Samstag, 5. März 2016

Gelesen: Das Geheimnis des Frühlings

Marina Fiorato - Das Geheimnis des Frühlings 
Limes-Verlag, Random House
ISBN 978-3-8090-2574-0

Warum dieses Buch? Ganz einfach: Angelika hatte es mir geschickt, und es lag einige Zeit auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher).

Hauptperson ist Luciana Vetra, zu Beginn Hure im Florenz des 15. Jahrhunderts. Sofort wirkt es auf mich sehr befremdlich, dass sie (autobiographisch erzählt) sich einer teilweise sehr derben Ausdrucksweise bedient. Und ja, im Mittelalter war die Sprache sicherlich etwas "deftiger" als wir es heute gewohnt sind, aber es irritierte mich.

Lucina soll Botticelli Modell sitzen für ein Gemälde - das heute berühmte "Primavera." Unmittelbar danach findet sie ihre Freundin-Kollegin und ihren letzten Kunden ermordet vor, flieht zu dem einzigen Mann, den ihre weiblichen Reize nicht in Versuchung führen konnten: Bruder Guido, Mönch, der außer Gott nichts mehr liebt als die Bücher. Aber auch im Kloster ist sie nicht sicher...

Es stellt sich heraus, dass das Bild ein Rätsel ist, anscheinend ist eine Verschwörung im Gange, deren Aufklärung das ungleiche Paar quer durch Norditalien führt....

Abgesehen davon, dass ich historische Romane mag, begeisterten mich die Beschreibungen der Städte, insbesondere Florenz und Rom - weil ich diese Städte und ihre historischen Bauwerke recht gut kenne und mir das mittelalterliche Treiben dort sehr gut vorstellen konnte.

Die Reisen von Luciana, Gefangenschaft in Venedig bei ihrer spät gefundenen Mutter, Intrigen, die erwachte Sehnsucht nach... ich möchte hier keinen Spoiler posten... sind interessant. Aber wann immer sie sich mit Bruder Guido an die Entschlüsselung der im Gemälde verborgenen Informationen macht, wird mir dieser Roman zu ausführlich, geradezu ermüdend. Ungefähr in der Mitte des Buches musste ich mich hindurch quälen und hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, abzubrechen. War diese Durststrecke überstanden, nahm der Roman an "Fahrt" auf und gelang zu fesseln.

Fazit: Das Drumherum, die Geschichte, Städtebeschreibungen, auch die Handlungen, insofern sie Aktionen betreffen, gefallen mir. Aber die Entschlüsselung des Bildes (die ja im Zentrum des Romans steht) war mir zu langwierig, anstrengend, an den Haaren herbei gezogen (oder ich war einfach überfordert und konnte nicht folgen).

"Ich sah ihm seine Zufriedenheit an, obgleich er nicht viel sagte. Mir dämmerte, dass ich mich in der Gegenwart eines Genies befand, als er mich umkreiste und mir zeigte, welche Pose ich einzunehmen hatte. Am Fenster stand ein Krug mit korallenfarbenen Rosenblüten, mit denen er meinen Rock füllte. Er zählte sie sorgsam ab - zwanzig, dreißig und noch ein paar mehr - und arrangierte sie so, dass jede einzelne deutlich zu erkennen war..."

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