Sonntag, 25. Mai 2014

Der rote Koffer

Der rote Koffer war mein Mädchen-Wochenendkoffer, den ich packen durfte, wenn ich bei meiner Oma übernachtete; außerdem war das Volumen die erlaubte Menge Mädchenkrimskrams, die ich regelmäßig mit in die Sommerferien nehmen durfte, ohne unser Familienauto zu verstopfen...

In den letzen fünfunddreißig Jahren beinhaltete er Erinnerungsstücke. Ab und an gab es eine Revision, aber so ganz richtig und endgültig mochte ich mich nicht trennen.

Aber nun! Geschafft.

Jedes einzelne Teil habe ich angeschaut, ganz wenige Dinge zur Seite gelegt (Glückwunschkarten zum Kindersegen, meine eigene Wiegekarte, Fotos, die ich meinem Bruder geben werde). Alle anderen Dinge habe ich zerrissen, zerstört, in den Müll befördert. Darunter mein Mädchentagebuch - sage niemand, die Geschichte der ersten Verliebtheit sei entzückend! - inklusive Schilderungen der Familienstimmung..., Briefwechsel mit meiner Mutter während einer fünftägigen Klassenreise, Glückwunschkarten zur Verlobung, Heirat - der Mann ist inzwischen mehrfach geschieden...

Und sofort alles sofort in den Container geworfen.

Jetzt warte ich darauf, dass es mir bald besser gehen wird - und mich diese Dinge, Erinnerungen, nicht mehr belasten!

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