Samstag, 29. September 2012

Unterwegs am Nachmittag

Freitagabend, 20:18 Uhr, offline auf der Bettkante (weil das Bett nämlich wirklich gemütlicher ist als der Stuhl- der hier herumsteht- auf dem kann man es nur ein paar Minuten aushalten, so sehr drücken die Stäbe in der Lehne), futternd:

Den weltbesten "Yogurt bianco" und frisches toskanisches Körnerbrot, das man sich etwa wie eines unserer sehr mächtigen weichen Brötchen vorstellen kann, sehr mürbe, mehrere Sorten Körner drin und drauf, Obst und wasser habe ich sowieso hier. Alles wie "Gott in Italien" - die mächtigen Essensgerichte wie beispielsweise gestern, auch wenn sie lecker sind, mag ich nicht jeden Tag essen, denn es lag mir doch etwas schwer im Magen und hatte mich vollkommen außer Gefecht gesetzt.




Das Brot habe ich vom Mercato Centrale, das ist eine riesige Markthalle mit vielen einzelnen Marktständen. Dieser Markt schließt immer um 14 Uhr, daher musste ich mich heute nach der Schule beeilen mit dem Hinkommen - also nur kurz die große Tasche ins Zimmer gebracht (das Putzpersonal war auch noch nicht hier gewesen) - mich medikamentös versorgt (dazu gleich mehr) und neu gestartet. So kam es, dass ich ausnahmsweise in der größten Mittagshitze unterwegs war, nach dem Regen gestern Abend war es heute früh noch bezogen und etwas kühl, windig scheint es irgendwie ständig zu sein, jedenfalls ab Mittag war hier wieder Hochsommer!


Der reine Augenschmaus und vermutlich auch Mund- und Magenschmaus, um jedoch von den Verkäufern mit Teststückchen (Salami, Schinken, Käse) bedacht zu werden, war es ein wenig spät, man dachte eher daran, die Kundschaft abzufertigen und aufzuräumen. Aber das Brot lachte mich an; es übrigens erstaunlich, dass mich die süßen Teilchen nicht verlocken, sie sehen zwar schön aus, aber Appetit bekomme ich einfach nicht, so entwöhnt bin ich vom Zucker.

Die Obst- und Gemüsestände sahen ebenfalls verlockend aus; da ich hier ja nicht koche, blieb mir nur übrig, mir Obst auszusuchen. Drei kleine Pfirsiche, wieviel? Trentasette. Wieviel? Trentasette. Ich grübelte fieberhaft: 37? Er hatte doch nicht 3,70 gesagt? Tatsächlich kosteten die drei Pfirsiche 37 Cent! Das habe ich Zuhause seit Jahren nicht erlebt!

Eigentlich war heute geplant, dass ich nach Unterrichtsschluss gemeinsam mit einigen Mitschülerinnen einen Weg mache, jedoch war ich mit so dick verquollenen, roten Augen aufgewacht, die Augenlider hatten auch richtige Schwellungen mit Flüssigkeit, dass mich das doch einigermaßen fertig gemacht hatte. Während des ganzen vormittags juckten und brannten die Augen und ich hatte richtige Tränensäcke - zum Fürchten, echt. Das hatte mir wirklich die Laune verdorben... Daher beschloss ich bei meiner Stippvisite im Hotelzimmer, zu meiner "Holzhammer-Notlösung" zu greifen und einen Tablettenbomber einzuwerfen. Ich kann mich erinnern, dass ich genau das gleiche schon vor einigen Monaten einmal gehabt hatte und auch zu dieser Lösung gegriffen hatte. Damit ist die Ursache erstmal egal (ich befürchte eine Allergie gegen irgendwas hier im Zimmer, wofür mein normales Antihistaminikum nicht ausreicht). Sonnenbrille aufgesetzt und auf zu den Markthallen! Ich fand einiges, was ich evtl. gern mit nach Hause nehmen würde, muss aber mein Gepäck (und meine Finanzen) im Blick behalten.


Danach wanderte ich weiter, fast automatisch stand ich wieder vor dem Dom, das ist ja auch nur ein Katzensprung, dieses Mal beschloss ich, hinein zu gehen - schon wegen der Abkühlung :-)) Erstaunlicherweise war der Eintritt frei (für viele Kirchen wird hier ein Obolus genommen) - nur das Hochsteigen in die Kuppel hätte 8 Euro gekostet, wie Ihr wisst, ist klettern nicht so wirklich etwas für mich. Also hinein in den Duomo!






Santa Maria del Fiore, das Fotografieren ist erlaubt, auch das ist hier ganz unterschiedlich. In der Kirche sind ein paar Absperrungen, so dass Besucher sich an einen bestimmten Parcours halten sollten, kein Problem. Das Innere ist erstaunlich anders als das Äußere vermuten lässt, weniger hell und freundlich, aber doch nicht so düster, wie mir angekündigt war. Das berühmte Dante-Gemälde "in echt" gesehen - ganz schön, ein bisschen enttäuschend, da kleiner als vermutet und die Leuchtkraft der Farben in der Kirche nicht so deutlich wird wie auf sämtlichen Kunstdrucken. Am besten gefallen haben mir der Fußboden, außerdem natürlich die Kuppel mit den Fresken, die Größe des Raumes und die angenehme Atmosphäre.

Sodann einen schönen kleinen Spaß-Einkauf getätigt (ich kann hier nicht alles verraten) und einen Becher Obst auf einer Bank vor dem Duomo vertilgt.


Nach dieser Stärkung einfach drauflos spaziert, wobei ich von eigentümlichen Bauten förmlich angezogen wurde (immer auf der Suche nach Fotomotiven, ist klar!). So stand ich vor der Chiesa di Orsanmichele, auch hier ist der Eintritt frei, aber das Fotografieren verboten. Als kleine Entschädigung liegen einige Postkarten mit Abbildungen gratis bereit.




In so einer Kirche kann man prima sitzen, sich abkühlen und in Ruhe den Blick schweifen lassen. Hier gefielen mir am meisten die Fresken (wo Rom seine Putten und Goldschnörkel hat, hat Florenz Fresken) und die runden Kirchenfenster. Auch hier wieder: Alles leuchtet in den schönsten Farben. (Florenz ist für mich die Stadt der leuchtenden Farben.)

So allmählich verlangte es mich nach etwas Ruhe, aber ich habe unterwegs noch so ein Buch der Art "Florenz-gestern und heute" gefunden, Töchterlein weiß, was ich meine, genauere Vorstellung folgt in den nächsten Wochen. Auf Deutsch war es nicht da, aber mein Italienisch ist gut genug, dass ich diese Texte inzwischen wenn auch nicht fehlerfrei, so doch lesen kann, eben Sinn entnehmend.

Am Abend war ich dann wieder draußen, dieses Mal habe ich den Hauptbahnhof erkundet, mit gutem Grund, für morgen habe ich einen Ausflug geplant.*) vorher im Netz informiert über den Fahrplan, die Preise, die Fahrtdauer. Erste Orientierung im Hauptbahnhof ist gelungen, Tickets können mit Selbstbedienung und ec-Karte gezogen werden, das Terminal gibt sogar vor, auch Deutsch zu können - schaun wir mal.

Zu Terminal fällt mir noch ein: Heute Nachmittag hatte ich Geld per ViSA-Karte abgehoben; das hatte ich vor einem Jahr in Bracciano ja auch gemacht. Dieses Mal begrüßte mich der Automat sofort nach Einschieben der Karte in deutscher Sprache mit dem Barabhebungsmenü, der Vorgang war schneller erledigt als man bis drei Zählen konnte. Die Quittung wurde auch auf Deutsch gedruckt. (Ich schrieb ja schon einmal, dass hier Deutsch und Englisch die meistgehörten Sprachen sind, Chinesisch mal ausgenommen. Die zahlenmäßig meisten Touristen scheinen Chinesen zu sein.)

Von zwei Dingen kann ich jetzt aus Zeitgründen nichts mehr erzählen:

1. Piazza dell' Indipendenza am Abend
2. Sprachkurs: Präpositionen, ich verliere den Glauben an die deutschen Lehrbücher

Nun muss Netti ans Stromnetz, damit Ihr morgen früh wieder etwas zu lesen bekommt.
Buonanotte!


*) Ich habe fünf Minuten lang mit dem Gedanken gespielt, an meinem letzten Tag nächste Woche einen Ausflug nach bella Roma zu machen, als ich die Zuganzeigetafeln gelesen hatte! Es wäre so einfach... Nein, ich mag Florenz, sehr sogar, aber in Rom bin ich inzwischen irgendwie heimisch ;-)

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