Dienstag, 24. März 2015

Besserwisser und Besserkönner

Tochter erzählte - und ich erinnerte mich gleich daran: Kaum hat man ein Baby, kommen viele Leute, die meinen, alles besser zu wissen, erteilen Ratschläge, um die sie nicht gebeten wurden. Warum glaubt eigentlich jeder, besser als die Mutter zu wissen, was "Sache" ist? Ungehörige Grenzverletzungen, egal ob es jetzt um das Herumtragen geht ("ganz schön verwöhnt") oder das Kümmern, wenn Kindchen quäkt. (Schon vor 35 Jahren mein Thema - was wurde ich angegriffen dafür, dass ich mich um mein schreiendes oder weinendes Kind gekümmert habe!)

Sehr lebhaft meine Erinnerung an den ersten Spazierweg mit meinem ersten Baby... wir hatten zwei Wochen (ich insgesamt drei) im Krankenhaus sein müssen und waren froh, in die Freiheit entlassen worden zu sein! Es war ein langer und harter Winter gewesen, Eis und Schnee waren weg getrocknet, aber Ende März war es noch eisig... Was konnte ich dafür, dass mein Kind absolut keine Mütze aufhaben wollte? Wurde ihm eine Kopfbedeckung aufgesetzt, brüllte er wie verrückt und schlug mit dem Kopf hin und her... also ohne Mütze raus, dafür gut eingemummelt. (Das Kind hat es bisher 35 Jahre überlebt!) ... Kam eine ältere Frau daher: "oh.... du hast ja gar kein Mützchen auf... hast ein kaltes Köpfchen... musst frieren, armes Kind...!"

Ich war so vor den Kopf geschlagen ob dieser Einmischung, dass mir die Worte fehlten.

Die Welt hat sich nicht zum Positiven geändert - auch heute noch weiß es jeder "besser!"

Es gibt verschiedene Familien mit unterschiedlichen Kindern. Nichts Neues. Manche Babies sind pflegeleicht, manche brauchen sehr viel Aufmerksamkeit, damit sie zufrieden sind. Es könnte sein, dass mein kleines Enkelkind meinen eigenen Kindern im Verhalten ein wenig ähnlich ist - und es hat bezaubernde Eltern, die sich kümmern und alles schaffen... es *könnte* allerdings sein, dass es nicht einfach ist, den Alltag, den Haushalt, zu bewältigen.

Meine Erfahrung sagt: alles geht irgendwie. Aber nichts, gar nichts, ist einfach, wenn man einen Säugling hat.

Später habe ich mich gewundert über Medienberichte über "die armen, überlasteten alleinerziehenden Mütter mit einem Kind," die unter der Last der Alltagsbewältigung förmlich zusammen brachen. Ich hatte drei, die ich von einem bestimmten Zeitpunkt an allein großgezogen habe. Und mich zwar belastet - aber nicht überlastet - fühlte.

Die Andeutung, mein Kind evtl. etwas entlasten zu können, um ein bisschen mehr zu schaffen... provozierte offenbar sofort einen Kommentar des Inhaltes: "ich hatte auch meine Kinder, ABER...!" Himmelherrgottnochmal...!!!

Vor langer, langer Zeit... hätte ich mich sehr gefreut, es hätte beispielsweise eine Mutter, Schwiegermutter... das Bedürfnis gehabt, mir gelegentlich zu helfen. Anstatt mich ständig anzugreifen, weil ich tat, was *ich* für das Beste hielt.

*grml*

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