Sonntag, 7. Oktober 2012

Lucca - Fortsetzung

Zusammengetippselt am letzten Abend in Florenz, der Koffer ist schon gepackt.

06.10.2012 - 21:26 Uhr

Ich meine, ich hatte erzählt, dass der Zugang zur Stadt höchst abenteuerlich ist, man muss durch die Mauer hindurch gehen, nicht etwa quer, nein, schließlich haben wir es hier mit einem mittelalterlichen Verteidigungsbollwerk zu tun; die Wege gehen auf- und absteigend, mit Abzweigungen und in überraschenden Windungen schließlich doch ins Freie.




Oben auf der Mauer wachsen Bäume, es ist ein breiter Weg vorhanden, auf dem auch Radfahrer unterwegs sind. Ich selber bin nicht hinauf gegangen, denn als ich die Zuwege sah, hatte ich dann doch dankend verzichtet (sehr steile Schrägen).


Nun war ich also einigermaßen irritiert, so viel Mühe, die Zugfahrt, der Regen, die zunächst nicht anwesende Dame im Touristbüro, dann dieses Herumgeeiere durch die Mittelalterausstellung in der Stadtmauer - da schaffte es diese kleine Stadt innerhalb von Minuten, mich mit ihr auszusöhnen!




Lucca zu besuchen war eine Herzensangelegenheit für mich, denn ganz zu Anfang unseres ersten Sprachkurses (Lektion 3 oder 4, meine ich), gab es in unserem Lehrbuch einen Artikel über Lucca (das Töchterlein hatte noch am Telefon mit mir das Lesen geübt und via Mail meine Übersetzung durchgesehen), die Wiederholungslektion enthielt einen Stadtplan von Lucca - und ich war sehr neugierig. Ehrensache, dass ich hin musste, wo ich doch hier praktisch schon in der Nähe bin! Ich wollte unbedingt meinen Ausflug beschließen mit einer Mahlzeit auf der Piazza dell' anfiteatro.


Irgendwo im Südwesten der Stadt fand ich "meinen" Eingang, wollte mich zunächst am westlichen Rand innerhalb der Mauern entlang bewegen (auf der Suche der nächsten T-Information, denn dort sollte ein öffentliches WC sein - dazu ein andermal eine Geschichte). Nach wenigen Schritten schon war ich sehr angenehm überrascht von den friedlichen, sehr gepflegten Wohnstraßen - nur ein paar Schritte weiter fand ein kleiner Markt statt mit Präsentation und Verkauf verschiedener Dinge, Lebensmittel und Kunsthandwerk jeglicher Art, aus unterschiedlichen Regionen Italiens. Dort wurde ich ernährungstechnisch das erste Mal schwach, als ich mir drei winzige Teile Mandelgebäck kaufte (und später mit sehr schlechtem Gewissen aber Genuss vertilgte).




Allmählich bewegte ich mich auf das Centro zu. Auch hier ist im historischen Zentrum der Autoverkehr verboten, dafür gibt es am Rande der Stadt große Parkplätze. Es ist auch kein Problem, Lucca zu Fuß zu erkunden, es ist klein und übersichtlich. Sollte es jedenfalls sein. Ich ging stundenlang mit dem Stadtplan in der Hand durch die Straßen, und nicht selten lief ich ungewollt im Kreis herum, weil kleine Straßen im Plan nicht eingetragen oder nicht benannt sind bzw. die eine oder andere Straße kein Namensschild hat.



In den kleinen Geschäften begegneten mir die Einheimischen freundlich und zugewandt, die Atmosphäre war fast überall gut.


Plötzlich mündete eine der kleinen Straßen in eine wunderschöne große Piazza mit einer großen weißen Kirche (San Michele), die ich mir - nach fotografischer Umrundung - natürlich auch von innen anschaute. (Fotografierverbot.) Diese Kirche habe ich dann noch drei mal "aus Versehen" (siehe oben) wiedertreffen dürfen :-)




Es gibt in Lucca nicht wenige Piazzen, auf fast jeder steht in der Mitte die Statue eines wichtigen Menschen. Sogar ein bekannter Komponist war hier zu Hause - später fällt mir bestimmt auch wieder ein, welcher es war. Justitia an der Badewanne hat mich vor dem Tode durch Verdursten bewahrt.


Auf einem Platz fand eine Veranstaltung statt, so ganz habe ich nicht begriffen, worum es dabei gegangen war, aber es war für allerhand Unterhaltung für Kinder gesorgt, ein schönes altes Karussell war aufgebaut, und zwischendrin standen immer wieder ein paar Marktstände mit Produkten aus der Landwirtschaft. (Anmerkung: so in etwa wie ich sie heute hier in Florenz gesehen habe.)


Inzwischen war ich recht lange umher spaziert, Souvenirs eingekauft, noch eine Kirche mehr besichtigt, mich an den schönen kleinen Straßen und alten Häusern erfreut; nun wollte ich bitte zunächst die beiden Türme sehen (im Moment ist mein Gehirn etwas leer, jedenfalls einer ist der alte Uhrturm und der andere ist ein wichtiges Bauwerk, auf dem obendrauf Steineichen wachsen). Ganz konsequent dem Stadtplan und auch dem Menschenstrom nach (viele Touristen) fand ich dann sowohl den einen als auch den anderen Turm, jedoch ist es im Städtchen so eng, dass diese Türme förmlich eingequetscht zwischen den Häusern stehen und man nur so wie ich es getan habe, nach oben sehen (fotografieren) kann, mit reichlich Halsverrenken. Egal, ich habe sie mir so weit angeschaut, bin aber nicht hinauf geklettert!




Letzter "Programmpunkt", und nun wollte ich mich wirklich kein bisschen mehr verlaufen, ich war seit Stunden auf den Füßen, hungrig, müde, wollte irgendwann gerne auch den Rückweg antreten. Auf jeden Fall aber wollte ich die Piazza dell' anfiteatro noch bei Tageslicht sehen können!



Ich trat durch einen Torbogen - und alles sah genau so aus wie damals auf dem Foto im Buch! Diesen Platz umgibt ein besonderer Zauber, die Häuser stehen so oval aneinander gebaut um ihn herum, wie in vorchristlicher Zeit das römische Amphitheater hier gewesen war, sogar die Torbögen sind an diesen historischen Stellen. Die Häuser sehen alle leuchtend gelb und blitzeblank aus, an manchen Fenstern flattert Wäsche, unten sind natürlich jede Menge Gastronomiebetriebe im Wechsel mit exklusiven Geschäften. Von diesem Anblick konnte ich nicht wirklich genug bekommen, das war der Höhepunkt dieses Tages.




Um ein wenig dort zu verweilen (und weil ich gehörig hungrig war!) setzte ich mich an einen dieser rot-weiß-kariert gedeckten Tische und verputzte eine Portion Spaghetti. Die Bedienung war mäßig freundlich, vermutlich hat man es nicht nötig (...?...) Egal, ein Caffé hinterher musste reichen, um meine Lebensgeister wieder zu wecken.



Inzwischen hatte ich einen abenteuerlichen Plan gefasst, denn nun wollte ich zurück "nach Hause" ins Hotel hier in Florenz, befand mich aber am nördlichen Stadtrand, der Bahnhof ist aber im Süden der Stadt, und wollte auf jeden Fall verhindern, dass ich mich noch einmal vom Gewirr der alten Gassen durcheinanderbringen lassen sollte. Folglich wollte ich, und so führte ich es auch aus, durch den nächsten Mauerdurchlass aus der Stadt hinaus und um sie herum zum Bahnhof gehen.



Dieses gelang auch ganz gut, aber es war ein heftiger Fußmarsch von über einer Stunde, und es wurde allmählich dunkel, den ich, immer auf dem kiesigen Fußweg zwischen Grünanlage (die vor der Stadtmauer ist) und Hauptverkehrsstraße, absolvierte.



Am Bahnhof endlich angekommen, Anzeiger gelesen (dieses Mal auf "partenza" geachtet), oha, die Bahn fährt sofort (!), Treppe runter, an richtigen Gleis Treppe wieder rauf, schweißgebadet in den Zug gehupft und in den nächstbesten Sitz gefallen und - nichts. Mit zehn Minuten Verspätung setzte sich der Zug in Bewegung, bis dahin hatte ich eine Flasche Wasser geleert und es mir mit einer Zeitschrift gemütlich gemacht. Dieser Zug war dann von der schnellen Sorte, so dass ich nur wenig mehr als eine Stunde für die Rückfahrt benötigte.

+++

(Und immer noch fehlen hier ein bis drei andere Berichte...)

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