wichtig! In dem Moment, wo ich das feststelle - und hier kommen wir dann auch zur Lebensqualität! - mache ich einen Moment lang erstmal gar nichts und besinne mich. Am Ende des Arbeitstages spielt es doch keine Rolle, ob ich einen Zettel mehr oder weniger bearbeitet habe, so lange die wichtigsten Dinge erledigt sind.

Ich "fahre mich runter." Ganz bewusst. Dann geht es auch wieder mit der Luft. Schluck Kaffee oder Wasser, tief durchatmen, beim nächsten Anrufer lächeln und betont geduldig sein...

Schön wär's... Ich habe nämlich seit über 20 Jahren ein Knie "mit Macke" - lt. Orthopäden inoperabel, auch nicht dramatisch - aus ärztlicher Sicht. Aber es kommt vor, dass sich irgendwelche Bändergeschichten im Gelenk verklemmen, das schmerzt nicht nur ungemein, sondern legt mich auch total lahm, ich kann dann nicht einen einzigen Schritt gehen. Es gibt so Momente, da will sich etwas einklemmen, es "schnappt" plötzlich irgendwas FAST zu - und im letzten Moment rückt alles wieder an seinen Platz. Alles gut, Glück gehabt, Knie ist etwas empfindlich hinterher, aber das geht vorbei. Kenne ich alles.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich glaubte mich also beruhigt zu haben, bekam prima Luft, die Arbeit lief - da sagte mein Kniegelenk kurz "Hallo!" zu mir. Ich sehe es als Warnung.

Lebensqualität? Na klar, es ist alles sehr gut gegangen und ich sitze zuhause mit einem Gläschen Wein, während ich Euch das erzähle.

Lebensqualität bedeutet eben auch, auf sich zu achten...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen