Mittwoch, 7. September 2016

Gelesen: Die Frau, die Männer mochte

Die Frau, die Männer mochte - als "Roman" tituliert, aber mindestens ein Krimi oder Psychodingens
von Petra Hammesfahr
Diana Verlag/Random House
ISBN 978-3-453-35845-4
Dieses ist der erste Roman von Petra Hammesfahr und erschien erstmalig nach 25 Jahren in neuer Auflage und um 100 Seiten erweitert. Er erschien zuvor 1991 unter demselben Titel beim Verlag Bastei Lübbe, Köln.

Warum dieses Buch? Ein Griff vom Remittendentisch.

Klappentext:
"Die Restaurantbesitzerin Marisa Behrend gab zurück, was sie bekam: Liebe, Zuwendung, Treue, Freundschaft. Jeder wusste das, alle bewunderten sie. Und dennoch musste sie jemand so gehasst haben, dass er sie nackt, ans Bett gefesselt, umbrachte. Ein Gast? Der Liebhaber? Ihr Arzt? Als Kriminalhauptkommissar Rolf Wegener die Ermittlungen aufnimmt, ahnt er nicht, in welchen Abgrund er hineingezogen wird. Zu spät erkennt er die Gefahr für sich selbst ...

Petra Hammesfahr macht aus den dunklen Seiten des Lebens Hochspannung.…"

Der Roman beginnt damit, dass die Erntehelferin Swetlana stirbt. Diese Tatsache ist erst spät in der Geschichte von gewisser Bedeutung und als Hintergrundinformation notwendig.

Marisa Behrend wird in entwürdigender Pose in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Mit der Aufklärung des Falles wird Kriminalhauptkommissar Rolf Wegener betraut, ihm zur Seite gestellt wird Simon Pauli, Kommissar zur Anstellung, eine Art Azubi.

In diesen Fall scheint die gesamte Lokalprominenz des Ortes verwickelt zu sein, und zunächst hat es den Anschein, als habe man an höchster Stelle versuchen wollen, die Tat zu vertuschen und als "natürlichen Tod durch Herzinfarkt" zu bezeichnen.

Es kommen viele Personen vor, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist, dieses macht es dem Leser einfacher, der Geschichte folgen zu können. Insbesondere die Putzfrau der Ermordeten, ihr Sohn und dessen Freundin, Krankenhausärzte, politische Prominenz, natürlich der vorgenannte Simon Pauli, der sich als außerordentlich tüchtig erweist, Ellen Wegener und Rolf. Natürlich.

Während Rolf durch die Befragung der Beteiligten allmählich ein genaues Bild von Marisa bekommt, wird er dadurch förmlich "getriggert," er bildet sich ein, er hätte sie kennenlernen sollen... jedoch war er bisher auf seinem zweiwöchentlichen Weg zu seiner Mutter stets auf der Landstraße an ihrem Lokal, dem "Waldschlösschen" vorbei gefahren.

Dass um jedes ihrer Hand- und Fußgelenke ein schwarzes Seidenband geschlungen war, fiel ihm wegen des dunkelblauen Satinlakens erst auf, als er die Streifen an ihren Gelenken bemerkte. Die Bänder bildeten quasi eine Verlängerung ihrer Gliedmaßen, führten zu den äußeren Messingstäben an Kopf- und Fußteil. Ein fünftes, weißes Band, offenbar der Gürtel des Frotteebademantels, war um ihren Hals geschlungen und wurde teilweise von ihren Haaren verdeckt. Kastanienbraunes Haar, schulterlang - wie bei Ellen früher.

Als sich herausstellt, dass einer der Liebhaber von Marisa bestimmte SM-Praktiken bevorzugte, bei Marisa ensprechende "Spielzeuge" gefunden werden, scheint der Mörder schnell festzustehen. Ganz so einfach verhält es sich aber nicht, die Obduktion bringt Klarheit - und als sich später herausstellt, dass Ute, die Freundin von Marisas Sohn, gewisse Dinge beobachtet hat, bekommt der Fall eine neue Dimension .

Rolf hatte eine sehr schwere Kindheit, hatte unter der früh verstorbenen Schwester und seiner Mutter zu leiden, sich dann als junger Polizist anlässlich einer Razzia in Ellen verliebt, mit der er meinte, viele Jahre eine glückliche Ehe geführt zu haben.

Es war nicht so sehr die Aufregung vor der Konfrontation mit einer weiteren Leiche gewesen, die Pauli veranlasst hatte, während der Fahrt zum Waldschlösschen vor Anspannung seine Unterlippe zu zernagen. Er hatte vielmehr einen Riesenbammel gehabt, an Wegeners Seite erneut umzukippen. Nicht im Traum wäre Pauli auf die Idee gekommen, dass Wegener schon vor Wochen innerlich zusammengebrochen war, dass er sich bisher an seinem Job aufrechtgehalten, dass die Frau auf dem Bett ihm heute den Rest gegeben hatte und er sich in der Küche versteckte, damit es nicht auffiel.

Nun wird geschildert, auf welche Weise es mit seiner Ehe bergab gegangen ist, was seine Wünsche und Sehnsüchte waren bzw. sind - und ständig wird er im Rahmen seiner Ermittlungen daran erinnert, beginnt, sich einzubilden, die Verstorbene zu sehen, zu  berühren, verfällt in Tobsuchtsanfälle, ermittelt eigenmächtig, ohne seinem Vorgesetzten Bericht zu erstatten...

(Spoiler:) Das Ganze Wirrwarr endet schließlich damit, dass er seine Ehefrau lebensgefährlich verletzt, die Mörderin umbringt, seine Kündigung schreibt und der halluzinierten Marisa folgt.

Meine Meinung: Man kann es gut lesen, mir sind zu viele Personen dabei, zu viel Hin und Her zwischen Ermittlungen und Halluzinationen, unglücklicher Ehe und ungelösten Kindheitskonflikten. Es scheint weniger ein Krimi als ein Psychogramm des Kriminalhauptkommissars zu sein.


Nochmal werde ich es nicht lesen, deshalb wird das Buch weitergegeben.

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