Dienstag, 31. März 2015

Mein ganz persönlicher Horrortag

Sommerzeit. Die Umstellung der Uhren schafft mich von Jahr zu Jahr mehr.

Natürlich bin ich eine brave Bürgerin, die trotzdem vor acht Uhr im Büro eintrifft und irgendwie funktioniert. Aber das Aufstehen kurz vor fünf - was ja in Wirklichkeit kurz vor vier Uhr ist - kollidiert mit meinem Biorhythmus dergestalt, dass ich den ganzen Tag lang durchhänge. Egal, wie viel Kaffee ich in mich hinein schütte.

Heute der zweite Sommerzeit-Arbeitstag.

Ein Regen- und Sturmtief zieht durch die Republik. Das Gehen bei Sturmwind strengt mich mächtig an, verbraucht Kraft und Puste. Im Gegensatz zu gestern funktionierten heute die Rolltreppen an den Bahnhöfen...

Trotz allem bin ich ziemlich früh und vollkommen erschöpft im Büro angekommen (was nur zeigt, wie durcheinander mein Körper ist - sicherheitshalber stehe ich nämlich noch früher auf als sonst) und habe auch ganz gut funktioniert. Jedenfalls, sofern ich keine komplizierten Sachverhalte zu besprechen hatte. Das geht früh am Tage (acht Uhr ist früh!) noch gar nicht.

Seit heute Morgen anhaltendes Ohrgeräusch - jetzt kann ich mir vorstellen, wie es Menschen mit Tinnitus gehen mag.

Heute Nachmittag - Feierabend mache ich am Dienstag ja immer um 16 Uhr - ab in die City zum Doc. Lieblings-MTA nicht anwesend. Aber ich glaube, dass der folgende Ablauf auch mit ihr nicht besser gewesen wäre...

Azubine im letzten Lehrjahr, mir sehr gut bekannt, fragt, ob sie ausnahmsweise mir die Nadel setzen darf, bei dem zweiten Prolastin-Patienten hätte sie es schon häufiger gemacht. Na klar. Versuch macht klug. Nadel sitzt - nichts läuft. Gar nichts. (Und ich glaube nicht, dass es an der Azubine liegt!) Abgeklemmt, Tupfer drauf, den weltbesten nadelsetzenden Arzt geholt.

Dr. L. guckt, knetet am Arm rum, setzt die Nadel. Verklebt das Schlauchsystem. Infusion läuft nicht. Nadel wieder raus, verpflastert.

Ab jetzt muss der zweite Arm dran glauben. Trotz mehrfacher Versuche bleibt es auch  weiterhin eine Unmöglichkeit, die Nadel so zu setzen, dass die Infusion läuft.

Mein Kreislauf läuft im Kreis, Dr. L. gibt auf, die Azubine holt mir ein Glas Wasser. (Ärgerlich, nächste Woche muss ich pausieren, ich habe dann frei und Handwerker im Hause.) Somit also zwei Wochen Pause. Das ist ein Luxus, den ich vor mir selber nur rechtfertige, wenn ich verreise. Mehr als sechs Aussetzer pro Jahr sollen nicht sein.

Azubine überlegt, die fertige Infusionsflüssigkeit für den Donnerstags-Patienten aufzubewahren. An dieser Stelle bin ich entgeistert...! Das Zeugs darf nicht länger als zwei Stunden nach Zubereitung aufbewahrt und angewendet werden. Nächstes Mal muss ich das nochmal bei meiner MTA ansprechen, damit die anderen Praxismitarbeiter auch Bescheid wissen. (Außerdem ist es *meine* Charge, ich bezweifle, dass die so einfach austauschbar ist.) So landet ein Medikament im Wert von knapp zweitausend Euro im Orkus.

Fertig verpflastert wanke ich zur U-Bahn. Ursprünglich wollte ich noch zur Europapassage gehen - Ostern naht, ich wollte Kleinigkeiten besorgen. Mein verwackelter Zustand plus das anstrengende Gehen gegen den Wind sagen mir, ich solle den Plan heute besser fallen lassen. An der Haltestelle Stephansplatz warte ich 20 Minuten (!) auf die U-Bahn. Grund: der Sturm hat Bäume auf die Gleise befördert - in Volksdorf. Die Bahn kommt, brechend voll. Ich quetsche mich rein, die Leute geben mir Halt, es ist keine Festhaltemöglichkeit in greifbarer Nähe.

Am Jungfernstieg quelle ich mit der Menschenmasse aus der U-Bahn, quetsche mich die Treppe (schön am Geländer festhaltend: letztens hatte mich ja auch mein Knie wieder ein wenig geärgert, da ist das sicherer) runter... üblicherweise steht dort dann schon die S-Bahn bereit.

Heute kommt eine Bahn nach Bergedorf - nach Poppenbüttel und zum Airport - nach Aumühle - nach Poppenbüttel... so geht es eine halbe Stunde lang. Meine Bahn verschwindet immer wieder aus dem Anzeiger, die Ansagen stimmen auch nicht. Kurz: Es herrscht Chaos. Ach ja, der Grund: Bäume irgendwo auf den Gleisen. Was sonst.

Als die Bahn endlich einläuft, kann ich schon kaum noch stehen, ein Fuß ist komplett ohne Gefühl, ich bin in klammer Kleidung gründlich durchgefroren und habe nur einen Wunsch: Bitte einen Sitzplatz. Halte in der Jackentasche meinen Behindertenausweis in Bereitschaft (ich vermeide nach Möglichkeit, ihn zu benutzen, die meisten Leute stellen sich bei einer Bitte um einen Sitzplatz sowieso blind und taub - Erfahrung!), den ich dann nicht benötige. Ganz am Ende des Waggons finde ich einen Platz.

Herumspielen mit dem Smartphone hält mich wach und lenkt ab.

Am Ende bin ich zu Hause angekommen, sämtliche Einkaufspläne sind verschoben. Mit einem kleinen Glas Wein tippe ich mir jetzt den Frust weg. Meine Ohren hören immer noch Geräusche, die nicht vorhanden sind.

Essen machen muss ich noch. Oder zumindest irgendwas essen.
Und meinen Büroproviant vorbereiten, meine Kleidung für morgen heraus hängen.
Feierabend.

Feierabend?

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