Sonntag, 17. Juli 2016

Gelesen: Der blaue Basalt

Der blaue Basalt, John Knittel  (Roman)
Bertelsmann Lesering, 1954
ISBN - keine -

Warum dieses Buch?
In der Facebook-Lesegruppe sah ich kürzlich "El Hakim" von John Knittel. Ich wusste, dass meine Eltern einige Bücher von ihm haben/hatten... da ich einiges aus der Familienbibliothek inzwischen hier beherberge, sah ich einfach mal nach. El Hakim muss noch bei meiner Mutter stehen,  in meinem Besitz befindet sich "Der blaue Basalt." Ich las ein paar Sätze und war wie von einem Sog sofort in der Geschichte verschwunden. Das klingt nach einem guten Anfang, ja?

Es gibt keinen Klappentext, deshalb hier der Beginn:

"Eines Nachmittags zu Anfang November kam mit dem Schiffszug aus Port Said ein Mann in Kairo an. Er hieß Walter Beam, und auf seiner Visitenkarte standen hinter diesem Buchstaben die Buchstaben M.A.Ph.D. Er war hochgewachsen, muskulös und breitschulterig, aber in den Hüften ungewöhnlich schlank. Auf den ersten Blick hätte man nie vermutet, daß er ein Mann der Wissenschaft sei, Altertumsforscher, und zwar Ägyptologe."

Die Hauptperson Walter Beam, Ägyptologe, kommt zu Ausgrabungsarbeiten ins Tal der Könige. Er ist seit seiner Kindheit besessen von der Geschichte der Königin Nitokris. Wir lernen den Financier Bernheim und Walters Vorgänger Preston Cable kennen. Durch Intuition und Zufall findet Mr. Beam das Grab der Nitokris, hat allerdings bei dem Versuch der heimlichen Öffnung einen Unfall.

Ich mag ältere Bücher, die heute gestelzt wirkende Sprache der 1950er Jahre, stolpere hier aber ständig über heute als "rassistisch" anmutende Begriffe zur Beschreibung von Personen. Diese Benennungen ziehen sich durch die ganze Geschichte. Damals gab es noch keine "political correctness" - und ich störe mich pausenlos daran.

Eine FB-Freundin brachte mir (ganz unbeabsichtigt) das Konzept des "ruhigen Erzählens" nahe, so dass ich das Buch durchgehalten habe, obwohl häufig meine Gedaniken abschweifen wollten.

Herr Beam erweckt auf nicht näher geschilderte Weise seine Königin Nitokris zum Leben, erklärt sie zu seiner Frau, nennt sie "Isis" und erlebt seltsame Abenteuer mit ihr. Spätestens hier frage ich mich, ob ich es nun mit mystischen Elementen oder einer Fantasy-Geschichte zu tun habe...

Es kommen sowohl Herr Bernheim als auch Preston Cable in seinen Abenteuern vor, aber immer wieder schaut Walter Beam alte Papyri an, beginnt Szenen zu sehen, die sich mit Geschichten aus dem Altertum - 5.000 Jahre zuvor - überlagern. Lebende Personen scheinen alte Seelen zu beherbergen, die Erzählung wird tatsächlich sehr verworren.

Und dann geschieht etwas, das ich als Betrug am Leser empfinde: Walter Beam wacht auf. Nach seinem eingangs erwähnten Unfall sind zwei Monate vergangen, er war krank gewesen, die komplette Geschichte entspringt seinen Hallunzinationen.

Die Besichtigungen des Königinnengrabes überfordern ihn, und er findet eine Möglichkeit, den Sarg mit "seiner" Königin anderenorts zur ewigen Ruhe zu bringen.



"Sorgfältig knüpfte er das Seil um den Sarg und ließ dann seine Königin in die Tiefe hinab, so daß ihr Antlitz nach Osten blickte. Er fühlte das Seil schlaff werden; da ließ er es los und hörte, wie es auf dem Grunde der Höhle aufschlug. Er holte einen Felsblock und wälzte ihn über das Loch. der Felsblock sank ein Stückchen hinab, blieb dann stecken.
Walter setzte sich hin, das Antlitz starr und kalt wie Stein, und wartete auf den Anbruch der Dämmerung."

Muss man nicht lesen. Wirklich nicht.

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