Sonntag, 13. März 2016

Im Sommer gelesen: Eisige Schwestern

Eisige Schwestern - S.K. Tremayne
- Psychothriller -
Titel der englischen Originalausgabe: "The Ice Twins"
Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-51635-5

Warum dieses Buch? Eine Leihgabe und Empfehlung der Tochter als Reise- und Urlaubslektüre.

Seit Ende August guckt es mich vorwurfsvoll an und wartet darauf, dass ich es hier verewige.

Ein Psychothriller ist nicht das, was ich normalerweise lese. Dieser Roman ist mehr "Psycho" als "Thriller," ich konnte also trotzdem nachts ruhig schlafen.

Angus und Sarah Moorcroft verkaufen ihr Haus im Londoner Camden und planen ihren Umzug auf Eilean Torran, eine schottische Hebriden-Insel, die sie geerbt haben. Sie müssen weg, Umgebungswechsel, eine Flucht vor der Erinnerung.

Zwillinge waren sie, Lydia und Kirstie, eineiig, zum Verwechseln ähnlich. Zu ähnlich. Unterscheidbar in Gestik und Mimik, dem Temperament.

Lydia ist bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Oder?

"Na?", sage ich. "Was hältst du davon? Auf deine eigene Insel zu ziehen? Wäre das nicht toll?"
Kirstie nickt langsam. Sie schaut in ihr Buch hinunter, klappt es zu, und dann blickt sie wieder auf und sagt: "Warum nennst du mich immer Kirstie?"
Ich antworte nicht gleich. Es herrscht dröhnendes Schweigen. Dann bringe ich heraus: "Entschuldige, Süße, was hast du gesagt?"
"Warum nennst du mich immer Kirstie? Kirstie ist tot. Kirstie war es, die gestorben ist. Ich bin Lydia."

Die Eltern geben ihre Londoner Existenz auf und die Familie zieht auf die Gezeiteninsel in ein baufälliges Gebäude, das der Renovierung harrt. Im Verlaufe der eher minimalen Handlung wird ein Bild der Familie gezeichnet, der Probleme des Paares, das einander fremd zu werden scheint. Angus bekommt ein Alkoholproblem, Sarah sucht Rat beim Psychologen, die siebenjährige Kirstie hat Schwierigkeiten, sich in einer neuen Schule einzuleben, bleibt Außenseiterin. Und irritiert immer wieder ihre Eltern mit der Aussage, sie sei Lydia. Kirstie sei tot... Sarah besteht auf einer Trauerfeier für Kirstie. Da sie ja gegelaubt hatten, Lydia sei gestorben, hatte eine Feier für Lydia stattgefunden... Das Verwirrspiel des  verbliebenen Zwillingsmädchens wird immer intensiver, irritierender.

Inzwischen wird es Winter im hohen Norden, das alte Anwesen hat noch immer keine funktionierende Heizung, der Wind heult... abgeschnitten von der Außenwelt sind Kirstie - oder doch Lydia? - und ihre Mutter einander ausgesetzt. Verbindung zum Festland und damit zu Freunden ist ein Boot oder, bei Ebbe, ein Fußweg durch den Schlamm.

Er blieb kurz stehen. Starrte geradeaus in den Bindfadenregen. Die beiden Gestalten waren verschwunden. Hier und da gab es in der Nebelwand kleine Wirbel und Kringel - wie Einschlüsse in einem Eisblock. Vielleicht hatte er sich die Gestalten nur eingebildet? Vielleicht war hier gar niemand unterwegs. Es ergab ja auch überhaupt keinen Sinn. Was sollten die beiden hier draußen? Warum hatten Sarah und Kirstie das Cottage verlassen und in diesem furchtbaren Sturm umherirren sollen? Ein vollkommen sinnloses Risiko.
Und das Geräusch? Diese Stimme?

Das Ende der Geschichte ist irritierend, für mein Empfinden nicht ganz zufriedenstellend.

Trotzdem: Eine unbedingte Leseempfehlung!

Kommentare:

  1. Ein bedrückendes Familienschicksal mit verwirrendem Ende. Meine Leseempfehlung: im Urlaub bei Sonnenschein und guter Gemütslage.

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    1. Danke für deine Rückmeldung. Ich freue mich, dass du meiner Empfehlung gefolgt bist.

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    2. Mein aktuelles Buch: Sebastian Fitzeck - Passagier 23. Reißerischer Beginn mit nicht immer ganz logischer Handlung. Mal abwarten wie’s weiter geht

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    3. Na denn bin ich gespannt auf deine Buchbesprechung drüben bei dir ;-)

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    4. Bin zu faul ;-( andere können's außerdem besser. http://www.krimi-couch.de/krimis/sebastian-fitzek-passagier-23.html

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    5. Ich hatte dich lediglich motivieren wollen ;-) Andere können es auch immer besser als ich, aber so halte ich fest, was ich wann gelesen habe... und es werden mehr ...

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