Donnerstag, 11. April 2013

Uhr

Die Lady besitzt seit vielen Jahren eine goldene Armbanduhr, hochwertig und sehr geliebt.

Diese Uhr hat ein Armband, das aus gewirkten goldenen Metallfäden besteht. Während ihres letzten Urlaubes löste sich solch ein feiner Draht, und sie brachte die Uhr im Ausland zum Juwelier. Nach dieser Reparatur ließ sich die Uhrzeit nicht mehr einstellen, da die Krone defekt war. Es ist anzunehmen, dass die Uhr beim fremdländischen Uhrmacher genau an der Krone in ein Gerät eingespannt gewesen war.

Der Haus- und Hofjuwelier der Dame existiert nicht mehr, und sie war ratlos, wohin die Uhr nun gebracht werden könne. Zudem ist sie ein wenig mobilitätseingeschränkt - mithin alles etwas schwierig zu erledigen.

Mein Angebot war, die Uhr hier in meinem Gebiet in ein alteingesessenes Geschäft zu bringen - dieser Juwelierladen ist unserer Familie seit mehr als fünfzig Jahren mehr oder weniger bekannt. (Immerhin hat man dort schon MIR als Baby meine Ohrlöcher gestochen...) Ich verließ mich auf die Reputation dieser Firma, als ich die Reparatur der Uhr Anfang Februar in Auftrag gab.

Telefonisch veranschlagte man mir nach Inaugenscheinnahme durch den Uhrmacher einen Preis von 219,00 Euro, wofür dann Krone und Welle erneuert wurden. Ohne Rücksprache wurde die Batterie ausgewechselt zu Euro 16,00 mit dem Kommentar "war nötig" - obwohl weder abgesprochen noch beauftragt.

Irgendwann durfte ich die Uhr in Empfang nehmen, stolze Euro 235,00 bezahlen. Auf der Quittung wird eine Garantie "für Teilreparaturen" ausgeschlossen, keine Lauffähigkeit garantiert. Mein Fehler, das beides nicht zu beanstanden. Ich habe/hatte einfach keine Erfahrung mit solchen Sachen...

Drei Tage später die Uhr mit zur Lady genommen und dort im Verlaufe des Nachmittags festgestellt, dass sie nicht richtig lief, immer mal wieder stehen blieb. Also wieder eingepackt und mit nach Hause genommen. Am Folgetag bei mir zu Hause lief sie. Am Tag danach blieb sie wieder stehen. also wieder eingepackt und zum Juwelier zurück gebracht.

Der Juwelier gab sie seinem Uhrmacher, welcher sie einige Tage unter Beobachtung hielt und dann wurde mir telefonisch erklärt, dass das Innenleben erneuert werden müsse, da es durch die ursprüngliche ausländische Reparatur wohl einen solchermaßen Schlag auf die Krone gegeben habe, dass sich die Erschütterung auf weitere Teile ausgewirkt haben müsse. Diese Reparatur soll nun noch einmal Euro 290,00 kosten. Zunächst habe ich die Uhr (nach erheblichen organisatorischen Schwierigkeiten seitens des Geschäftes - Uhrmacher krank, Werkstatt räumlich nicht im oder am Laden, Osterferien - und meiner Tagesabläufe, die mir ein Abholen nur an drei Feierabenden ermöglichen) endlich vergangenen Montag ohne weitere Reparatur abgeholt mit dem Hinweis, die Dame möchte sich weiteres erst einmal überlegen.

Heute mit einer sehr wütenden Lady telefoniert, die meint, der Uhrmacher bzw. Juwelier hätte sie betrogen, viel Geld kassiert und die Uhr nicht repariert. Man hätte doch die Uhr kontrollieren müssen vor der Herausgabe und sie komplett in Ordnung bringen müssen. Geldschneiderei, Betrug, die Innung, Verbraucherzentrale, die BILD oder der NDR müssten her! Und dann das Telefonat abgebrochen.

Hier sitz' ich nun, ich dummer Tor und bin so schlau als wie zuvor...

Update 13.04.2012
Heute bei der Lady gewesen und die Uhr und die Quittung übergeben. Mich verwahrt dagegen, mit Ihrer Wut konfrontiert zu werden, meine Version der Geschichte (siehe oben) nochmals ausführlich dargelegt.
Reatktion: Uhr heftig beiseite getan ("gepfeffert"), kurz gefragt, ob die Preise für solche Arbeiten heute so hoch sind, alles wohl auf diese Weise behandelt würde?  Und gesagt, sie würde sich einen Termin bei der Verbraucherzentrale holen. Ich bin raus aus diesem Spiel. Und muss künftig wachsam sein, dass ich keine derartigen Dinge mehr anbiete für sie zu erledigen.

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