Donnerstag, 12. Juni 2014

Buch des Monats Juni: Novecento

Mein sechster Beitrag zur BuchBlogParade von Eva Maria Nielsen.
(Eine "normale Buchbesprechung" und ein Hinweis zum Lernmaterial am Ende)

Alessandro Baricco "Novecento"
Piper Taschenbuch - ISBN 3-492-23085-7, erscheint in Kürze neu bei dtv
Titel der italienischen Originalausgabe ebenfalls „Novecento“

Mein Buch des Monats Juni

Warum eigentlich? Weil ich es mir als italienisches Lernmaterial gekauft hatte. Wie bitte? Ja, genau: Gekauft als Multimedia-Paket samt Buch auf Italienisch, einmal durchgehört und für viel zu schwierig befunden. Dann die Eingebung - beim Buchversender auf Deutsch bestellt. Eine gute Entscheidung.

Das Buch, besser Büchlein, wurde verfasst 1994. Im Vorwort äußert sich der Autor dahin gehend, dass er selbst nicht wüsste, welche Art Lektüre er hier verfasst habe. Gedacht sei es wohl als Theaterstück für eine Person, im Grunde sei es ein Monolog, vielleicht gehöre es auch zu einem Genre, das bisher noch nicht erfunden sei? Für mich Poesie in Prosa.

Es geht um Novecento. Das ist zwar primär eine Jahreszahl - Neunzehnhundert - hier aber der Name einer ganz besonderen Person, eines Findelkindes auf einem Ozeandampfer.

"Gefunden hatte ihn ein Matrose namens Danny Boodmann. Er fand ihn eines Morgens in einem Pappkarton, als in Boston alle das Schiff zum Landgang verlassen hatten. Er war höchstens zehn Tage alt. Er weinte nicht, lag still, mit geöffneten Augen, in dem Karton. Man hatte ihn im Tanzsaal der ersten Klasse abgelegt. Auf dem Klavier."

Nun hieß er nicht einfach nur Novecento, nein, er bekam einen wunderschönen langen und klangvollen Namen: Danny Boodmann T. D. Lemon Novecento.

Als Novecento acht Jahre alt war, starb sein Ziehvater durch einen tragischen Unfall, und im nächsten Hafen war Novecento verschwunden. Alle Sucherei half nichts, er blieb unauffindbar. Nachdem das Schiff wieder abgelegt hatte, in der zweiten Nacht, fand man ihn plötzlich im Tanzaal der ersten Klasse, die Beine baumelnd vom Klaviersitz und Klavier spielend wie ein Gott.

"Passagiere im Schlafanzug standen im Eingang. Immer neue kamen aus ihren Kabinen gelaufen.

Auch Matrosen, darunter drei schwarz verschmierte aus dem Maschinenraum, sowie Truman, der Funker. Alle schauten stumm.

Novecento." 

Das war der Beginn einer beispiellosen Karriere des Klavierspielers auf dem Ozean, sein ganzes Leben lang ging er nicht von Bord - das heißt, ein Mal, da hatte er es versucht...

Blieb an Bord, bis sein Schiff gesprengt werden sollte, er saß auf einer Tonne Dynamit und wurde nie wieder gesehen.


http://evamarianielsen.com/ 
(mehr Links morgen/übermorgen)


Und hier meine Anmerkung zum Lernpaket von digital publishing:

Ich erhielt eine Schachtel mit Lektüre (ungekürzte Originalausgabe mit Erklärung der ungewöhnlichsten Vokabeln), Audio-CD und CD-Rom in gewohnt hochwertiger Ausstattung. Da ich einen auch für mich eher nicht üblichen Weg ging und zuerst die Audio-CD anhörte, dabei versuchte, mitzulesen, mich an einer mir noch nicht sehr geläufigen Zeitform störte und Mühe hatte, mit dem Lesetempo Schritt zu halten, empfand ich das Material deutlich schwieriger als A2 wie angegeben. Ich benutze inzwischen die deutsche Übersetzung neben dem originalen Text und erfreue mich an vielen schönen Redewendungen und bildhaften Ausdrücken. Die schwierige Zeitform rückt eindeutig in den Hintergrund. Das Sprachniveau würde ich persönlich eher mit B2 angeben. Aber egal, es macht jetzt Spaß.

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