Freitag, 6. September 2013

Social Media Manager

Wer keine Lust auf einen langen Aufsatz hat, klickt lieber wieder weg.

Social Media.... was? Ich wusste gar nicht, dass es so eine Berufsbezeichnung gibt.

Untertitel: Arbeitgeber, Computer und ich

Als ich vor gut zwanzig Jahren meinen ersten privaten PC kaufte (420 MB Festplatte! 4 MB RAM! toll!), arbeiteten wir in der Firma, die damals für meine Brötchen sorgte, mit einem IBM-Terminalprogramm, Standleitung nach Duisburg zur Mutterfirma, die allnächtlich Datensicherungen auf Platten schrieb. Unser IBM3000 funktionierte nur mit F-Tasten, hatte Bildschirmansichten dunkelgrün mit hellgrüner Schrift oder hellgrün mit dunkelgrünen Feldern mit hellgrüner Schrift oder hellgrün...

Ich hatte gerade meinen PC etwas besser kennen gelernt, da bekamen wir in der Firma einen (einzigen) Einzelplatz-PC für alle, der direkt seitlich bei meinem Kollegen und mir an die Schreibtische gestellt wurde. So ergab es sich, dass ich dem/der einen oder anderen Kollegen/Kollegin ein bisschen auf die Sprünge helfen durfte.

Lustigerweise war am gewitztesten der älteste Kollege (oh-oh, mein heutiges Alter), er hatte auch am meisten Spaß daran. Die Kollegin, die etwa auch Mitte dreißig war, hatte große Bange vor der Maus. Mouse natürlich. Vor einer echten Maus - nein, habe ich keine Angst (andere Geschichte für einen anderen Tag!), könnte gewisse Hemmungen aber immerhin verstehen. Jedenfalls traute sie sich kaum, dieses Computer-Zeigegerät auch nur anzufassen. So verschieden sind die Menschen.

(Unser Chef: aha, dann machen Sie so zwei Mausklicks - und dann haben Sie alle Zahlen für mich!)

Während dieser Monate hatte ich viel Freude daran, anderen diverses am PC beizubringen. Es ergab sich, dass es ein Angebot unserer Volkshochschule gab "Ausbildung zur Anwendungsberaterin"... Wäre der Kurs nicht so furchtbar teuer gewesen und meine Kinder ein paar Jahre älter und damit weniger zeitintensiv, ich hätte diese Fortbildung sehr, sehr gerne gemacht... Im darauf folgenden Jahr wurde unsere Firma, nach voraus gegangener Übernahme durch eine ausländische Mutterfirma, liquidiert. Sozialplan und auf Wiedersehen.

In der nächsten Firma war ich permanent unterbeschäftigt. Gegen die Langeweile setzte ich mich ein bisschen mit den vorhandenen  Netzwerk auseinander und half diesem oder jenem Kollegen bei Problemen. Netzwerkzusammenbrüche gab es Mitte der 90er Jahre beinahe wöchentlich. Die Wiederinbetriebnahme funktionierte bald ohne Hilferuf an den externen Fachmann.

Die Kollegen-PCs brachen unter der Last der Masse an automatisch gestarteten Programmen zusammen. Ich begann, ihnen zu zeigen, wie sie bei Bedarf die Programme starten und auch wieder beenden konnten.

Ein Werbeprospekt mit Angeboten für Computerschulungen veranlasste meinen Chef zu der Frage, ob ich...? Er verabschiedete sich ohnehin zu einer seiner zahlreichen Geschäftsreisen - und auf mich sollten wieder langweilige Wochen zukommen. Ja klar, das konnte ich selber machen!

In seinem Büro wurden zwei PC-Plätze nebeneinander eingerichtet, ich besorgte Lehrmaterial, bereitete Lektionen vor und hatte fortan drei Wochen lang zwei Schulungsgruppen mit je sechs Kollegen, eine Schicht vor- und eine nachmittags.

Anfangs war ich nervös, hatte zitternde Knie und bestimmt auch solch eine Stimme - aber bald überwog der Spaß! Wir fingen bei "Adam & Eva" an, damals noch Windows 3.11 mit Programm- und Dateimanager, Word 6.0 und Excel 5.0... Zuerst nahm ich den Kollegen die Angst, es würde "der Computer in die Luft fliegen" oder etwas in der Art, wenn man nur ein Fenster verschieben oder die Symbole anders anordnen wollte.

So weit der Spaß.

Dann begann das Mobbing. Die Gründe, warum ausgerechnet mein Chef mich mehr und mehr zu mobben begann, wurden mir ein halbes Jahr später durch meine Arbeitsplatznachfolgerin erläutert.

Jedenfalls versuchte man, meine PC-Fähigkeiten aufs Dramatischste gegen mich zu verwenden - und ich lernte dadurch, dass es mitunter sicherer sein kann, nicht zu zeigen, was man kann!

Nach einem halbjährlichen Zeitarbeitsintermezzo kam ich in dieses sehr bodenständige Unternehmen, in dem ich vermutlich jetzt auf der Inventurliste bei den Büromöbeln gelistet werde. Nach 15 Jahren beginnt die Leibeigenschaft - oder? /Spaß

Im Laufe der Jahre hat sich auch in fast allen Handwerksfirmen eine Menge getan. Interessanterweise setzte hier der informationstechnische Fortschritt recht spät ein. Und natürlich sehr begrenzt und mit ganz (!) engem Bezug zur Alltagsarbeit. E-Mail haben wir seit weniger als zehn Jahren. Zunächst nur auf einem einzigen PC, der an die ISDN-Telefonleitung angeklemmt war.

Dann forderten Auftraggeber die Abwicklung von Arbeitsaufträgen über verschiedene Online-Portale. Wir bekamen nicht nur alle standardmäßig Internetzugang und persönliche Mailadressen - damit verbunden waren Systemupdates erst auf Win 98, dann XP, dann seven, die Verabschiedung der alten DOS-basierten Handwerkersoftware und Installation einer zeitgemäßen modularen Datenbank folgten... und für die Einweisung (hochtrabend "Schulung" genannt) in die jeweiligen Online-Portale/-Anwendungen wurde jedes Mal ich angemeldet!

Hm. Hatte "man" inzwischen etwa gemerkt, dass ich mehr kann als das Telefon abheben und Rechnungen schreiben? /Ironie

Und: Ja. Da begann allmählich der Spaß.

Eigentlich alles noch unterste EDV-Schublade.

Zwei Internetportale (seit gestern noch eines? Jedenfalls eine Plattform zum Daten- und Informationsaustausch), reger Datenaustausch über GAEB mit Planern... etc., das Schreiben von pdf-Dateien (ja, lacht nur!) - allerlei solcher Kram gehört inzwischen zum Alltag.

Problematisch, dass ich demnächst ausfallen muss. Erst zwei Wochen Urlaub (eigentlich nichts Besonderes!) und irgendwann vielleicht ein paar Wochen (ich muss unbedingt meinen Fuß operieren lassen - andere Geschichte)... und mein Chef akzeptiert nicht mehr, dass Frau Kollegin gelegentlich sagt, sie könne nicht... (einsetzen: scannen, pdfs schreiben, Excel-Pläne erstellen...) - so bin ich seit Wochen dabei, zu "schulen" wann immer mir irgendetwas auf- und einfällt.

Inzwischen habe ich die Lust daran verloren. "Noch und nöcher" (wie man in Hamburg sagt) zeige, erkläre ich, kläre mit irgendwelchen Hotlines und EDV-Spezialisten irgendwelchen Kram, probiere testweise Sachen aus, die dran sind, wenn ich nicht da bin, zeige, zeige, zeige. Ganz bestimmt bin ich keine gute Lehrerin. Vor allem, weil ich gar nicht immer alles als Trockenübung erklären kann. Meistens gucke ich mir die Dinge an - und mache einfach.

Ach ja, unser Unternehmen hat eine "eigene Internetseite" - sei Jahren. Statisch. Langweilig. Nicht SEO, daran ist man nicht interessiert. O-Ton: Telefonbuch und Empfehlungen sind genug. Visitenkarte im Netz, Telefonnummern sind drin, zwei, drei, Angaben, Namen. Reicht. (Und dafür - für Erstellung und Erhalt, Maintenance wäre wohl zu viel gesagt, wurde/wird viel Geld bezahlt.)

Dieses "Steinzeitgefühl" weicht, wenn ich hier Zuhause meinen PC/Netbook einschalte...

... und eben habe vom "Social Media Manager" gelesen. Gar nicht gewusst, was das ist und erstmal Wikipedia befragt. Nein, ehrlich, das ist ein Beruf?  Ich glaube schon wieder, ich habe meinen verfehlt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen