Sonntag, 1. Dezember 2013

Advent, Advent, ein Kraftwerk brennt...

Zum 1. Advent jetzt etwas zum Schmunzeln (mit Dank an Stefan aus dem Lungennetzwerkforum):

Auch in diesem Jahr häufen sich Katastrophenmeldungen von Ereignissen, die auf zu exzessiven Gebrauch von Weihnachtsdekoration zurückzuführen sind:

In einer kleinen norddeutschen Stadt:

Sonntag,1.Advent 10.00 Uhr.
In der Reihenhaussiedlung Marienstraße läßt sich die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert 4 Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß.

10 Uhr 14:
Beim entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des 10-armigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Marienstraße im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

19 Uhr 03:
Im 12 km entfernten Kraftwerk Hafen registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Nord, ist aber zunächst arglos.

20 Uhr 17:
Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluß einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Filmleuchten, durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens, an das Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20 Uhr 25:
Die Bewohner der Häuserblöcke im Stadtteil Süd-West fühlen sich genötigt diese Herausforderung anzunehmen. Sie verhängen sämtliche Fassaden ihrer 4-Etagen-Wohnblöcke mit Lichternetzen.

20 Uhr 31:
Der Pilot eines auf das örtliche Krankenhaus anfliegenden Rettungshubschraubers berichtet völlig verwirrt über dampfende dunkle Linien im Schnee. Ein Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke stellt daraufhin im Bereich der unterirdischen Starkstromkabelzuleitungen eine Bodenerwärmung auf 32°C fest.

20 Uhr 56:
Der Diskothekenbesitzer Frank K. sieht sich genötigt seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laserensemble Metropolis das zu den leistungsstärksten Europas zählt. Die 40 Meter Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem häßlichen Geräusch zu Asche zerbröckelt.

21 Uhr 30:
Im Trubel einer Club-Feier im Kraftwerk Hafen verhallt das Alarmsignal aus der Generatorhalle in Block 2.

21 Uhr 50:
Der 85-Jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs Varta Volkssturm den Stern von Bethlehem an die tief hängende Wolkendecke.

22 Uhr 12:
Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Kleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Osternheide. Zuvor war eine Boing 747 der Singapur Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Zufahrt der örtlichen Stadthalle gelandet.

22 Uhr 37:
Die NASA Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstrasse Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel, die Experten in Houston sind ratlos. Einige Bürger im süddeutschen Raum berichten über Wetterleuchten im Norden.

22 Uhr 50:
Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kraftwerks Hafen, der gesamte Komplex mit seinen Dampfturbinen läuft mit 500 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23 Uhr 06:
In der taghell erleuchteten Siedlung Schillerstraße erwacht Studentin Martina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23 Uhr 12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23 Uhr 12 und 14 Sekunden:
In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises bricht die Explosion des Kraftwerks Hafen wie Donnerhall. Durch den stockfinsteren Ort stapften irre, verwirrte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

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