Donnerstag, 29. August 2013

Böses, böses Internet!

Uh. Da musste ich heute einem "ereiferten Vortrag" (wie soll ich das sonst nennen?) lauschen...

Tatsache ist, dass wir im Büro durch unsere "Schaufenster" einen Blick nach draußen haben, der schöner ist als fernsehen. (Meine Worte.) Stadtteil nicht ohne sozialen Brennpunkt, zudem ist die U-Bahn in absoluter Nähe. Täglich beobachten wir den steten Strom der Menschen, die an unserer Firma vorbei gehen. Mindestens (!) jeder zweite Erwachsene und viele Kinder telefonieren währenddessen.

Jaha... weil diese Leute alle immer das Internet auf dem Smartphone dabei haben, via Internet ständig mit allen möglichen Informationen und persönlichen Mitteilungen geflutet werden und sofort darüber sprechen müssen... überhaupt sind die meisten Menschen internetsüchtig... anstatt mit den Freuden am Abend zu telefonieren oder sie zu besuchen, wird ja unentwegt alles übers Netz empfangen... das kann ja nicht gut sein!

 Blubb-blubb. Ich sage dazu nichts mehr. (Bin vermutlich, gemessen an dieser Aussage, selber internetsüchtig...) Vor allem sehe ich  nicht ein, dass ich mich in irgendeiner Form dafür rechtfertigen müsste, dass ich bin, wie ich bin, lebe, wie ich lebe. Und schon gar nicht erklären, dass das Netz mein Leben bereichert. [Und unter zwei Bedingungen kein Blick aufs Handy geworfen wird: 1. ich bin privat mit Menschen zusammen. 2. ich bin im Job ausgelastet.]

Ich habe es geschafft, dazu nichts zu sagen. Puh. (Wer klebt mir jetzt den Orden ans Jakett?)

Update einen Tag später:
Gleiches Thema, gleiche Person.
Es sind Fälle bekannt, in denen Gymnasiasten gemobbt werden via facebook. Also ist facebook böse. Also ist das Internet böse.
Mein Einwand, man könne doch nicht das Werkzeug für "böse" halten, weil es jemand missbraucht. Versagen sei wohl eher in den Elternhäusern auszumachen.
Aber nein: Gäbe es kein Internet, gäbe es auch nicht diese Probleme. Alles böse.
Ausnahmen: googeln, einkaufen, Reisen buchen, online banking.
Bloggen: Quatsch, liest sowieso keiner, im ganzen Umfeld weiß nicht einer, was das ist.
Social Networks: siehe oben. Böse. Außer natürlich bei den eigenen erwachsenen Kindern.
Aber die sind ja auch klug.

Jedem das Seine.

Dafür kann ich mich nicht dafür begeistern, in langen Flatterröcken barfuß im Regen durchs Gras zu tanzen.

Noch Fragen?

P.S. 01. September 2013
Dieser Post hat sehr viele Zugriffe - deshalb wäre es doch schön, wenn auch mehr Kommentare kämen :-)

Ergänzung 14. September 2013
http://www.journelle.de/3679/echt-ist-was-du-tust/
Zitat: "Aufgrund der Tatsache, dass viele Menschen in der Digitalisierung – und leider nicht in der staatlichen Überwachung des Internets – nach wie vor das Böse, das Ende des Abendlandes und der Kommunikation sowie die totale Zombisierung von uns allen sehen, haben die Wenigsten Hemmungen zu stören, während man sich mit seinem Handy beschäftigt.
Sie glauben wirklich, dass eine noch so profane und langweilige Konversation über die Beschaffenheit einer 5-Minuten-Terrine spannender und wertiger ist, als alles was in einem Handy passiert."

Kommentare:

  1. Lach!!!Kann ich gut nachempfinden, auch wenn ich schon mal gerne im Flatterrock barfuß im Regen tanze!! ;-)
    Ich habe auch so einige Leute,die dann immer ganz dramatisch davon reden wie gefährlich das alles ist, und z.B.selber in der Film +Fernsehbranche arbeiten und teilweise bei sehr merkwürdigen Filmen mitarbeiten, die ich sc heusslich finde!!Oder meine Chefinnen,die es teilweise bis heute nicht schaffen zu formatieren oder Fußzeilen einzufügen!!
    Seit ungefähr 2 Jahren schlage ich vor,dass wir uns auch bei Facebook verlinken sollten - nein!!
    Hör nicht hin, lass sie reden. Ja es hat alles auch seine Gefahren und ja wir machen uns damit leichter angreifbar, aber es erleichtert eben auch vieles-z.B.den Kontakt zu Menschen im Ausland oder in anderen Städten-so wie z.B. zu dir!Ich möchte das nicht mehr missen!
    LG Angelika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Angelika, du barfuß im Regen: Habe ich mir schon beim Schreiben gedacht!
      Du hast verstanden, das weiß ich ja, worum es hierbei ging, nämlich das komplette Unverständnis für Internet & Co.
      Schwierig ist es für mich deshalb, weil ich in viele Gespräche ganz normal einfließen lasse, dass ich dies und das gelesen hätte - dann wird mir nämlich vorgeworfen, dass ich so viel im Internet sei - in der Form, die mich zum Zombie macht, nicht die Anderen zu Ignoranten oder Nichtwissern. Das kann ich kaum ändern, weil für mich das Netz so normal ist - ich bin seit etwa 20 Jahren "drin", es ist Alltag für mich.
      So, egal jetzt, bin quasi "froh", dass du Ähnliches kennst.
      Falsch ist doch, irgendeine Art zu leben zur alleinseligmachenden zu erklären. Wo bleibt da die Toleranz?
      LG Gudrun

      Löschen
  2. "Niemand ist perfekt, und es sind alle Menschen gleich
    das sagt man so dahin, doch danach handeln ist nicht leicht.
    Ich schliess' mich da nicht aus
    ich habe leider auch ein arges Lästermaul.
    Morgen sind wir tolerant!"

    Robert Long

    AntwortenLöschen
  3. Wie wahr!Ich bin mein ganzes Leben jemand gewesen der sich in bestimmten Dingen nicht an die Norm gehalten hat!
    Aber ich bin froh,dass ich es gemacht habe,denn dadurch weiss ich inzwischen was ich kann und ein bisschen auch wer ich bin!
    Einen schönen Sonntag
    Angelika

    AntwortenLöschen
  4. die leute, die ständig mit dem smartphone vor der nase durch die gegend laufen sind mir auch nicht sonderlich sympathisch. Ob sie wirklich immer im netzt surfen oder angry bird daddeln, sei dahin gestellt. Mich nervt es, dass man der zunehmenden schar von handyzombies ständig ausweichen muss. Gibt’s eigentlich eine collision detection app, um die träumer vorzuwarnen? Und das internet ist für mich ein zusätzliches mittel zur information, zum online einkaufen und zur komunikation. Man sollte es nantürlich, wie mit anderen dingen auch, nicht übertreiben. Ein plausch mit freunden zu einem gepflegtes glas wein ziehe ich immer einer unterhaltung per fb messenger vor.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym, ich fände es schöner, wenn ich wüsste wer da schreibt.
      Zur Sache: Mich nerven die öffentlichen Dauertelefonierer, besonders in den ebenso öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich möchte nicht so gern die lautstark vorgetragenen Beziehungsprobleme der sehr jungen Leute mithören. Oder unsere ausländischen Mitbürger, die - gewissermaßen getarnt durch ihre Fremdsprache - ganze Abteile beschallen. Aber in meinem Text war das Telefon ja nur der Aufhänger für die "Pfui-Internet-Tirade".

      Löschen
    2. ups, einfach versäumt. Die lautstarke beschallung durch ausländische mitbürger ist mir auch schon ins auge oder besser gesagt ins ohr gefallen. Amüsant find' ich die standort- oder einkaufsabfragen: "bin grad' in der s3 am marienplatz, soll ich uns noch was zur brotzeit vom viktualienmarkt mitbringen?" Was hat man früher nur gemacht, wo man nicht ständig erreichbar war? :-)
      don’t forget
      simon r.

      Löschen
    3. Hier geht's noch kürzer. Blick aus dem Fenster. Dann: "bin Wilhelmsburg" - gesprochene Stenografie.
      Früher - war nicht alles besser. Telefon bekamen wir 1970. Davor gab es im ganzen Haus nur eine uralte Dame, die ein großes schwarzes Telefon hatte, was wir im Notfall benutzen durften.
      Als meine Kinder noch Kinder waren (80er), wäre ich über ein mobiles Telefon froh gewesen. Wie oft habe ich mich gesorgt, bis das eine oder andere der Kinder wieder im Hause war. Besonders in der Zeit, nachdem meine Große gerade nochmal "davongekommen" war.
      Nein, früher war nicht alles besser. Heute wird nur so sehr übertrieben.

      Löschen
  5. Eines dieser schwarzen telefone stand bei meinen großeltern im laden. Es wurde nicht nur geschäftlich genutzt auch privat. Regelmäßig gab es anfragen aus der nachbarschaft. In notfällen auch nach ladenschluss, da hat man es heute sicherlich besser. Auch damit man seine kinder in wichtigen fällen erreichen kann und natürlich auch umgekehrt. Nur langsam beginne ich auch die anderen möglichkeiten zu nutzen die ein modernes mobiltelefon heute bietet.
    simon r.

    AntwortenLöschen
  6. Ja. Ich habe seit dem letzten Herbst ein Smartphone und finde es einfach klasse.
    Es ist nicht die Technik mit ihren Mölichkeiten verdammenswert (nicht das Werkzeug, hier schließt sich der Kreis zum Eingangsposting) - es geht immer darum, was man damit macht.
    Die Menschen sehen teilweise wie ferngesteuert aus, so viele mit Knopf im Ohr und Gerät in der Hand, jeder in seiner eigenen Welt versunken.

    AntwortenLöschen