Samstag, 2. Juni 2012

Zwanzig Jahre später

Normalerweise gönne ich sonnabends meiner Haut und meinen Augen eine Ausruhpause vom täglichen Make-up. Ich habe keine Ahnung, warum ich heute eine Ausnahme machte und mich wunderfein zurecht machte, vielleicht aus Routine, vielleicht auch nur aus "Spaß an der Freund", sei's drum.

Im Supermarkt traf ich Frau "das Jahr ist wieder um", die früher auf Bio-Öko-Trip war und vehement gegen Tu.-Plastikdosen zu Felde zog. Meine Kinder werden jetzt wissen, von wem ich spreche. Wir standen also eine Weile mit unseren Schiebewagen als quasselndes Hindernis in den Gängen, wobei ich hauptsächlich nach ihren Töchtern fragte - und ihrem Oma-Dasein. Die ältere Tochter hat einen 20-monatigen quirligen Jungen, die jüngere - nun ja, hat wohl nicht viel Lust auf ihre Mama und lebt in ostdeutscher Hansestadt. - Hier war ich das erste Mal froh, heute besonders gut auszusehen. Frau B. hatte das übliche Outfit, Schlabberdies und Schlabberdas, dazu Hängehaare und Faltengesicht. Und hat garantiert kein Internet und keine Ahnung von meinem Blog.

Als ich mich zu meinem zweiten "Ausflug" aufmachte, traf ich auf dem Bahnsteig Frau Rothaar "wir sind ja so gut drauf und haben immer etwas zu lachen" in Begleitung einer Freundin auf dem Wege zu einer Veranstaltung. Boah, wieder war ich froh, dass ich gut aussah - und keine leuchtenden langen Haare habe. Wir unterhielten uns einige Zeit - natürlich wieder über unsere Kinder. Dass Frau A. nun beim Berichten diverser Dramen ständig lachte... das war schon immer ihre Art, über Probleme zu sprechen... befremdlich.

Ich stelle fest, dass alle die früheren Wunderkinder, die selbstverständlich ein 1er Abi haben (stimmt nicht ganz, hört sich aber so an), inzwischen alle zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, sehr wohl Probleme haben, beruflich Fuß zu fassen. Das sage ich ohne Häme, es waren alles ganz normale Kiddies, und wir (alleinerziehenden) Frauen haben uns jahrzehntelang alle erdenkliche Mühe mit ihnen gegeben - jede auf ihre eigene Art.

Es ist etwa 20 Jahre her, dass ich sowohl mit der einen als auch der anderen Frau befreundet war, aus verschiedenen Gründen sind wir es heute nicht mehr. Aber wenn wir uns begegnen, unterhalten wir uns und interessieren uns hauptsächlich für den Werdegang unserer Kinder.

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