Donnerstag, 4. Oktober 2012

Kunst-Overflow


Nachdem ich auf meiner inzwischen Lieblingsbank am Duomo eine "pizza a taglio" verspachtelt hatte, war ich nur eines: müde. Meine leichte Überanstrengung von gestern sitzt mir noch in den Gliedern, aber am Tage hier schlafen, wenn das Zimmermädchen noch nicht fertig ist? Wenn draußen die Stadt wartet und meine Zeit hier sowieso begrenzt ist?


Das Phänomen dieser Stadt ist ja, dass man auf Schritt und Tritt Kirchen, Museen, Kunstwerke hat, man muss gar nicht nach ihnen suchen, sie stellen sich einem einfach in den Weg...



So kam es, dass ich entgegen meiner mittlerweile Gewohnheit anstatt zwischen einmal hinter den Marktständen entlang ging. San Lorenzo und die Cappelle Medicee sind wenige Schritte vom Hotel entfernt, und ich hatte sie noch nicht besichtigt. Zugegeben, ich war etwas lustlos, weil sich nach eineinhalb Wochen eine gewisse Sättigung einzustellen beginnt, schließlich möchte ich mir auch noch merken können, jedenfalls in etwa, was ich wo angesehen habe!




Egal, die Gelegenheit war jetzt und heute! Die Cappelle Medicee (Familiengrab der Medici) ist riesig, Marmor an den Wänden, riesige Sarkophage (Wieviel Sarkophag braucht ein einzelner Mensch?), darauf ein monströses Kissen (auch aus Stein?) mit der jeweiligen Krone drauf, auf zweien Steht eine Figur des Verstorbenen - gewaltig, beeindruckend. Der Fußboden "natürlich" mehrfarbig... So wie das meiste in Florenz (wie ich es auch aus Rom kenne) ist wohl ständig ein Teil in Restauration begriffen. Hier gibt es noch eine Multimediapräsentation der Restaurierungsarbeiten zu sehen. Und dann scheuchte eine Angestellte uns Besucher: auf, auf, wenn wir noch in die Sagrestia Nuova von Michelangelo wollen!

Oha, da hätte ich aber nun doch etwas versäumt! Diese Kapelle wirkt viel heller und enthält Marmorstatuen von Michelangelo, teilweise unvollendete, da der Künstler während der Arbeiten auf immer nach Rom zu verschwinden beliebt hatte! Angesichts der Grabmäler namens "Nacht und Tag" sowie "Morgen und Abend" stelle ich fest, Michelangelo hatte eine Vorliebe für dicke Oberschenkel...

Die Schatzkammer der Medici fand ich nicht so beeindruckend, obwohl sicherlich alles feine Handwerks-/Goldschmiede-usw.-Arbeit ist, ich kann mit dem katholischen Reliquienzeugs nicht viel anfangen.




Einmal dort, bin ich um diesen Gebäudekomplex herum gegangen, direkt an der Kirche entlang, äußerlich ein monströses und abweisendes steinernes Gebilde; entlang der Wand sitzen viele Leute, ringsum führt eine große Treppe hinunter zur Rückseite der Marktstände.


Überall in Kirchen, Museen (Cappelle Medicee sogar mit Sicherheitskontrolle und Handtaschenröntgen) gibt es viel Personal, das gut auf die Touristen aufpasst. Überwiegend herrscht Fotografierverbot, angeblich aus Sicherheitsgründen. Verstehe, wer will.




Jedenfalls kaufte ich (schon wieder! Die Stadt verdient nicht schlecht an mir) ein biglietto für die Basilika San Lorenzo inklusive Museum. Puh, schon wieder ein Museum mit Gold, Silber, Bergkristall, Edelsteinen, Reliquien und so weiter und so fort.

Der Innenhof ist sehr schön, hat Säulengänge, einen Garten, an den Wänden zahlreiche Marmorplatten mit Inschriften. Drei Male bin ich dort herum gegangen - ich fand den Zugang zur Kirche einfach nicht... immerhin durfte ich dort Fotos machen. Des Rätsels Lösung war, dass die Basilika nicht von Kreuzgang aus zu erreichen ist - sondern von draußen. Eigentlich war für neue Besucher schon geschlossen, aber eine Signora vom Sicherheitspersonal hat für mich den Zugang geregelt - sehr nett!

Oh ja, die Basilika ist sehr schön! Sehr hoch, ein bisschen kastenförmig irgendwie, an der Decke goldene Ornamente. Viele Gemälde an den Seiten - die Farben leuchtend, vermutlich wird an dieser Stelle (im Gegensatz zu anderen Kirchen mit Gemälden, die arg dunkel geworden waren) viel Geld für Restaurierungen ausgegeben. Die Vergangenheit war ganz und gar nicht dunkel, über alle Jahrhunderte hinweg haben Menschen Farben geliebt!

Und ich habe dort ein ganz besondere Kunstwerke gefunden (Donatello, Brunelleschi) - weitere Recherche später.

Nach dieser kulturellen Überflutung bin ich ganz gemütlich ein bisschen herum geschlendert, hier und dort in die Schaufenster gesehen... wisst Ihr eigentlich, wie lange es dauert, so einen Blogtext zu schreiben? Genau, ich muss jetzt an meine Hausaufgaben, es beginnt, komplizierter zu werden.



 (geschrieben am 03.10., ca. 20:00 Uhr)

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